Der Club der toten Dichter (VHS) Testbericht

Der-club-der-toten-dichter-vhs-drama
ab 12,84
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 10/2004

5 Sterne
(12)
4 Sterne
(0)
3 Sterne
(1)
2 Sterne
(0)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von yerusha

Tradition, Ehre, Disziplin und Leistung oder :Travestie, Ekel, Dekadenz und Lethargie?

Pro:

wunderbarer Film

Kontra:

nix

Empfehlung:

Ja

Titel Deutschland: Der Club der toten Dichter
Titel USA: Dead Poets Society
Genre: Drama
Farbe, USA, 1989

---

Darsteller:
Robin Williams .... John Keating
Robert Sean Leonard .... Neil Perry
Ethan Hawke .... Todd Anderson
Josh Charles .... Knox Overstreet
Gale Hansen .... Charlie Dalton
Dylan Kussman .... Richard Cameron
Allelon Ruggiero .... Steven Meeks
James Waterston .... Gerard Pitts
Norman Lloyd .... Mr. Nolan
Kurtwood Smith .... Mr. Perry
Carla Belver .... Mrs. Perry
Leon Pownall .... McAllister
George Martin .... Dr. Hager
Joe Aufiery .... Chemistry teacher
Matt Carey .... Hopkins

Regie: Peter Weir

---

\"Ich ging in die Wälder, denn ich wollte wohl überlegt leben. Intensiv leben wollte ich, das Mark des Lebens in mich aufsaugen, um alles auszurotten, was nicht lebend war. Damit ich nicht in der Todesstunde inne würde, dass ich gar nicht gelebt hatte.\"

Vermont, an der Ostküste der USA, 1959. Hier befindet sich die Welton-Akademie, ein elitäres und snobistisches Internat für Jungen aus reichen Familien, das diese auf ihre Karriere an Elite-Universitäten vorbereiten soll. Die 100 Jahre alten Grundprinzipien dieser Akademie lauten: \"Tradition, Ehre, Disziplin und Leistung\", was von den Jugendlichen jedoch heimlich in \"Traviestie, Ekel, Dekadenz und Lethargie\" übersetzt wird.

Zu Beginn des neuen Schuljahres kommt ein neuer Lehrer an das Internat. John Keating war als Jugendlicher selbst Schüler dieser Schule, jetzt kehrt er als Englischlehrer hierher zurück.

Zum Erstaunen der auf Gehorsam und Karriere gedrillten Jugendlichen herrscht in seinem Unterricht ein völlig anderes Klima. Anstatt ihnen den trockenen Stoff einzutrichtern, regt Keating seine Schüler mit unkonventionellen Methoden zum selbständigen Denken an und bringt ihnen die Poesie näher.

Nachdem er ihnen von einem \"Club der toten Dichter\" erzählt, dem er früher als Schüler dieser Schule selbst angehörte, gründen einige der Jungen diesen Club neu. Sie treffen sich nachts in einer abgelegenen Höhle und rezitieren Gedichte. Langsam entwickeln die Jugendliche eigene, freiere Vorstellungen von ihrem Leben und beginnen auf ihre Weise, gegen die strengen Regelungen des Internats und auch ihrer eigenen Eltern zu rebellieren. Der schüchterne Todd Anderson, der unter dem Schatten des Erfolges seines älteren Bruders zu leiden hat, wird mutiger; Knox verzehrt sich vor Liebe zu einem Mädchen und traut sich schließlich, ihr entsprechende Avancen zu machen, und Neil entdeckt die Liebe zum Theater.

Diese Entwicklung ist jedoch den anderen Lehrern und auch den Eltern der Schüler ein Dorn im Auge. Und als Neil dann gegen den Willen seines Vaters die Hauptrolle in einer Aufführung des \"Sommernachtstraums\" übernimmt, anstatt sich seinen Chemiebüchern zu widmen, kommt es zur Katastrophe. Neil wird von seinem Vater von der Schule genommen und weil er keinen Ausweg weiß, bringt er sich um.

