Deutschland Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 08/2003
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Erfahrungsbericht von PrinceofLies
Finale und keiner weiß warum?
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Gliederung
1.Vorwort
Mit ein wenig Abstand halte ich es heuer und will versuchen im nachhinein zu ergründen,wie eine Manschaft ohne Stars,Hoffnungen und Erwartungen es schaffte bis ins Endspiel zu gelangen.
Die Euphorie war ja anhand der jubelnden Staus nicht zu übersehen und so manches dabei blieb nun doch noch ungesagt.
Im Folgenden will ich versuchen zu erklären,warum die deutsche Manschaft so viel weiter als die großen Favoriten,soviel weiter als die eigenen kühnsten Hoffnungen kamen und hieraus ableiten,was wir für die Zukunft erwarten dürfen.
2.Manschaft
Der Kader liest sich breit,aber nicht herausragend.
Der einzige Spieler,den man bereits vor dem Turnier als Weltklasse kannte stand im Tor mit Olliver Kahn von Bayern München.
Ein einziger Fehler im ganzen Turnier hat er gemacht,der entscheidend leider war,doch ansonsten gab es nahezu nichts was die Stürmer der Welt an ihm vorbei hätten bringen können.
Hinter Kahn gab es zwar wenig bedarf,doch mit Lehmann und Butt standen Torhüter dahinter,die ebenfalls bereits international bekannt waren.
Die Abwehr wechselte zwischen Dreier- und Viererkette munter durch,zuweilen gar wärend des Spieles mehrfach.
Zur Stammbesetzung gehörten hierbei vorwiegend Metzelder und Linke sowie Ramelow oder Kehl bei der Dreierkette,und Frings,Ramelov,Linke und Metzelder in der Viererkette.
Dahinter gab es noch Baumann und Rehmer als Alternativen für die Innenverteidigung,Ziege und Bode für die linke Seite sowie Asamoah für die rechte Seite.
Die Abwehr stand zwar nicht über das ganze Turnier,doch sich stetig steigernd sehr stabil und brachte insbesondere die Jungstars Kehl und vor allem Metzelder ins Rampenlicht.
Geordnet,Zweikampfstark,Sellungssicher und durchaus auch allesamt mit Möglichkeiten sich offensiv einzuordnen.
Das Mittelfeld hatte eine klare Achse mit Ballack und Hamann als Ballverteiler und Absicherung sowie Schneider als fast schon klassischen Rechtsaußen.
Die linke Seite war leider nicht ganz so ausgeprägt,da zunächst Ziege und später auch Bode offensiv relativ wenig zustande brachten und mehr nach hinten absicherten.
Dafür kamen aus der Verteidigung Frings und Metzelder oft über die Außen vor und stärkten damit unsere Außenbahnen.
Hinter diesen Mittelfeldspielern und Quasimittelfeldspielern,wie ich die Außenverteidiger durch ihre häufigen Flankenläufe gerne nenne gab es noch viele Alternativen auf der Bank.
Jeremies und wiederum Kehl waren Alternativen für Hamann und Ballack im eher defensiveren Mittelfeld sowie Asamoah für Schneider auf der rechten Außenbahn.
Ricken wäre auch Spieltyp eher als Alternative für die zentrale Rolle hinter den Spitzen denkbar,doch ein solches System spielte die deutsche Manschaft nicht.
Ballack,dem man diese Rolle zwar immer wieder zuschob agierte etwas weiter hinten und wechselte sich in dieser Rolle mit Hamann ab,was zugleich die Außenbahnen verstärkte und das deutsche Spiel schlechter ausrechenbahr machte.
Im Sturm,dem Manschaftsteil der mit die meisten Sorgen machte,zeigte sich ein großes Talent auf dem Weg nach vorne:
Miroslav Klose,der in den Vorrundenspielen und dabei besonders gegen Kamerung die Gründe zeigte,warum man mit ihm in den kommenden Jahren zu rechnen habe.
Der zunächst hintenanstehende Neuville wurde zu unserem wichtigsten Stürmer als es in die K.O.Spiele ging und er mehrmals spielentscheidend traf und auflegte.
Da er der kleinste Stürmer der Manschaft war war die Frage durchaus berechtigt ob er zusammen mit Klose harmonieren könnte,der auch nicht gerade der typische Stürmer für die vorderste Front war.
Daher spielte zunächst der hühnenhafte Jancker,den die gegnerischen Manschaften wohl für Kopfballstärker hielten,als er wirklich ist.
Er konnte viele Bälle ablegen,da er am Ball geschickt ist,was kaum einer von so einem Hühnen erwartete.
