Der Schwächste fliegt Testbericht

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Erfahrungsbericht von magnifico

Besser wäre, wenn Moderatorin und Show fliegen

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

RTL versucht es offenbar einmal mehr, sich an die Sondermülldeponie für Programmbeiträge, RTL2, anzunähern. Denn die derzeit aufgeführte Show „Der Schwächste fliegt“ stellt wohl so ziemlich alles in den Schatten, was der moderne Fernsehdilletantismus zu bieten hat. Nicht nur, dass die Moderatorin,Sonja Zieltow, über eine Charme verfügt, der jedes Reibeisen stumpf und aus jeder Party eine Massenschlägerei werden läßt, auch die Sendung an sich ist ein Rückfall in glücklicherweise längst vergangene Zeiten, in denen sich „Showgäste“ – damals wurden sie als Gladiatoren betitelt – zur Belustigung des Publikums Kämpfe auf Leben und Tod lieferten. Zwar ist es nicht ganz so schlimm oder vielmehr nicht ganz so blutig, eines jedoch läuft parallel: am Ende gewinnt nur ein einziger und der muß bis dahin „über Leichen gehen“!

Doch zunächst einmal ein kurzer Abriß über dieses Medienspektakel, daß RTL derzeit von 15-16 Uhr täglich anbietet – wobei ich keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit bezüglich der Darstellung der Spielregeln erhebe. Insgesamt neun Kandidaten treten gemeinsam an und müssen in mehreren Runden innerhalb einer bestimmten Zeitvorgabe Fragen der Moderatorin beantworten. Dabei entscheidet offenbar ein Zufallsgenerator, wer gerade die Frage zu beantworten hat – nur dieser Kandidat darf bzw. kann sie beantworten.
Bei einer richtigen Antwort steigt der mögliche Gewinn eine Stufe höher, bei einer falschen Antwort beginnt das Ganze wieder bei null bzw. 50,- DM. Dem auserkorenen Kandidaten steht die Möglichkeit zu, sobald er aufgerufen ist, durch ein lautes „Blocke“ die bisher erreichte Gewinnstufe in den Topf zu sichern, d.h. der Gewinnbetrag fließt auf das Konto des Teams, der mögliche Gewinn fällt auf die unterste Stufe und muß von dort aus wieder „hochgeraten“ werden.

Soweit eigentlich eine ganz passable Game-Show, gegen die eigentlich von Grund auf nichts zu sagen wäre, wenn auch hier in meinen Augen die Moderatorin mangels jeglicher sympathischer Ausstrahlung auszuwechseln wäre – es kann wohl nicht jeder „Günter Jauch II“ sein, aber es muß auch keiner die „böse alte Dame bei Hänsel und Gretel“ sein, wie es kürzlich ein Freund so treffend ausgedrückt hat. Der eigentliche Schwachpunkt an dem Ganzen kommt erst am Ende einer jeden Runde. Dann nämlich dürfen bzw. müssen die Kandidaten, jeder für sich und für die anderen nicht erkennbar, den Namen des/der Mitratenden aufschreiben, der nach ihrer Ansicht am wenigsten zum Fortkommen des gesamten Teams – hier kommen immer tolle Kommentare wie „5.000,- DM wären möglich gewesen, schlappe soundsoviel DM habt ihr (unausgesprochen: Pfeifen, Schwächlinge, Schlappis und was der Zuschauer Phantasie noch einfallen mag) erspielt, wählt den Schwächsten und laßt ihn fliegen!“

Nachdem nun auch der letzte Kandidat nach bestem Erinnerungsvermögen den oftmals nur nach seiner Meinung vermeintlich Schwächsten für sich auserkoren hat, liest jeder Kandidat sein „Opfer“ vor und, je nach dem, wie die offizielle Statistik ausfällt, muß seine Entscheidung begründen. Auch hier hagelt es zynische Kommentare, die auf so mancher politischen Aschermittwochkundgebung mehr als nur verbale Proteste auslösen würde. Hat sich das Team mehrheitlich für den „Schwächsten“ entschieden, kommt der große Finalsatz: „XY, ich will Dich hier nicht mehr sehen (hähähäh), Du bist der Schwächste, Du fliegst, und Tschüss!“ Wer gehen muß, geht wohlgemerkt mit leeren Händen, von Etappensiegen wie bei „Wer wird Millionär?“ ist hier keine Spur!

