Bruce Allmächtig (VHS) Testbericht

Bruce-allmaechtig-vhs-komoedie
ab 26,37
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 10/2004

Erfahrungsbericht von wildheart

Da schweigen die Gelehrten ...

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Es gibt Filme, die werden nur für einen Schauspieler in Szene gesetzt. Sie gleichen eher Shows, bei denen andere Figuren nur Zugaben sind, um Stichworte zu liefern oder Prozesse in Gang zu setzen. „Bruce Almighty“ ist ein derartiger Film, ausschließlich für Jim Carrey geschrieben, ausschließlich von ihm gespielt. Morgan Freeman ist ein smarter, in weiß gekleideter Herrgott und Jennifer Aniston die zauberhafte Freundin von Bruce – aber viel mehr eben auch nicht. Es gibt Humor, der von Herzen kommt, aus der Seele. Jack Lemmon z.B. war ein Schauspieler und Komiker von diesem Schlag. Und es gibt Humor, der soll komisch sein, weil es das Drehbuch vorschreibt. Dabei kommt meist nicht viel heraus.

Inhalt
Bruce (Jim Carrey), ein Reporter für Kanal 7 des Fernsehsenders Eyewitness News in Buffalo, glaubt einen Anspruch darauf zu haben, Nachfolger eines altgedienten Moderators zu werden, der in Rente geht. Bisher war er der Clown des TV-Senders und berichtete über Leute, die den größten Keks der Welt gebacken haben oder bei den Niagara-Wasserfällen auf dumme Fragen dumme Antworten geben. Als er – mit Kleinregenschirm auf dem Kopf – auf dem Boot bei den Wasserfällen erfährt, dass sein Vorgesetzter Jack Keller (Philip Baker Hall) den Anchorman-Posten einem anderen zugeschustert hat, nutzt er die Live-Sendung für eine verbale Racheorgie. Und wer hat an allem Schuld? Gott persönlich. Bruce schiebt alles darauf, Gott habe ihn vergessen.

Wenige Zeit, nachdem er seinen Job verloren hat, zitiert ihn seine Herrlichkeit (Morgen Freeman) in eine weiß getünchte Fabrikhalle und erklärt dem Loser, er wolle ihm für eine gewisse Zeit seine Allmacht übertragen. Gesagt, getan. Bruce stolpert nicht mehr in eine Pfütze, wie auf dem Weg zum Allmächtigen geschehen, sondern kann auf dem Wasser laufen. Er bringt sogar den Hund seiner Freundin Grace (Jennifer Aniston) dazu, statt an die Couch oder den Fernseher zu pinkeln, aufs Klo zu gehen. Nun glaubt Bruce, mit Hilfe der Allmacht Gottes seinem Ziel, Anchorman zu werden, näher zu kommen. Man braucht ja nur für das Fernsehen interessante „Szenen“ zu konstruieren oder den Konkurrenten heftig zu blamieren. Gesagt, getan. Und plötzlich scheint die Welt für Bruce wieder in Ordnung zu gehen ...

Inszenierung
Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Und ein paar lustige Einfälle noch keine Komödie. Sicher, wenn der Hund ins Klo pinkelt, spült und brav die Brille für die weiblichen Nutzer der Toilette herunterlässt, Bruce den Konkurrenten um den Moderator-Posten bei der Nachrichtensendung Unsinn mit verstellten Stimmen sprechen lässt oder ein paar Rowdies einen Schwarm Bienen hinterher schickt, werden die Lachmuskeln strapaziert. Insgesamt gesehen ist „Bruce Almighty“ allerdings eine Enttäuschung, die ich in den Bereich infantile Komödie einordnen würde.

