Sakrileg (gebundene Ausgabe) / Dan Brown Testbericht

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Erfahrungsbericht von Anonym114

Verschlungen

Pro:

wahnsinnig fesselnd, reale Hintergründe werden faszinierend in die Geschichte eingebunden

Kontra:

irgendwann hat man den Roman \"ausgelesen\"

Empfehlung:

Ja

Wenn man in der Buchhandlung ein Regal voll schwarzer Umschläge sieht, dann ist eins wahrscheinlich: Es handelt sich wohl im Romane von Dan Brown. Seine Bücher stürmen die Bestenlisten. Aber sind sie auch wirklich so fesselnd? Nachdem eine Kollegin die Brown-Romane verschlungen hatte, wollte ich sie auch mal probieren. Ich hatte mich entschlossen, mal probeweise für ein Jahr Mitglied im Club Bertelsmann zu werden. Als Begrüßungsgeschenk gab es fünf frei ausgewählte Bücher, darunter war für mich dann auch Browns Sakrileg.

WAS IST EIN SAKRILEG?
Umgangssprachlich bedeutet das Wort für mich der Verstoß gegen wichtige Regeln. Gar nicht ganz verkehrt, aber es geht auch genauer: Denn das Wort stammt aus dem Lateinischen, sacrilegium bedeutet soviel wie Tempelraub. Es handelt sich also um die Entweihung geheiligter Orte oder Sachen. Dass der Titel zutrifft, erfährt man beim Lesen.


DIE HAUPTFIGUREN:
ROBERT LANGDON:
Den Harvard-Professor, der Mitte 40 ist, kennen Leser von Dan Brown auch aus anderen Romanen. Er ist DIE zentrale Gestalt auch in dieser Geschichte. Denn Langdon ist Fachmann für religiöse Symbologie, er weiß Zeichen zu deuten und hat ein großes historisches Wissen.
Der Leiter des berühmten Pariser Museums Louvre lädt ihn ein. Unvermutet wird Langdon zum Hauptverdächtigen in einem Mordfall. Auf der Flucht muss er einige Rätsel lösen. Dazu ist sein Wissen gefragt, seine Neugier wird heraus gefordert. Und alles mit zwei Zielen: Langdons Unschuld unter Beweis zu stellen und einem Geheimnis auf die Spur zu kommen, das auch für den Dozenten von besonderem Interesse ist.
Langdon ist ein echter Sympathieträger: Klug, ohne altklug zu wirken, einer, der Geschichte und Geschichten spannend erzählt, einer, den wohl so ziemlich jeder gerne als Lehrer oder Dozenten hätte, weil er nicht mit erhobenem Zeigefinger seine Ansichten predigt, sondern weil er fesselnd sein Wissen weiter gibt und gleichzeitig gespannt darauf ist, neues zu lernen.

SOPHIE NEVEU:
Die junge Frau lernt man als erstes durch die Augen ihres Vorgesetzten kennen. Er hält nicht viel von der Expertin für Entschlüsselung geheimer Botschaften. Und er ist verärgert, dass die junge Frau ihn in einem wichtigen Verhör stört.
Doch kaum hat man diese ersten Details erfahren, lernt man Sophie von einer ganz anderen Seite kennen: Sie ist gewitzt, trickst ihren Chef aus. Dem liefert sie eine Begründung für ihr Erscheinen, die sich dann aber nur als Vorwand erweist, um Langdon vor seiner bevorstehenden Festnahme zu warnen. Auch insgesamt ist die junge Frau clever. Sie hilft Langdon bei der Flucht und löst mit ihm gemeinsam ein großes Geheimnis.
Sophie Neveu ist ein wenig stellvertretend für den Leser: Mit ihr erfährt man die Hintergründe und Zusammenhänge, die Robert Langdon liefert. Doch sie ist nicht nur Lernende, sie wird zur handelnden Figur, weil sie selber mit ihren Ideen die Geschichte voran treibt.

SIR LEIGH TEABING:
Für Langdon und Neveu wird der steinreiche, besessene Gralssucher zu einer wichtigen Hilfe. Sein Wissen ergänzt sich mit dem der beiden, er ermöglicht ihnen die Flucht aus dem Land. Dabei erscheint er (so absurd das klingt) durch eine Gehbehinderung hilfreich.

