Der Schwächste fliegt Testbericht

No-product-image
ab 9,36
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003

Erfahrungsbericht von Masterchief-OJ-Pimp

Der schwächste fliegt - Und Tschüss

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Als ich diese Sendung zum ersten Mal sah, dachte ich meinen Ohren kaum trauen zu dürfen. War das der Beginn der Inkarnation des neuen Unterhaltungsfernsehens des dritten Jahrtausends, den man uns viele Jahre vorher bereits in Fiktionsfilmen prophezeite hatte?? Es kam mir doch direkt Arnold Schwarzenegger in den Sinn und mit ihm \"Running man\". Jeder ist sich selbst der nächste. Alles ist erlaubt und es gibt nur ein Ziel, nämlich den Gegner zu vernichten, auf welche Art auch immer. Nur wer übrig bleibt, ist auch etwas wert...
Warum ich auf solche absurden Ideen direkt zu Anfang komme?? Mein nachfolgender Text wird es wohl erklären....

Das Spielformat:

Oh ja, wir hatten es erst vor wenigen Tagen in meiner Rubrik, die Besprechung einer Quizsendung. Wie man es von RTL gewohnt ist, ist man nicht in der Lage eigene Kreativität an den Tag zu legen und so ist auch dieses Format aus dem Ausland eingekauft. Genauer aus Großbritannien, wo der gleiche Wahnsinn unter dem Titel \"The Weakest Link\" unters Volk gebracht wird. Allerdings offensichtlich unter einem wesentlich weniger reißerischen Namen.

Der Spielablauf:

Neun Kandidaten versuchen sich durch acht Fragerunden durchzuarbeiten und dabei möglichst viele richtigen Antworten zu geben, da diese bares Geld bedeuten. Antwortalternativen gibt es keine, so dass nur gewusst und nicht gewusst zur Debatte stehen.
Wie sonst auch üblich läuft mit jeder richtigen Antwort eine Geldskala hoch, die den bis dato gewonnen Betrag anzeigt. Problem ist dabei für die Kandidaten, dass das Geld nicht automatisch bei richtiger Beantwortung gewonnen ist, sondern erst dann, wenn einer sich dazu entschließt, den bis dato gewonnenen Betrag für alle beiseite zu schaffen. Warten die Kandidaten zu lange und es wird nur eine Frage falsch beantwortet, so ist das bis dahin erspielte - und nicht beiseite gebrachte - Geld verloren.

So weit so gut. Zu anderen Quizformaten entdeckt man zwar leicht verschärfte Regelbedingungen, aber das ist ja nicht weiter schlimm. Schließlich muss man nicht überall das Geld haufenweise unter die Leute bringen (hier sind es maximal 50.000 DM). Wie aber anfangs bereits erwähnt, gibt es mehrere Spielrunden, die absolviert werden müssen. Und gerade dazwischen spielt sich der eigentliche, so unglaubliche Vorgang ab, der in mir spontanes Kopfschütteln hervorrief.
Ziel ist es natürlich die Gruppe der Neune auf endgültig Zweie zu reduzieren, die dann um den Tagessieg spielen. Also muss nach jeder Runde Einer gehen.

Das Aussonderungsverfahren:

Früher einmal entschied das der Quizmaster anhand eines sehr einfachen Kriteriums, nämlich danach, dass ein bestimmter Kandidat weniger Fragen beantworten konnte und daher die Segeln streichen musste. Hier läuft der Hase ein wenig anders:
Sonja - die Moderatorin - hält sich ganz heraus, hier entscheiden die Kandidaten. Noch geheim werden Täfelchen ausgefüllt, auf denen jeder für sich aufschreibt, wer als nächstes aus der Runde geworfen werden soll. Dann drehen alle die Tafeln um und der am häufigsten Genannte darf einen langen Schuh machen.
Das ist meiner Meinung nach bereits hart an der Grenze – wenn schon nicht leicht darüber – der Zumutbarkeit, aber es kommt noch wesentlich besser! Jeder derjenigen, die den meistgenannten Kandidaten aufgeschrieben haben, wird zusätzlich zu einem Kommentar veranlasst, warum er gerade diesen ausgewählt hat. Ein Vorgang, der an Ungeheuerlichkeit eigentlich nicht mehr zu überbieten ist. Denn bei der Vielzahl der Mitspieler bleibt es natürlich nicht nur immer bei einer nüchternen Analyse „er hat zu wenig Fragen richtig beantwortet“, sondern manche bedienen sich regelrecht erniedrigender Wortwahlen „er bringt nichts fürs Team“, er hat von Nichts eine Ahnung“ o.ä. und dabei habe ich mir beileibe nicht das Schlimmste gemerkt.
Beendet wird dieses Trauerspiel damit, das die Moderatorin eiskalt „und Tschüss“ (hört sich vielleicht witzig an im Moment, aber wenn man es an der Mattscheibe erlebt, könnte man nur noch auswachsen) zum Ausgeboteten sagt und dieser von Dannen ziehen darf. Es wird ihm noch ein Schlusskommentar zugestanden, der aber oft darauf hinausläuft, dass er nochmals seine eigene Schwäche eingestehen muss. Es kam in mir die Frage auf: was sehe ich mir da eigentlich an?? Ist das Fiktion oder träume ich wirres Zeug??