Carrey spielt überkandidelt und unglaubwürdig. Bruce ist nicht nur für das Fernsehen ein Clown, sondern auch im Privatleben eher ein Spätpubertierender. Der überzeichnete Humor Carreys und seine Grimassen und Hampeleien wirken unnatürlich und gestelzt, mit wenigen Ausnahmen. Die Jokes sind nicht nur nicht neu, sondern oft abgedroschen alt. Bruce lässt die Brüste seiner Freundin über Nacht wachsen. HaHaHa! Er lässt bei einer vorbeikommenden Frau den Rock durch Wind hochfahren. HiHiHi! Er holt seiner Freundin den Mond näher ans Fenster und malt ein paar Sterne zusätzlich an den Himmel. HoHoHo! Einem Schläger lässt er einen Affen aus dem Rektum klettern! HäHäHä! Überhaupt nutzt er seine temporäre Allmacht im Grunde nur für Schnickschnack. Man überlege sich, was man selbst in einer solchen Situation tun würde. Schnickschnack – wenn man die Möglichkeit hätte, nicht nur für sich, sondern auch für andere einiges zum Besseren zu wenden? Nein, scheinbar nicht, denn unser Bruce hat nichts besseres zu tun, als die Gebete von Menschen, die ihm ab und zu als Stimmen durch den Kopf gehen, auf seinen Computer als E-Mail zu lenken, um dann alle Bitten der Betenden mit Ja zu beantworten. Sehr lustig!?

Die Botschaft des Films ist so widerlich überzogen, dass man angesichts der Clownrolle, die Carrey über zwei Drittel des Films spielt, als müsse er krampfhaft beweisen, komisch zu sein, nur noch den Kopf schütteln kann.

Ad 1. Jeder ist seines Glückes Schmied.
Ad 2. Es ist schön, anderen Menschen zu helfen.
Summary: Be the miracle, sei selbst das Wunder.

Das ist wirklich unterstes Niveau und übertraf alle meine Erwartungen, was da an Dämlichkeit auf mich zukommen könnte.

Fazit
Nicht nur das. Die anderen Schauspieler, vor allem Philip Baker Hall, Morgen Freeman und Jennifer Aniston, sind in „Bruce Almighty“ völlig unterbeschäftigt – Anhängsel für eine der schlechtesten Komödien aller Zeiten. Es wäre besser gewesen, Jim Carrey hätte eine TV-Show mit mehr oder weniger gelungenen Jokes zum Thema „What to do? I am almighty!“ produziert; dann hätte man sich den ganzen Schlamassel mit einem unausgegorenen Drehbuch sparen können. So verdient sich Universal wahrscheinlich am Box Office mal wieder eine goldene Nase – unverdient.

Ein paar schnell vergessene Lacher – das war „Bruce Almighty“.

Wertung: 2 von 10 Punkten.

Bruce Allmächtig
(Bruce Almighty)
USA 2003, 101 Minuten
Regie: Tom Shadyac

Drehbuch: Steven Wayne Koren, Mark O\'Keefe, Steve Oedekerk
Musik: John Debney
Director of Photography: Dean Semler
Schnitt: Scott Hill
Produktionsdesign: Linda DeScenna, Jim Nedza
Hauptdarsteller: Jim Carrey (Bruce Nolan), Morgan Freeman (Gott), Jennifer Aniston (Grace Connelly), Philip Baker Hall (Jack Keller), Catherine Bell (Susan Ortega), Lisa Ann Walter (Debbie), Steven Carell (Evan Baxter), Nora Dunn (Ally Loman), Eddie Jemison (Bobby), Paul Satterfield (Dallas Coleman), Mark Kelly (Fred Donohue), Sally Kirkland (Anita Mann)

Offizielle Homepage: –
Internet Movie Database: http://german.imdb.com/Title?0315327

Weitere Filmkritik(en):
„Chicago Sun-Times“ (Roger Ebert) (3 von 4 Punkten):
http://www.suntimes.com/ebert/ebert_reviews/2003/05/052301.html

„Movie Reviews“ (James Berardinelli) (1,5 von 4 Punkten):
http://movie-reviews.colossus.net/movies/b/bruce_almighty.html


© Ulrich Behrens 2003 für
www.ciao.com
www.yopi.de
www.dooyoo.de

28 Bewertungen, 1 Kommentar

  • XXLALF

    25.02.2010, 09:50 Uhr von XXLALF
    Bewertung: besonders wertvoll

    na ja, man kann sich den film im fernsehen ansehen, wenn man sonst nichts besseres zu tun hat, aber eine dvd kaufen, oder gar eintritt ins kino zu bezahlen, das ist der film auf gar keinen fall wert. kam ja erst vor kurzem im fernsehen. ein bw ist mir dieser bericht wert und ganz liebe grüße