Der Manchurian Kandidat (DVD) Testbericht

D
Der-manchurian-kandidat-dvd-thriller
ab 11,22
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 02/2010

5 Sterne
(2)
4 Sterne
(2)
3 Sterne
(4)
2 Sterne
(1)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von rengert

Alles nur geträumt?

Pro:

mal was anderes (auch wenns ein Remake ist), könnte ich persönlich schon fast als Sneak-Höhepunkt des Jahres bezeichnen ;) , zum Teil starke Schauspieler

Kontra:

Kontra:

Empfehlung:

Ja

„Doch recht verwirrend“ so die Reaktion eines Kumpels als ich versuchte zu erklären, welchen Film ich im Kino gesehen hatte. Da muss ich mir nun etwas anderes überlegen, damit ihr nicht ebenfalls verwirrt seid. Deshalb wird heute auch mal etwas mehr verraten – so denke ich.

Bennett Marco war Einsatzleiter im ersten Golfkrieg 1991. Ihm unterstanden so einige Soldaten, welche man zu Beginn des Films eine Weile beim Kartenspiel zuschauen darf/muss.
Auch ein Mann namens Raymond Shaw ist unter diesen, er zieht es aber vor in die Wüste zu starren. Eigentlich hätte er einen Offiziersposten haben können – wohl wegen der Politkarriere seines Vaters – diese schlug er aber aus. Er passt nicht in die Wüste, er passt nicht in den Krieg, wirkt sichtlich abwesend. Shaw denkt sicherlich in dem Moment, als er in die Wüste hinausschaut, darüber nach, wie er nur in diese Situation gekommen ist.
Man bricht auf, doch unter der Anleitung eines einheimischen Führers gerät man in einen Hinterhalt, Marco wird bewusstlos geschlagen, zwei seiner Leute von der Gruppe getrennt und getötet. Shaw jedoch behält die Nerven und klemmt sich hinter das MG und nimmt es allein mit den Gegnern auf und rettet damit seine Kameraden – natürlich bis auf die zwei Getöteten.
Shaw wird geehrte, er ist einer der wenigen in der US-Armee, denen die Ehre zu Teil wird die Medaille of Honour zu erhalten, er ist ein Kriegsheld.
Und nun will er Vizepräsident werden, obwohl er nicht einmal Landesweit bekannt ist und sein Erfolg fraglich ist, setzt sich seine Mutter durch und macht ihn zum Kandidaten. Sie scheint es auch eher zu sein, die will, dass Shaw Vize wird. An sich scheint mit Shaw aber alles in Ordnung, er ist auf der Erfolgsstraße.

Marco geht es da sichtlich anders. Er scheint nicht ganz so erfolgreich, vielmehr erzählt er anderen von Shaws Heldentat. Man sieht ihn wie er vor einer Pfadfindergruppe spricht und ihnen auf Fragen antwortet, etwas mitgenommen scheint er zu sein, vielleicht bekommt er etwas wenig Schlaf.
Auch anderen Soldaten von damals geht es nicht besser, denn da taucht eben einer dieser auf. Er scheint noch etwas fertiger zu sein, mit schweren psychischen Problemen. Geplagt von Träumen schildert er Marco sein Problem in der Hoffnung, dass es Marco ebenso geht. Er erinnert sich an die Geschehnisse von damals, aber er träumt eine andere Wahrheit, ist Shaw doch nicht der Held? Marco verneint aber, er will seine eigene Schwäche nicht zugeben, dabei weiß er genau, dass er ebenfalls unter diesen Träumen leidet. Der Mann scheint sehr zu leiden, schreibt viel auf. Er glaubt nicht mehr an die Wahrheit, die erzählt wird – die ich euch erzählt habe (oben). Langsam schenkt er seinen eigenen Träumen das vertrauen aber es macht ihn auch fertig.

Marco will es sich aber nicht eingestehen, doch auch er leidet unter Träumen, aber diese werden all zu oft von Vorgesetzten und Armeeärzten als Golfskriegssyndrom abgestempelt. Irgendwann ist man sicherlich an dem Punkt, wo man es glaubt.

