Dämon (Taschenbuch) Testbericht

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ab 4,34
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Erfahrungsbericht von winterspiegel

Gefallener Engel

Pro:

Flotter, packender Schreibstil; Angst machende Stimmungsbilder und gnadenloser Horror; gut ausgearbeitet mit eindrucksvollem Ende

Kontra:

Etwas oberflächliche Charakterisierung

Empfehlung:

Ja

SUCHET, SO WERDET IHR FINDEN. Als Fan von tatsächlich ansprechenden Horrorstorys muss man sich mit dieser Floskel wohl sehr oft vertrösten, bis einem eines Tages dann doch noch ein Buch ins Haus schneit, das den eigenen, hochgesteckten Erwartungen genügt. Doch der Weg bis dorthin ist steinig und von mehr oder weniger großen Enttäuschungen gepflastert, sodass ich mich sehr oft gezwungen sah auf die großen Klassiker des Genres auszuweichen, um an ein gerüttelt Maß an Qualität in diesem Bereich zu gelangen.

Außer Stephen King (sorry, ihr Konntz’s, Straub’s, Hohlbein’s, oder wie ihr sonnst noch alle heißen möget) scheint es kein zeitgenössischer Autor so richtig fertig zu bringen - auch auf Dauer – Spannung, sowie eine gehörige Portion an atmosphärischem Grusel mit übernatürlichen Anklängen zu verbreiten.

„Dämon“ von Matthew Delaney ist aber nach langer Zeit wieder ein hervorragender Kandidat, der ohne Zweifel in die Fußstapfen großer Vorbilder treten kann, ohne gleich heillos in Klischeehaftigkeit oder Eintönigkeit zu versinken Die Erzählung packt einen schlichtweg von Anfang bis zum Ende. So viel sei jedenfalls hier schon mal vorab verraten.



Autor


„Dämon“ ist Matthew Delaney’s Romandebüt. Der Absolvent des Dartmouth College in New Hampshire konnte sich gleich mit seinem Erstling beim Publikum, sowie den Kritikern durchsetzen. Die Filmrechte wurden – recht ungewöhnlich für einen Neuling - schon vor Fertigstellung des Buches an Touchstone Pictures veräußert. Matthew Delaney lebt in Somerville, Massachusetts.



Handlung


11. NOVEMBER 1943, BOUNGAINVILLE, NÖRDLICHE SALOMONENINSELN. Die amerikanischen Landungstruppen im Pazifischen Kriegsgebiet des zweiten Weltkriegs, bekommen nach ihrer Ankunft die unerbittliche Härte der Auseinandersetzungen zu spüren. Doch nicht nur die Japaner – der eigentliche Feind – macht den Soldaten zu schaffen. In dem undurchdringlichen Dschungel im Landesinneren wartet noch ein anderer, noch grausamerer Gegner auf die Männer, der sich wahllos über beide Kontrahenten hermacht. Widerstrebend wird den Soldaten klar, dass es sich um eine Kreatur handelt, gegen die sie mit ihren zu Verfügung stehenden Waffen nicht den Hauch einer Chance haben. Etwas wirklich Böses ist hier verborgen, das schon seit Urzeiten mit einer unglaublichen Intensität mordet, und auf der Suche nach etwas ganz bestimmten ist...

JULI 2008, BOSTEN MASSACHUSETTS. Detective Will Jefferson und sein Partner Brogan werden zu einem Tatort ins Lyerman Building zitiert. Auf dem Dach des Gebäudes ist der Sohn vom einflussreichen Multi Millionär Lyerman und eine Freundin unter recht merkwürdigen Begleitumständen ums Leben gekommen. Eine spätere Obduktion zeigt nämlich, dass sich die Leichen in einem unerklärlichen Zustand befinden. Auch werden einige eigenartige und rätselhafte Anhaltspunkte nahe dem Fundort der Leichen entdeckt, mit denen die Beamten zunächst nichts anfangen können. Auch von phantomhaften Täter fehlt zunächst jede Spur.

Doch das Morden geht weiter: Mit einer zuvor nie für möglich gehaltenen Grausamkeit geht der Mörder vor. Das müssen Jefferson und Brogan sehr schnell erkennen, als sie innerhalb kürzester Zeit zu den verstümmelten Leichen an verschiedensten Orten der Stadt gerufen werden. Die Hinweise mehren sich, dass die beiden Ermittler es mit einem Gegner zu tun haben, der nicht menschlich sein kann. Die Geschichte dieses Ungeheuers liegt weit in der Vergangenheit verborgen. Jefferson macht sich mit Hilfe der attraktiven Spurenexpertin McKenna daran diese Hintergründe zu entschlüsseln. Die Ergebnisse die sie zu Tage fördern können sie erst nicht glauben -, müssen dann aber erkennen, das sie da in eine Sache hineingeraten sind, die mit dem normalen Verstand nicht zu begreifen ist...



