Das Fest (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von Fantomiss

Dunkle Geheimnisse

Pro:

verstörend, bedrückend, beängstigend realistisch - und großartig!

Kontra:

nichts!

Empfehlung:

Ja

"Die große Aufgabe unserer Zeit ist es, alle bestehenden Institutionen in die Luft zu jagen - zu zerstören." (Henrik Ibsen)


Manche Geschichten lassen mich nie mehr los...

Zum 60. Geburtstag des Patriarchen Helge (Henning Moritzen) trifft sich die ganze Familie im abgelegenen Hotel des Gastronomen, das idyllisch inmitten von Feldern und Wiesen liegt. Aber bereits bei der Ankunft deuten sich kleine Mißstände an. Der jüngste Sohn Michael (Thomas Bo Larsen) steht nicht auf der Gästeliste, offenbar, weil er bei einer anderen Feier gewalttätig geworden war und es nicht einmal für nötig befunden hatte, zur Beerdigung seiner kürzlich verstorbenen älteren Schwester Linda zu erscheinen. In seinem Schlepptau befinden sich Frau Mette (Helle Doleris) und die drei Kinder. Um das Raumproblem zu lösen, erklärt sich seine Schwester Helene (Paprika Steen) bereit, in das Zimmer Lindas zu ziehen, das seit ihrem Tod scheinbar nicht mehr genutzt worden war. Und schnell deutet sich an: Linda hat sich umgebracht, im Bad eben jenes Zimmers. Helene wird auf seltsame Zeichen an den Wänden aufmerksam, eine Art Schnitzeljagd, die Linda gern spielte - und findet einen Brief ihrer Schwester. Beim Lesen bricht sie in Tränen aus, versteckt den Brief aber in einem Tablettenröllchen. Was bringt Helene so aus der Fassung?

Nach und nach finden sich die Gäste zu Tisch ein, und vom ältesten Sohn Christian (Ulrich Thomsen), Zwillingsbruder Lindas, wird selbstverständlich die erste Rede erwartet. Doch was als Lobrede auf den Vater erwartet war, wirft eine niederschmetternde Offenbarung in den Raum: Der Vater hat Christian und Linda regelmäßig sexuell mißbraucht. Peinliches Schweigen. Das Ende der Feier? Mitnichten.
Helges seniler Vater rettet unabsichtlich die Situation. Christian will die Feier verlassen, wird jedoch von seinem Jugendfreund, dem Koch, überzeugt, nicht zu gehen. Dies soll Christians Abend sein. Die Wahrheit soll ans Licht. So geht er wieder in den Festsaal und hebt sein Glas auf seinen Vater.
"Auf den Mann, der meine Schwester umgebracht hat. Auf einen Mörder."
Und die Situation eskaliert.


Durchgängig harter Tobak. Denn nach und nach kommt immer mehr ans Licht. Und da die Hotelangestellten heimlich die Autoschlüssel der Gäste versteckt haben, bleibt den aufgebrachten Verwandten nichts anderes übrig, als sich den dunklen Geheimnissen der Familie zu stellen.
Regisseur Thomas Vinterberg gelingt es dabei mit einem so einfachen wie genialen Mittel, eine beängstigende Nähe zum Geschehen herzustellen. Der Film ist, neben Lars von Triers "Idioten", der erste Film, der nach den Kriterien des "Dogma 95" gedreht ist.
Dieses "Dogma" ist ein von den dänischen Filmregisseuren Lars von Trier, Thomas Vinterberg, Kristian Levring und Søren Kragh-Jacobsen am 13. März 1995 unterzeichnetes und am 20. März 1995 in Paris vorgestelltes Manifest für die Produktion von Filmen. Sie treten darin für ein Kino ein, das wieder vermehrt die Geschichte in den Vordergrund stellt, und auf Spezialeffekte völlig verzichtet. Die Dogma-Filme werden allesamt mit Handkameras gedreht, spielen ausschließlich an Originalschauplätzen, es wird keine Musikuntermalung nachträglich eingespielt.
(Mehr Infos hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Dogma_95)
Diese Bedingungen machen "Das Fest" bedrohlich real. Es entsteht beinahe ein Eindruck, als sähe man Aufnahmen, die auf einem tatsächlichen Familienfest gemacht wurden. Der Realismus wird beinahe beängstigend. Die Gäste wahren die Fassade, während die Bilder zu wackeln beginnen, als würde die Hand des Kameramannes zittern. Und ich werde jedes Mal hineingesogen in diesen Strudel der Ereignisse, die dunklen Geheimnisse einer scheinbaren Vorzeigefamilie, ich frage mich, wie nach einer solchen Offenbarung noch überhaupt einer der Gäste lachen und feiern kann, während die Kamera hineinfährt in ein obszönes Lachen eines der Gäste, ich frage mich, warum Helene ihr Wissen zurückhält, warum die Mutter so vieles verleugnet und in ihrer Tischrede ihre Kinder durch die Blume wie Nichtsnutze darstellt (und sowieso hatte Christian ja schon immer eine blühende Phantasie und hat schon als Kind gerne Lügengeschichten erzählt) - und warum keiner aufsteht und Stellung bezieht. Stattdessen tanzen die Gäste Polonaise durchs Hotel. Wie jedes Mal. So muss es eben sein.

