Sakrileg (gebundene Ausgabe) / Dan Brown Testbericht
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Erfahrungsbericht von winterspiegel
Unser Weltbild, alles Lug und Trug?
Pro:
Packende Verbindung von Krimi und Historiendrama, Browns Erzählstil, gut recherchiert mit wissenswerten Details
Kontra:
Für manch einen vielleicht der Schluss
Empfehlung:
Ja
Die besten Erzählungen sind ja bekanntlich diejenigen, die einen schon nach wenigen Sätzen in das Geschehen hineinziehen können. Browns Verschwörungsthriller um
Handlung
In den ehrwürdigen Hallen des Pariser Louvre geschieht ein heimtückischer Mord. Nicht unweit des berühmtesten Ausstellungsstücks des Museums – der Mona Lisa - wird der Direktor Jacques Sauniére niedergeschossen. Der Täter hat aber vorher dem Direktor ein Geheimnis entlocken können, das den Mörder und seine Hintermänner scheinbar in den Besitz eines Gegenstandes von so hoher Brisanz bringen kann, um damit das Weltgefüge auf den Kopf stellen zu können. Mit allerletzter Kraft schleppt sich Sauniére in die Grande Galerie, wo die bedeutendsten Kunstwerke des Louvre ausgestellt sind.
Robert Langdon, Professor für religiöse Symbolkunde wird mitten in der Nacht aus dem Bett geholt. Umgehend bringt ihn ein Beamter zu Capitaine Bezu Fache, der im Mordfall des Museumsdirektors die Ermittlungen aufgenommen hat. Langdon wurde zwar über den Vorfall informiert, dennoch fragt er sich was er mit der Ganzen Sache eigentlich zu schaffen hat. Als Fache den Professor an den Fundort der Leiche bringt, ist er erst einmal über die Anordnung der Leiche völlig verblüfft. Der Direktor hat sich in seinen letzten Minuten bevor er gestorben ist, in eine ziemlich ungewöhnliche Stellung gebracht, die der Polizei scheinbar viele Rätsel aufgibt.
Langdon entdeckt auch seinen eigenen Namen unter einer Vielzahl mysteriöser Zeichen, die er noch nicht ganz deuten kann. Doch für Fache steht der Täter schon fest. Er will Langdon - der sich eigentlich mit dem Museumsdirektor treffen hätte sollen, und für die Polizei deshalb als Verdächtiger in Frage kommt - durch eine seiner gefürchteten Verhörmethoden überführen. Aber ehe es dazu kommen kann, tritt die Dechiffrierungsexpertin Sophie Neveu auf den Plan. Sie gibt Langdon zu verstehen, dass er als Sündenbock herhalten soll, und sich in seiner Tasche ein Peilsender befindet.
Es gelingt den Beiden den Capitaine reinzulegen und eine Flucht vorzutäuschen. Professor Langdon und Sophie Neveu, die die Enkelin des ermordeten Sauniére ist, kehren aber an den Ort des Verbrechens zurück. Hier machen sie sich sogleich an die Entschlüsselung des Rätsels. Denn der Museumsdirektor hat vor seinem Ablegen noch eine ganze Menge versteckte Hinweise hinterlassen. Er war anscheinend auch der Kopf eines Geheimbundes, hinter dessen Geheimnis eine sehr mächtige kirchliche Organisation kommen will.
Robert Langdon und Sophie Neveu wird langsam klar, dass sie sich selber auf die Suche machen müssen, um erstens: Die Unschuld des Professors zu beweisen, - und zweitens: Hinter ein schier unglaubliches Komplott zu kommen, dessen Beweise die größten Männer ihrer Zeit schon seit Jahrhunderten versuchen vor der Weltöffentlichkeit zu verbergen …
Kritik
Dan Browns Hauptdarsteller Robert Langdon hatte es ja schon in Illuminati mit dunklen Machenschaften irgendwelcher ominösen Geheimbünde zu tun. Dieses Konzept wird hier in äußerst interessanter Form weitergestrickt. Die Bezüge zum Vatikan-Thriller sind aber nur sporadisch eingeflochten, und deswegen kann vorliegendes Werk sicher ohne weiteres genossen werden, ohne dass man vorher unbedingt Illuminati gelesen haben muss.
