Der Pferdeflüsterer (VHS) Testbericht

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Erfahrungsbericht von winselwuermchen

Bringt uns zum Nachdenken

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

So ganz neu sind Monty Roberts Beobachtungen und Erfahrungen nicht. Schon die Indianer haben ihre Pferde nicht eingebrochen sondern einen Weg gefunden sich mit ihnen, sagen wir, zu arrangieren. Aber die haben ihr Wissen noch nicht einmal an andere Stämme abgegeben, geschweige denn an Weiße.
Monty Roberts hat es nun geschafft. Weil er die Brutalität seines strengen Vaters hasste, versuchte er sich dagegen aufzulehnen. Als er eine Wildherde zum Einbrechen fangen gehen soll, nutzt er die paar Tage Zeit um einfach zu beobachten. Er hat schon als kleiner Junge die Idee gehabt, daß es eine Möglichkeit geben muß um den Pferden ohne Gewalt die Gemeinschaft mit den Menschen zu ermöglichen.
Die wichtigste Beobachtung die er machte war folgende: ein junger Hengst bedrängte in der Herde dauernd die älteren Tiere. Auch durch Tritte ließ sich der übermütige Jungsporn nicht aufhalten. Irgendwann wurde es der Leitstute zu bunt und sie sagte den Junghengst einige hundert Meter von der Herde weg und ließ ihn nicht mehr herankommen.
Sie tat ihm also das schlimmste an, was einem Pferd in der Wildnis passieren kann - sie isolierte ihn, ließ ihn ohne Schutz der Gruppe vor Raubtieren.
Nach einiger Zeit fing der Hengst an den Kopf zu neigen, die Ohren der Stute zuzuwenden und sich das Maul zu lecken (so wie es die Fohlen machen um sich zu unterwerfen). Danach gab ihm die Stute eine neue Chance sich einzugliedern. Sie drehte sich weg von ihm und ging wieder in die Herde hinein. Der Hengst folgte ihr auf dem Fuß.
Roberts war fasziniert von dieser Unterwerfungsmethode (denn als so etwas sehe ich das) und übernahm sie auf sich.
Wieder zuhause baute er sich einen Roundpen. Im Prinzip einen Zirkel mit Wänden, damit sich die Pferde nicht in eine Ecke drücken können.
Ein paar Pferde die er ausgesondert hatte nahm er mit dort hinein und schickte sie immer wieder im Kreis herum. Nach einer Weile gaben sie ihm auch die gleichen Signale zur Kommunikation wie sie es bei der Leitstute machen würden.
Wenn diese Signale gegeben wurden blieb Roberts mit dem Rücken zum Pferd im Roundpen stehen. Sie kamen zu ihm und gingen ihm auf den Schritt genau nach.
Danach konnte er die Pferde die ihn nun als Chef sahen dem man Vertrauen konnte satteln und auch sonst alles erdenkliche machen.

Monty Roberts geht es glücklicherweise nicht darum Geld zu verdienen, sondern ich denke, daß er einfach nur das Verständniss für die Pferde vermitteln will. Deshalb bestellt er auch keine Leute in seine Kurse um seine Technik zu erlernen (obwohl er natürlich auch welche gibt - mit sehr großen Erfolgen), sondern erkärt schon in seinem Buch genau wie man alles nachmachen kann.
Jeder der schon länger mit Pferden umgeht und auch Pferde artgerecht auf der Koppel hat oder stehen sieht, dem fallen auf einmal Signale auf die man den Pferden instinktiv gegeben hat und die im Buch dann beschrieben werden.
Hier in Deutschland wurde Roberts bekannt nachdem er den Ausnahmegalopper Lomitas wieder in die Startbox zu bringen vermochte, was vorher keinem gelungen war.

Zu dem Buch muss ich sagen, daß es sehr schön geschrieben ist, Mit viel Hintergrundwissen, Lehrreich, mit vielen lustigen Geschichten und Episoden. Man kann zwar herauslesen, wie groß die Entfremdung zwischen seinem Vater und ihm war und er ihm wohl auch immer zeigen wollte, daß seine Methode die bessere ist.

Vor einiger Zeit hatte ich das Glück Monty Roberts persönlich kennenzulernen da er oft im Deutschen Galopprennsport zu sehen ist und ich muß sagen, daß er eine unglaubliche Ausstrahlung und auch Stimme hat. Das wirkt auf alle Pferde direkt beruhigend.
Wenn er dann ein schwieriges Pferd \"behandelt\" verliert er auch nichts von seinem großartigen Humor sondern kommentiert die ganze Zeit über. Und zwar was er denkt und was das Pferd (angeblich) denkt.
Ich stelle ihn nicht unbedingt als den alleinigen King auf einen Sockel, aber immerhin muß man Hochachtung davor haben, daß er es geschafft hat sovielen Menschen und Tieren zu helfen.

P.S. Noch ein Tip am Rande: Wenn man die join Up Methode versuchen will, sollte man sich vorher folgendes klar machen:

1.Wir sind nicht Monty Roberts - Allein die Ausstrahlung, Stimme, Bewegung und Erfahrung von ihm sind schon der halbe Erfolg

2. Wir brauchen Zeit - was bei Monty 30 min. dauert, kann bei einem Anfänger oder einem schwierigen Pferd durchaus 2 Wochen in Kauf nehmen. Auf jeden Fall sollten wir solange mit dem Pferd arbeiten, bis es uns GENAU die Signale gibt die Roberts beschreibt. Das Pferd einfach eine halbe Stunde im Kreis zu jagen nützt niemandem. Es wird das Pferd nur mehr verwirren.

3. Last but not Least: Wollen wir das wirklich? - Es hört sich blöd an, aber wenn wir uns dazu entschließen die Join Up Methode anzuwenden, gilt das nicht fürs Einladen oder Einreiten. Dies ist nur der Anfang. Danach muß man die ganze Zeit über einen gemeinsamen, gewaltfreien Weg mit dem Pferd finden. Ich kann nur davor warnen, ein Pferd \"unterwürfig\" mit dem join up zu machen und sich dann brutal oder unverständlich gegenüber dem Pferd zu verhalten. Es wird dann über kurz oder lang den Mensch nicht mehr als Leittier akzeptieren und vielleicht sogar böse werden.

Wenn ihr Euch aber wirklich dieser Methode anschließen wollt : Viel Erfolg
Falls Ihr weitere Fragen oder Probleme habt, könnt ihr Euch auch an folgende E Mail Adresse wenden:
[email protected]
bzw die Homepage : www.montyroberts.com

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