Deus Ex (Adventure PC Spiel) Testbericht

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ab 12,18
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Auf yopi.de gelistet seit 05/2005

5 Sterne
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Erfahrungsbericht von Mr.IQ

Nicht umsonst Spiel des Jahres 2000

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Ort: New York City. Zeit: Irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft. Ein Virus breitet sich unkontrolliert aus. Die Regierung kommt mit der Verteilung des einzigen Heilmittels anscheinend nicht hinterher. Vor allem normale Bürger und die Unterschichten der Gesellschaft sterben wie die Fliegen. Unter dem Decknamen JC Denton arbeitet Ihr als Spezialagent für die UNATCO, eine Organisation zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus, der die Auslieferung des Impfstoffes immer wieder verhindert.
Aber JC Denton ist alles andere als ein normaler Agent. JC und sein Bruder Paul gehören zur zweiten Generation der sogenannten Nano-Agenten. Mittels elektronischer Implantate können sich die Agenten nicht nur in Computer hacken, sondern mittels sogenannter Augmentations ihre Fähigkeiten in fast allen Belangen verbessern. James Bond wäre neidisch*g*.
Bei Deus Ex ist fast nichts so wie es scheint. Gut und Böse kehren sich um, Freunde werden zu Feinden, Schwarz und Weiß werden zu undurchsichtigem Grau. Im Laufe der Geschichte erfährt JC durch seinen Bruder, dass die UNATCO ihre Hände nicht in Unschuld wäscht. JC gerät zwischen die Fronten und wird mehr oder weniger unfreiwillig in den Strudel der Geschichte gerissen. Schließlich wird er zur Schlüsselfigur im Kampf gegen eine Weltverschwörung unglaublichen Ausmaßes.
In 3D-Shooter-Manier steuert Ihr JC Denton zunächst in einem Einsatz gleich neben dem UNATCO-Hauptquartier in New York. Im Lauf des Spiels dringt Ihr bis nach Hong Kong und Paris vor, um dort jemanden aufzusuchen oder einen bestimmten Gegenstand zu erbeuten. Natürlich laufen diese Missionen nie reibungslos ab. Der Feind lauert überall und will den gefährlichen Nano-Agenten lieber heute als morgen unter der Erde sehen.
Wer jetzt denkt, dass es sich bei Deus Ex um einen reinen First Person-Shooter handelt, der liegt falsch.
Allerdings wählt Ihr nicht , wie z.B. bei System Shock, zu Beginn eine Charakterklasse,sondern baut JCs Fähigkeiten nach eigenen Wünschen während des Spiels aus. Skills wie körperliche Stärke, Schwimmen aber auch Hack-Fähigkeit und der Umgang mit Schusswaffen verschiedener Art lassen sich mit Erfahrungspunkten verbessern
Mit Hilfe der Augmentations, Nano-Implantate die Ihr während einer Missionen findet, können Medizinroboter spezielle Funktionen im High-Tech-Körper des Agenten installieren. Vom simplen Scheinwerfer, über Muskelverstärker bis hin zu Energieschilden kann JCs Körper aufgerüstet werden. Insgesamt neun Augmentations lassen sich installieren, so das Ihr weise wählen solltet.
Auch wer Deus Ex mit Brachialgewalt spielen will, kommt um rudimentäre Hacking-Skills nicht herum. Ausgeschaltete Kameras oder umprogrammierte automatische Geschütze erleichtern das Dasein ungemein. Wer sich an Thief-The Dark Project orientiert und lieber durch Lüftungsschächte kriecht, als sich schwerbewaffneten Wachen oder Robotern zu stellen, kommt bei Deus Ex oft in Räume die dem Waffennarr verborgen bleiben.
Die Steuerung ist Shooter-Konform und alle tasten lassen sich frei konfigurieren. Gespielt wird aus Ego-Perspektive, so dass man JCs cooles äußeres (Matrix lässt grüßen) nur im Spiegel beziehungsweise in den Zwischensequenzen betrachten lässt. Der Aufruf der verschiedenen Stausbildschirm pausiert das Spiel. Neben den üblichen Charakter- und Gesundheitswerten, erfahrt Ihr hier alles über die Missionsziele. Aufkärungsfotos und ab und zu eine Karte des jeweiligen Einsatzgebietes, sowie sämtliche Konversationen und gefundene Log-Files könnt Ihr hier ebenfalls einsehen. Eine Automap gibt es nicht.