Kritik


Schon die ziemlich umfangreiche Ouvertüre, die einem der Autor in von Anfang an intensiven Bildern verabreicht, lässt keinen Zweifel darüber aufkommen, dass es in dieser Geschichte mächtig zur Sache geht. In einer regelrecht filmisch zu nennenden Mischung aus „Saving Privat Ryan“ und „Predator“, wirft Matthew Delaney schon sehr früh seine umfangreichen, erzählerischen Netze aus, um diese dann zum Finale seines Dämonen-Thrillers, reich gefüllt mit der ein- oder anderen Überraschung, wieder einziehen zu können. Deswegen lösen sich auch die dringendsten Fragen, die sich im Laufe der Geschichte ergeben haben, erst ganz am Schluss. Erst im wirklich fulminant zu nennenden, actionreichen Finale, in dem es fast ohne Unterlass rummst und kracht, laufen demnach schließlich alle Fäden zusammen. Der spannend-mysteriöse Aspekt der Geschehnisse bleibt aber dem ungeachtet bis zur letzten Zeile erhalten, und kann sogar noch mit einem philosophisch angehauchten, sehr interessanten Schlusspunkt aufwarten.

Doch bis dahin kann sich der Leser auf einiges gefasst machen. Liebhaber von wirklich Angst machenden Geschichten werden hier sicherlich voll auf ihre Kosten kommen, da sich Delaney ausgezeichnet darauf versteht einen Plot zu konstruieren, der den Leser alles andere als kalt lässt. Es zieht einen mal gemächlich, dann wieder rasend schnell und beharrlich in eine Atmosphäre, die von unheimlichen sowie grausamen Szenarien diktiert werden. Die Anteilnahme des Betrachters dürfte deshalb nicht selten über das übliche Maß einer fiktiven Geschichte hinausgehen, da viele Handlungsstränge sehr plastisch - geradezu bildlich wiedergegeben wurden. In diesem Bereich macht dem Autor keiner so schnell etwas vor, sodass er in Verbindung mit einer guten Recherche was den dämonischen Hintergrund betrifft, wirklich vorzügliche Arbeit geleistet hat. Sehr schön wurden auch geschichtliche Hintergründe beleuchtet, die sich an tatsächlich existierenden religiösen Reliquien- sowie an rein fiktivem Gedankengut des Autors festmachen, und sich so im Endeffekt zu einem lesenswerten Stück übernatürlichen Literatur vermengen.

Negatives gibt es im Grunde kaum zu berichten, wenn auch die Darstellungen der Hauptcharaktere trotz intensiver Beschreibungen ihrer Vergangenheit, immer ein wenig an der Oberfläche zu bleiben scheinen. Das hat der Autor wohl etwas vernachlässigt, um – so nehme ich an - sich stärker auf eine schnell vorankommende Story konzentrieren zu können, ohne dass diese merklich an Tempo verliert. Auch die wenigen Absätze die das Buch zu bieten hat, erleichtern einen Aus- und Einstieg in die Geschichte nicht unbedingt. Doch wird man ohnehin nicht viele Anläufe brauchen, um sich die ausgedehnte, 760 Seiten starke Erzählung zu Gemüte zu führen, da man - wie schon erwähnt - in einen unwiderstehlichen Sog gezogen wird, der einen nicht mehr so schnell loslässt.



Fazit


Horror-Fans kommen ebenso wie Freunde von Gespenster- und Dämonengeschichten nach langer Zeit wieder voll auf ihre Kosten. Modern, in einem filmisch geprägten Stil geschrieben, bei dem sich manch Anleihen an große Leinwandwerke der verschiedensten Genres wieder finden, liest sich das Ganze sehr angenehm. Dennoch versteht es der Delaney gekonnt sein eigenes Ding daraus zu machen. Jederzeit die Kontrolle über den Verlauf seiner packenden Handlung hält, der Autor fest in seinen Händen, auch wenn es scheinbar manchmal so aussieht, als würde die Geschichte sich zu weit vom eigentlichen Geschehen entfernen.
Gegen später merkt man aber erleichtert, dass alle Stränge wichtig für das Gesamtverständnis sind, wenn der furiose Schlussakt näher und nähe zu rücken beginnt.

Was das Buch zu etwas ganz besonderem macht, ist aber zweifelsohne die furchteinflößende Stimmung, die Delaney immer wieder heraufbeschwört, und die beim Leser ein mehr als unangenehm zu nennendes Gefühl aufkommen lässt, das zeitweise sogar ausnehmend bedrückend wirkt. Verbunden mit der einfallsreichen, gut ausgefeilten Story, ergibt sich demnach eine hervorragende Gesamtkonstruktion, die alles in allem überzeugen kann. Sollte der Autor die von mir bemängelten, kleineren Schwächen bei der Charakterisierung bei seinem nächsten Werk noch in den Griff bekommen, dann, ja dann mache ich mir wirklich keine Sorgen um seinen weiteren Erfolg. Ich warte schon mal gespannt darauf, was aus der Feder dieses viel versprechenden Schreibers in der Zukunft noch so alles kommen mag. Der nächste Titel von ihm steht jedenfalls schon fest: „Genome, Inc.“.

© winterspiegel für Ciao & Yopi





Matthew Delaney

Dämon (org. Jinn)

Roman

Bastei Lübbe

764 Seiten

Preis: ca. 9 Euro

46 Bewertungen, 1 Kommentar

  • kruemel02

    08.03.2005, 22:07 Uhr von kruemel02
    Bewertung: sehr hilfreich

    lese sowas auch gern aber als Film wäre es mir leiber. *gg* Lg Oli