Der Insektensammler (Taschenbuch) / Jeffrey Deaver Testbericht

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Erfahrungsbericht von winterspiegel

Dem Täter auf der Spur

Pro:

Mitreißender Einstieg in die Geschichte, packende Thriller-Atmosphäre

Kontra:

Zum Schluss hin etwas wirr und unglaubwürdig

Empfehlung:

Ja

Der Verfasser des Buches, dass ich heute vorstellen will, war mir bis dato relativ unbekannt. Als ich seine Kurzbiografie auf den ersten Seiten begutachtete, ging mir allerdings schnell ein Licht auf.
Ein früherer Roman von Jeffery Deaver (Die Assistentin), wurde unter dem Titel „Der Knochenjäger“ mit Denzel Washington verfilmt. Ich kannte diese Filmadaption, und da ich den Streifen als sehr spannenden Kriminalthriller in Erinnerung hatte, und mir die Schilderung der Story dieses Buches auf dem Klappentext genauso zusagte, war der Kauf auch schon beschlossene Sache für mich.

Der ehemalige Rechtsanwalt Jeffery Deaver hat seine Romanfigur Lincoln Rhyme bisher schon drei mal ins Rennen geschickt. Rhyme, der geniale Ermittler des New Jorker Police Departments kann - seit ihn ein schwerer Unfall vom Hals an bewegungsunfähig gemacht hatte - seine erkennungsdienstlichen Untersuchungen nur noch vom Rollstuhl aus aufnehmen. Seine Freundin und verlängerter Arm vor Ort ist die couragierte Polizeibeamtin Amelia Sachs, für die wiederum Rhyme ein Vorbild und Mentor in allen Kriminalistischen Belangen ist.



Handlung


Der geniale Detektiv und Kriminalist Lincoln Rhyme kommt in eine besonders abgelegene Gegend von North Carolina. Er will sich einer nicht ganz risikolosen Operation unterziehen, die dem gelähmten Ermittler wieder Hoffnung auf eine wenigstens teilweise Heilung geben soll.
Doch schon kurz nach dem Eintreffen in der Klinik wird Rhyme vom Polizeichef der, nur wenige Meilen entfernten Gemeinde Tanner´s Cornner aufgesucht. In dem beschaulichen Ort ist ein Verbrechen geschehen, bei dem die dortigen Behörden nicht recht weiterkommen und sich nun um Rhymes legendäre Fähigkeiten bemühen. So kommt es, dass der Starermittler zusammen mit seinem Betreuer und seiner engen Mitarbeiterin Amelia Sachs sich in dem kleinen Kaff einquartieren.

Doch der Fall erweist sich als äußerst verzwickt: Die Studentin Mary Beth wurde nahe eines riesigen Sumpfgebietes entführt. Zuvor hatte der Kidnapper einen Jungen erschlagen der dem Mädchen zu Hilfe kommen wollte. Es scheint eigentlich keinen Zweifel zu geben, dass nur der zuvor schon auffällig gewordene 16 - jährige Garrett Hanlon als Täter in Frage kommen kann.
Lincoln Rhyme und Amelia Sachs nehmen die Spurensuche auf. Im Zusammenspiel mit den Schlüssen die der Kriminalist aus den Untersuchungen der Spuren gewinnt, ist der jugendliche Täter trotz einiger raffinierter Fallen die er den Cops stell, relativ schnell gefasst. Doch Garrett ist nicht dazu zu bewegen den Standort seines Entführungsopfers preiszugeben. Er betont immer wieder, dass er das Mädchen nur in Sicherheit bringen wollte.

Amelia Sachs beginnt dem Jungen langsam zu glauben. Und als sie keine andere Chance auf ein rechtzeitiges Auffinden des Mädchens sieht, ehe es in seinem Versteck umkommt, fällt die Polizistin eine folgenreiche Entscheidung. Sie befreit Garrett mit Waffengewalt und macht sich mit ihm gemeinsam auf den Weg zur Gekidnappten. Doch nicht nur die gesamten Beamten des Distrikts sind in kürzester Zeit hinter dem Duo her, als eine gnadenlose Jagd auf die Flüchtenden eingeleitet wird...