SILAS:
Ein Mönch als Mörder oder ein Verbrecher, der zum Glauben fand. Silas ist eine zwispältige Persönlichkeit, wirkt im Zusammenhang des Romans aber als der Böse. Der Albino war schon als Kind Außenseiter, erst recht, nachdem er mit sieben seinen Vater erschlagen und von zu Hause geflohen war. Aufgrund seiner Andersartigkeit wurde er immer geärgert, so lange, bis er stark genug war, sich zu wehren und im Gefängnis landete. Er floh, wurde von einem Geistlichen gerettet. Aus Dankbarkeit kehrte er sich dem Glauben zu, wurde Mitglied des Opus Dei. Für die Kirche begann er wieder zu morden.

DER GRAL:
Jeder, der wie ich mal die Ritterfilme um die Legende von König Artus und dem geheimnisvollen Camelot zu tun hat, kennt die Geschichte vom heiligen Gral. Er soll seinem Besitzer irdisches und himmlisches Glück bringen. Doch auch aus dem kirchlichen Umfeld ist der Gral bekannt. So wurde er unter anderem als Abendmahlschüssel Jesu beschrieben.
In Dan Browns Sakrileg erhält der Sangreal, der Gral, eine neue Bedeutung.


OPUS DEI:
Der lateinische Ausdruck heißt soviel wie das Werk Gottes. Opus Dei ist Teil der katholischen Kirche, als einzige Personalprälatur (Jurisdiktionsform für Weltgeistliche (Priester und Diakone)) steht sie der Spitze des Vatikan nahe. Durch konservative Ansichten geriet Opus Dei in die Kritik.

DIE GESCHICHTE:
Jacques Sauniere, der Direktor des Louvre, ist noch im Museum. Er reißt an einem Bild. Ein überdimensionaler Käfig schließt sich, Saunerie bekommt einen Bauchschuß. Sein Mörder, Silas, will ihm ein Geheimnis entlocken. Dann flieht er. Denn er weiß: Saunieres wird innerhalb der nächsten zwanzig Minuten an der tödlichen Verletzung sterben.
Langdon hätte am Abend ein Treffen mit Sauniere haben sollen. Doch der war nicht gekommen. In seinem Hotelzimmer wird der Dozent von der Polizei überrascht, genauer gesagt von der französischen Staatspolizei, die dem amerikanischen FBI entspricht. Der Harvard-Professor, so wird ihm gesagt, soll helfen, ein Verbrechen zu lesen. Denn Sauniere hat vor seinem Tod noch eine Botschaft auf den Boden geschrieben. Er lag zudem nackt, mit Armen und Beinen von sich gestreckt, in einem Kreis. Erst langsam erkennt Langdon, dass Capitain Bezu Fache in anscheinend für einen Verdächtigen hält. Mitten in das als Expertengespräch getarnte Verhör am Tatort platzt Sophie Neveu. Angeblich hat sie den Zahlencode, den der Tote auf den Boden geschrieben hat, geknackt. Außerdem soll sie, so sagte die junge Ermittlerin, Langdon eine Nachricht übermitteln. Die Nummer, die er wählt, führt ihn zu Neveus Anrufbeantworter. Sie warnt ihn, dass er als Verdächtiger gilt und bittet ihn zu einem Gespräch unter vier Augen. Gemeinsam gelingt den beiden die Flucht.
Langdon erfährt von der Ermittlerin, dass Sauniere ihr Großvater war und dass der Louvre-Direktor einer Geheimgesellschaft angehörte, den Prieure de Sion. Gemeinsam kommen sie hinter die Botschaft, die er vor seinem Tod hinterlassen hat: Er selbst als Nackter in mitten eines Kreises stellte ein berühmtes Werk von Leonardo da Vinci dar. Und da Vinci war ebenfalls zu seiner Zeit ein führendes Mitglied der Bruderschaft. Hinter einem anderen Werk des Meisters findet Sophie einen Schlüssel. Er öffnet ihnen ein Schließfach einer Schweizer Bank. Dort entdecken Neveu und Langdon den nächsten Teil des Rätsels. Eine Art Schnitzeljagd beginnt. Um hinter das Geheimnis zu kommen, bittet Langdon seinen Kollegen, den Grals-Experten Sir Leigh um Hilfe,

MEINE MEINUNG:
Es ist ein Kinderspiel, das auch große Leute fasziniert: Die Schnitzeljagd. Mit jedem Schritt kommt man der Auflösung ein Stück näher. Zugleich werden immer neue Geheimnisse enthüllt. Die zweite Faszination ist es, dass man zugleich lernt, sich aber immer bewußt sein muss, dass die Gradwanderung zwischen Fakten (z.B. dass es Opus Dei wirklich gibt, dass alle genannten Kunstwerke real existieren) und der Fiktion, dem Auffinden, dem Aufdecken des Geheimnisses (das so auch zu einem Großteil der Phantasie von Dan Brown entspringt), doch sehr eng ist. Man lernt beim Lesen, aber kann nicht sicher sein, ob die ganzen Hintergründe, die sehr anschaulich von Langdon geschildert werden, wirklich wahr waren.
Obwohl es sich um eine Handlung handelt, die so wohl niemandem von uns passieren wird, hat man nicht den Eindruck, dass die Geschichte völlig an den Haaren herbei gezogen ist. Das mag auch an den gut dargestellten Figuren liegen, die Sympathie wecken und deren Schicksal und deren Entdeckungen man mit verfolgen und mit erleben möchte.

