Columbo Testbericht
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- Unterhaltungswert:
- Informationsgehalt:
- Präsentation:
- Spaß:
- Spannung:
- Romantik:
Erfahrungsbericht von LosGatos
Wenn der Schein trügt
Pro:
der etwas andere Krimi
Kontra:
Columbo ist wohl schon in Rente, denn es gibt keine neue Folgen mehr
Empfehlung:
Ja
Es war im Dezember 1968, als Columbo in den USA zum ersten Mal über den Bildschirm lief. Bei Ihnen in Deutschland dürften es ein paar Jahre später gewesen sein. Denn auch in den USA ging es erst 1971 so richtig los. Seitdem habe ich insgesamt 67 Fälle gelöst. 67 Fälle in 37 Jahren, das sind nicht mal zwei pro Jahr. Das erscheint Ihnen wenig? Ich muss Ihnen doch nicht etwa erklären, dass es sich ausschließlich um Mordfälle handelte. Und da können wir schließlich froh sein, wenn so etwas nicht alle Tage vorkommt. Nicht einmal in Los Angeles, denn das ist mein Arbeitsplatz. Natürlich passiert hier viel mehr, aber die Stadt ist so riesig, da kann ich mich nicht um alles kümmern. Da, wo ich recherchiere, das ist nicht etwa in den Gettos, sondern eher bei den Reichen und Schönen in Beverly Hills oder Hollywood. Wissen Sie noch, wie Albert Hammond in den 70ern sang \"It never rains in Southern California\"? Also offengesagt, ich traue dem nicht. Leichtgläubigkeit passt nicht zu meinem Beruf. Deshalb trage ich immer einen Regenmantel. Egal, bei welchem Wetter, man kann nie wissen. Auffällig ist das manchmal schon. Ich weiß, in London kann man sogar erschossen werden, wenn man sich unpassend zum Wetter anzieht. Solche Strafen hat noch nicht einmal unser George W. eingeführt, und das will schon was heißen. Hoffen wir also, dass Columbo noch ein Weilchen am Leben bleibt, denn ich werde ja noch gebraucht. Bei Ihnen in Deutschland zum Beispiel im Sommer auf RTL, wenn der Günter Jauch und all die anderen Fernsehstars Urlaub machen, dann muss Columbo da die Sommerlöcher stopfen. Mit Wiederholungen natürlich.
Ein Krimi als Wiederholung? Da weiß man doch schon vorher, wer der Mörder ist. Das ist doch langweilig, werden Sie sagen, falls Sie mich doch noch nicht kennen sollten. Sie als Zuschauer haben mir gegenüber, egal, ob Wiederholung oder nicht, aber ohnehin einen Wissensvorsprung. Sie können fast immer von Anfang an genau verfolgen, wie und warum der Mord geschieht. Sie wissen also, wer der Mörder ist. Und ich hab dann nicht einmal 90 Minuten Zeit, auch dahinter zu kommen. Na ja, mit den Werbepausen auf RTL dauert es dann etwa 2 Stunden, aber auch ein Inspektor braucht zwischendurch ja auch mal eine kleine Pause, gerade in meinem Alter, und muss auch mal aufs Klo. Ich möchte an dieser Stelle gleich mal die Gelegenheit nutzen, mich bei Ihnen zu bedanken, dass Sie mich immer noch anschauen. Nach fast 40 Jahren, egal, ob Wiederholung oder nicht, und obwohl Sie wissen, wer der Mörder ist. Ich überlege jetzt gerade, ob ich Ihnen aus Dankbarkeit ein Bild von Mrs. Columbo zeigen soll.
Es geht also stets nur darum, wie ich den Mörder oder die Mörderin überführe. Aber auch da sind meine Methoden immer die gleichen. Um ehrlich zu sein, ahne ich ja auch immer sehr schnell, wer der Täter ist. Jemand Falschen habe ich noch nie verdächtigt. Das liegt aber einfach daran, dass sonst die 90 Minuten nicht ausreichen würden, wenn ich mich erst noch auf falsche Fährten begeben müsste.
