Der Bulle von Tölz Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Unterhaltungswert:  sehr gut
  • Informationsgehalt:  gut
  • Präsentation:  sehr gut
  • Spaß:  viel
  • Spannung:  sehr viel
  • Romantik:  durchschnittlich

Erfahrungsbericht von LosGatos

Der Kommissar, die Schöne und das Biest

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Welches ist die gefährlichste Stadt Deutschland, wo man sogar um sein Leben fürchten muss? Frankfurt mit seiner berüchtigten Bahnhofsgegend, Berlin mit Kreuzberger Nächten, Hamburg mit seinem Kiez? Weit gefehlt. Keine der genannten. Deutschlands Mördergrube liegt im oberbayerischen Bad Tölz, einem Städtchen mit nicht einmal 20.000 Einwohnern. Denn in diesem idyllisch gelegenen Ort passiert jede Woche zwischen 21Uhr15 und 23Uhr15 ein Mord. Jedenfalls auf SAT.1....

Ein Fall für den Bullen von Tölz. Der Bulle von Tölz, das ist Benno Berghammer, gespielt von Ottfried Fischer. Dieses Prädikat kommt ihm im doppelten Sinne zu. Denn Ottfried Fischer mit seinen Kohl’schen Körpermaßen hat ja bekanntlich nicht nur die Figur eines Bullen, sondern er ist der Kriminalkommissar, der diese Mordfälle aufzuklären hat. Benno kennt die Gegend und die Leute, er ist hier aufgewachsen. Er ist nicht nur Junggeselle, sondern ein wahres Muttersöhnchen. Trotz fortgeschrittenen Alters lebt er nach wie vor bei seiner Mutter Resi, gespielt von der großartigen bayerischen Volksschauspielern Ruth Drexel. Nicht, dass die Mutter ihren Sohn nicht unter ihren Fittichen herausgeben würde, im Gegenteil, sie wünscht sich nichts sehnlicher als dass ihr Benno endlich heiratet. Aber der macht keine Anstalten. Zwar ist er weiblichem Charme hin- und wieder schon erlegen, aber oft sind die möglichen Kandidatinnen auch in die Mordfälle verwickelt. Und nicht zuletzt ist Benno zu bequem, die Annehmlichkeiten, die seine Mutter ihm bietet, aufzugeben. Annehmlichkeiten, das bedeutet für Benno in erster Linie reichhaltige gepflegte Hausmannskost, die immer pünktlich auf dem Tisch steht. Ob eine moderne emanzipierte Frau solche Erwartungen erfüllen könnte, daran hegt Benno wohl manchen Zweifel. Dieser Typus Frau wird in die Serie von seiner attraktiven Kollegin Sabrina Lorenz eingebracht, gespielt von Katerina Jacob, der Tochter von Ellen Schwiers. Sie sorgt zum einen dafür, dass die in deutschen Krimis unverzichtbare Frauenquote seitens der Mörder-Jäger erfüllt wird, und zum andern für das preußische Gegengewicht zum Urbayern Berghammer / Fischer.
Somit wird die Serie von der gekonnten Darstellung dieser drei Schauspieler getragen, die sich wechselvoll ergänzen. Das wird zu guter letzt auch dadurch gefördert, dass die umtriebige Mutter Resi, die zwar privat eine Pension betreibt, aber nebenbei vielen Interessen nachgeht, auch immer wieder in die Mordfälle verwickelt ist, da mal eine Leiche unter den Teilnehmern eines Malkurses zu finden ist, an dem Resi gerade teilnimmt, oder ein andermal unter den Mitgliedern eines Chores, in dem Resi gerade singt.