Am Ende der Vorrunde hatte sich dies aber scheinbar aufgebraucht,denn gegen Kamerun bekam er gar nichts mehr zustande und man versuchte die Variante Klose/Neuville.
Ein Spiel lang gings gar nicht miteinander,beim zweiten zäh und ab dem Halbfinale schienen sie ihre Wege aufeinander abgestimmt zu haben.
Als letzte Alternative im Sturm stand da noch der alte Kapitän Bierhoff,der noch immer es versteht als Joker Unruhe in die gegnerische Manschaft zu bringen und die eine oder andere Torraumszene zu bewirken.
3.Trainer
Das Trainergespann Völler/Skibbe war erst zwei Jahre im Amt und man erwartete von ihnen eher einen ausbaufähigen Neuaufbau im Hinblick auf die WM 2006 im eigenen Lande denn den ganz großen Wurf hier.
Man ließ sie sogar noch mehr in Ruhe als sich abzeichnete,daß ein großer Teil der Spieler von denen man noch etwas erwartete sich ab-,krank- und nicht fit meldeten.
Was den beiden dann notgedrungen gelang war eine blutjunge Manschaft ins Feld zu werfen,wo fast alle noch in vier Jahren dabei sein könnten ginge man rein nach dem Alter.
Wärend Skibbe das Training leitete und es schaffte woran Argentinien und vor allem Frankreich scheiterte war die Manschaft fit zu bekommen nach einer langen,ermüdenden Saison.
Dahingegen war Völlers Hauptaufgabe,die Manschaft zu präsentieren und die Medien bei Laune zu halten.
Als chariismatischer Volksheld von 90 war dies relativ leicht für ihn und man nahm ihn so manche Ungehobeltheit ab,für die ein anderer schwere Schelte zu erwarten hätte.
Zusammen gelang es ihnen eine deutsche Manschaft,die kämpfte,modern und variabel spielte und ernsthafte Hoffnungen erweckte zu erschaffen,deren Altersdurchschnitt noch viel erhoffen läßt.
4.Erwartungen
Nach dem Vorrundenaus bei der Europameisterschaft und der damit beendeten Ära Ribbeck waren die Erwartungen naturgemäß niedrig.
Das letzte große Turnier war eine einzige Blamage,das davor eine halbe und die Qualifikation gelang auch nicht direkt.
Die Erwartungen waren niedrig und dann passierte das Grauen:
Leverkusen scheiterte in allen drei Wettbewerben im Endspurt und viele hafteten ihnen das Verliererimage an!
Dabei stellten sie den Großteil des Kaders!
Zu allem Überfluß kamen noch die Absagen von Deisler und Scholl,den beiden letzten offensiven Spielern,denen man internationales Niveau zutraute;Wörns und Nowotny,den fest eingeplanten Abwehrbollwerken;Heinrich und schließlich wärend des Turniers noch Böhme den Hoffnungsträgern für die linke Angriffs-/Verteidigungsposition.
Die Erwartungen waren nie hoch und sanken damit bereits unter Null!
Übrig blieb die Gewissheit den vermutlich besten Torwart der Welt,was er ja auch bewies,zu haben,ein zwei Mittelfeldspieler,die sich international behaupten konnten und ein Talent im Sturm.
Nicht gerade viel und da der Druck damit sehr niedrig war konnte die Manschaft und das Trainergespann aus der Not eine Tugend machen.
Man nahme den Rest,der mitfuhr,nahezu alle weit vor der 30 und baute eine taktisch sehr flexible und kampfstarke Manschaft auf.
Das schnelle Umschalten von der Dreier- auf die Viererkette ist nur ein Beispiel hierfür.
Ein anderes wäre die herausragende recht Seite,wo Frings,Ballack und Schneider sich sehr geschickt vorschoben und zurückfallen ließen und so dem Gegner nie die Chance gab sich auf ihre wechselnde Spielweise einstellen zu können.
5.Stärken
Es sei genannt Olliver Kahn zur Hand!
Absolute Weltklasse spielte er in jedem Spiel und nur ein einziges Mal machte er einen Fehler (und diesen erst unmittelbar nach einer Verletzung an der Hand)!
Was die Abwehr durchließ musste sich mit diesem Koloß messen und fürwahr,dies war eine undankbare Aufgabe für jeden Stürmer dieser Welt!
Als zweites war der geringe Erfolgsdruck zu nennen,der so manchen jungen Spieler aufblühen ließ.
Ich bin mir nicht sicher ob ein Klose oder Metzelder so unbeschwert hätten spielen können,wenn sie im Hinterkopf hätten,daß sie bei weniger als dem Halbfinale als Endergebnis gar nicht mehr heimkommen hätten brauchen!