Also werde ich sehr schnell bei Jemandem aus dem Umfeld der Leiche vorstellig. Meist erwecke ich zunächst Skepsis oder gar Mitleid. Das liegt nicht nur an meinem mäßigen Outfit, denn den zerknitterten Regenmantel, über den auch Mrs. Columbo immer so schimpft, ziehe ich nämlich nie aus. Aber die Krönung von allem ist mein Auto: ein uralter Peugeot, bei dem der Betrachter befürchten muss, dass er jeden Moment auseinander fällt. Na ja, auch Columbo denkt manchmal, der Wagen hört sich an wie jemand mit Raucherhusten. Apropos Rauchen, das ist mein einziges Laster und meine einzige Leidenschaft. Außer Mrs. Columbo versteht sich. Eine Zigarre gehört genauso zu mir wie mein Regenmantel und mein Peugeot. Einer meiner Freunde in Deutschland - er hat den gar nicht so deutsch klingenden Namen \"LosGatos\" - sagt immer, wenn er eine Zigarre raucht, kommt er auf die verrücktesten Ideen. Hoffentlich schreibt er nicht mal ein Drehbuch für Columbo. Jedenfalls regen die Zigarren auch mein Gehirn so an, dass auch ich dadurch die zündenden Ideen habe, die zur Aufklärung des Falles beitragen.
Zwar rufe ich bei meinen \"Gastgebern\" schon mal Unwillen hervor, weil ihnen der Geruch meiner Zigarren nicht immer zusagt, aber im Grunde wiegen sie sich erst mal in Sicherheit, wenn Sie mich sehen, auch wenn sie wissen, dass ich von der Polizei bin. Denn einer wie ich, der in ihren Augen aussieht wie ein Asozialer, hat es womöglich auch deshalb zu nichts gebracht, weil er einfach nicht intelligent genug ist. Bei Ihnen sagt man ja \"Kleider machen Leute\" und wozu das führen kann, wissen Sie nicht nur aus der gleichnamigen Novelle von Gottfried Keller, sondern u.a. auch aus dem \"Hauptmann von Köpenick\". Columbo dagegen nutzt den Umkehrschluss. Da die Tatverdächtigen häufig Prominente sind, die man aus Film, Fernsehen oder Politik kennt, ist es für mich ein Leichtes, ihnen erst mal Honig ums Maul zu schmieren, indem ich ihnen vorschwärme, wie sehr ich sie bewundere, und sie womöglich noch frage, ob ich nicht ein Autogramm für Mrs. Columbo bekommen könnte. Von so einem Inspektor meint niemand, etwas befürchten zu müssen. Natürlich muss ich meine Gegenüber auch etwas aus der Reserve locken, damit sie Fehler machen und sich womöglich verraten. Das erreiche ich dadurch, dass ich die Häufigkeit meiner Besuche erhöhe. Vor allem verlasse ich niemals das Haus, nachdem ich mich bereits verabschiedet habe, sondern kehre mindestens einmal, manchmal auch dreimal zurück, weil ich etwas vergessen habe oder weil mir \"urplötzlich\" noch eine Frage eingefallen ist. Wenn ich Glück habe, erwische ich den Verdächtigen oder die Verdächtige bei einer übereilten Reaktion. Zumindest aber weiß ich, dass ich auf der richtigen Spur bin, wenn ich damit Nervosität oder Gereiztheit auslöse. Aber was nützt mir mein Verdacht, wenn ich keine Beweise habe. Doch auch die habe ich irgendwann dann doch, dank meines Spürsinns für winzige Kleinigkeiten. Denn obwohl ich nur noch ein Auge habe - das andere ist eine Attrappe aus Glas - entgehen mir auch Dinge nicht, auf die sonst kaum jemand achten würde.