"Das Fest" erinnert dabei in seiner Thematik an die Stücke Henrik Ibsens, deren übergeordnetes Thema stets die Aufdeckung einer lange gehüteten Lebenslüge ist, was am Ende in die Katastrophe führt.
Die Geschichte von "Das Fest" wurde 1996 von einem Mann namens Allan in einer dänischen Radiotalkshow erzählt, später gab er jedoch an, die Geschichte des doppelten Kindesmißbrauchs sei frei erfunden. Der verstörenden Wirkung des Films kann man sich dennoch zu keiner Zeit entziehen. Und für den Zuschauer bleibt, die Geschichte auch als Metapher zu sehen. Denn jede Familie hat ein dunkles Geheimnis...
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Weitere Infos:
http://de.wikipedia.org/wiki/Das-Fest-%28Film%29 (Bindestriche durch Unterstriche ersetzen)
http://german.imdb.com/title/tt0154420/ (da gibts auch den Trailer)
http://zeus.zeit.de/text/1999/2/199902.fest-.xml

43 Bewertungen, 15 Kommentare

  • ko123456

    04.07.2008, 11:49 Uhr von ko123456
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr guter Bericht. freue mich auf Gegenlesungen. Viele Grüße

  • bambie34

    19.06.2008, 14:51 Uhr von bambie34
    Bewertung: sehr hilfreich

    Noch einen schönen Donnerstag. Gruß Tanja

  • wir_2

    22.03.2008, 14:14 Uhr von wir_2
    Bewertung: sehr hilfreich

    den Film kenne ich auch, wirklich sehr empfehlenswert!

  • Michaela2015

    22.03.2008, 10:38 Uhr von Michaela2015
    Bewertung: sehr hilfreich

    klasse, lg

  • golfgirl

    21.03.2008, 00:21 Uhr von golfgirl
    Bewertung: sehr hilfreich

    Lg Dani

  • Guenterchen

    20.03.2008, 16:22 Uhr von Guenterchen
    Bewertung: sehr hilfreich

    lieben Gruß

  • Katja204

    20.03.2008, 12:59 Uhr von Katja204
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh, lg katja

  • morla

    20.03.2008, 04:36 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg. petra

  • bigmama

    19.03.2008, 23:09 Uhr von bigmama
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Anett

  • anonym

    19.03.2008, 22:53 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh, lg willi

  • schnecke1509

    19.03.2008, 22:23 Uhr von schnecke1509
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg silke

  • campino

    19.03.2008, 22:11 Uhr von campino
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg andrea

  • Mondlicht1957

    19.03.2008, 21:45 Uhr von Mondlicht1957
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr informativ LG Pet

  • paula2

    19.03.2008, 21:44 Uhr von paula2
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe Grüße

  • Baby1

    19.03.2008, 21:41 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.