Der Club der toten Dichter (VHS) Testbericht

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Erfahrungsbericht von Brita2905

Eine gelungene Mischung aus Spannung, Witz und Tragik

Pro:

* ein Film, der mit 7.99 Euro sein Geld durchaus wert war/ist * weiteres siehe Text

Kontra:

*Zeit, die wie im Fluge vergeht * weiteres siehe Text

Empfehlung:

Ja

Der Club der toten Dichter...

Als ich diesen Film zum ersten Mal sah, war ich mehr als nur fasziniert von der Handlung, den Schauspielern, aber auch den Orten der Handlung. Der bekannteste Darsteller ist in diesem Film der Schauspieler Robin Williams, der für seine Leistung für den Oscar nominiert wurde...

Zu Beginn des Filmes wird ein kleiner Junge eingeblendet, dem Mama nahelegt, sich immer gerade zu halten...

\'Kind, tu dies und jenes,
halte dich gerade und
strebe nach Höherem.
Kind, deine Eltern meinen
es gut mit dir.
Sie ermöglichen dir die
Ausbildung, die ihnen
unter Umständen selbst
verwehrt blieb...\'

***

°°Der Film°°

Welton Akademie, USA im Jahre 1959: wieder beginnt ein neues Schuljahr an der Akademie, die landesweit bekannt ist in Bezug auf die grandiose Ausbildung auserwählter Jungen. Die Chancen derjenigen, die bis zum Abschluß bleiben, einen Studienplatz an den besten Universitäten zu erhalten sind sehr hoch.
Wie zu jedem Beginn eines neuen Schuljahres, gibt es eine eindrucksvolle Einweihungsfeier (mit dem Licht des Wissens, traditionsgemäßer schottischer „Hymne\"), in der das 100 jährige Bestehen der „Schule\" an sich gewürdigt, aber auch die Herkunft der Gründungsmitglieder, die hervorragenden Leistungen ehemaliger, erfolgreicher Absolventen.

Der Rektor Mr. Gale Nolan nun macht sowohl Neulinge, als auch bereits Studierende wiederholt auf Regeln und Pflichten der Welton Akademie in einer sehr eindrucksvollen Rede aufmerksam. Künftiger beruflicher Erfolg basiert nur auf Tradition, Ehre, Disziplin und Leistung, doch um welchen Preis? Kinder, bzw. Jugendliche erfüllen die Sehnsüchte, die die Väter einst hatten? Es ist nur wenig (wenn überhaupt) Raum für Gefühle, Träume und Wünsche, da die Zeit fehlt, bzw. diese Dinge überflüssig sind...

Rektor Nolan stellt u.a. den neuen relativ jungen, auf den ersten Blick ruhigen Englischlehrer John Keating vor. Das Besondere, fast Herausragende: Keating war selbst Absolvent der Akademie...
Nach den Feierlichkeiten beginnt der Ernst des Studiums. Der Unterricht an Eliteschulen wie der Welton Akademie ist stupide, stagniert in seinen Ansätzen, da die Lehrmethoden beinahe veraltet sind. Gleich zu Beginn wird klargestellt: Der Lehrende ist das Oberhaupt und bestimmt den Ablauf des Geschehens mit Namen Unterricht. Eigene Meinungen und Ansichten sind nicht erwünscht, blinder Gehorsam dagegen ja. Es wird Wert gelegt auf, sagen wir es mal ganz einfach: auf Drill.

So der Eindruck des Ablaufes, bis Mr. Keating seine erste Stunde bei der Klasse hält, in der u.a. die ungleichen Freunde Neil Perry, Todd Anderson, Knox Overstreet und Charlie Dalton ausgebildet werden. Keating betritt den Raum, durchquert ihn und geht, so könnte man meinen. Aber er geht nicht wirklich, sondern ermutigt die Schüler, ihm in die Halle zu folgen. Irritiert gehorchen sie. Er beginnt seinen Unterricht mit den Worten: „Captain, mein Captain!\",
und bietet ihnen an, ihn entweder Mr. Keating zu nennen, oder aber, eher freundschaftlich „mein Captain\".
Er zeigt ihnen alte Fotos ehemaliger Absolventen, denen fast keine Beachtung mehr geschenkt wird - warum auch? Die Jungen von einst sind längst gestorben, bzw. auf Grund ihres Alters nicht mehr „der Rede wert\".
John Keating macht ihnen behutsam klar, daß die Vergessenen auch einmal Jungen, im gleichen Alter wie die jetzt Anwesenden waren, mit den ähnlichen Wünschen und Träumen, wie sie selbst.

