Erfahrungsbericht von suppengirl
Jawohl Frau Lehrerin!
Pro:
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Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
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Die erneute Welle von Game- und Quizshows trägt schon seltsame Blüten. Konzepte werden aus dem Boden gestampft, die - wenn die Gewinne schon vergeleichsweise niedrig ausfallen - anscheinend durch möglichst verzwickte Regeln überzeugen sollen.
Eine der letzten Blüten trägt den vielsagenden Titel "Der Schwächste fliegt". Bevor ich euch meine Meinung dazu kund tue, möchte ich möglichst neutral und objektiv den Ablauf der Show, die übrigens täglich von 15.00 bis 16.00 Uhr auf RTL läuft, schildern.
Die Regeln:
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Aaaalso, am Anfang sind da neun Kandidaten, die im Halbkreis aufgestellt sind. Ihnen werden nun der Reihe nach Fragen gestellt. Wird eine Frage richtig beantwortet, kommen 50DM aufs Teamkonto. Werden mehrere Fragen hintereinander richtig beantwortet, so steigert sich der Gewinn (ich glaube 50, 150, 350, 750, 1250 usw.), so lange bis entweder eine Frage falsch beantwortet wird oder ein Kandidat "blockt". Tritt der erste Fall ein, so fällt der Punktestand wieder auf 0DM und die Kandidaten müssen sich wieder nach oben arbeiten. Im zweiten Fall wird der Gewinn eingefroren, das heißt er kommt zum bislang erspielten Geld dazu und kann auch nicht mehr verloren werden. Danach geht es wieder mit 50DM los. Das Spielchen geht so lange, bis die Zeit vorbei ist.
Und dann kommt der Clou (?): Die Kandidaten dürfen nun jeweils einen Mitspieler nominieren, den sie gerne raus schmeißen würden (erinnert euch das auch irgendwie an Big Brother?). Derjenige, der die meisten Nominierungen hat, fliegt raus. Wenn mehrere Spieler gleich oft genannt werden, entscheidet der beste Spieler der letzten Runde, wer gehen muss.
Und das Spiel beginnt von vorne, wobei sich von Runde zu Runde die Zeitspanne verkürzt, die den Kandidaten zum Geld erspielen bleibt.
Sind nur noch zwei Kandidaten übrig, wird eine letzte Runde in dieser Art gespielt, in der die Finalisten zum letzten Mal die Chance haben das Konto zu erhöhen. Der erspielte Betrag wird diesmal verdreifacht.
Im Finale erhalten die Beiden dann abwechselnd jeweils fünf Fragen. Derjenige der davon mehr beantwortet, gewinnt das ganze Geld. Gibt es nach den zehn Fragen Gleichstand, wird im k.o.-System weiter gespielt. (also so wie beim Elfmeter-Schießen)
Theoretisch kann man übrigens in einer Sendung 30.000 DM gewinnen, praktisch ist es kaum möglich mehr als 10.000 DM zu erreichen.
Was nervt:
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1. Das Prinzip
Die Sendung heißt "Der Schwächste fliegt". Das hört sich nach einem fairen Spiel-Prinzip an. Wenn schon eine Show, in der es um Allgemeinwissen geht, dann sollte doch auch der gewinnen, der am meisten weiß. Der tatsächlich "Schwächste" fliegt aber selten, und das hat mehrere Gründe.
a) Wenn ich gemeinsam mit acht anderen Spielern in einer Fernsehsendung stehe, in der ich möglichst schnell möglichst viel wissen soll, dann bin ich sicherlich mehr mit mir selbst beschäftigt als mit den Anderen. Ich kann sicher nicht den Überblick darüber bewahren, wer von den restlichen Kandidaten wie viel weiß, bzw. eben nicht weiß. Statt dessen werde ich mich gerade anfangs eher von Äußerlichkeiten leiten lassen: Ist mir jemand unsympathisch, finde ich ihn unattraktiv oder ist er gut gekleidet? Wenn sich die Reihen etwas lichten, dann mag das etwas übersichtlicher werden, doch dann tritt höchst wahrscheinlich Fall b in Kraft.
b) Wenn ich schon einige Runden überstanden habe und das Finale in greifbare Nähe rückt, dann werde ich sicherlich versuchen, mir den vermeintlich stärksten Gegner vom Hals zu schaffen, so dass ich in der Endrunde größere Chancen auf den Gewinn habe.
Alles ganz gut und schön. Taktik kann ja eine Rolle spielen, macht die Sendung vielleicht sogar ein wenig spannender. Aber dann sollte der Titel geändert werden und das ganze Getue von wegen "Der Schwächste der Runde war ... " weg gelassen werden. Ansonsten ist das einfach nur paradox.