Die Taktik:

Der Titel suggeriert, das der Schwächste fliegt und das ist bereits gelogen. In den ersten Runden mag das noch stimmen, da noch niemand die anderen Teilnehmer einschätzen kann. Also wird nach jeder Runde mehr oder weniger „objektiv“ der herausgesucht, der in der betreffenden Runde nun wirklich am Wenigstens wusste. Ja, ist denn aber in Runde vier, fünf oder später die Gegnerschaft taxiert und sind die Guten und die Schlechten ausgemacht, kommt die eigentliche Taktik ins Spiel. Herausgeschossen werden nämlich dann nicht mehr unbedingt die Schwächsten, sondern diejenigen, die eigentlich viel wissen, aber in der betreffenden Runde es gerade dumm erwischt haben und nicht ganz so gut aussahen. Das nutzt natürlich der Rest dazu sich lästige Konkurrenz vom Leibe zu schaffen.
Wer es ganz geschickt anstellt – wobei die Anderen dies natürlich mit beeinflussen – hat –selbst sehr viel wissend – unter Umständen in der Finalrunde einen sehr schwachen Gegner und sackt das Geld spielend ein. „Nettes“ Spielprinzip!! Nicht unbedingt der Sieg durch eigene Überlegenheit, sondern durch geschickte Selektion. Wobei ich letzteren, extrem negativ belegten Begriff hier bewusst gebrauchen möchte!

Die Moderatorin:

Was soll man dazu sagen: kennt Ihr auch Luigis Eisdiele um die Ecke?? Habt Ihr da auch schon mal den Kopf in die Eistruhe gehalten. Das was Ihr dort fühlt entspricht in etwa der Ausstrahlung unserer Sonja Zietlow. Eiskalt also präsentiert unser Cybergirl die Sendung, die viele bestimmt noch von der niveauvollen Talkshow „Sonja“ kennen werden. Sie zeigt uns etwas in deutlicher Weise: man kann selbst von anspruchslosen Sendungen noch weiter absinken.

Eines muss man allerdings sagen: für die Rolle der eiskalten Moderatorin hat sie einen Oscar verdient, den die spielt sie perfekt. Eben wie ein Cybergirl, welches Dich zwar anlächelt, Dir es dabei aber eiskalt den Rücken herunterläuft. Stereotyp spult sie ihre Fragen herunter, brüllt immer wieder dieselben Start- und Stopparolen in die Runde und beschließt den ausgemachten Wahnsinn mit dem allseits geliebten „und Tschüss!“. Penetrant! Warum stellen die keinen Cyborg dort auf, dann würden sich die Produktionskosten mit Sicherheit halbieren. Denn ich nehme an, das Sonja noch jede Menge Steine für ihr Getue erhält.

Die Motivation:

Abgesehen davon, dass ich das Spielprinzip ablehne, ist der Spielaufbau gelinde gesagt monoton. Das Stellen der Fragen kommt dem Abspulen eines Tonbandes gleich. Die Werbeerklärung von RTL brüstet sich damit, dass in einer Sendung bis zu 200 Fragen gestellt werden. Ich sehe das eher als Nachteil, da damit die Frage an sich in der Bedeutungslosigkeit verschwindet. Es kann kein Spannungsbogen aufgebaut werden, da die Beantwortung innerhalb kürzester Zeit erfolgen muss, weil sonst der mögliche Gewinnbetrag sinkt. Und dieses Procedere wiederholt sich über acht Runden in jeder Sendung aufs Neue...das kann auf Dauer den Zuseher wohl kaum bei der Stange halten.


Fazit:

Eine Antwort bin ich Euch noch schuldig, und zwar die wie ich auf „Running man“ u.ä. komme. Klar, ich habe etwas übertrieben, doch wage ich zu behaupten, dass die Spielshows im Besonderen und die Quizshows im speziellen (natürlich nicht alle!!) mit den Jahren immer rücksichtslosere und Einzelkämpfer fördernde Spielprinzipien offenbaren. Neuerdings werden Teams gebildet, die jedoch nur für eine bestimmte Zeitspanne gelten. Man hat in jeder Runde die Möglichkeit, die eben noch so notwendige Stütze aus dem Spiel zu werfen und seine Gewinn mit einzustreichen. Teilweise fast schon menschenverachtend!
Im Rahmen der Big Brother-Welle gab es bereits ein Katz-und-Maus-Spiel, wo ein Kandidat bestimmte Punkte ablaufen musste und von keinem dabei gesehen werden durfte. Wie weit ist es also noch zu Schwarzeneggers Film??

Um zur eigentlichen Sendung zurückzukommen: dieses Sendformat ist wirklich die unterste Schublade, die ich bis jetzt im Unterhaltungsfernsehen erlebt habe. Eine solche Abfertigung der Kandidaten durch die Moderatorin und vor allem durch die Kandidaten untereinander ist mir bis jetzt noch nicht untergekommen! Aber es wird wahrscheinlich noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht sein, denn Endemol, der für diese ganzen Nachmittags-Sendeplätze-möglichst billig-Auffüll-Formate verantwortlich ist, sagte noch im letzten Jahr:

Er könne sich vorstellen, das zwei Kandidaten in seiner Sendung für eine Million DM aus dem Flugzeug springen und nur ein Fallschirm geht auf!

Ein solcher Satz aus dem Munde eines einflussreichen Fernsehformate-Produzenten ist schon mehr als erschreckend. Aber umso erschreckender finde ich, dass sich immer noch Kandidaten für „Der Schwächste fliegt!“ finden und sich auch für das Flugzeug mit Sicherheit finden würden!!

14 Bewertungen