Und ich denke ein Genuss ist dieser Roman in vielfältiger Weise zweifellos. Das fängt schon mit dem ansprechenden äußeren Erscheinungsbild an. Der Gustav Lübbe-Verlag hat sich augenscheinlich einige Mühe bezüglich der Buchgestaltung gegeben: Schwarzer Schutzumschlag mit vorwiegend blutroter Grafik und erhabener Prägeschrift geben einen hervorragenden ersten Eindruck ab, der sich mit den im Innenteil befindlichen Stadtkarten von Paris und London zu einem gefälligen Ganzen verbindet.(siehe Bilder zu meinem Bericht auf ciao.com)
Anhand dieser hübsch gezeichneten Orientierungshilfen können nach belieben die verschiedenen Stationen der Handlungsgeschichte nachvollzogen werden, die sich überwiegend auch in den beiden Metropolen Europas innerhalb von nur wenigen Stunden abspielt.
Hier dürfen sich natürlich vorwiegend die Liebhaber von Verschwörungstheorien auf eine ungemein spannende Reise freuen, die sich auf den ersten Blick im Gewand einer herkömmlichen Kriminalgeschichte präsentiert, um aber sehr bald in die Gefilde von geschichtlichen Fakten und historischen Hypothesen einzutauchen. Das eben dieser Pfad auf dem sich das Buch dann bewegt sehr schmal ist, zeigt uns der Autor sehr anschaulich und selbst für den Laien verständlich anhand von Geschichten á la „mal angenommen es wäre alles ganz anders, als es uns die Schulweisheit glauben machen will.“
Zahlen- und Zeichensymbolik, Motive aus der Kunst (hier insbesondere die Werke von Leonardo da Vinci) und verschiedene bekannte Legendenbildungen, werden von Brown - der ganz offensichtlich keine Recherchen gescheut hat, und alles was irgendwie interessant sein könnte dann auch einbrachte - zu einem kniffligen aber dennoch passgerechten Puzzle zusammengetragen.
Hier liegt wohl auch die große Stärke des Autors. Denn es sind sicher nicht unbedingt die Beschreibungen der Kriminalgeschichte an sich, die Dialoge seiner Protagonisten, oder gar die Actionpassagen, die sich für mich in herausragender Form präsentieren, sondern ganz klar dann, wenn Brown mit viel Sachkenntnis über faszinierende Zusammenhänge von Kunstwerken, versteckter Symbolik und Kirchengeschichtliche zu dozieren beginnt.
Deshalb ist man wohl auch als neugieriger Leser scharf darauf, mehr von dieser wissenswerten Thematik in Erfahrung zu bringen. Und deswegen werden sich sicherlich nicht wenige nach der Lektüre des Buches so motiviert fühlen, dass bestimmt manch einer seine eigenen Recherchen anstellen wird, um z.B. sich selber auf einen Streifzug durchs Internet zu begeben, um die Angaben und Spekulationen des Autors auf ihre Richtigkeit überprüfen zu wollen. Viele Orte - wie Kirchen oder der Louvre mit seinen Gemälden, aber auch sonstige Einzelheiten die im Roman beschrieben wurden, verleiten schnell zu einer sehr fesselnden und aufschlussreichen Schnitzeljagd, die sich weit über das Buch und die eigentliche Geschichte darin ausbreiten kann.
Der Schreibstil ist durchweg unkompliziert. In - soweit das möglich erscheint – kurzen und klaren Sätzen geschrieben, die die Handlung rasch nach vorne bringt ohne allzu ausschmückend zu werden, aber dennoch letztendlich zu packen versteht. Brown versteht es fast wie kein Zweiter innerhalb kurzer Abschnitte spannende Fragen aufzuwerfen, oder gar immer wieder mal einen Mini-Cliffhanger einzubauen, um seinen Lesern die Seiten unter den Nägeln brennen zu lassen. Die Wartezeit bis zur Lösung der kleineren Rätsel ist dann auch Gott sei Dank meist relativ kurz.
