Der Prinz von Ägypten (VHS) Testbericht

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ab 9,11
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Erfahrungsbericht von starfax

Die große Bibel - Sandkasten -Oper

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Endlich habe ich diesen Film, auf den ich schon so lange neugierig war, auch einmal gesehen. Und, ein bißchen enttäuscht, frage ich mich alten Zeichentrick - Fan, ob ich vielleicht so verwöhnt bin von den computeranimierten Filmen wie „Shrek\" und „Monster AG\", daß mich dieser Film kalt läßt, oder ob ich einfach mit meinem Gefühl richtig liege...aber der Reihe nach - so schlecht ist er ja nun auch wieder nicht - und vielleicht bekomme ich ja auch während meines Berichts noch etwas Klarheit.
Also hier erst einmal

DIE STORY:

Die Geschichte spielt zur biblischen Zeit des alten Ägyptens, als die Israeliten noch als Sklavenvolk in Ägypten lebten. Weil das israelische Volk so zahlreich geworden ist, daß es zur Gefahr für die Ägypter werden könnte, läßt der Pharao kurzerhand alle Erstgeborenen töten. Der Israelin Jochebed gelingt es, ihr Baby in einem Weidenkorb auf dem Nil auszusetzen. Tatsächlich wird das Kind gerettet: Die Frau des Pharao findet es, gibt ihm den Namen Moses und zieht es wie ihr eigenes Kind auf.
Jahre später, aus Moses ist inzwischen ein kräftiger, junger Mann geworden, der nichts als Flausen im Kopf hat und seinen älteren (Stief-) Bruder Ramses immer wieder in Schwierigkeiten bringt, begegnet er seiner richtigen Schwester Miriam, die ihn erkennt und ihn über seine Herkunft aufklärt.
Als er später sieht, wie ein ägyptischer Sklaventreiber einen alten Hebräer auspeitscht, stößt er ihn versehentlich von einem Baugerüst. Erschrocken über seine Tat flieht er, obwohl sein Bruder, der inzwischen Prinzregent geworden ist, ihn freispricht.
In der Wüste trifft er den Nomaden Jedri, heiratet seine Tochter Zipporah (der er übrigens vorher bereits einmal das Leben gerettet hat) und lebt fortan als Hirte.
Eines Tages entdeckt er einen brennenden Busch, der aber nicht VERbrennt. Es ist Gott, der ihm in dieser Gestalt erscheint und ihm aufträgt, nach Ägypten zu gehen und sein Volk zu befreien.
Mit Zipporah an seiner Seite macht er sich auf, diesen Auftrag zu erfüllen, doch der neue Pharao - Ramses - will nicht auf ihn hören. Zum einen, weil er enttäuscht ist, daß Moses nicht wegen ihm zurückkam, zum anderen will er den Willen seines Vaters erfüllen, Ägypten groß und mächtig zu machen - dazu braucht er die Sklaven.
Der Rest der Geschichte ist eigentlich Allgemeingut, Ägypten wird von sieben Plagen heimgesucht (der Nil verwandelt sich in Blut, Frösche, Heuschrecken, Krankheiten uä.), aber erst, als alle ägyptischen Erstgeborenen sterben, läßt Ramses das Volk ziehen.
Die Israeliten kommen bis zum Roten Meer, das Moses teilt, damit sie hindurchkommen. Der Pharao aber hat es sich inzwischen anders überlegt, verfolgt sie mit seinem Heer, das aber in den Fluten des über ihm wieder zusammenschlagenden Roten Meeres umkommt. Der Weg ins Land wo Milch und Honig fließen, ist für die Israeliten frei.

DER FILM:

Bereits in den 50ern gab es einen Monumental - Film „Die Zehn Gebote\" vom damaligen Monumental - Film - Papst Cecil B. DeMille, mit Charlton Heston als Moses und Yul Brunner als Ramses. Der ging allerdings auch ein paar Stunden länger und endete nicht am Roten Meer, sondern handelte den ganzen Weg der Israeliten ins Gelobte Land ab.
Dies nun ist der Versuch, diese Geschichte im Zeichentrick - Format darzustellen und er ist...ja nun, immer langsam. Zwiespältig, würde ich sagen...
Der Film ist, das muß man einfach anerkennen, kein 08/15 - Teil, sondern hoch - ambitioniert gemacht. Den Machern war wirklich klar, daß sie sich mit ihrem 100Mio. $ - Budget an einen Stoff heranwagen, der vielen Millionen Menschen auf der ganzen Welt heilig ist und es viele Möglichkeiten gibt, damit gefährlich anzuecken.
Nun, zumindest diese Klippe haben sie umschifft.
Die Figuren sind mit einigem Humor, aber auch viel Ernst gestaltet. Moses Entwicklung vom sorg- und rücksichtslosen jungen Mann zum demütigen aber standhaften Propheten ist sehr gut getroffen, auch das Verhältnis der beiden Brüder Moses und Ramses ist sehr glaubhaft und erklärt viel von Ramses späterer Haltung als Pharao.
Die Handlung an sich folgt sehr eng der Bibel, ist dabei aber nicht so detailgetreu, wie behauptet wird:
Ob Moses Zipporah schon als ägyptischer Prinz begegnet ist, weiß ich nicht genau, ich möchte es jedenfalls bezweifeln. Daß sie ihn aber später nicht nach Ägypten begleitet, sondern sein richtiger hebräischer Bruder Aaron, der im Film kaum vorkommt, das jedoch steht fest.
Die restlichen kleinen Änderungen sind nicht so eminent und obliegen der dichterischen Freiheit. Letztlich ist obige Änderung wahrscheinlich aus Zwecken der Gleichberechtigung geschehen (political correctness stand bei diesem Projekt ja eben ganz obenan) - sonst gäbe es ja nicht soviel tragende Frauengestalten in dieser Geschichte.
Ein eindeutiger Pluspunkt sind die prachtvollen Bilder, die dieser Film liefert. Obwohl insgesamt recht düster, wirken sie wie monumentale Gemälde und es gibt einige Highlights - Moses Alptraum von den ägyptischen Kindermorden halte ich für eine gelungene Art, ein sehr brutales Geschehen in seiner Härte darzustellen, ohne die kindlichen Zuschauer zu überfordern oder zu arg zu ängstigen.
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Computer - animation findet ebenfalls starke Verwendung - eine dermaßen hohe Qualität ist „ohne\" einfach nicht mehr machbar, die Teilung des Roten Meeres ist aber auch ein toller Anblick.
In einigen Szenen werden aber die optischen Vorbilder auch sehr deutlich: Die Szene der beiden Zauberer, in der sie zwei Schlangen aus ihren Stöcken zaubern, wäre eigentlich brilliant, leider ist sie zwei Szenen aus „Der König der Löwen\" und „Der Glöckner von Notre Dame\" sehr verpflichtet, man kennt die Optik einfach schon zu sehr aus Disney-Filmen.
Der göttliche Nebel, der schließlich durch Ägyptens Gassen kreucht, um die Seelen der ägyptischen Erstgeborenen zu holen, ist ebenfalls eine Wiedergeburt: In „Die Zehn Gebote\" gab es ihn schon, allerdings grün gefärbt.
Auch die Lieder orientieren sich sehr am Disney- Standard, zum einen allerdings sind sie zu beliebig geraten, wirkliche Ohrwürmer gibt es nicht, zum anderen passen sie aber einfach nicht zur Thematik - die beiden Stile prallen hier zusammen. Der Versuch eines großen Zeichentrick - Epos verträgt eben keine leichten Hollywood - Musical - Schnulzen.

DIE MACHER:

Als Frank Wells, einer der Top - Manager bei Disney, bei einem Hubschrauber - Absturz ums Leben kam, wurde dessen Posten bei Disney frei. Nun gab es da einen Herrn namens Jeffrey Katzenberg, der bei Disney sehr erfolgreich Filme produziert und mit seinem sicheren Gespür für den Publikumsgeschmack wohl den Hauptanteil am großen Erfolg von Filmen wie „Aladdin\" und „Der König der Löwen\" hatte. Dieser nicht mehr ganz junge Mann nun hatte Hoffnung, den wichtigen Posten in Zukunft zu bekleiden und trug seinen Wunsch dem großen Mr. Eisner, dem allgewaltigen Chef bei Disney, vor. Der aber hatte keine Lust, seine Macht mit jemandem zu teilen und wies Herrn Katzenberg die Tür.
Zu Mr. Eisners Leidwesen aber war die Sache damit nicht beendet, denn Herr Katzenberg traf schließlich auf Steven Spielberg, seines Zeichens ebenfalls höchst erfolgreicher Kinomagier, und David Geffen, dessen Plattenfirma wir einige Top - Interpreten verdanken aber auch Filme wie „Beetlejuice\" und „Interview mit einem Vampir\".
Die drei taten sich zusammen und gründeten ein neues Filmstudio namens Dreamworks, das jedem der drei viel Platz zum freien Ausprobieren bieten sollte. Herr Katzenberg übernahm die Zeichentrick - Abteilung und das war der Startschuß für „Der Prinz von Ägypten\", mit dem der Zeichentrick - Platzhirsch Disney herausgefordert werden sollte. (der weitere Verlauf der Geschichte ist ebenfalls bekannt: Der Film war ein solider Erfolg weltweit, es folgte das eher mittelmäßige, aber doch ganz unterhaltsame „Der Weg nach Eldorado\" und schließlich das über die Maßen erfolgreiche „Shrek\" - der Kampf mit Disney ging in eine neue Runde, während Disneys alte Erfolgsrezepte immer mehr versagen und zuletzt „Atlantis\" alles andere als ein
Erfolg war, ist Dreamworks der einzige ernstzunehmende Gegner - naja, bis eben „Ice Age\" auftauchte, aber das führt nun wirklich zu weit...!).
Regie führten bei diesem Film Brenda Chapman, Steve Hickner und Simon Wells, der übrigens auch für den neuen Film „Time Machine\" mit Guy Pierce verantwortlich zeichnet (aber vor Ende der Dreharbeiten gegen Gore Verbinski („Mexican\") ausgetauscht wurde - Realfilm ist wohl noch ein bißchen stressiger als Zeichentrick...).
Die Musik - unüberhörbar mit ihren Ethno - Anklängen - kommt von Hans Zimmer, der u.a. die Musik zu „König der Löwen\"schuf.

FAZIT:

Letztlich kann man also sagen: ein sehr aufwändig und sorgfältig gemachter Film der durchaus unterhaltsam ist und den Zuschauer bei der Stange hält, auch wenn er nicht wirklich originell ist und die Lieder den Handlungsablauf einfach stören und sich irgendwie auch nicht in den Gesamtrahmen einpassen.

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