<<<<<< Traum >>>>>>>
Er und seine Männer sind in Gefangenschaft geraten, keiner wurde von der Gruppe abgeschnitten und tödlich verletzt. Experimente hat man an ihnen vorgenommen. Etwas wurde mit ihrem Kopf gemacht und es wurde ihnen etwas eingeredet. Eine sehr skurrile Situation, leicht benommen sind die Soldaten, haben eine Binde um den Kopf, scheinen also alle operiert worden zu sein. Sie müssen sich Filme ansehen. Ich sag es kurz: Gehirnwäsche. Der Zweck bleibt noch im Dunkeln, die Deutlichkeit des Traums steigert sich auch erst mit der Entwicklung des Films.
<<<<<<< Ende Traum >>>>>>

Der Zuschauer wird wenigstens nicht ganz im Dunkeln gelassen und muss nicht dumm rum rätseln. Es werden zwar keine klaren Aussagen getroffen, aber man hat wenigstens eine Vorahnung.

Und man muss auch nicht lange Warten und sieht die Technik im Körper im Einsatz. Shaw bekommt einen Anruf und wird mit simplen Worten – erst Name, dann Name und Vorname, dann kompletter Name (oder so) – „übernommen“, das Licht wird hell, Shaw schaut etwas glücklicher und steht nun unter Kontrolle des Anrufers. Er soll in einen Wandschrank gehen und dieser entpuppt sich als Übergang ins Nachbarzimmer (Hotel) und dort findet man keinen entspannten Urlauber sondern einen OP-Saal. Man will das Implantat überprüfen. Kurzer Check, alles in Ordnung und Shaw bekommt von der Bohrung natürlich nichts mit.

Nichts ist in Ordnung, zu mindestens nicht für Marco. Geplagt von besagten Träumen und auch von Halluzinationen beginnt er der Sache auf den Grund zu gehen. Er startet seine Nachforschungen und seine heißeste Sput ist natürlich der Kamerad von Früher, der ihn besucht hat. Dieser ist nicht in seiner Wohnung anzutreffen und so entschließt Marco sich selbst einzulassen und findet diverse Unterlagen, viele Zeichnungen, die Motive aufweisen, die er aus seinen Träumen kennt. Langsam aber sicher bekommt er ein immer klareres Bild von damals. Sein zweiter Anhaltspunkt ist Shaw, sie laufen sich bei einer Veranstaltung über den Weg, da hatte Shaw aber plötzlich keine Zeit mehr, aber da Shaw nun ein Mann der Öffentlichkeit ist, ist es kein Problem ihn ausfindig zu machen. Marco will mit Shaw über damals reden, doch dieser stellt sich genauso quer wie es Marco bei seinem Besuch getan hatte.
Während Shaw weiter nach politischer Macht strebt, lässt Marco nicht locker. Beide wissen aber nichts von Shaws Schicksal und welche (großen) Kreise diese Sache zieht und wer mit in der Sache steckt.


Etwas Spannung muss sein, wer das Ende erfahren will, kann den Abschnitt am Ende lesen.

Darsteller:
°°°°°°°°°°°°
Major Bennett Marco wird gespielt von Denzel Washington, ein hervorragender Schauspieler. Anfangs hat seine Rolle – als man in Kuwait ist – noch etwas von Coolness und Erfolg zu tun. Da hängt er locker im Sitz und pafft eine Zigarre. Im restlichen Film muss er eine eher andere Figur verkörpern. Diese Figur scheint es in seinem Leben zu nichts gebracht zu haben, die Freude scheint aus seinem Leben gewichen zu sein. Er ist immer noch bei der Armee, aber wenn seine Vorträge vor Pfadfindern alles ist, dann ist das Leben doch nicht recht zufriedenstellend.
Das Privatleben ist ähnlich trostlos, nach seiner Arbeit trottet er gleich in Uniform in den Supermarkt. Sein Standardeinkauf besteht nur aus Koffeintablette, Fertignudeln und Tomaten. Seine Wohnung ist ein Sammelsorium von Müll. Na gut, es sind Zeitungen und Unterlagen, besonders Artikel über Shaw haben es Marco angetan.
Washington verleiht seiner Rolle ein Gesicht und Charakter, dies macht er meines Erachtens prächtig. Der Kurzauftritt als lockerer Kriegssoldat gelingt da genauso wie der trostlose Mensch in seiner heruntergekommenen (da übertreib ich wohl) Wohnung. Das Mimikspiel ist da besonders wichtig, also kein einfaches „nur schön aus der Wäsche schauen“, es ist ein Charakter von der Leinwand auf den Zuschauer zu übertragen. Mit Washington hat man da einen guten Darsteller gefunden. Er stellt den langsamen Wandel zum Ende hin auch gut da. Er wird mit der Dauer des Films willens- und charakterstärker.
Allein die Abschlussszene gefällt mir weniger, als er als Glanzkopf am Strand steht. Fand ich nicht sehr toll, wahrscheinlich lag es wirklich nur an der „Frisur“.

