Der Schatzplanet (VHS) Testbericht

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ab 8,49
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Erfahrungsbericht von winterspiegel

Unvergängliche Geschichte im neuen Gewand

Pro:

Optisches Glanzlicht in diesem Bereich, neuste Tricktechnik

Kontra:

Uneinheitliche Trickfilmfiguren

Empfehlung:

Ja

Bei der in Anlehnung an das Buch „Die Schatzinsel“ von Robert Louis Stevenson entstandenen Disney-Verfilmung, machten die Zeichentrickspezialisten konsequenter Weise da weiter, wo ihre Kollegen bei „Atlantis“ aufgehört hatten. Klassische Animationskunst wurde mit den praktisch sich jeden Tag weiterentwickelnden Möglichkeiten der Computertechnik verwoben. Und beinahe schon konsequenter Weise wurde auch dieses Filmabenteuer - genau so, wie schon erwähnter Streifen um den versunkenen Kontinent, ein ausgewachsener Flop. Ich begab mich deshalb mal auf Spurensuche.



Filmhandlung


Seitdem er als kleiner Dreikäsehoch Bücher von Geschichten um den grausamen Piraten Flint gelesen hat, träumt der inzwischen 15 Jährige Jim Hawkins davon dessen Schatz einmal zu finden. Irgendwo am Rande der Galaxis, so berichtet die Legende, hat der berühmte Freibeuter einen unermesslichen Reichtum zusammengetragen und versteckt.
Eines Tages landet ein kauziger älterer Gast in der Herberge, die Jim Hawkins Mutter zusammen mit ihrem Sohn betreibt, seit sich der Vater für immer aus dem Staub gemacht hat. Bald darauf stirbt der Alte, doch vorher drückt er Jim eine Metallkugel mit der Anweisung in die Hand, er solle gut darauf aufpassen. Danach geht es Schlag auf Schlag. Eine Horde plündernder Piraten stürmt das Haus und durchsucht es von oben bis unten. Jim, seine Mutter und der Gelehrte Dr. Doppler können gerade noch entkommen, bevor die Schänke ein Raub der Flammen wird.

In der Villa von Dr. Doppler angekommen, untersucht Jim die merkwürdige Kugel, auf die die Seeräuber so scharf waren. Zufällig drückt Jim die richtigen Knöpfe und im gleißenden Licht erscheint eine 3-D Sternenkarte, auf dem der Schatzplanet eingezeichnet ist, wo allem Anschein nach Flints legendärer Schatz verborgen ist. Dr. Doppler hat sich genauso wie Jim von der Abenteuerlust anstecken lassen, und so organisiert der Doktor ein Schiff und eine Besatzung, um auf große Fahrt gehen zu können. Jims Mutter ist nicht gerade begeistert, lässt ihren Sohn aber dennoch gehen. Als die beiden Schatzsucher schließlich auf das gecharterte Schiff kommen, werden sie von Captain Amelia erwartet. Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie alles andere als begeistert über die angeheuerte Mannschaft ist. Die Besatzung scheint samt und sonders aus den zwielichtigsten Gestalten zu bestehen, die man sich vorstellen kann.

Jim Hawkins wird dem Schiffskoch John Silver zugewiesen, um ihm in der Kombüse zur Hand zu gehen. Der dickleibige Koch mit allerlei künstlichen Körperteilen ausgestattet, macht anfänglich auf den Jungen einen relativ sympathischen Eindruck und es entsteht so etwas wie eine Vater-Sohn-Beziehung. Doch in einer verhängnisvollen Nacht, als Jim zufällig ein Gespräch zwischen der Schiffsmannschaft und Silver mitbekommt, ändert sich schlagartig alles...



Kritik


Die Regisseure John Musker und Ron Clemens, die für die Disney-Company solch erfolgreiche Streifen wie „Arielle, die Meerjungfrau“, „Hercules“ und „Aladdin“ zum Leben erweckten, hielten sich bei der Stevenson-Adaption sehr nah an die Originalvorlage. So ist die ereignisreiche Reise von Jim Hawkins auf der Suche nach dem mythischen Schatz, fast vollständig im Einklang mit der ursprünglich berühmten Abenteuergeschichte gezeichnet worden. Natürlich spielt sich die epische Suche nicht mehr in den Weiten stürmischer Ozeane ab, sondern viel zeitgemäßer - im phantasiebeflügelnden, endlosen Raum zwischen den Sternen. Die Macher haben für ihre Zeichnertruppe die Parole ausgerufen, dass 70 Prozent im Stil der Zeit des 18 Jahrhunderts wie wir sie aus dem Roman kennen, mit 30 Prozent futuristischem Zukunftsambiente verschmolzen werden soll, um so einen dementsprechend neuen Look zu kreieren.

Das ist ihnen auch in atemberaubender Weise geglückt. Die Szenen im Universum, wenn die gelungene Kombination zwischen mythischem Segelschiff und modernem Weltraum-Kreuzer – begleitet von feenhaften Möwenwesen – an Spiralnebeln und farbenfroher Sternenkulisse vorbeidriftet, ist das zauberhafte Disney-Magie vom allerfeinsten. Hier merkt man den riesigen Aufwand der über Jahre betrieben wurde, um ein verschmelzen von althergebrachter Zeichenkunst mit neuster Computeranimation zu erreichen, wie man es bisher so sicher noch nicht gesehen hat.

