Sakrileg (gebundene Ausgabe) / Dan Brown Testbericht

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Erfahrungsbericht von dottigross_juliaa

Wer ist mein unsichtbarer Gegner?

Pro:

Spannung | interessantes Thema

Kontra:

Eine nicht endende Schnitzeljagd | von verkitschten Liebesgeschichten sollte Brown die Finger lassen

Empfehlung:

Ja

Ich habe viel Gutes über das Buch *Illuminati* gehört und als ich es las, war ich bitter enttäuscht. Weder konnte ich mich mit dem Thema noch mit dem Schreibstil des Autors anfreunden. Deshalb wollte ich eigentlich kein weiteres Buch von Dan Brown zur Hand nehmen.

Als mir jedoch schon Ende des Jahres 2003 der Nachfolgeroman *Sakrileg* in die Hände fiel, konnte ich mich einfach nicht drücken. Denn der Clou an der Sache war klar: Das Buch sollte erst im Februar 2004 erscheinen und ich hatte die Möglichkeit, es schon über zwei Monate vor der offiziellen Veröffentlichung zu lesen. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen.


Inhalt
+++++

Der Harvard-Professor Robert Langdon, der dem interessierten Dan-Brown-Leser schon aus *Illuminati* bekannt sein sollte, weilt zur Zeit in Paris, wo er Vorlesungen über Symbologie hält. Mitten in der Nacht wird er von Inspector Fache zum Louvre beordert. Dort liegt der Direktor des Museums tot im großen Gemäldesaal, seltsam verkrümmt und von eigenartigen Schriftzeichen umgeben, die nur unter einer besonderen Lichtquelle zu entziffern sind:
13-3-2-21-1-1-8-5
O, Draconian devil!
Oh, lame saint!
Langdon ahnt noch nicht, dass der Inspector die letzte Zeile ausradiert hat und er deshalb unter direktem Mordverdacht steht: *P.S. Robert Langdon suchen!*

Sophie Neveu ist die Enkelin des ermordeten Direktors und erfährt eher durch Zufall vom Tod ihres Großvaters. Sie ist Kryptologin bei der Poilizei und wird mit der Entzifferung der Schriftzeichen beauftragt. Sophie hatte seit einem seltsamen Vorfall vor 10 Jahren keinen Kontakt mehr zu ihrem Großvater. Doch nun glaubt sie, dass ihr Großvater ihr vor seinem Tod eine geheime Botschaft übermittelt hat. Um diese Botschaft zu entziffern, benötigt sie jedoch Langdons Hilfe, weshalb sie ihm zur Flucht vor der Polizei (Inspector Fache) verhilft.

Eine teilweise makabre Schnitzeljagd, die ihnen durch geheimnisvolle Zeichen und Versen den Weg weist, führt Sie zum bedeutensten Symbol des Christentums: dem Heiligen Gral. Doch eine mysteriöse Organisation namens Opus Dei versucht die Aufdeckung des kirchlichen Geheimnisses durch Langdon und Sophie zu verhindern. Und diese Leute schrecken auch nicht vor einem Mord zurück. Nun flüchten sie also nicht nur vor der Polizei, nein, sie werden auch von *unsichtbaren* Gegnern verfolgt. Denn sie wissen nicht, wer dieser Organisation angehört... wer Freund und wer Feind ist!


Meinung
++++++++

Ich muss nochmals auf das Buch *Illuminati* zurück kommen. Die langatmige und sehr ausholende Schreibweise von Dan Brown störte mich ungemein. Da schrieb er z.B. eine ganze Seite darüber, wie Vittoria aus dem Hubschrauber aussteigt, was ich völlig übertrieben fand. Kein Wunder, dass bis fast zur Hälfte des Buches fast nichts geschah. Außerdem ließ er eine extrem langweilige Liebesbeziehung mit einfließen, die ich absolut überflüssig fand.