Sein Gegenspieler Raymond Shaw wird verkörpert von Lier Schreiber. Ich bin im Zweifel ob man ihn wirklich Gegenspieler nennen kann, aber ich bleibe nun dabei, obwohl es auch das Wort Leidensgenosse treffen würde.
Schreiber ist vielen sicherlich aus der Scream-Reihe bekannt, daher hat er für mich auch so eine Massenmördergesicht, obwohl er hier wie auch in Scream gar nichts getan hat. Er hat so ein verschmitztes Lächeln, welches liebenswürdig und zugleich hinterhältig, aber zu jeder Zeit intelligent und überlegt wirkt. Für diese Rolle passt das blendet, schließlich ist es doch eine Figur, der der Zuschauer nicht so recht vertrauen will, Misstrauen ist geweckt.
Zum Schluss stellt sich aber heraus, dass er doch nicht ganz so böse ist, wie man denken könnte. Vielleicht will er auch nur „aufgehalten“ werden, das typische „zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust“-Phänomen.

Als intrigante Mutter kann man Meryl Streep sehen – auch wenn die kleine Zeitung Cinemaxx Filmtipps teilweise anderes behauptet. Sie verleiht der Figur der Eleanor einen doch kühlen aber auch durchaus fürsorglichen Charakter, kalkulierend und zielstrebig. Tritt sie auf, steht sie im Mittelpunkt, sie will das so und sie will Macht und wenn sie die über den Sohn erhält, ist dies auch okay. Streep hat das richtige Gesicht für die Rolle und kann sicher ihre jahrelangen Erfahrungen mit einbringen. Auch sie hat mir ganz gut gefallen.

Unter den Namen bei den Nebenrollen lassen sich auch durchaus bekannte Namen finden. Da haben wir zum einen Jon Voight – der gefällt mir irgendwie nicht so als Person – und zum anderen Bruno Ganz, der in manchen Kinos auch noch als Hitler in Der Untergang zu sehen ist.

Meinung
°°°°°°°°°°
Das Thema ist durchaus sehr interessant. Was würden so manche Firmen/Personen/Staaten geben, den wahrscheinlich mächtigsten Mann der Welt unter Kontrolle zu haben. Sie würden sicher auch über Leichen gehen und viel Geld investieren.
Dies kann man auch auf die Wirklichkeit übertragen, so thematisiert der Film in gewisser Weise die große Firmen und ihre Rolle im Wahlkampf und in der sonstigen Politik in den USA. Nicht umsonst kommt der Film zu dieser Zeit raus, in den USA läuft er doch sicher schon einige Wochen.
Als ich zum ersten Mal über den Film las, erwartete ich allerdings andere Hintermänner, als Personen im eigenen Land. Man denkt doch immer wenn Hollywood einen Film macht, dass die Bösen dann immer aus bestimmten Ländern kommen (diesem Vorurteil kommt man am Ende noch nach  ). Ich dachte man wolle uns eine andere Art Terrorismus näher bringen, dabei steht der „Täter“ doch bereits in gewisser Weise im Titel, so scheint es um eine Manchurian Fond Gesellschaft zu gehen, die das Ganze finanziert. Glaubt man an eine originelle Idee der Filmemacher, so wird man enttäuscht. Es handelt sich hierbei um ein Remake eines Films von Frankenheimer aus den 60ern des letzten Jahrhunderts.