Besonders nervig ist auch, dass vereinzelt Kandidaten heraus gepickt werden, die ihre Auswahl begründen müssen (sehr abwechslungsreich übrigens: "Äh, ich hatte den Eindruck, dass X nicht besonders viel wusste... blabla."), bzw. dass die ausgeschiedenen Kandidaten noch einmal Stellung nehmen dürfen bzw. müssen ("Ich bin ja so enttäuscht, Kandidat Y war doch viel schlechter... räbähhh!").
2. (und wichtigstens) Die Moderatorin
Sonja "Ochsenpimmel" Zietlow hat ja eigentlich eine Ausbildung als Lufthansa-Pilotin (und übt diesen Beruf sicher wegen der niedrigen Gehälter nicht mehr aus! ;o)). Noch besser wäre sie wohl in den Schuldienst gegangen, denn so wie sie durch die Sendung führt, erinnert das doch sehr an das Klischee der altjüngferlichen verhärmten und besserwisserischen Lehrerin. Das Schlimme daran ist ja, dass das anscheinend ebenfalls zum Konzept der Sendung gehört. Ich habe in Irland die englische Version "The weakest link" gesehen und muss Sonja "ich habe den tiefsten Ausschnitt" Zietlow zu Gute halten, dass ihr britisches Pendant noch ein Quentchen ätzender ist. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass es einfach ekelhaft ist, wie sie die Kandidaten abkanzelt. Da wird bloßgestellt und nieder gemacht so gut es geht. Lächeln oder gar Lachen scheint vertraglich verboten zu sein. Und die Kandidaten stehen tatsächlich da wie die Schulkinder und lassen das ohne Widerworte über sich ergehen.
Manche Leute regen sich ja darüber auf, wie Günther Jauch Kandidaten manchmal veräppelt, die einfache Fragen nicht beantworten können. Sonja "ich hab die Antwort auf dem Bildschirm" Zietlow setzt dem aber noch die Krone auf, mit dem kleinen Unterschied, dass ich Herrn Jauch mittlerweile tatsächlich abkaufe, dass er die meisten Fragen selbst beantworten könnte (und wenn nicht, dann gibt er das auch zu), Frau Zietlow jedoch traue ich jedoch nicht zu, dass sie als Kandidaten unter Zeitdruck besonders gut abschneiden würde.
Ihre Coolness raubt der Sendung jede Spannung und ersetzt diese durch Sterilität. Mit den ewig gleichen Sprüchen (der schlimmste: "... blabla... du bist der Schwächste, du fliegst! Und tschüss!", wenn ein Kandidat raus gewählt wurde), nimmt sie mir nach spätestens 15 Minuten die Lust die Sendung weiter zu verfolgen. Und das reicht auch. Oft verursacht mir die Eiseskälte, die vom Fernseher ausstrahlt, das Gefühl, dass meine Nase abgefroren ist.
Fazit:
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"Der Schwächste fliegt" ist - wie alle Quizshows - ganz interessant, wenn man sich nur auf die Fragen konzentriert und sein eigenes Wissen testen will (deshalb schaue ich sie mir auch von Zeit zu Zeit zumindest teilweise an). Ansonsten liegt der Nerv-Faktor bei 9,9 von 10 Punkten. Das ist auch der Grund, warum ich nicht glaube, dass sich die Show besonders lange halten wird.
Euer Suppengirl hat sich ja schon bei fast jedem Käse beworben, bei dem Aussicht auf Geldgewinne besteht. "Der Schwächste fliegt" werde ich mir wohl verkneifen, denn ich werde mich nicht für ungewisse und unwahrscheinliche 10.000 DM vor Millionen Zuschauern von einer dummen Talkshow-Tussi behandeln lassen wie ein kleines Schulkind. Ich frage mich nur, warum ihr nicht mal jemand eine richtig patzige Antwort gibt. Aber das würde wahrscheinlich sowieso geschnitten werden. Schade eigentlich, vielleicht wäre "Der Schwächste fliegt" dann sehenswerter.
© 14.05.01 by Suppengirl
für Yopi 9.4.2002
18 Bewertungen, 4 Kommentare
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04.05.2002, 23:30 Uhr von blokk
Bewertung: sehr hilfreichWie gut, dass ich mir keine Gameshows ansehe. Lieber verblöde ich vor meinem Computer als vor der Glotze
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10.04.2002, 23:03 Uhr von SusanneRehbein
Bewertung: sehr hilfreichIch fand die Show gut und finde das alle ein bißchen zu krass auf die Sendung reagieren.
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10.04.2002, 01:16 Uhr von PrinceofLies
Bewertung: sehr hilfreichausführlich und informativ,auch wenns die Sendung nicht mehr gibt,der Beitrag enthält eine klare begründete Meinung zum thema und ist damit sehr nützlich
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10.04.2002, 01:00 Uhr von Herzkine
Bewertung: sehr hilfreichGut dass dein bericht schon älter ist und es diese Show nicht mehr gibt, das rechthaberische Getue von Sonja Zietlow war wirklich nicht auszuhalten.
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