Tja, und jetzt zu *Sakrileg*. Die Sache mit der Liebesbeziehung versucht Dan Brown auch diesmal wieder einfließen zu lassen. Genauso langweilig und erfolglos wie beim Illuminati. Ich wiederhole mich nicht gern, aber das hätte er sich sparen können. Liebesromane sind nicht unbedingt seine Stärke!

Was mir bei *Sakrileg* jedoch auffiel, war die Tatsache, dass sich die langatmigen Beschreibungen uninteressanter Dinge und Begebenheiten in Grenzen halten. Außerdem - und das ist wohl der maßgebliche Punkt - ist die Story drumherum viel spannender und nicht so ausschweifend. Er konzentriert sich diesmal auf die wichtigen Fakten und weicht nicht ständig mit irgendwelchen unsachlichen Gegebenheiten vom eigentlichen Thema ab. Er nötigt den Leser, bei der Sache zu bleiben und lässt ihm keine Möglichkeit, mit den Gedanken abzuschweifen. Bei *Illuminati* wurde man von ihm regelrecht dazu aufgefordert, sich in endlosen Beschreibungen langweiliger Dinge zu verlieren. Bei *Sakrileg* ist das glücklicherweise nicht der Fall.

Ihr seht also, *Sakrileg* ist Spannung pur. Und das Schöne ist: von Anfang an. Ja, wirklich, von der ersten bis zur letzten Seite ist der Roman fesselnd geschrieben. Auch das Roman-Thema interessierte mich diesmal mehr. Während ich bei *Illuminati* zur Antimaterie keinen Zugang fand, musste ich diesmal staunen: *Cool, Jesus hatte einen Sohn?*

Zu diesem Thema fällt mir noch eine kleine Geschichte ein. Ich war mit einer Freundin essen, die sehr gläubig ist und mich manchmal beeinflussen möchte. Ich erzählte ihr ein paar Dinge aus dem Buch und staunte über ihre Reaktion. Sie - die eigentlich ein herzensguter und besonnener Mensch ist - wurde teilweise sehr agressiv. Sie antwortete mir harsch, dass das alles Quatsch sei und Jesus niemals einen Sohn hatte und Maria Magdalena seine Cousine und nicht sein Frau war. Nein, es gäbe keine Frau auf dem berühmten Da-Vinci-Gemälde, die heutige Bibel sei eine unverfälschte Erstausgabe und die Katholische Kirche sei die einzige Glaubensrichtung, die Frauen verehrten... usw.... Hey, es war wirklich interessent, wie aus diesem Buch heraus eine heiße Diskussion entstand.

Doch zurück zum Buch: es gibt hier auch eine Sache, bei der ich eine etwas, mmmmh, unentschiedene Meinung habe. Einerseits finde ich den Aufbau der Story sehr gut, andererseits stört es mich schon ein wenig, dass die vielen geheimen Zeichen, Gedichte und Redewendungen nie ein Ende nehmen. Immer und immer wieder tauchen neue Rätsel auf, die gelüftet werden müssen und immer und immer wieder findet sich auch eine Person, die einen entscheidenden Hinweis liefert. Natürlich ist auch hier Langdon der Held. Er hat die meisten Geistesblitze, wodurch sie des Rätsels Lösung näher kommen. Einerseits fördern diese Rätsel die Spannung, andererseits wiederholen sie sich ständig und werden mit der Zeit langweilig. Tja, ich denke, länger als 605 Seiten hätte das Buch wirklich nicht sein dürfen. Denn dann wäre bestimmt nochmals ein Gedicht aufgetaucht, dessen Lösung wieder ein Gedicht gewesen wäre.... lalalala...


Fazit
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1. Wer *Illuminati* super fand, sollte auf jeden Fall auch *Sakrileg* lesen.
2. Wer *Illuminati* nicht so gut fand, sollte *Sakrileg* trotzdem lesen.
3. Wer *Illuminati* nicht gelesen hat, sollte es tun und sich auf den Nachfolger *Sakrileg* freuen.

In diesem Sinne... alles bleibt anders... eure Dotti

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