Collateral (DVD) Testbericht

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Collateral-dvd-thriller
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Erfahrungsbericht von meccolos

Für eine Handvoll $ - Ästhet vs. Publikumsmagnet

Pro:

Regisseur Michael Mann, Jamie Fox, gute Schnitte, Aufnahmen von L.A., Soundtrack, Ideen des Regiseurs (Bsp. Koyote auf der Straße)

Kontra:

fällt mir nix zu ein!

Empfehlung:

Ja

Nachdem Hollywood in jüngster Vergangenheit vermehrt auf Popcornkino, Actionkracher und andere Blockbusterverschnitte gesetzt hat, lässt Michael Mann mit seinem neuesten Werk „Collateral“ aufhorchen.

„Collateral“ fing mich ein, als ein Taxifahrer (Jamie ANY GIVEN SUNDAY Foxx) seinen weiblichen Fahrgast (Jada DER VERRÜCKTE PROFESSOR Pinkett Smith) begrüßt. Ganze 15 Minuten lässt sich Regisseur Michael ALI Mann Zeit, die Stimmung zwischen diesen beiden Menschen aus dem Sündenpfuhl Los Angeles zu beschreiben.
Mit aktuell ungewohnten Stilmitteln unterlegt er die Stimmung, so dass die Welt, die um die beiden Protagonisten existiert, in den Hintergrund rückt. Mit einer scheinbar uninteressanten Wette und zaghaften Blickkontakten im Rückspiegel schafft Mann eine anonyme Vertrautheit zwischen Taxifahrer und Fahrgast. Die beengt wirkende Stimmung, die ein Zusammenrücken wirklich macht, verstärkt Mann insbesondere durch bewusste Nahaufnahmen, um gezielt die Gesichtszüge einzufangen.
Trotzdem bin ich der Meinung, dass ohne die fantastischen Bilder auf das Moloch Los Angeles und den wunderbar abgestimmten Soundtrack, die oben beschriebene Leistung des Regisseurs nicht voll zur Geltung kommen würde. So gewährt Taxifahrer Max seinem Fahrgast Annie den Wunsch und stellt den Radio eine Spur lauter. Annie lehnt sich zurück – ich tat ihr es nach – und genießt den perfekt passenden Song. Mann schneidet hier die Szene und gewährt uns einen Blick aus der Vogelperspektive auf das nächtliche Lichtermeer der „horizontal city“ – natürlich alles mit passenden Klängen aus dem Radio.
Als Max die Wette nach dem kürzesten Weg gewonnen und Annie die Wegstrecke endlich hinter sich hat, hatte ich das Gefühl ein Film im Film wäre zu Ende. Diese 15 Minuten hatten mich süchtig nach mehr davon gemacht. Stundenlang durch dieses auf Hochglanz polierte Moloch aus Millionen funkelnder Lichter zu fahren und das belanglose Gespräch zweier Fremder in dieser Millionenstadt zu lauschen.

Es spricht für Michael Mann, dass nach dem Ausstieg von Annie aus Max’ Taxi, die Stimmung zu großen Teilen gehalten wird, obwohl den Zuschauer ein fast anderer Film erwartet, der von da an vor meinen Augen ablief. Bevor Max seine Freude über die von Annie erwartende Visitenkarte beruhigt hat, hat schon der nächste Fahrgast Platz genommen. Zwar setzt Mann zur Beschreibung der Stimmung weiter auf Nahaufnahmen, aber die Vertrautheit von Annie und Max ist durch die meilenweit entfernte Welten des Taxifahrers Max und des Auftragskillers Vincent (Tom TOP GUN Cruise) ersetzt worden.

Vincent bietet Max an, ihn für 600$ zu ein paar vermeintlichen Immobilienterminen zu chauffieren, damit er schnellsten vom ungeliebten Ort verschwinden kann. Die wahre Identität erfährt Max aber schon beim ersten Stopp, als ihm die von Vincent getötete Leiche aufs Dach fällt. Ein wenig habe ich mich hier an Jerry Bruckheimer erinnert gefühlt, der wohl der anderen Grundidee – weg von der Bildästhetik, hin zum Riesenactionblockbuster – verfolgt hätte. Ab dieser Szene sind die Protagonisten zwangsläufig bis zum Ende miteinander verkoppelt, so dass der eine nicht ohne den anderen auskommt und umgekehrt – natürlich unfreiwillig. Vincent will noch seine Liste abarbeiten – aus Gründen wie: „I Do It For Living“ – und Max versucht ihn mit allen Mitteln zu behindern, ohne selbst die Kugel abzubekommen.
Selbstverständlich fragt sich der Zuschauer auch noch bis zum Ende, warum Michael Mann sich so viel Zeit mit Annie und Max gelassen hat.