Die Menüs sind übersichtlich und farblich individuell konfigurierbar. Das Inventory und alle anderen Informationen, lassen sich in einem Fenster öffnen. Die einzelnen Screens öffnen Sie per Mausklick auf die verschiedene Tabs im oberen Teil der Fenster.Besonderes gut gefallen hat mir das Speicher- und Lade-Fenster. Hier wird nicht nur die Netto-Spielzeit angegeben: Auch über die Anzahl der bisher erfolgten Speicheroperationen, sowie die Größe der Save-Games und die Kapazität der Festplatte kann man sich hier informieren. Da alle Leichen exakt dort liegen bleiben, wo sie umgefallen sind und auch sämtliche zerstörten oder bewegten Gegenstände in Position bleiben, nimmt die erforderliche Speicherplatz für die Savegames zum Ende eines Levels drastisch zu. 15 bis 25 MByte sind keine Seltenheit.
Aber ganz ohne Waffen läuft auch bei Deus Ex nichts. Manchmal sind sie unverzichtbar. Das Spiel hat einiges anzubieten: Pistole, Pistole mit Schalldämpfer, Miniarmbrust, Schrotflinte, Maschinenpistole, Raketenwerfer und außergewöhnliche Gerätschaften wie ein Pfefferspray oder einem Elektroschocker. Von Zeit zu Zeit stolpert Ihr über Waffenupgrades, mit denen Ihr beispielsweise Faktoren wie Reichweite und Genauigkeit der Waffen verbessern oder den Rückstoss vermindern könnt. Sogar ein Schalldämpfer-Upgrade ist erhältlich, mit dem das Scharfschützengewehr noch effektiver, weil leiser, wird.
Wie groß der Einfluss eines verbesserten Waffenskills ist, offenbart sich am ehesten am Scharfschützengewehr.Seid Ihr noch untrainiert im Umgang mit der Distanzwaffe, wackelt das Fadenkreuz beim Zielen lustig um den Gegner herum. Treffer sind Glücksache. Je mehr Ihr in diese Fähigkeit investiert, desto besser sitzen die Schüsse.
Wer leise vorgehen will wird auf Knüppel, Elektroschocker oder Miniarmbrust mit Betäubungspfeilen setzen. Die schallgedämpfte 10-mm-Pistole sollte dann auch zum Inventar gehören. Im Gegensatz zu ersteren ist ihre Anwendung natürlich tödlich. Allerdings muss man anfangs ziemlich nahe am Opfer dran sein um ihn mit einem einzigen, tödlichen Kopfschuss niederzustrecken.
Die Betäubungspfeile der Miniarmbrust wirken erst nach ein paar Sekunden. Oftmals Zeit genug für die Gegner zum nächsten Alarmknopf zu rennen und damit in der näheren Umgebung für Aufregung zu sorgen. Schießt Ihr allerdings von einem Versteck aus und verdrückt euch in einen Schatten, könnt Ihr in Ruhe abwarten bis sich die Feinde wieder verzogen haben, oder in Tiefschlaf gefallen sind.
Drei Granatentypen erleichtern euch das Agentenleben ungemein: Spreng-, Tränengas- und EMP-Granaten. Alle drei Arten können entweder geworfen werden, oder lassen sich als Mine an jede senkrechte Oberfläche kleben. Hinterhältige Sprengfallen können euch das Leben retten. Für fast jede Waffe gibt es mehr als einen Munitionstyp. Die Armbrust kann neben den Betäubungspfeilen auch mit normalen und Brandpfeilen geladen werden. Für Schrotflinte findet man neben normalem Schrot für weiche Ziele auch die grobere Variante für gepanzertes Freiwild. Selbst der beste Schleicher wird irgendwann zur Waffe greifen, alleine schon deshalb weil so ausgefallene Gerätschaften wie eine Pfefferpistole im Inventory auf ihren Einsatz warten. Sowohl die NSF-Terroristen als auch euere späteren Gegner sind keine taktischen Genies. Ähnlich wie bei Thief reagieren sie auch auf Geräusche.Ihr solltet vermeiden gerade dort durch ein Fenster zu springen, wo im Nebenraum ein paar Wachen Kaffeekränzchen halten.
Seid Ihr einmal aufgeflogen, müßt Ihr damit rechnen, daß gleich mehrere Gegner aus der näheren Umgebung auftauchen. Diese werden zwar auf euch losstürmen, suchen aber selbst keine Deckung, werfen Granaten nur dann wenn sie nichts anderes haben und kreisen euch auch nicht ein. Mit den legendären Marines aus Half-Life sind diese Jungs nicht verwandt.
