Bruce Allmächtig (VHS) Testbericht

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ab 26,37
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Erfahrungsbericht von Daverigger

Gott ist tot!

Pro:

Die erste Hälfte, Jim Carrey, Jennifer Aniston, die geteilte Tomatensuppe

Kontra:

Die zweite Hälfte mit allem, was dazu gehört

Empfehlung:

Nein

Gott sei Dank ...
Um Gottes Willen ...
Gott habe ihn selig ...
Gott ist tot ...


Bruce ist das, was man den ewigen Verlierer nennt. Beruflich tritt der fast 40-jährige komplett auf der Stelle. Sein Traum ist es, Anchor-Man bei seinem Fernsehsender WBKW-TV zu werden, doch er muss als Außenreporter über absolut unsinnige und unwichtige Dinge berichten. Große Kekse für das Guinness-Buch der Weltrekorde sind dabei noch die ernsthafteren Dinge, die er auf seine gezwungen lustige Art für die Nachrichten aufpeppt, sein Hund pinkelt in der Wohnung so ziemlich alles an, seine Schwägerin hasst ihn, sein schleimiger Konkurrent beim Sender bekommt den Job als Anchor-Man, Gangmitglieder überfallen ihn als er einem Obdachlosen helfen will und er verliert sogar seinen Job nach einem unkontrollierten Gefühlsausbruch. Als er sich mit seiner Lebensgefährtin streitet und einen Autounfall verursacht, kennt seine Wut keine Grenzen. Seine fast schon alltäglichen Gotteslästerungen enden in einer gigantischen Eruption.
Was passiert? Gott lässt sich das nicht länger gefallen und bietet Bruce einen Deal an. Ab sofort besitzt er göttliche Allmacht und soll den Job besser machen als Gott selbst, der sich einen kleinen Urlaub gönnt. Doch Bruce beginnt in einem großangelegten Feldzug, sein eigenes Leben auf die Reihe zu bekommen. Mehr noch, er zaubert sich zum erfolgreichen Reporter und rächt sich an allen, die ihm mehr oder weniger übel mitgespielt haben. Als er endlich den heiß ersehnten Posten als Anchor-Man bekommen hat, wird eine gutaussehende Mitarbeiterin auf ihn aufmerksam und versucht ihn zu verführen, was seine Freundin natürlich mit ansieht. Es kommt was kommen muss: sie verlässt ihn. Zu allem übel rächt sich nun auch noch, dass Bruce die wichtigen Gottespflichten perfekt ignoriert und vernachlässigt hat. Chaos bricht aus und er ist einmal mehr am Ende. Nun kann ihm nur noch der wahre Gott helfen. Doch auch dieser hat kein Patentrezept für den Weltfrieden, so das es an Bruce liegt, alles wieder nach und nach auf die Reihe zu bekommen, und zwar auf seine eigene, ganz spezielle Art und Weise ...


Was bewog mich, diesen Film im Kino anzusehen? Vielleicht Langeweile? Vielleicht eine böse Laune des Schicksals? Oder doch die Tatsache, das es mich dank Kinotag im UCI nur 3,6 Euro gekostet hat und ich Jim Carrey als sehr guten Schauspieler einschätze? Ich weiß es nicht mehr. Aber eines weiß ich: Dieser Film ist die 3,6 Euro nicht wirklich wert!

Es liegt nicht an den Schauspielern. Jim Carrey spielt auf seine gewohnt locker-flockige Art den erfolglosen Durchschnittsreporter, dessen ganzes Leben nur aus unglücklichen Zufällen und Pech besteht. Carrey ist und bleibt ein guter Schauspieler, der ohne große Probleme als humorvoller Komödiant und genauso gut als Charakterdarsteller taugt. Er bringt seine Rolle sehr schön rüber und sorgt damit für viele Lacher. Jennifer Aniston als seine Lebensgefährtin spielt zwar nicht ganz so gut, aber trotzdem auch überzeugend genug. Emotionen kann sie recht gut transportieren, gut aussehen kann sie von Natur aus. Weitere Darsteller sind im kompletten Film von recht geringer Bedeutung. Zu nennen wäre höchstens noch Morgan Freeman, ein begnadeter Schauspieler, der in diesem Streifen den allmächtigen Gott mimt. Ich bin zwar der Ansicht, das Freeman ein ausgezeichneter Schauspieler ist, doch er ist als Gott nicht wirklich gelungen. Ich kann mir zwar momentan keinen anderen Schauspieler vorstellen, der besser für diese Rolle geeignet wäre, aber trotz seiner grauen Schläfen und der ruhigen Art ist er ein wenig überzeichnet. Aber auch das hat mich noch nicht schlecht über den Film urteilen lassen. Für die Schauspielerische Leistung hätte der Film gute 4 Sterne bekommen.