Auf eine ganz besondere Art beginnt er z.B. den eher faden Englischunterricht: Lyrik das Thema. Jeder Schüler besitzt ein Lehrbuch. Keating bittet einen von ihnen aus der Einleitung vorzulesen: quasi die Kunst der Lyrik in Rezeptform eines Handwerkers. Nach kurzer Zeit unterbricht Keating und fordert alle Anwesenden auf, die gesamte Einleitung aus dem Lehrbuch zu reißen. Erstaunen, Ungläubigkeit in der Klasse. Gibt es das? Ein Lehrer fordert seine Schüler auf, Seiten aus einem Buch zu reißen... mh. Dem Erstaunen folgt Übermut, Spaß daran, etwas zu tun, was eigentlich nicht gebilligt würde, im Gegenteil!!!
Ohja, Lehrer Keating unterscheidet sich in jeder Hinsicht von seinen Kollegen. Er ist witzig, aufgeschlossen, hat Charme, spricht an, hört zu. Er nimmt jeden ernst, jeder ist ihm wichtig, ganz gleich ob er aufgeweckt oder zurückhaltender ist.
John Keating ist in sehr kurzer Zeit auf Grund seiner Persönlichkeit der beliebteste Lehrer der Akademie, nicht ein Mensch auf einem Podest, also weit entfernt, sondern ein Mensch, ein Freund, zum Greifen nah... Das bleibt in der Lehrschaft nicht unbemerkt und argwöhnische, wachsame Kollegen achten auf jeden seiner „Schritte\".

Doch etwas wissen die Jungen nicht: Als Keating selbst noch Schüler in Welton war, gehörte er einem geheimen Club an: Dem Club der toten Dichter. Welche Bewandtnis hatte es mit diesem Club?
Freunde und er schlichen sich nachts, verbotener Weise in ein Zelt und lasen sich einander Gedichte vor...

Neil Perry, neben John Keating, die wichtigste Person des Filmes, ist es, der dem Geheimnis auf die Spur kommt. Zufällig findet er das alte Jahrbuch von Mr. Keatings Jahrgang in der Bibliothek, in welchem er liest, daß John Keating Mitglied des Clubs der toten Dichter gewesen war...
Natürlich erzählt Neil seinen Freunden von der Entdeckung. Neugierig befragen sie ihren beliebten Englischlehrer darüber. Die Jungen sind derart fasziniert und begeistert, daß sie den Club der toten Dichter wieder ins Leben rufen. Aus dem Indianerzelt wird zwar eine Höhle, aber die Spannung ist die Gleiche. Nacht für Nacht lesen sie sich nun, an ihrem geheimen Ort, Gedichte vor und bringen auch noch weitere Freunde mit.
Sie lernen, was es heißt, selbstbewußt zu werden und die bestehenden Regeln zu brechen.
Neil entdeckt dadurch seine Leidenschaft in Bezug auf Literatur, Schauspielerei. Er bewirbt sich um die Rolle des Pucks in dem Stück „Ein Sommernachtstraum\".
Sein Vater, mit dem er darüber redet, ist strikt dagegen und verbietet ihm, wie so oft, das zu tun, was ihm Freude bereitet. Neils Vater hat nur einen Gedanken: das künftige Medizinstudium seines Sohnes, alles andere zählt nicht. Mehr als einmal macht er ihm klar, wer über sämtliches Tun bestimmt: ER, der VATER.

Neil glaubt nicht wirklich daran die Rolle zu bekommen. Er spricht mit Keating über seine Probleme, auch Ängste und schildert ihm mit wahrer Glut, weshalb er die Rolle spielen möchte. Keating hört zu und gibt Neil den Rat, dem Vater mit dem gleichen inneren Feuer von seinen Beweggründen zu erzählen.
Das Unerwartete geschieht. Neil erhält die Rolle des Pucks und ist glücklich. Er versichert jedem, das Einverständnis des Vaters zu besitzen, was jedoch nicht der Wahrheit entspricht.

Er beherrscht seine Rolle nahezu perfekt und ist zuversichtlich, daß alles gut wird. Er fürchtet den Vater, ist sich jedoch sicher, seinen Vater bei der Aufführung weit weg zu wissen.

Der Tag der Aufführung naht und Neil spielt den Puck brillant. Plötzlich gewahrt er seinen Vater unter den Zuschauern und bekommt Angst. Das Publikum ist begeistert. Aber wie wird der strenge Vater auf den „Ausbruch\" des Sohnes reagieren? Versteht er ihn, nachdem er ihn endlich auf der Bühne gesehen hatte?