Unterschätzen darf man sie trotzdem nicht. Besonders die Heckenschützen sind fies. Behaltet Ihr nicht alle Dächer der Umgebung im Auge, kann man sehr schnell das zeitige segnen. Scheinbar trinken euere Feinde zum Frühstuck einen großen Becher Zielwasser. Deshalb der gute Rat: Deckung suchen wenn immer es geht!
Neben Gegnern aus Fleisch und Blut,habt Ihr es auch mit Kapmfrobotern zu tun. Auch hier gilt: Die Hellsten sind sie nicht, aber Vorsicht ist dennoch angebracht. Die großen Ausgaben der Blechkameraden verfügen über Raketenwerfer, die Ihr mit einem Treffer ins Jenseits befördern könnt. Als Gegenmittel eignen sich die relativ seltenen EMP-Granaten. Mit normalen Waffen braucht man Robotern nicht anzugreifen. Da sie aber relativ langsam sind, kann man sie leicht ausmanövrieren oder umgehen. Fein ist es, wenn Sie zufällig an einem Sicherheitscomputer vorbeikommen und die Roboter-Wachen erst einmal so umprogrammieren, dass sie die umstehenden Soldaten angreifen. Manchmal lassen sie sich auch völlig abschalten.
Alles in Allem ist die Grafik, recht gut gelungen, wenn sie auch etwas veraltet erscheint. Die Außenumgebung ist endzeitgemäß düster gehalten, helles Tageslicht ist Fehlanzeige.
Spiegeleffekte von frisch geputzten Fliesenböden fehlen ebenso wenig wie die Hightech-Beleuchtung in den Städten oder die stimmungsvolle Neonreklame in Hong Kong. Die Schauplätze wirken sehr realistisch. Der Markt in Hong Kong erinnert an Blade-Runner, die Menschen sprechen mit Akzent und die Musik trägt ihren Teil zur Stimmung bei. Diskotheken Forschungslabore und andere Gebäude sind innen einigermaßen detailgetreu gestaltet. Die in manchen Gegenden doch zahlreichen NPCs gehen ihren Beschäftigungen nach, tanzen, tippen am PC, so daßder realistische Eindruck noch verstärkt wird.
Vor allem die umherschwirrenden Kugeln und Einschläge in unmittelbarer Nähe fördern den Adrenalinausstoß.
Selten hat die Story eines PC-Spiels so viele Wendungen genommen, mich immer wieder überrascht. Die Atmosphäre ist einfach genial. Das Ambiente des High-Tech-Thrillers hält Fans von Verschwörungstheorien und Science-Fiction-Liebhaber gleichermaßen in seinem Bann. Alles "fühlt" sich sehr echt an.
Die packenden Missionen und sind sehr komplex. Nimmt man sich Zeit und betrachtet Deus Ex nicht als reinen Shooter, kann eine Mission schon mal ein bis drei Stunden in Anspruch nehmen. Häufig erhält man zwischendurch neue Missionsziele.
Die Verwandschaft mit System Shock und Thief ist unverkennbar. Das um-die-Ecke-lehnen fehlt ebenso wenig, wie das Schleichen durch die Schatten. Die Entscheidungsfreiheit, die es dem Spieler, ist die eigentliche Stärke des Programms und könnte es für eine größere Masse an Spielern interessant machen, als es bei Thief der Fall war. Ich habe nun einmal die Option den nächsten Raum zu stürmen und ihn gnadenlos mit dem Sturmgewehr zu säubern.
Ein grafischer Überhammer ist das Spiel nicht. Die Animation der Figuren hätten etwas flüssiger ausfallen können. Auch die durchschnittliche Gegner-KI haut niemanden vom Hocker. Hier wäre ein wenig mehr Feintuning nötig gewesen.Dafür entschädigen die vielen ausgefallen Waffen und Items allemal. Wo kann man als Spieler sonst die Gegner mit einer Prise Pfeffer orientierungslos machen und sie dann umgehen oder in Tiefschlaf versetzen?
Deus Ex bietet kein revolutionäres Speildesign. Vieles wurde aus System Shock oder Thief übernommen, gut gemixt und in eine spannende Story verpackt. Diese Verbesserungen und Ideen bringen dem Spiel einen Platz in den vorderen Rängen und in meiner persönlichen Liste der besten Spiele.

8 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Gorion

    26.05.2002, 11:26 Uhr von Gorion
    Bewertung: sehr hilfreich

    SUPER AUSFÜHRLICH! Tja, dieses Spiel hab' ich bestimmt schon 4 Mal durchgespielt - geniale Story, oder? Gruß, Gorion