Der Schatzplanet (VHS) Testbericht

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ab 8,49
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Erfahrungsbericht von starfax

Der Schatz im All

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

\"Der Schatzplanet\" stellte letztes Jahr nach den vorangegangenen Pleiten mit \"Atlantis\" und \"Ein Königreich für ein Lama\" die große Hoffnung der Disney-Studios dar, ihre Zeichentrick-Abteilung wieder auf Erfolgskurs zu bringen und den an die Konkurrenz verloren gegangenen Boden zurück zu erringen. Er schien auch alles zu enthalten, was ein Erfolgsfilm braucht: Eine gute Geschichte, Witz, tolle Bilder und Action - sowie ein Riesenbudget.
Trotzdem wurde er der bis dato größte Flop in der Geschichte der Disney-Studios und verschwand ziemlich schnell wieder aus den Kinos. Jetzt hab ich ihn zum ersten Mal auf Video gesehen und frage mich: Hat er es verdient?

DIE STORY:

Der Geschichte zugrunde liegt der Abenteuerklassiker \"Die Schatzinsel\" von Robert Louis Stevenson (real ebenfalls schon von Disney verfilmt im Jahr 1950). Für den \"Schatzplaneten\" wurde die Geschichte ins All verlegt, behielt aber den wesentlichen Charakter des Piratenabenteuers bei.

Jim Hawkins ist der halbwüchsige Sohn der Barbetreiberin Sarah Hawkins. Seit längerem schon ist er ein wenig auf die schiefe Bahn geraten, kleinere Konflikte mit der (Verkehrs-)Polizei sind Alltag. Als ein schwerverletzter (naja, was eigentlich - ein Alien?) auf der Flucht vor Raumpiraten vor der Hawkinschen Bar notlandet und stirbt (nachdem er Jim noch vor \"dem Cyborg\" gewarnt hat), gelangt Jim in den Besitz einer mysteriösen Kugel, die sich als Schatzkarte entpuppt. Gleich darauf müssen die Familie Hawkins und der befreundete Dr.Doppler vor den Piraten fliehen, die ihre Bar zerstören.
Beiderseits begeistert von der Aussicht auf Abenteuer bzw. wissenschaftliche Entdeckungen machen sich Jim und der leicht vertrottelte Dr.Doppler auf die Suche nach dem Schatzplaneten.
Sie chartern ein (Segel-)Raumschiff unter Führung der resoluten Captain Amelia und ihrem 1.Offizier, aber mit einer sehr obskuren Mannschaft.
Jim wird als Schiffsjunge dem Koch Silver zugewiesen (ein Cyborg, wie Jim entsetzt feststellt). Silver und dessen possierlichem Haustierchen Morph (ein Gestaltwandler) gelingt es aber bald durch seine raubeinig-charmante Art Jims anfängliches Mißtrauen zu zerstreuen und seine Zuneigung zu gewinnen.
Als bei einer Supernova der 1. Offizier durch ein vermeintliches Versehen Jims ins All geschleudert wird, entdeckt Jim zufällig die finsteren Pläne Silvers und seiner Crew - sie sind Piraten und hinter der Kugelkarte her. Bevor die Meuterei losbricht, gelingt es Jim, Amelia und den Dr. zu warnen. Sie können sich zum Schatzplaneten absetzen, verlieren aber die Kartenkugel an Bord.
Auf dem Planeten entwickelt sich eine zarte Romanze zwischen Doppler und Amelia, die, schwerverletzt, ihr schroffes Wesen ablegt und sie treffen auf B.E.N., einen einsamen, verrückten Roboter (frei nach R.L.Stevenson und George Lucas).
Doch die Piraten sind immer noch auf ihrer Spur...

DER FILM:

Im wesentlichen Storyverlauf halten sich die Disney-Leute ungewöhnlich treu ans Original - mit Ausnahme der Handlungsorte. Die Versetzung ins All funktioniert so tatsächlich sehr gut (auch wenn die Idee nicht neu ist: bereits in den 80ern gab es eine mit deutscher Beteiligung produzierte Mini - TV - Serie bei der Ernest Borgnine als John Silver ebenfalls vom Raumschiff aus sein Ziel verfolgte).
Die Mischung jedoch aus HighTech und Segelschiffen gibt dem Ganzen wirklich einen skurrilen Charme und den Zeichnern die Möglichkeit für tolle Bilder zwischen den Sternen.
Die wesentlichen Figuren sind ebenfalls erhalten geblieben (wenn auch aus dem ursprünglichen Kapitän eine sehr emanzipierte Frau wurde, die schließlich doch in den Armen eines eher weniger emanzipierten Mannes weich werden darf...). Hier zeigt sich auch - neben der inzwischen gewohnten technischen Kompetenz - das große Plus der Disney-Leute: Sie können zum einen Geschichten erzählen und zum anderen Figuren entwerfen!
Das Erzähltempo ist einfach hervorragend, spannende und actionreiche Momente mit viel Explosionen und Kamerafahrten wechseln sich ab mit stimmigen, stillen Momenten, in denen sich die Figuren in Ruhe entwickeln können. Das ist auch der Unterschied zu Weltraum - Knallerbsen wie \"Titan A.E.\" oder Bombast-Schnulz-Fregatten wie \"Anastasia\" : Hier entstehen Charaktere, keine flachen Schablonen, die Ziele und Eigenschaften nur behaupten.
Am auffälligsten ist das zu beobachten bei John Silver, dem Cyborg - Koch und Undercover -Piraten. Raubeinig, voller Witz, verstecktem Charme und einem überraschend weichen Kern wird er geschildert und man glaubt ihm das alles einfach - die entstehende Vater - Sohn - Beziehungzu Jim ist völlig logisch und nachvollziehbar.
Sicherlich ist er der ausgereifteste Charakter im Film, doch an Schwung, Witz und Anziehungskraft können die meisten anderen durchaus mithalten. Jim steht zwischen dem Wunsch nach einer erfolgreichen Zukunft und dem väterlichen Freund Silver.
Dr.Doppler ist natürlich eine Variation des bekannten weltfremden Wissenschaftlers und auch Amelia ist eine Verwandte der selbstbewußten Disney - Heroinen (wenn auch noch eine Spur rauer).
B.E.N. dagegen ist witzig, erinnert aber fatal an C3PO, wenn auch in etwas antiquierterer Ausfertigung.

Auch die anderen Ingredienzien stimmen: Die Bilder, wie gesagt, sind grandios, bunt, beeindruckend und wild.
Die Musik von James Newton Howard abenteuerlich, ein wenig actionlastig- es fehlen die einprägsamen Songs oder Melodien. Selbst das Titelthema ist nicht sehr originell, aber sie unterstützt immerhin die Handlung.

Der Einsatz von Computertechnik ist groß, bei dem großen Aufwand an Kamerafahrten sicherlich nötig, inzwischen allerdings bietet sie allerdings keine übergroßen Schauwerte mehr, man ist einfach schon verwöhnt, was Computerbilder angeht.

Disney ist verdammt zum Erfolg. Schließlich hat man einen großen Ruf zu verlieren, an dem die Rivalen, allen voran DreamWorks, schon ordentlich kratzen - und tatsächlich fehlt momentan einfach der große Wurf (Ausnahme: die Disney - Pixar Filme wie \"MonsterAG\" und das kommende \"Findet Nemo\", das in den USA bereits 200 Mio. $ eingespielt hat).
Das Problem liegt vielleicht wirklich eher darin, daß Disney - Filme immer auch am \"Disney-Touch\" der Vergangenheit gemessen werden. Man erwartet von Disney einfach etwas besonderes, magisches - ein Märchen vielleicht?
Aber keines davon ist \"Der Schatzplanet\". Er ist einfach ein sehr gut gemachter Abenteuer - Action - Film und funktioniert auf sehr hohem Niveau. Und das wesentluich besser als das eher zwiespältige \"Atlantis\" . Aber er ist eben kein Märchen, kein \"zauberhafter\" oder sonstwie besonderer Film.
Und das scheintz das Publikum übel zu nehmen.

FAZIT:

\"Der Schatzplanet\" ist ein grundsolider,funktionierender Zeichentrickfilm für die ganze Familie. Den Filmen der Konkurrenz weitgehend überlegen, aber ohne den´traditionellen \"Disney-Touch\".
Ein \"Dschungelbuch\" oder \"Mary Poppins\" - Feeling wird nicht aufkommen, aber allen, die Spaß an einer guten Geschichte, tollen Zeichnungen und witzigen Figuren haben, kurz: die einen Top - Film sehen wollen (und keinen nostalgischen Ausflug im ihre Jugendzeit machen wollen) sei \"Der Schatzplanet\" wärmstens empfohlen!

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