Mit erheblichen Einschüchterungsversuchen und Druck auf die Jugendlichen entledigen sie sich dann schließlich des unbequemen Lehrers, indem sie als Ergebnis einer \"offiziellen Untersuchung\" ihn für den Selbstmord von Neil verantwortlich machen. Doch obwohl Keating die Schule verlassen muß, stellt er noch fest, daß seine Lehrmethoden nicht ohne Wirkung geblieben ist...

---

Dieser Film ist ein rundum gelungenes, wundervolles Meisterwerk, ein Plädoyer für die Erziehung zu freien Menschen statt zu Denkmaschinen. In diesem Film prallen zwei Welten aufeinander. Gleich zu Anfang wird klar, hier geht es nicht um Menschlichkeit, hier geht es um Karriere, Gehorsam und Funktionieren der Jugendlichen. Sie sollen die Vorstellungen ihrer Eltern erfüllen und darauf werden sie gedrillt.

In dieses militärisch anmutende Milieu tritt der Lehrer John Keating ein wie ein Fremder. Doch wie sich im Laufe des Filmes herausstellt, hat er diese Schule bewußt gewählt, weil er hier selbst früher Schüler war und weil er genau hier etwas verändern wollte. Und auch wenn es letztlich in einer Katastrophe endet und er am Schluß gezwungen wird, die Schule zu verlassen, so kann man dennoch gewiß sein, daß er in den Köpfen der Schüler einiges verändert hat, was allein durch sein Verschwinden nicht so schnell wieder auszumerzen sein wird. Und, wie sich andeutungsweise zeigt, vielleicht auch im Kopf zumindest eines anderen Lehrers.

Robin Williams, den ich ohnehin als wundervollen Schauspieler schätze, scheint diese Rolle wie auf den Leib geschrieben zu sein. Er verkörpert den Lehrer einfühlsam, offen und bringt seine Botschaft auf faszinierend einfache Weise unter die Jugendlichen und an den Filmzuschauer. Ein leiser Rebell, der auf seine ganz eigene Weise versucht, seinen Schülern einen besseren Zugang zum Leben zu verschaffen.

Auch die Rollen der Schüler sind wirklich gut besetzt. Ethan Hawke als schüchterner Todd Anderson zeigt eine beeindruckende Leistung und hat mit diesem Film einen Grundstein für seine Karriere gelegt. Auch Robert Sean Leonard gefällt und zeigt auch seine Wandlungsfähigkeit in der wunderschönen Aufführung von \"Ein Sommernachtstraum\".

Ich kenne keinen Menschen, dem bei der letzten Szene nicht die Tränen in die Augen gestiegen wären. Doch so traurig die Geschichte an sich ist, es gibt hier auch sehr viel zu lachen. Ein Film, den ich jedem nur empfehlen kann und den man auch immer wieder schauen kann. Viel Poesie in wunderschöne Bilder verpackt.

20 Bewertungen, 4 Kommentare

  • Angelina88

    21.12.2005, 11:28 Uhr von Angelina88
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht. <br/>LG, Angelina (würd mich über Gegenlesungen freuen ;-)

  • marina71

    30.10.2005, 19:35 Uhr von marina71
    Bewertung: sehr hilfreich

    Das ist einer meiner Lieblingsfilme. lg

  • Overknees

    22.05.2005, 23:29 Uhr von Overknees
    Bewertung: sehr hilfreich

    ;) Jetzt kennste einen. Sorry... ich mag das Buch, ich liebe Robby Williams... aber das ist einer der Filme, bei dem ich einfach einschlafe ;). *greetz* Marc A.

  • the_lone_gunmen

    22.05.2005, 21:38 Uhr von the_lone_gunmen
    Bewertung: sehr hilfreich

    Habe schon soviel gutes von dem Film gehört, aber scheinbar will der um's Verrecken nicht im Fernsehn kommen...! Aber jetzt, wo Du mir mit dem tollen bericht noch mehr Lust darauf gemacht hast, werde ich ihn wohl entweder ausleihen, oder zuseh