Die Frage ob ein Film als gut empfunden wird, entscheidet sich aber noch an ganz anderen Kriterien, an denen es bei dem Film dann doch hapert.
Die Umsetzung des interessanten Themas hätte doch besser sein können, es entstehen doch diverse Längen. Es gibt Momente im Film, da wird der Zuschauer einfach nicht unterhalten und auch nicht gefesselt, die Spannung ist nicht immer hoch, es handelt sich bei der Spannungskurve eher um eine Welle, die zum Glück gegen Ende doch einen größeren Wellenberg erreicht.
Die Wahrheit wird in Rückblenden erzählt, die Träume sind das einzige Indiz dafür, was damals wirklich passiert ist. Diese finde ich doch sehr skurril und abgedreht, affig, es wirkt mehr unglaublich. Warum sollte es man denn nicht merken, wenn man am Kopf operiert wird. Da sind wohl einige mehr als ignorant, oder ihnen wurde eine ganz tolle Geschichte eingetrichtert. Aber ich kann mir das nicht so recht vorstellen, vielleicht ist dies im Buch besser beschrieben.
Die Soldaten sitzen da in Reihen in einer Art Kino, sind an einen Tropf angeschlossen und müssen einen Film sehen. Sorry aber dieses Bild wirkte fast witzig. Aber das war mit Sicherheit nicht Ziel der Szene.
Auch das Ende finde ich etwas eigenartig, so hat das FBI in der ganzen Geschichte doch eine recht eigenartige Rolle:

<<<<<<< Vorsicht – das Ende >>>>>>>>
Das FBI hatte Marco schon eine Weile beschattet und scheint ihm auch zu glauben. Marco bekommt auch einen dieser speziellen Telefonanrufe und ist plötzlich verschwunden. Er soll einen Mord begehen. Shaw ist ja nur Vizepräsident und so muss der Präsident aus dem Weg geschafft werden. Geschickt verhindert dies Shaw aber, er scheint sich anders entschieden zu haben und so wird Marco nicht den Präsidenten sondern Shaw und seine Mutter umbringen. Shaw und Marco stehen immer im Augenkontakt, es scheint so als ob Shaw ihm einen anderen Befehl – man bekommt nur den Anfang des Telefonats mit – gegeben hat. Das FBI sorgt dafür, dass das Überwachungsvideo nicht mehr Marco im Eingangsbereich zeigt, sondern einen Terroristen mit einem doch sehr mitteleuropäischen Namen (deutschen ? ) zeigt. Welchen Sinn das hat, ist fraglich.
<<<<<<< Ende - Vorsicht >>>>>>>>

Die Musik spielt in dem Film eine eher untergeordnete Rolle. Wenn sie sich mal in den Vordergrund drängt, ist sie sehr militärisch. Es ist kaum erwähnenswert.

Daten:
°°°°°°°°
USA 2004
Darsteller: Denzel Washington (Philadelphia, Crimson Tide), Meryl Streep (Der Tod steht ihr gut), Liev Schreiber (Scream), Jon Voight (Beim Sterben ist jeder der erste), Kimberly Elise, Jeffrey Wright, Bruno Ganz
Regie: Jonathan Demme (Schweigen der Lämmer)

Fazit
°°°°°°°
Ein Politthriller der etwas anderen Art. Die Kontrolle der Menschen ist hoffentlich nur ScienceFiction und ich hoffe, es wird auch immer so sein. Das Thema gefällt und die Darsteller gefallen ebenso, nur an der Umsetzung schwächelt es etwas. Die Story müsste etwas schneller erzählt werden, etwas kompakter und der Film wäre auch spannender. Der Film ist aber trotzdem empfehlenswert. Zeitmäßig passt er vielleicht eher vor die Präsidentschaftswahlen in den USA, aber man kann ja nicht alles haben.

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit. Danke fürs Lesen, Bewerten und Kommentieren.

35 Bewertungen