Die Handlung selbst ist, genauso wie die Story, auch nicht besonders schlecht. Die Idee, selbst einmal Gott sein zu dürfen, um zu sehen, das der Job nicht so leicht ist, wie man es sich vielleicht vorstellen mag, hat etwas. Nicht das diese Idee so besonders neu wäre! Trotzdem greift der Gedanke, da er im Film recht modern umgesetzt wurde und gute Schauspieler dafür sorgen, ihn passend rüberzubringen. Die Gags die das Drehbuch auflockern greifen an den richtigen Stellen, sind meistens wirklich zum Lachen, auch wenn ein paar wenige recht übertrieben sind und daneben wirken. Trotzdem könnte ich auch für die Pointen noch 4 Sterne geben. Als Beispiel nenne ich die Szene, in der Bruce sich noch mit seinen neugewonnenen Kräften anfreunden muss und eine Tomatensuppe teilt wie Moses in der Bibel das Meer. Gigantische Klänge wie in einem alten Bibelfilm heben die Monumentale Stimmung hervor und in dem Restaurant entsteht fast schon ein Sturm, während die Suppe in der Mitte getrennt zu beiden Rändern schwimmt. Ich habe mich über diese Szene halb tot gelacht, weil sie, wie einige andere Gags auch, einfach sehr gut gemacht ist! Also auch hier solide 4 Sterne für Story und Humor.

Spezialeffekte, Kulissen und Schauplätze sind auch nicht wirklich schlecht. Meteoriten schlagen auf Befehl von Bruce auf der Erde ein, damit er eine gute Story verkaufen kann, sein Leben befindet sich abgeheftet und sorgfältig in einer gigantisch langen Schublade in einem Aktenschrank, Die Geschichte spielt zum Teil an den Niagara-Fällen, Bruce gibt seinem Hund die Fähigkeit, die Toilette zu benutzen und man sieht diesen auf der Toilette mit einer Zeitung in den Pfoten, sogar den Mond lässt er größer erscheinen, um sich mit seiner Lebensgefährtin einen romantischen Abend zu machen. Das alles wirkt nicht überspitzt oder schlecht gemacht. Alle Effekte sind passend und sogar ansprechend erzeugt und wirken weder plump noch besonders albern. Auch hier kann ich keine große Anzahl an Sternen abziehen und würde auch wieder 4 vergeben, da es keine allzu großen Kritikpunkte gibt.

Was hat mich nun dazu gebracht, den Film mit insgesamt 3 Sternen zu bewerten? Das ist ganz einfach: Die zweite Hälfte des Films ist unglaublich schleimig, romantisch verklärt und unglaublich amerikanisch vermatscht!
Zum Ende des Films hin werden die Dialoge pathetisch und unglaublich belehrend. Die Aussage, die hinter jedem zweiten Satz zu stecken scheint ist die, dass man doch am besten Gott alle Entscheidungen überlassen soll und sich am Besten komplett in seine Hand gibt. Er weiß sowieso alles besser. Menschen, betet! Bruce schreit gen Himmel, dass er sein Leben und sein Schicksal komplett in Gottes Hand geben will und wird von einem Truck überfahren, so dass er im Himmel in ein direktes Zwiegespräch mit Gott tritt. Dieser rät ihm, für seine Geliebte zu beten. Das Gebet von Bruce ist so unglaublich langatmig, kitschig und schlecht, dass ich mich im Kino wirklich gefragt habe, warum ich mir diesen widerlichen Müll überhaupt antue! Quint-Essenz der Gespräche zwischen Gott und Bruce: Bloß nicht selber denken und entscheiden, lieber einer übergeordneten Entität alles überlassen. Man hat selbst schließlich keine Ahnung und jemand anders weiß sowieso besser, was gut für einen ist. Für mich klingt das fast so, als spräche der amerikanische Präsident zu seiner blauäugigen Herde. Aber vielleicht war der Drehbuchschreiber auch nur auf Drogen!


Was bleibt also nach dem zweifelhaften Genuss von „Bruce Allmächtig“? Der Verlust von 3,6 Euro, ein fader Nachgeschmack im Kopf und auf jeden Fall das Wissen, dass dieser Film nur während der ersten Hälfte einigermaßen gut ist. Der Film scheitert meiner Ansicht nach an dem Versuch, der Komödie zu entwachsen und zwanghaft eine Moral bieten zu wollen. Warum denn bloß? Es ist eine recht gute Komödie mit guten Schauspielern, die während der ersten Hälfte wirklich etwas fürs Geld bieten, doch die zweite Hälfte zerstört alles.
Ich kann den Film nicht empfehlen! Zwar bietet die erste Hälfte wie schon gesagt gute Gags, gesunde Lacher und einen mehr oder weniger typischen Jim Carrey, doch die zweite Hälfte macht alles zunichte und raubt den Funken des guten Humors, der noch zu spüren war. Besser das Geld sparen und einem anderen Film mit Jim den Vorzug geben.

Und so zerbröselt der (Scherz)Keks ...

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