Der Tod auf dem Nil (Taschenbuch) / Agatha Christie Testbericht

ab 7,20
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Summe aller Bewertungen
  • Niveau:  durchschnittlich
  • Unterhaltungswert:  sehr gering
  • Spannung:  durchschnittlich
  • Humor:  durchschnittlich
  • Stil:  sehr ausschmückend

Erfahrungsbericht von bavaria123

Eine Nilfahrt die ist tödlich...

Pro:

die Geschichte, der Erzählstil

Kontra:

nur die nicht übersetzten französischen Phrasen

Empfehlung:

Ja

Während meiner wunderbaren Urlaubswoche auf dem Nil hat man mich in meiner Freizeit oftmals lesend gesehen. Entweder war ich in einen Reiseführer vertieft, um mich auf das vorzubereiten, was mich den nächsten Tag erwarten würde.
Oder ich las einen Kriminalroman, den ich nachfolgend vorstelle.


= Das Buch =

Die Aufmachung des Buches ist äußerst unspektakulär. Die vorwiegenden Farben des Einbandes sind hellorange und grau und man erkennt die Umrisse von zwei Pyramiden, zwischen denen der Titel und die Autorin abgedruckt sind. Auf der schwarzen Rückseitei st eine sehr kurze Erläuterung des Inhaltes aufgeführt. Der Buchrücken fällt durch vier durchgezogene weiße Streifen auf.
Es handelt sich um die Taschenbuchausgabe „Der Tod auf dem Nil“, die 2001 im Scherz-Verlag in der Reihe „Die Krimis mit den Streifen“ erschienen ist. Es ist die Erstveröffentlichung der Neuausgabe in der Übersetzung von Pieke Biermann. Das 320 Seiten umfassende Buch ist für 9,90 € unter der ISBN 3-502-51782-7 neu zu erwerben. Agatha Christie hat dieses Werk unter dem Titel „Death on the Nil“ im Jahr 1937 geschrieben. Die englische Erstausgabe erschien auch noc im gleichen Jahr. Eine Bühnenfassung der Geschichte wurde 1946 eher ein Reinfall. Ganz im Gegenteil zu der Verfilmung aus dem Jahre 1978 mit Peter Ustinov, David Niven, Bette Davis, Mia Farrow und Angela Lansbury. Dieser Film bekam einen Oskar...allerdings entspricht er in vielen Details nicht ganz der Buchvorlage.


= Die Autorin =

Was soll ich zu dieser Frau sagen, was nicht schon jeder weiß ?
Agatha Christie, eine der erfolgreichsten Schriftstellerinnen, wurde im Jahr 1890 in Devon (Südengland) als Agatha Miller geboren. Ihr Vater war ein Amerikaner, der sehr früh verstarb, so dass ihre Mutter sie allein aufzog. Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs heiratete Agatha den Colonel Archibald Christie, von dem sie im Jahr 1928 wieder geschieden worden ist.
In zweiter Ehe war sie mit einem Professor für Westasiatische Archäologie verheiratet. Max Mallowan, der 14 Jahre jünger als Agatha war, nahm seine Frau auf viele Forschungsreisen in den Orient als Mitarbeiterin mit.
Agatha Christie erschuf unter anderem die Personen Miss Jane Marple und Hercule Poirot.
Sie starb am 12. Januar 1976.


= Die Geschichte =

Der Name Linnet Ridgeway ist gerade in aller Munde : Hat sie doch als Enkelin von Leopold Hartz gerade ein immenses Vermögen geerbt. Als ihre langjährige Freundin Jacqueline de Bellfort ihren Besuch ankündigt, ahnt niemand, was darauf folgt.
Linnet verliebt sich nicht nur in den Verlobten ihrer Freundin, sondern heiratet jenen Simon Doyle auch so schnell wie möglich. Die Krönung der momentanen Gefühle sollen dann wunderschöne Flitterwochen sein, die unter anderem nach Ägypten führen. Nach einem Aufenthalt im Old Cataract Hotel in Assuan, bei dem sich das frisch vermählte Paar durch die Anwesenheit von Jacqueline sehr gestört fühlt, wird heimlich auf dem Luxusdampfer „Karnak“ eingeschifft. Aber auch hier ist dem jungen Paar keine glückliche und traute Zweisamkeit gegönnt. Weitere Passagiere sind der kränkliche Tim Allerton mit seiner etwa fünfzig jährigen Mutter, die Schriftstellerin Mr. Otterbourne mit ihrer Tochter Rosalie, Marie van Schyler mit ihrer Cousine Cornelia und ihrer Pflegerin Miss Bowlers, Mr. Andrew Pennington, der scheinbar berufliche Interessen an einem Treffen mit dem jungen Paar hat sowie auch der Anwalt Colonel Race und Jacqueline.... Auch der bekannte belgische Kommissar Hercule Poirot befindet sich an Bord.
Aus seinem geplanten Urlaub wird dann leider nichts, denn Linnet Ridgeway wird ermordet in ihrem Bett aufgefunden und viele der Anwesenden haben durchaus ein handfestes Motiv für einen Mord. So muß Hercule die Ermittlungen aufnehmen...