Das ganze Gegenteil von Neil allerdings ist der schüchterne Todd Anderson. Im Gegensatz zu Neil ist Todd einer der Neuen in der Gruppe. Er ist eher ruhig und schüchtern. Er zieht sich zurück und droht dadurch beinahe ins „Aus\" zu geraten. In einer Literaturstunde gibt Keating seinen Schülern eine Aufgabe für die nächste Stunde: jeder von ihnen soll ein Gedicht schreiben und es selber vortragen. Auch Todd ist an der Reihe, aber er kann diese Aufgabe zunächst nicht erfüllen: seine Unsicherheit ist Schuld, daß er nicht den Mut aufbringt, ein Gedicht zu schreiben. Aber Keating bestraft ihn nicht, da er seine Fähigkeiten einschätzen kann, im Gegenteil: er entlockt ihm durch einfühlsame, aber auch provozierende Art Poesie ganz besonderer Art. Worte gleiten über seine Lippen, die ihm zuvor niemand zugetraut...
Neil bietet ihm seine Freundschaft an. Er kümmert sich um den Jungen, der von seiner Familie keine richtige Zuwendung erfährt und immer als Anhängsel betrachtet wird. Es dauert eine Weile, bis Todd es lernt, Vertrauen zu anderen aufzubauen und somit auch eines der geheimnisvollen Mitglieder des Clubs der toten Dichter zu werden. Das Besondere hier: er ist passiv in seinem Handeln. Er möchte nicht selber lesen, sondern sich einfach nur treiben lassen und, das ist wichtig: er und seine Einstellung werden akzeptiert. Zum ersten Mal hat er das Gefühl: wert zu sein...

Der Einfluß des Clubs der Toten Dichter wirkt sich auch auf Knox Overstreet aus. Er ist seit seiner Ankunft in Welton unglücklich in Chris, die Tochter von Freunden seiner Eltern verliebt. Bereits nach wenigen Tagen wird er zu der Familie zum Abendessen eingeladen. Die fröhliche Chris fasziniert ihn, zieht ihn magisch an. Er weiß, daß sie „verlobt ist\", und ist zunächst zurückhaltend. Durch die Lesenächte wird er „mutiger\" spricht sie doch an, schreibt ein Gedicht für sie, ein Gedicht, welches von seinen Gefühlen ihr gegenüber erzählt. Er trägt es ihr „öffentlich\" in ihrer Schule vor. Sie ist beschämt und fasziniert, weil sie einerseits gebunden ist, sich aber andererseits von Knox angezogen fühlt...

Charlie Dalton ist der flippigste der Freunde. Er ist sehr selbstbwußt und von sich überzeugt. Durch seine unkomplizierte Art animiert er die anderen immer wieder zu neuen „Abenteuern\" Und auch er ist mit Leib und Seele Mitglied im Club der toten Dichter. Er trägt die Gedichte gern in seinem besonderen Stil vor: Rhythmen, die den Zeilen einen ganz anderen, oft lustigeren Touch verleihen...


\'Kind, tu dies und jenes,
halte dich gerade und
strebe nach Höherem.
Kind, deine Eltern meinen
es gut mit dir.
Sie ermöglichen dir die
Ausbildung, die ihnen
unter Umständen selbst
verwehrt blieb...\'


***

Natürlich verrate ich Euch an dieser Stelle nicht, welchen Verlauf die Handlung nimmt.
Die Fragen, die Euch beschäftigen sollten: Wie geht es weiter? Wird John Keating an der Akademie bleiben? Wie verläuft die schauspielerische Entwicklung Neils? Etabliert sich Todd in der Klasse als vollwertiges Mitglied? Gewinnt Knox am Ende doch die Liebe von Chris? Bleibt Charlie das „ewige Kind\", bzw. der jugendliche „Draufgänger\"?


°°Die Darsteller°°

Robin Williams => John Keating
Robert Sean Leonard => Neil Perry
Ethan Hawke => Todd Anderson
Josh Charles => Knox Overstreet
Gale Hansen => Charlie Dalton

Wie unschwer zu erkennen ist, haben mich der Film und seine Darsteller sehr beeindruckt. Robin Williams brilliert in seiner Rolle als Lehrer John Keating. Aber auch die anderen Schaupieler faszinieren.

°°Fazit°°

Der „Club der toten Dichter\" besticht durch die Kombination aus Handlung und der wirklich grandiosen Leistungen der einzelnen Schauspieler. Er weist ungeschminkt auf die Wünsche von Eltern und Kindern hin und deckt dabei auf, daß hier viele Eltern ausschließlich ihre eigenen Interessen wahrnehmen, und diese ihren Kindern aufzwingen, ganz gleich, wie die Kinder damit umgehen können. Ich kann diesen Film nur weiterempfehlen, denn er ist Faszination pur und absolut sehenswert.



Brita


Vielen Dank fürs Lesen, Bewerten und Kommentieren!!


Copyright Brita2905

29 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Angelina88

    21.12.2005, 11:23 Uhr von Angelina88
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr schöner Bericht. <br/>LG, Angelina (würd mich über Gegenlesungen freuen ;-)