Die Erzählung wurde auch in ziemlich viele einzelne Kapitel aufgeteilt. Ein Aus- und Einstieg in die Geschichte ist so jederzeit ohne größere Schwierigkeiten machbar, auch wenn die meisten Leser sich wohl dazu genötigt sehen werden durch die Zeilen zu fliegen, wenn sich die Geschehnisse in einer atemberaubenden Geschwindigkeit entwickeln, sich überkreuzen und langsam ein immer deutlicheres Gesamtbild ergeben, das sicherlich nicht wenige verbluffen wird.
Fazit
Lesefreunde die von kirchlichen Angelegenheiten bisher so viel wissen wollten wie der Teufel vom Weihwasser, sollten sich von ihrer Abneigung spätestens jetzt lösen und diesen Roman, der für mich zumindest ein kleines Meisterwerk der jüngeren Spannungsliteratur darstellt einmal näher ins Auge fassen.
Dan Browns so plausibel daherkommende Darlegungen von Bibelgeschichtlichem, die Welt der Kunst, sowie tiefgründige Bedeutungen von Zahlen und Symbolen, sind so geschildert, dass sie jederzeit verständlich und nachvollziehbar sind. Seine Sichtweisen regen zum Nachdenken (und Nachrätseln) an, und sind so einleuchtend formuliert, dass man ihm seine spekulative Geschichte ohne weiteres abzunehmen beginnt.
Meiner Meinung nach hat das Buch in Grunde kaum Schwächen, auch wenn neben den leichten Einschränkungen in der Beschreibung von Alltagssituationen, unter Umständen der Schluss für manch einen nicht ganz so befriedigend ausfällt wie möglicherweise gewünscht. Doch je mehr es ein Schriftsteller schafft die Erwartungshaltung bis zum Ende aufrechtzuerhalten, desto schwerer ist es natürlich diese dann auch ganz am Schluss erfüllen zu können. Trotzdem bin ich alles in allem auch mit dieser im Buch eingebrachten Lösung einverstanden, vielleicht gerade auch deshalb, weil ich für derlei Ausgänge eine kleine Schwäche habe.
Ich habe versucht in meinem Bericht so gut es ging nicht auf nähere Einzelheiten einzugehen, da wie ich finde speziell in diesen Fall sonst ein Gutteil der Spannung schon im Vorfeld verloren gehen könnte. Es ist ein wenig wie bei einem Ratespiel bei dem man die Antworten vorgesagt bekommt und einem der Spaß verwehrt wird, durch eigene Kombinationsgabe auf die Lösung zu kommen.
Das Buch ist wie eine Sinndeutung für ein Mosaik, das wir alle kennen, dass aber angeblich und absichtlicher Weise falsch zusammengesetzt wurde. Was gibt es dann wohlig-nervenaufreibenderes als nach und nach hinter die fadenscheinigen Kulissen solch einer spektakulären Scharade zu blicken, und sich ihre Entschlüsslung Seite für Seite herbeizusehnen.
© winterspiegel für Ciao & Yopi
Sakrileg
Roman
Dan Brown
Gustav Lübbe Verlag
605 Seiten
Preis: ca.20 Euro
55 Bewertungen, 4 Kommentare
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12.02.2007, 18:33 Uhr von Clarinetta2
Bewertung: sehr hilfreichEin plus dazu
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18.02.2005, 13:44 Uhr von Tris.
Bewertung: sehr hilfreichDieses Buch hat ja überall seine fanatischen Anhänger. Vielleicht sollte ich es doch mal lesen.
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11.10.2004, 13:20 Uhr von mima007
Bewertung: sehr hilfreichneulich den Artikel über den vom Da-Vinci-Code ausgelösten Touristenansturm in Paris in der "Süddeutschen" gelesen? Einfach genial! VG; mima
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10.10.2004, 22:25 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichgerade illuminati, also das hier hört sich auch gut an, vielleicht werde ich mir das dann auch mal zu legen :o)
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