Kritik


Zu Beginn entführte mich der Autor in eine prickelnde Atmosphäre von atemloser Spannung, eingebunden in wilder Naturlandschaft in der ich mich nur zu gerne verlor. Die weiten Sumpflandschaften Carolinas sind derartig plastisch beschrieben, dass ein eintauchen in diesen wandlungsreichen Thriller mir deshalb nicht allzu schwer fiel. So wehte immer mal wieder ein Hauch von Thomas Harris „Das Schweigen der Lämmer“ durch die Zeilen dieser fesselnden Geschichte. Auch ein hart am Ball der Geschehnisse bleibender Handlungsstrang, der erfreulich geradlinig erzählt wird und nur durch gelegentlichen Schauplatzwechsel für Auflockerung sorgt, hielt mich dabei ausgezeichnet bei Laune.

So erlebt man wie der charismatische Ermittler Lincoln Rhyme mit Hilfe von allerlei technischem Schnickschnack, und der ihm zur zweiten Natur gewordenem Intuition sich auf Spurensuche macht. Diese Ergebnisse werden dann unmittelbar an die Cops weitergeleitet, die dann die Verfolgung des Flüchtigen aufnehmen.
Bis hier hin hat mich die Story in überzeugender Manier in ihren Bann gezogen, teilweise sogar regelrecht begeistert. Doch nach zirka der Hälfte des Buches war ein, erst kaum merkbarer Bruch in der Geschichte spürbar, der sich aber leider auch auf den weiteren Fortlauf auswirkte.
Von da an steht die Handlung regelrecht auf der Kippe, und der Leser weiß nicht mehr, wie oft die Ereignisse sich noch drehen und wenden. Etwas weniger von diesem uferlosen Verwirrspiel wäre meiner Meinung nach völlig ausreichend gewesen. Anstatt nämlich dem gruseligen und abenteuerlichen Touch der Geschichte auch noch bis ins letzte Kapitel zu retten, lässt der Autor den Leser von einem komplizierten Rätsel zum nächsten stolpern.

Nicht das diese Abschnitte etwa schlecht geschrieben worden wären, aber es passiert einfach zuviel unglaubliches, sodass der Leser fast schon wieder versucht ist sich gedanklich auszuklinken. Sowohl die sich gegen Ende überschlagenden Ereignisse, als auch die bis an ihre Grenzen vorstoßende Glaubwürdigkeit sind Punkte, die mir dann halt doch weniger behagten. Der Schluss wirkt außerdem leicht hinausgezogen, geradeso als ob der Verfasser im nachhinein bemerkt hätte, dass ja noch die eine oder andere Sache der Erklärung bedurfte.
Schade um die hervorragenden Ansätze und die Klasse Idee der Geschichte, die um ein Haar fast noch um Kopf und Kragen geschrieben wurden.



Resümee


Man sollte den Tag nicht vor dem Abend loben, ein Spiel hat bekanntlich 90 Minuten, und ein Roman sollte eigentlich seinen hochgeschätzten Leser bis zur letzten Seite bei Laune halten können. Jeffery Deaver gelingt es einfach nicht ganz seine anfängliche Euphorie, die er in seinen Roman einbrachte über die gesamte Strecke von fast 500 Seiten zu halten. Hätte sich der Autor zu - meiner Meinung nach notwendigen Kürzungen im späteren Teil durchgerungen, könnte ich ohne groß überlegen zu müssen die volle Wertung(eventuell noch mit Extrasternchen) vergeben.
So aber bleibt mir nichts anderes übrig, als diesen Kriminalthriller in die lange Reihe von zwar empfehlenswerten Werken in diesem Bereich zu stellen, aber halt doch nicht in die höheren Gefilde, für die das Buch eigentlich ohne weiteres das Zeugs gehabt hätte.




Jeffery Deaver

Der Insektensammler

Roman

Blanvalet Verlag

Preis: ca. 8 Euro


(c) winterspiegel für Ciao & Yopi

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