Ach so, bevor ich gehe, da fällt mir noch was ein. Ich bearbeite nämlich momentan wieder einen Fall. Das heißt, noch nicht so richtig, denn es ist noch gar kein Mord passiert. Aber ich hab da ein ungutes Gefühl. Und bevor der nächste Mordfall zu lösen ist, muss sich ja auch Columbo irgendwie die Zeit vertreiben. Ich sagte ja bereits, nur ein bis zwei Mordfälle pro Jahr. Was macht Columbo in der übrigen Zeit, werden Sie vielleicht fragen. Im Internet surfen? Ach was, wo denken Sie hin. Mit so was kann man sich doch nicht den ganzen Tag beschäftigen. Aber neulich, da war ich auf der Party bei einer bekannten Schriftstellerin, wissen Sie. Den Namen verrate ich jetzt noch nicht, da es sich sozusagen noch um eine laufende Ermittlung handelt. Sie hatte über 200 Vertraute eingeladen und hatte wohl etwas zu feiern. Sie hatte irgendeinen Autorenpreis bekommen, eine Trophäe aus Gold oder Silber. Einen wie Columbo lädt man natürlich nicht ein. Ich habe mich da einfach eingeschlichen. Trotz Regenmantel schaffe ich das immer irgendwie. Und bei so vielen Gästen kann man nicht auf jeden achten, selbst wenn er nur einen schäbigen Trenchcoat trägt. In der Tat hatte ich den Weg durch den Garten, wo ich an vielen bunten Blumen und sogar an einer schwebenden Bahn vorbeikam, genommen und bin über den Hintereingang hineingelangt.
Die Dame des Hauses ließ es sich aber nicht nehmen, jeden ihrer Gäste persönlich zu begrüßen und ihnen selbst die Tür zu öffnen. Allerdings gab es außer Columbo wohl jede Menge ungeladener Gäste. Doch dummerweise probierten die es alle durch den Haupteingang und viele von ihnen wurden von der First Lady rüde abgewiesen. Ich hörte sie von weitem, wie sie zu den Unerwünschten abweisend sagte \"Der ist zu viel zu kurz!\" Ich musste in dem Moment unwillkürlich an mir herunterschauen. Was würde sie nur zu meinem Regenmantel sagen?
Offenbar waren es viele Nachwuchsschriftsteller, die hier an diesem Top-Event der großen Schriftstellerin teilhaben wollten. Sie wollten ihr ihre Erstlingswerke entgegenreichen. Die meisten von ihnen trugen nur farblose oder auch grünliche Gewänder, also nicht so festlich wie die meisten der Anwesenden. Aber sie warf meist nur einen flüchtigen Blick auf die dünnen Heftchen oder auch nur losen Blätter und erwiderte \"Das sind viel zu wenig Infos\" oder \"Darin wimmelt es nur so von Rechtschreibfehlern und es fehlen mindestens 7 Kommata!\" Eine sonderbare Lady! Und als ich mich etwas näher in ihren Dunstkreis bewegte, kam mir gleich so ein nach Leder riechender Duft entgegen. Um das zu kompensieren, habe ich mir sofort eine von meinen Zigarren angesteckt. Nachdem sie die Eindringlinge abgewimmelt hatte, begab sie sich zu ihren erlesenen Gästen. Mir fiel auf, dass sie meist von einigen älteren Herren umgeben war, die ihre Werke in höchsten Zügen lobten. Doch plötzlich drängte sich ein Mann dazwischen, der womöglich ein Literaturkritiker war. Er scheute sich nicht, die Dame ungeniert zu fragen \"Ist es nicht so, dass Sie Ihre Werke alle aus Reiseführern abschreiben? Nur mit dem Unterschied, dass Sie die Originalinformationen u.a. mit den Abmessungen des Buches ergänzen. Da muss man sich nicht wundern, dass Ihre aufgeblähten Werke länger sind als die Vorlagen! So wie bei ihrem letzten Buch über so eine Banalen-Insel.