Ottfried Fischer spielt den sturen, aber gutmütigen Bullen, der jedoch immer mit viel Scharfsinn die schwierigen Fälle löst. Berghammer ist bodenständig und unbestechlich. Da er aus der Gegend stammt, muss er häufig unter Freunden und Bekannten ermitteln. Er ist immer schlecht gekleidet wie Columbo, zwar trägt er keinen Regenmantel, jedoch stets ausgebeulte und schlecht sitzende Jacketts von der Größe eines Vier-Mann-Zeltes.
Katerina Jacob ist das kontrastreiche Gegenstück. Sportlich, attraktiv und charmant, kurzum eine Frau, die auch mir (LosGatos) gut gefällt.
Und Ruth Drexel, die vermeintlich beste Schauspielerin der Serie, spielt die Resi so, dass eine Else Kling gegen sie wie ein laues Lüftchen wirken würde. Ist sie in die Mordfälle verstrickt, wird sie zur bayerischen Miss Marple.
Dazu kommen wechselweise, d.h. sie sind nicht in jeder Folge dabei, der trottelige Polizist Pfeifer (Udo Thomer), die energische Staatsanwältin (Diana Körner), der joviale Prälat Hinter (Michael Lerchenberg), der dubiose Bauunternehmer Rambold (Gerd Anthoff) sowie der korrupte Staatssekretär.

Die Serie ist eine gelungene Mischung aus Krimi und Komödie. Der Krimifreund kommt durchaus auf seine Kosten. Denn die Handlung ist stets spannend und es ist selten offensichtlich, wer letztlich der Täter ist, der sich meist aus einem Kreis von 6-7 Verdächtigen ergibt oder gar jemand ist, mit dem der bedarfte Zuschauer überhaupt nicht rechnen konnte. Da ich selbst kein übermäßiger Anhänger von Kriminalfilmen bin, wäre das für mich noch kein ausreichender Grund, mir die Serie anzuschauen. Dazu kommt jedoch zum einen der köstliche Humor, der sich meist durch die von Sticheleien angereicherten Dialoge der 3 Hauptdarsteller ergibt, und zum andern die satirische Note der Episoden, in denen immer wieder gesellschaftliche Knackpunkte wie Vetternwirtschaft oder Korruption sowie die Scheinheiligkeit von Kirche und Staat aufs Korn genommen werden. Und welche Umgebung würde sich für derartige Persiflagen besser eignen als das christsozial regierte Bayern! Eine Stilblüte aus der letzten Folge, in der es für eine scheinheilige Seilschaft galt, das Gesicht zu wahren, und in der mal wieder der großartig spielende Staatssekretär mitwirkte, ist mir nachdrücklich im Gedächtnis haften geblieben: „Es tritt immer nur einer zurück, der alles auf seine Kappe nimmt, damit die Karawane weiter wurschteln kann. Das sind die Regeln einer funktionierenden Demokratie...“ Das Opfer dieser Folge wurde übrigens von Möchtegern-Sternchen Jenny Elvers gespielt, die sich hier mehr oder weniger selbst mimen durfte. Wer allerdings aktionsgeladene Verfolgungsjagden a la James Bond oder Prügeleien a la Szymanski vorzieht, ist mit dieser Serie schlecht bedient.

Kurzum, es ist eine Serie, bei der man mit dem schmunzeln nicht aufhören kann und von der ich eigentlich keine Folge verpassen möchte, auch wenn ich sie schon mehrfach gesehen habe. Für mich ist diese Serie eindeutig die Nummer 1 aller mir bekannten aktuellen Fernsehserien. Jede Folge ist inhaltlich in sich abgeschlossen.

Die Serie wurde 1996 erstmals ausgestrahlt. Mehrere Regisseure und Drehbuchautoren wechseln sich bei den einzelnen Folgen ab. Sendetermin ist derzeit mittwochs von 21Uhr15 bis 23Uhr15 auf SAT.1. Die Serie läuft ebenfalls auf ORF. Die 90 Minuten Nettospielzeit wird jedoch 4-5mal durch Werbeblöcke unterbrochen, so dass sich das ganze für meinen Geschmack zu lange hinzieht. Ich ziehe es deshalb vor, die Sendung jeweils auf Video aufzuzeichnen und am nächsten Tag abzuspielen.

Copyright LosGatos
Erstveröffentlichung 4.2.2003
Veröffentlicht bei Ciao, Yopi, Talk-On und vielleicht Dooyoo

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