Man mag nun denken, was man will und sicherlich werden die ein oder anderen Leser meines Beitrages hier wohl auch schon in Gedanken an einem entsprechenden Kommentar gegen meine Ausführungen feilen. Nichts desto trotz halte ich persönlich diese Show, die ich mir insgesamt drei Mal für zwei oder drei Runden – ungefähr eine Viertel Stunde – angesehen habe, auf der einen Seite wirklich für das, was ich schon am Anfang geschrieben habe, nämlich eine Rückkehr zu den „guten alten“ römischen Sitten der Volksunterhaltung, bei der Gladiatoren gegen Raubtiere oder auch gegen andere Unglückliche antraten und einen Kampf auf Leben und Tod austrugen, bei dem nicht selten, glaubt man römischen Autoren wie Seneca, Cicero, Ullpian oder vielen anderen, das Volk – die Zuschauer – über das Schicksal der wenigen Überlebenden entschieden. Nun wird hier zwar auf den ersten Blick mit den Waffen des Geistes „gekämpft“, jedoch geschieht nichts anderes, als daß eine Gruppe über die „Exekution“ eines ihrer Mitglieder zum Zwecke der „Stärkung der Gruppe“ entscheidet. Sicherlich, es ist alles nur ein Spiel und der Zuschauer sitzt (noch) mehr oder weniger passiv und gelangweilt in seinem Sessel und denkt sich seinen Teil – doch Big Brother hatte auch seine vergleichsweise harmlosen Vorläufer und entwickelte sich zu perversen Modellen wie dem des „Asylanten-Containers“, bei dem von zehn Asylbewerbern nur der auch wirklich Asyl erhielt, den die Zuschauer am Ende am Besten fanden!!!
Zum anderen, und daß bezieht sich mehr auf die Moderatorin, ist die Art und Weise, mit der eine beinahe perfide Genugtuung und Gehässigkeit in diese ohnehin schon nicht toll ausfallende Sendung gelangt, ein Grund mehr, schnell weiter zu schalten und zu hoffen, daß RTL anhand der Quoten ein „Licht aufgeht“! Denn unbestritten hat „Wer wird Millionär?“ nicht aufgrund seiner aufpolierten, aber dennoch althergebrachten Ratequiz-Veranstaltung oder den mehr oder weniger eindrucksvollen Lichtspielchen die Zuschaueraugen/-herzen erobert, sondern vielmehr dank der Sympathie und charismatischen Ausstrahlung, die der Moderator, Günter Jauch, in die Sendung eingebracht hat. Amüsante Bemerkungen sowie Gestik und Mimik, die einerseits sicherlich auch ironisch und sarkastisch, nie aber so richtig zynisch und verletzend gewesen sind, haben natürlich ihren Beitrag dazu geleistet. Und eben daß fehlt der morbiden Veranstaltung bzw. ihrer Moderatorin bei RTL noch viel mehr, es sei denn, ich habe mit gänzliche dem gesellschaftlichen Wandel hin zum Kult der Schadenfreude und Spottszene entzogen.

Es mag sich jeder nach sein persönliches Urteil über diese Game-Show – und natürlich auch über meinen Beitrag – bilden, mein eigenes Urteil ist jedoch unumstößlich und entspricht genau dem, womit ich diese Meinung eingeleitet habe: laßt die Moderatorin oder besser die gesamte Sendung fliegen! Bedenkt man, daß die Sendung einem britischen Exemplar nachgestellt ist, das auf der Insel mittlerweile Kultstatus erreicht haben soll, kann man sich zwei Dinge fragen: steckt hinter dem Ganzen der typische, für Kontinentaleuropäer so selten nachvollziehbare, britische (schwarze) Humor, oder hat BSE doch mehr Verbreitung gefunden und, sollte letzteres der Fall sein, muß man dann nur genügend Rindfleisch essen, um mitlachen zu können??? (ein zugegebenermaßen makabrer und beinahe schon niveauloser Gedanke, den ich mir allerdings im Zusammenhang mit dieser Sendung auch nicht verkneifen kann – wer mag, kann gerne einen entsprechenden Kommentar schreiben!)

18 Bewertungen, 5 Kommentare

  • NaTakk

    03.03.2002, 12:05 Uhr von NaTakk
    Bewertung: nicht hilfreich

    ob von ciao oder nicht. egal. - aber der Bericht ist zweimal hier bei yopi. werde den zweiten Bericht von jetzt an immer mit nn bewerten.

  • dyna1977

    01.03.2002, 08:31 Uhr von dyna1977
    Bewertung: sehr hilfreich

    Guter Beitrag!!! Zu KillerKnoppers möchte ich noch sagen... dass Du hier ein "nicht nützlich" gibst... was ist dabei, wenn er seine Beiträge auch bei ciao veröffentlicht??? Deshalb sind sie auch von ihm verfasst und es ist ni

  • Nisi2000

    17.02.2002, 16:56 Uhr von Nisi2000
    Bewertung: sehr hilfreich

    "korrekt" Guter Bericht!

  • smileli

    17.02.2002, 16:47 Uhr von smileli
    Bewertung: sehr hilfreich

    "du bist der schwächste - du fliegst - und tschüss" *gg* - is echt schon der kult-satz überhaupt ;)

  • seehuhn

    17.02.2002, 16:45 Uhr von seehuhn
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich kann die Tante auch nicht machen.