Dieses Lob lässt sich allerdings meiner Meinung nach leider nicht an alle erschaffenen Charaktere so ohne weiteres weiterleiten, die sich die Zeichentrickkünstler dabei ausgedacht haben. Gefiel mir die Figur des - schon im Original ziemlich beeindruckenden - John Silver noch recht gut, aus dem kurzerhand ein aus verschiedenen künstlichen Körperteilen bestehender Cyborg gemacht wurde. Und konnte ich mich mit Dr. Doppler, als eine Art zerstreutem Professor auch noch ganz gut abfinden, fand ich die Hauptfigur des Jim Hawkins leider etwas zu Flach geraten. Konnten die Filmemacher etwa bei Silver ein Spektrum an reichhaltigen Emotionen abrufen, der ihn vielschichtig und lebensecht erscheinen lässt, ist dies bei der Animation des jungen Abenteurers irgendwie nicht richtig gelungen. Auch mit der wilden Piratenschar konnte ich mich nicht recht anfreunden. Die teilweise doch schon etwas seltsam anzuschauenden Cartoonfiguren, passen wie ich finde einfach nicht völlig lückenlos ins Gesamtkonzept des Streifens.
Gut dagegen war die Formgebung des B.E.N. eingebracht. Dieser gegen später auftauchende Roboter-Slapstickcharakter zieht dann wahrscheinlich auch die meisten Lacher auf sich, bei der sich unter Umständen manchmal viel zu ernst nehmenden Handlung.

Wie auch schon bei „Atlantis“ gibt es keine Gesangseinlagen, die Musik ist aber jederzeit passend zu den einzelnen Sequenzen von James Newton Howard eingespielt worden. Auffällig ist dabei die etwas längere Filmpassage, wenn das gesungene Titellied „I´m Still Here“ fast in vollständiger Länge zu den Trickfilmbildern einen stimmungsvollen Klanghintergrund, ohne jedwede anderen Geräusche bildet.


Der Schatzplanet

USA 2002

Filmlänge: 95 Minuten

Regie: John Musker, Ron Clemens

Musik: James Newton Howard

Verleih: Buena Vista



Fazit


Eigentlich hätte „Der Schatzplanet“ ein Animationsspektakel sonders gleichen werden können, bei dem man aus dem Staunen einfach nicht mehr herauskommt. Ein visueller Overkill aus den schönsten Hintergrundkulissen und den innovativsten Computertricks, lassen demnach im Grunde fast keine Wünsche offen. Leider werten dann doch - wie ich finde - die zum Teil etwas unausgewogenen Zeichentrickfiguren die Schatzsuche aber wieder etwas nach unten ab. Mag John Silver und Dr. Doppler noch ganz geschickt in Szene gesetzt worden sein, beginnen bei Jim Hawkins, Captain Amelia und den Piraten sich erste Zweifel zu regen. Augenscheinlich passen manche Figuren einfach nicht immer zusammen und scheinen sich mitunter regelrecht zu beißen. Pickt man sich einen anderen Film aus dem Hause Disney, wie etwa „Lilo & Stitch“ heraus, bei dem alle Figuren wie aus einem Guss wirken, fällt das wie ich finde dann um so mehr auf.

Doch genug gemeckert, denn trotz dieser ganzen kritischen Anmerkungen hat der Film die Ignoranz des Publikums, das ihm allenthalben Zuteil wurde nun wirklich nicht verdient. Ich jedenfalls habe mich sehr gut unterhalten gefühlt, bei dieser etwas anderen - durchaus sehenswerten Variante von Robert Louis Stevensons Abenteuerklassiker „Die Schatzinsel“.




Noch einige Anmerkungen zur Silberscheibe

Bei der DVD hofft Disney wohl auf den harten Kern der Filmesammler, oder aber auch auf die unzähligen, solange quengelnden kleinen Disney-Fans, bis die Eltern irgendwann genervt diesem Psychoterror klein beigeben. Denn die Mäuse-Macher verlangen für die Digitale Version ihrer Filme gleichbleibend einen stolzen Preis von 25 Euro aufwärts. Und Hoffnung auf eventuelle spätere Preisnachlässe - wie bei anderen Firmen an der Tagesordnung - sollte man sich am besten gleich abschminken.

Die Bonusausstattung auf dem Silberling sollte man am besten zusammen mit dem Audio- beziehungsweise dem visuellen Kommentar anhören. Denn einzeln angewählt ergeben die Extras viel zu viel Stückwerk. Leider ist es nicht möglich den Audiokommentar der Macher einzeln, ohne diese „Making of-Einspieler“ ablaufen zu lassen, die sich zu einem festgelegten Zeitpunkt und unter Umständen recht nervig automatisch einschalten. Da hilft eigentlich nur noch ein umständliches weiterschalten der Tracks. Auch eine eher kinderorientierte weitere Extraausstattung, bei der mir das Geschichtslexikon der Piraten noch mit am besten gefallen hat, löste auch nicht gerade Begeisterungsstürme meinerseits aus.

(c) winterspiegel für Ciao & Yopi

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