= Eine Leseprobe =
Viertes Kapitel, Seite 56

„Monsieur Poirot.“
Poirot sprang eilig auf. Er war allein auf der Terasse sitzen geblieben, nachdem alle anderen Gäste hineingegangen waren und hatte in Gedanken versunken auf die schimmernden schwarzen Felsen gestarrt, als der Klang seines Namens ihn wieder zurückholte.
Die Stimme ließ auf Kultiviertheit und Selbstbewusstsein schliessen, eine charmante Stimme, eine Spur arrogant vielleicht.
Gleich darauf sah er Linnet Doyle in die Augen. Ihr Blick war zwingend, sie trug einen schweren roten Samtumhang über dem weißen Satinkleid und sie war noch schöner und majestätischer, als Poirot für möglich gehalten hätte.
„Sie sind doch Hercule Poirot?“ Es war nicht unbedingt eine Frage.
„Zu Ihren Diensten, Madame.“
„Sie wissen vielleicht, wer ich bin?“
„Ja Madame, ich habe von Ihnen gehört. Ich weiß genau, wer Sie sind.“
Linnet nickte. Sie hatte es erwartet. Sie fuhr in ihrer charmanten, selbstbewussten Art fort : „ Würden Sie mir ins Spielzimmer folgen, Monsieur Poirot? Ich muss dringend mit Ihnen sprechen.“
„Aber sicher, Madame.“
Sie lief voran, zurück ins Hotelgebäude. Er folgte. Sie ging in das leere Spielzimmer und bedeutete ihm, die Tür hinter sich zu schließen. Dann sank sie auf einen Stuhl an einem der Spieltische und er nahm ihr gegenüber Platz.



= Meine Meinung =

Ich habe dieses Buch kaum aus der Hand legen können und habe das Lesen als absoluten Genuß empfunden. Dieses hat mehrere Gründe.

Der Sprachstil, den Agatha Christie genutzt hat, ist teilweise einfach, teilweise aber auch sehr komplex. Gerade dieser stetige Wechsel führt dazu, dass ihr Buch unglaublich flüssig zu lesen ist. Es gibt Sätze mit nur zwei oder drei Worten, diese fügen sich aber sehr harmonisch mit anderen, sehr langen und geschachtelten Satzen zusammen. Dadurch wird die gesamte erzählte Geschichte sehr lebendig und interessant. Ich habe manches Mal vierzig Seiten am Stück gelesen ohne auch nur einmal auf die Uhr gesehen zu haben, so gefesselt war ich.
Die Schilderungen sind sehr bildlich, so dass man die Personen aber auch die Schauplätze bildlich vor den Augen hat.

Neben dem gekonnten Schreibstil fasziniert hier einmal mehr die Erzählung. Hier wird weder an Liebe, Mißtrauen, gemischten Gefühl, unlauteren Geschäften, offener und bedeckter Bosheit, kriminellen Machenschaften oder menschlichen Wirrungen gespart. Jeder Leser, der unterhalten werden möchte, kommt hier bestens auf seine Kosten. Die Auflösung der Todesfälle und der damit verbundenen Verstrickungen ist einerseits sicher einfach,...auf der anderen Seite aber wiederum so komplex und einfallsreich kombiniert, daß man bei der Aufklärung doch auch verblüfft ist.