DIE AUSGABEN UND PREISE:
Wie schon angedeutet: Ich habe das Sakrileg in der Bertelsmann-Clubausgabe und zwar in der gebundenen Version. Pauschal habe ich dafür nur einen Versandkostenanteil von einem Euro gezahlt. Die Ausgabe zeichnet sich zwar durch ein interessant gestaltetes Cover aus: Auf dem schwarzen Untergrund sieht man ein Kreuz (das Symbol der Prieure) durch das ein Stück des Portraits der Mona Lisa scheint. Negativ fällt mir bei dieser Ausgabe aber auf, dass das Papier sich recht billig anfühlt und die Seiten nicht sauber geschnitten sind. Die Nummer, die meine Ausgabe hat, ist die : 10324-2. Sie ist 804 Seiten dick und kostet regulär bei Bertelsmann 16,95.
Zuletzt habe ich im Club auch eine Zwitterform von Dan-Brown-Büchern gesehen, ein Mittelding zwischen Taschenbuch und gebundener Ausgabe. Dafür zahlt man 12 Euro, hat einen sehr dünnen Einband, der aber auf den ersten Blick wie ein gebundenes Buch wirkt. Vorteil ist, dass das Buch dann handlich wirkt, Nachteil, dass die Hülle sehr leicht knickt.
Last but not least der klassische Weg im normalen Buchhandel: Hier habe ich das Sakrileg gebunden für 12 Euro gesehen. Ach ja, und noch was: Ebay. Hier lohnt es sich nach meinem Eindruck noch nicht: Die gebrauchten Bücher erreichen ähnlich hohe Werte wie der Neupreis. Das bringt höchstens den Leuten etwas, die das Sakrileg dann doch nach dem Lesen wieder los werden möchten.

FAZIT:
In der letzten Zeit habe ich immer mal wieder auch über Romane von Elizabeth George geschrieben, die ich sehr spannend fand. Doch das Sakrileg mit seinen verschlungenen Wegen, mit seiner Schnitzeljagd durch Fakten und Fiktion, war für mich noch fesselnder. Das mag daran liegen, dass Brown vor allem seine sympathische Hauptfigur Langdon auf einfache und verblüffende Weise Hintergründe teils bekannter historischer Zusammenhänge erklären lässt. Das mag auch mit an den erstaunlichen Wendungen nehmen, die die Geschichte so interessant machen. Ich habe mich schon lange nicht mehr so darauf gefreut, ein Buch weiter zu lesen.
Auch wenn die Bertelsmann-Ausgabe aus meiner Sicht nicht die optimale ist (dünnes Papier und schlecht geschnittene, fransige Seiten sehen nicht gerade gut aus), so kann ich doch sehr empfehlen, den Roman zu lesen.

39 Bewertungen, 5 Kommentare

  • Mondlicht1957

    02.08.2008, 15:35 Uhr von Mondlicht1957
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich und ein schönes WOchenende LG Pet

  • Baby1

    14.01.2007, 11:14 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    * ~~ * Lieben Gruß Anita * ~~ *

  • Scigy

    17.01.2005, 17:54 Uhr von Scigy
    Bewertung: sehr hilfreich

    ... kann ich nur bestätigen. Ich hatte es als Hörbuch und da war es umwerfend. Hat mir noch besser als Illuminati gefallen, das allerdings hatte ich (selbst)gelesen. LG - Scigy

  • Stepnwolf

    15.01.2005, 00:22 Uhr von Stepnwolf
    Bewertung: sehr hilfreich

    ... die Bücher "Meteor" und "Illuminati" und fand beide sehr gelungen. "Sakrileg" steht noch auf meiner Liste, aber da warte ich bis zur billigeren TB-Ausgabe. Gruß Stepnwolf

  • Travelwriter

    09.01.2005, 02:51 Uhr von Travelwriter
    Bewertung: sehr hilfreich

    Das war jetzt aber sehr spannend beschrieben! lg Andreas