Ein hoffentlich letztes Mal will ich Michael Mann lobend erwähnen. So darf ich nicht umhin kommen die grandiosen Aufnahmen zu loben, die er bei Collateral zeigt. Besonders die Aufnahmen die den Moloch Los Angeles von seiner nächtlichen besten Schokoladenseite zeigt. Damit dies überhaupt möglich war, setzte Mann neue Digitalkameras ein, die mit minimalem Licht auskommen können. Herkömmliche Filmkameras hätten wohl nur einen ziemlich dunklen Szenenaufwasch erzeugen können.
Obwohl „Collateral“ nach dem 15-minütigen Vorspann seine eigene Dynamik bekommt – die in Kontrast zum ebendiesem ruhigen, bedächtigen, groovigen und verträumten Vorspann – lässt Mann es nicht unversucht, dem Zuschauer die stilistischen Mittel des Vorspannes wieder ins Gedächtnis zu rufen. So wird die Dynamik jäh unterbrochen, als Max wie von Geisterhand durch funkelnde Augen am Strassenrand ausgebremst wird. Als ob er auf anhaltende Autos, die vor dem imaginären Zebrastreifen sich und den Zuschauer beruhigen, spaziert ein Koyote im nächtlichen Los Angeles über die Straße. Ob Mann damit eine Verbindung zwischen dem Einzelgänger auf der Straße und denen im Taxi herstellen wollte, darüber darf bewusst nachgedacht werden.

Nachdem ich nun allzu lange auf die Leistungen Manns eingegangen bin, muss ich noch ein Wort zum eigentlichen Star des Film – weswegen ich erst im Kinosaal saß – verlieren. Weg vom Saubermannimage, Heroismus und dem gewinnenden Lächeln, das zwar meist volle Kinosäle und somit satte Einnahmen garantierte, hin zum Bad Guy, der Cruise den lang ersehnten Oscar in die Hände spielen soll.
Trotz meiner Vorliebe für cruise’sche Filmkunst darf ich bezweifeln, ob sich Mr. Cruise näher an den höchsten Filmpreis herangeschoben hat. Zwar strahlt er eine ungewohnte Kälte aus, die eindrucksvoll durch stahlgrauen Anzug, graumeliertes Haar und vermiedenes Lächeln unterlegt wird, doch die grundlegende Bösartigkeit die beispielsweise ein Robert deNiro oder Al Pacino an den Tag legen können, die strahlt Cruise im starrer Maske (noch) nicht aus. Vernichtende Argumente, wie große Tageszeitungen sie veröffentlichten, würde ich jedoch nicht aussprechen, sondern es für einen guten Beginn des Bad Guy Image des Tom Cruise werten.


RANDNOTIZEN
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Titel: Collateral
Regie: Michael Mann
Kategorie: Action / Thriller
Produktion: USA 2004
FSK: 16 Jahre
Länge: 120 min
Drehbuchvorlage: Stuart Beattie
Verleih: Time Warner
Kinostart: 23.9.2004

CAST
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Tom Cruise Vincent
Jamie Foxx Max
Jada Pinkett Smith Annie
Mark Ruffalo Fanning

SCHLUSSBETRACHTUNG
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Trotz dessen mich Mr. Tom Cruise ins Kino lockte, vermochte mich Michael Mann durch geboten Bildästhetik, wunderbare Tonuntermalung und eindrucksvolle Stilmittel zu überzeugen. Nicht der Blockbustermagnet hat mich bei „Collateral“ im Endeffekt an den Kinosessel gefesselt, sondern die Erzählkunst des Regisseurs.
Insgesamt kann ich den Film ohne Abstriche empfehlen. Wenn meine Freundin – normalerweise mit einer kritischen Einstellung für Filme dieser Sparte – von dem Film dann auch noch begeistert ist, muss das wahrlich ein guter Film sein.




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meccolos für ciao.com am 27.09.2004
meccolos für yopi.de am 07.10.2004

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