Ich habe das Buch fast direkt an den Schauplätzen des Geschehens gelesen. Da bleibt zweierlei zu sagen. Zum einen hat Agatha Christie die Gegend wirklich hervorragend beschrieben. Da ist zunächst die Schilderung des Hotels Old Cataract. Als ich dort vom Nil aus hingesehnen habe und später auf der Terasse des Hotels einen Tee getrunken habe (als „gewöhnlicher“ Gast kann man nur diesen Bereich besuchen) war ich im Gedanken mitten in der Geschichte vom „Tod auf dem Nil“...alle Beschreibungen haben absolut getroffen. Dann gibt es die Geschehnisse auf der Insel Elephantipes...auch dort wurde ganz bildlich beschrieben, was einen wirklich vor Ort dort erwartet.
Selbst die kleinen Bakschich-Jäger haben die fast 70 Jahre, die zwischen der Erschaffung der Geschichte bis zu meinen Erlebnissen liegen, fast „unbeschadet“ überstanden. Die Gespräche, die in der Erzählung von Agatha Christie stattgefunden haben, können fast wörtlich übernommen werden. „Sie wollen Perlen, Sir? Sehr gut, sehr billig....“
„Lady, eine Skarabäus? Hier- große Königin-bringe viel Glück...“
Hier sehen – Lapizlazuli, echt. Sehr gut sehr billig...“
Sie wollen Postkarte-sehr billig-sehr schön...“
Als ich das alles während meiner Urlaubswoche auf dem Nil gelesen hatte, musste ich wirklich grinsen....denn ganz genau so ist es noch immer. Im Prinzip habe ich mich manchmal mitten in dem Buch wieder gefunden....
Auch die Beschreibung der Sehenswürdigkeiten wie alles um Assuan herum, dem Tempel von Karnak oder auch von Abu Simbel ist sehr wirklichkeitsgetreu. Ich habe diese Sehenswürdigkeiten genau so erlebt.......Agatha Christie hat hier die Gegebenheiten einfach sehr realitätsgenau beschrieben.

Hercule Poirot, diesen Mann muss man auch ganz kurz ansprechen. Wenn es ihn geben würde, wäre es ein absolut erstrebenswertes Erlebnis, sich mit ihm zu unterhalten. Kaum eine andere literarische Persönlichkeit strahlt dieses Wissen und diese Weltsicherheit aus wie er ... und dabei hat er noch einen unglaublichen Charme und eine unverbesserliche Umgangsform!

Wenn es an dem Buch etwas zu kritisieren gibt, dann ist es die Tatsache, dass die französichen Einflechtungen nicht übersetzt werden. Um sie zu verstehen benötigt man durchaus etwas mehr Französisch-Kenntnisse als das normale Schulrepertoire. Anmerkungen wie „Nom d`un nom d´un nom! oder „La vie est vaine. Un peu d`amour, un peu de haine, et puis bonjour. La vie est bréve. Un peu d´espoir, un peu de réve, et puis bonsoir.“ sind noch einfacher Natur und trotzdem versteht sie nicht unbedingt jeder Leser und da wäre es wohl sehr vorteilhaft, wenn am Ende diese Floskeln nochmals aufgeführt und übersetzt worden wären. Deshalb gebe ich einen Stern Abzug, der aber nur dieser Tatsache entspricht und weder die Erzählung noch deren Sprachstil in irgeneiner Weise angreift.

„Der Tod auf dem Nil“ ist aber insgesamt gesehen ein wunderbares Buch. Es ist unterhaltsam. Es ist lehrreich, denn es gibt die Standorte wirklich realitätsgetreu wider. Es ist ein Klassiker.... Es ist ein Buch, das ich nicht zum letzten Mal gelesen habe...und diesen Bonus haben bei mir nur sehr wenige literarische Werke.

Man liest das Buch am allerbesten während einer Kreuzfahrt auf dem Nil.....




Danke für´s Lesen, Bewerten und Kommentieren, Bavaria

Für Ciao und Yopi

35 Bewertungen, 3 Kommentare

  • Venezianerin_2005

    10.04.2006, 14:30 Uhr von Venezianerin_2005
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH & LG :o) Ina

  • sindimindi

    15.02.2005, 22:11 Uhr von sindimindi
    Bewertung: sehr hilfreich

    *tsss* - das passt ja wie die Faust aufs Auge zu Deiner Nil-Kreuzfahrt...*lach* LG; Roland

  • anonym

    01.02.2005, 00:59 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    wie immer.