\" Die Dame lief im Gesicht hochrot an und begab sich kommentarlos zu anderen Gästen, die ihr offensichtlich wohlgesonnener waren. Die älteren Herren sorgten zudem dafür, dass der Störenfried nicht weiter zu Wort kam und schoben ihn vehement zur Seite. Jetzt begann die Sache für mich interessant zu werden. Möglicherweise werde ich hier noch gebraucht. Ich sah kommen, dass man in den nächsten Tagen die Leiche des Literaturkritikers auffinden würde. Aber in dem Moment dachte ich an Mrs. Columbo, die immer zu mir sagt \"Du witterst auch überall einen Mörder\". Deshalb beschäftigte ich mich erst mal nur mit meiner Zigarre. Als nächstes wandte ich mich dem Buffet zu. Ich hörte, wie die Gastgeberin verkündete \"Ich hoffe, es schmeckt Ihnen. Alle Köstlichkeiten stammen von den Feinkosthändlern Dali und Dill. Und den Wein habe ich vom Fakealien-Weinkontor Rannmoss liefern lassen.\" Auf einmal entdeckte sie mich und sagte \"Ihre Werke schätze ich auch ganz besonders\". Ich war völlig verlegen und sagte \"Sie verwechseln mich bestimmt mit jemandem, mit irgendeinem anderen älteren Herren\". Aber ich hatte auch nicht den Eindruck, dass sie sich wirklich für mich interessierte, denn sie wandte sich sofort anderen Gästen zu. Zum Glück hatte sie sich nicht zu meinem Mantel geäußert. Irgendwie kam es mir vor, dass sie eine Maske trug. Doch wer versteckte sich dahinter? Ich folgte ihr deshalb. Sie drehte sich um und erschrak etwas, wie mir schien. \"Entschuldigung, Mam, ich habe noch etwas vergessen. Meine Frau ist nämlich eine große Verehrerin von Ihnen. Ob sie mir vielleicht ein Autogramm für sie geben würden?\" Ich zog deshalb ein Kochbuch hervor, das ich heute morgen gekauft hatte (Mrs. Columbo hat nämlich in ein paar Tagen Geburtstag). \"Wenn Sie das vielleicht signieren könnten?\" \"Aber mit Vergnügen\", entgegnete sie sichtlich erleichtert.
Mein Gefühl sagte mir, dass ich hier noch öfter zu Gast sein werde. Als ich hinausging, sah ich, wie gerade mein Auto abgeschleppt wurde. \"Hey, was machen Sie da?\" rief ich. \"Solche Rostlauben haben hier nichts verloren\", ließ man mich unfreundlich wissen. Ich sah von draußen, wie die Dame zum Fenster herausschaute und überlegen lächelte. Lächle ruhig, dachte ich, denn derjenige der zum Schluss lacht, das bin meistens ich.
Copyright LosGatos
Erstveröffentlichung 6.8.2005
Veröffentlicht außer bei Ciao derzeit nur noch bei Yopi
32 Bewertungen, 5 Kommentare
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23.10.2005, 13:59 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
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08.08.2005, 16:31 Uhr von Mundi
Bewertung: sehr hilfreichDa hätte ich noch was ...
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07.08.2005, 13:39 Uhr von topfmops
Bewertung: sehr hilfreichhaben sie ein schreckliches schicksal erlitten: warum sind sie eigentlich nie befördert worden??
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07.08.2005, 00:22 Uhr von campino
Bewertung: sehr hilfreichlasse das mal kommentarlos so stehen Lieutenant. Wissen Sie, die Schlagfertigkeit im kommentieren ist auch so etwas, das mit dem Alter etwas nachlässt. Aber falls mir was dazu einfällt, komme ich natürlich zurück....
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07.08.2005, 00:13 Uhr von Flute
Bewertung: sehr hilfreicheinigen Folgen ist der Name Frank zu erkennen auf seinem Dienstausweis. Aber offiziel gibt er nur Inspector Columbo an. LÖG. Dunja
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