Das Fest (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von ITNwg

Das Fest - Der Grenzgang

Pro:

Alles

Kontra:

Nichts

Empfehlung:

Ja

Ob man sich einen Film über Missbrauch in der Kindheit ansehen möchte, kann jeder für sich selbst entscheiden. ‚Festen’ bzw. ‚Das Fest’ von Thomas Vinterberg behandelt einen nicht einfachen Stoff. Zum Glück war ich vor dem ersten Ansehen gewarnt, dass die Umsetzung des Themas in diesem Film sehr gut sein soll und unter die Haut geht…
Zum 60. Geburtstag lädt der Patriarch Helge seine Familie und Freunde zu einem großen Fest ein. Eine schöne Feier soll es werden und die Aufmachung erinnert an eigene Familienfeiern. Alle sind rausgeputzt und nett zueinander und auch wenn dies manchmal aufgesetzt wirkt, wird großzügig darüber hinweg gesehen.
Auch Helges Kinder erscheinen zum Feste. Sohn Michael drangsaliert seine Familie und macht seine Frau lächerlich. Er ist Alkoholiker und neigt zu cholerischen Anfällen. Tochter Helene ist immer noch nicht mit Ihrem Studium fertig und bemüht sich sehr, ihren farbigen Freund vor den anderen Anwesenden zu rechtfertigen. Das tut sie ohne jedes Rückgrat. Sohn Christian ist sehr zurückhaltend, fast phlegmatisch. Er ist der sympathischste von allen. Es gab noch eine Tochter Linda, die vor kurzem verstarb. Wie sich später herausstellt, war es Selbstmord.
Wie es sich für die Feier eines Patriarchen gehört, sollen Lobreden auf Helge gehalten werden. Christian hat zwei vorbereitet, die er in zwei Umschläge gesteckt hat und von diesen Umschlägen, lässt er Helge einen auswählen. Christians Rede beginnt damit, dass der Vater immer sehr reinlich war. Die Anwesenden sind begeistert, so kennen sie ihren Helge. Christian spricht weiter. Er deutet an, dass er und seine Schwester Linda immer gemeinsam mit dem Vater badeten und dass dieser sie mehrfach missbraucht hat.
Man sollte annehmen, dass das Fest an dieser Stelle beendet ist. Stattdessen wird nach einer Schrecksekunde weitergefeiert. Kaffee wird ausgeschenkt und Lieder werden angestimmt. In einer zweiten Rede macht Christian den Vater für Lindas Selbstmord verantwortlich. Christians innere Zerrissenheit zwischen heiler Welt und dem Wissen um seine Qualen (anfangs symbolisiert durch die beiden Umschläge) scheint sich nun auf die Gäste zu übertragen. Die lieben Verwandten reagieren mit Flucht. Da Bedienstete alle Autoschlüssel verschwinden ließen, müssen sich die Gäste aber der Situation stellen.
Das Fest inszeniert auf großartige Weise das Festhaltenwollen an der heilen Welt um jeden Preis: Lieber aufgesetzte Fröhlichkeit als entsetzte Ehrlichkeit. Dabei wird die Zerstörung des Einzelnen in Kauf genommen. Und dennoch demontiert er die gutbürgerliche Idylle Schritt für Schritt bis die Seifenblase zerplatzt. Der Film verurteilt nicht, er stellt nur dar. Keine Betroffenheitsreden oder –musik a la Hollywood, keine Zurschaustellung des Leidenswegs der Kinder, keine Verurteilungen des Täters und der Mutter. Und die Ästhetik des Films suggeriert, dass die Handlung im nächsten Haus die Straße runter spielen könnte.
Der Film ist sicherlich keine leichte Kost. Dennoch oder gerade deshalb hat er mir sehr gut gefallen. Die Story wird mit sehr viel (bitterem) Humor und Biss, aber auch Liebe und Verständnis erzählt. Die richtige Balance zu finden zwischen Verstörung beim Zuschauer und Aufdecken solch perfider Familienstrukturen ist ein künstlerischer Akt, der bei Das Fest hervorragend gelungen ist. Schade, dass der Film nie eine breite Masse erreichen wird. Denn der sexuelle Missbrauch an Kindern kann auch symbolhaft für alle Beziehungen stehen, die ein großes Machtgefälle beinhalten und auf Schutzbedürftigkeit und Vertrauen beruhen.

14 Bewertungen, 2 Kommentare

  • MasterSirTobi

    31.05.2008, 15:03 Uhr von MasterSirTobi
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht. LG von MasterSirTobi

  • bambie34

    30.05.2008, 14:07 Uhr von bambie34
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich,lg Tanja