CARGOLIFTER AG (WKN540261) Testbericht

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Erfahrungsbericht von reinke

Immer noch Liquiditätsschwierigkeiten

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Den erhofften strategischen Investor konnte Cargolifter-Vorstand Carl von Gablenz bei der Hauptversammlung am vergangenen Samstag zwar nicht präsentieren, dafür aber einen ersten Kunden. Für 9,7 Millionen Dollar hat eine kanadische Firma namens Heavy Lift Canada einen Air Crane bestellt. Der Air Crane ist ein Ballon, der im Schlepptau von speziellen Zugmaschinen schwere Lasten transportieren kann. Die Kanadier wollen mit Hilfe des ersten Transportballons Bohr- und Fördergerät über das Delta des Mackenzie-Flusses transportieren. Dieses Nadelöhr zu den arktischen Ölförderstätten ist für schwere Lastwagen nur drei Monate im Jahr befahrbar, wenn das Eis die schweren Maschinen tragen kann. Gleichzeitig sicherten sich die Kanadier die Option auf 25 weitere Air Cranes zum Preis von je zehn Millionen Dollar.
Dieser erste Meilenstein schürte nicht nur auf der HV Euphorie, sondern auch an der Börse, wo die Cargolifter-Aktie heute den Höhenflug der vergangenen Tage fortsetzt. Dabei kommt die Begeisterung angesichts zahlreicher Unklarheiten und pikanter Details viel zu früh. Zum einen wird der erste Air Crane erst im Dezember ausgeliefert, zum anderen ist äußerst unsicher, ob die Kanadier ihre Kaufoptionen auf weitere Luftballons einlösen. Drittens hat sich Cargolifter mit 20 Prozent an der Firma beteiligt, die laut FAZ ausschließlich zur Beschaffung des Air Crane gegründet wurde. So drängt sich der Verdacht auf, dass der spektakuläre Verkaufserfolg in Wirklichkeit eine kostspielige PR-Aktion sein könnte, um von dem akuten Liquiditätsengpass abzulenken.

Die eigentliche Botschaft der HV war ernüchternd. Der Zeitpunkt, an dem sich der erste Prototyp des gigantischen CL 160-Transportschiffs in die Luft erheben soll, wurde erneut verschoben - auf das Jahr 2005. Erst ein Jahr später soll die Serienreife erreicht werden. Im Gegenzug erhöhen sich jedoch die Gesamtkosten des Projekts auf 720 Millionen Euro. Zum Börsengang im Frühjahr 2000 war Cargolifter noch von 250 Millionen Euro ausgegangen. Ob das Unternehmen jedoch bis zum Jungfernflug der CL 160 durchhalten kann, ist weiterhin zweifelhaft.

Eigentlich wollte von Gablenz auf der HV einen strategischen Investor präsentieren. Es war nicht das erste Mal, dass er sein Versprechen, einen potenten Geldgeber an Bord zu holen, nicht halten konnte. Schon lange spuken die Namen großer Industriekonzerne durch die Presselandschaft. General Electric, Siemens und EADS haben bereits abgewunken. Zuletzt wurde wieder heftig über einen Einstieg von Boeing spekuliert. Die Chancen, dass es tatsächlich zu einem Abschluss kommt, sind freilich gering. "Erstmal wollen wir einen Prototyp der CL 160 sehen." So begründete ein Siemens-Sprecher die Zurückhaltung des Münchner Technologiekonzerns. Die anderen Kandidaten dürften ähnlich denken. Das ficht von Gablenz nicht an. Flugs zauberte er neue mögliche Investoren aus dem Hut: Die Vereinten Nationen sowie die Nato. Diese Aussage ist jedoch geradezu grotesk. Die chronisch klamme UNO hat wahrlich wichtigere Projekte zu finanzieren als die Entwicklung eines Luftschiffs. Und wozu benötigen die Militärstrategen der Nato einen Lastenzeppelin?

So müssen erneut die Aktionäre - größtenteils private Kleinanleger - für die Zwischenfinanzierung aufkommen. Kurzfristig soll die Aufstockung einer Wandelanleihe um 50 Millionen Euro das Überleben sicherstellen, bevor dann im Sommer eine Kapitalerhöhung weitere 160 Millionen Euro in die Unternehmenskassen spülen soll. Damit will sich Gablenz ins nächste Jahr retten. Dann soll ein Bundeskredit in Höhe von 300 Millionen Euro alle Finanzprobleme lösen. Die Bundestagsfraktionen signalisierten kürzlich ihre Zustimmung. In trockenen Tüchern ist der Kredit damit indes noch lange nicht.

Fazit: Da der Einstieg eines strategischen Investors sehr unwahrscheinlich ist, wird entscheidend sein, ob es Gablenz gelingt, 33 Millionen neue Aktien unter die Leute zu bringen, um das laufende Jahr zu überbrücken. Wenn nicht, könnte dem Cargolifter-Projekt schon bald die Luft ausgehen. Wer nach soliden Investments sucht, sollte die hochspekulative Cargolifter-Aktie weiter meiden.

11 Bewertungen, 2 Kommentare

  • romyal

    27.05.2002, 00:08 Uhr von romyal
    Bewertung: sehr hilfreich

    Es sieht immer schlechter aus mit CL, aber die HV war geil!

  • kulosa

    18.03.2002, 16:14 Uhr von kulosa
    Bewertung: sehr hilfreich

    Das ist doch eine Marktlücke. Mit der richtigen Strategie sollte es ein Erfolg werden. Schöne Meinung. Gruß Jan