Das dritte war der Hunger!
Im Gegensatz zu 2000 war die Manschaft hungrig nach Erfolgen!
Die Bayern und Leverkusenstars,die ja komplett leer dieses Jahr an Titeln ausgingen waren hungrig nach Erfolgen wie lange nicht mehr.
Die eingespielten Leverkusener und ihr Selbstvertrauen!
Was manche befürchteten war gelinde gesagt das verkehrte!
Die Leverkusener Spieler kamen nicht mit der Einstellung oh weh,wir haben dreimal verloren,wir können gar nichts nach Japan sondern schlicht und ergreifend mit der breitesten Brust die sich denken ließ!
Genauso wie Dortmund,das das Uefa-Cup Finale verlor hatten sie die Gewissheit mit den besten Manschaften der Welt nicht nur mithalten zu können sondern auch eine große Zahl von ihnen rausgeworfen zu haben!
Die ansehnlichen Kombinationen aus der Championsleague wurden hier fortgesetzt wie die herrlichen Kombinationen im Finale spätestens bewiesen!
Die variable Abwehr war ein weiterer Schlüsselpunkt!
Es war schwer für gegnerische Stürmer sich in Szene zu setzten,da sie sich nicht einstellen konnten auf die deutsche Verteidigung und wenn sie doch einmal einen Weg zu finden schienen stellte die Manschaft um!
Damit ergaben sich verschiedene Möglichkeiten auch sich offensiv zu verhalten,wie wenn Metzelder über links und Frings über rechts plötzlich an Cafu und Carlos Vorstöße erinnern ließen.
Die deutsche Kopfballstärke zeigte sich nicht nur an Kloses Toren sondern über das ganze Turnier.
Zwar gewannen die Brasilianer im Endspiel knapp diese Bilanz als eine von wenigen,doch wie ich so schön sagte,zählen da ja auch Neuvilles Kopfbälle dazu *G*.
Die komplette rechte Seite wäre als wahrer Pluspunkt zu nennen.
Hier tummelten sich abwechselnd Schneider,Ballack und Frings und vernichteten nicht nur nahezu alle Anstrengungen hierüber anzugreifen,einschließlich eines Roberto Carlos,von dem man nun wirklich mehr erwartet,sondern brachten ein ums andere Mal Gefahr bis an die gegnerische Grundlinie.
Hinzu kam dann später auch noch Neuville,der meist über diese Seite dribbelte und damit Schneider die Möglichkeit eröffnete im Stile eines klassischen Spielmachers den gesamten Platz zu seiner Spielwiese zu machen.
Zuletzt,aber nicht hintenan steht das defensive Mittelfeld als große Stärke der Manschaft!
In der besetzung Hamann/Ballack fanden sich zwei Spieler,die herausragend absicherten und gleichzeitig das Spiel mit weiten öffnenden Pässen und großer Torgefährlichkeit beherrschten.
Selbst mit Jeremies oder Kehl als den Alternativen hierzu waren diese Möglichkeiten gegeben und bewiesen sich mit einer Bilanz im Finale,die ich lange nicht mehr sah:
Eine deutsche Manschaft hatte deutlich mehr Ballbesitz als die Brasilianer!
6.Schwächen
Als Schwächen erkennbar waren lediglich drei Dinge:
1.Unerfahrenheit vieler Spieler
Hin und wieder merkte man einem Klose oder Metzelder eben doch noch an,daß sie schlitzohriger auftreten könnten,doch dies haben alle im Laufe des Turniers mehr und mehr abgelegt.
2.Die spielerischen Möglichkeiten wurden nicht immer ganz genutzt.
Im Finale zeigte sich,daß Deutschland auch wunderschönen Fußball spielen kann und sogar teilweise ein Brasilien im eigenen Strafraum einzukesseln.
Diese Möglichkeit hat man leider mitunter säumen lassen und hätten die Manschaft noch größer werden lassen.
Doch was nicht ist das kann noch werden!
3.Die linke Seite!
Mit Metzelder auf der linken Abwehrposition scheint mir zwar eine Ideallösung gefunden zu sein,doch für die Angriffsposition auf der linken Seite ist er doch zu defensiv.
Ihm zur Seite standen dieses Mal Ziege und Bode doch beide waren nicht besonders.
Ziege zeigte mal wieder ein grauenvolles Turnier und blieb wie so oft weit hinter seinen Möglichkeiten zurück und Bode war für den Angriffsverband zwar ein Kopfballstarker Vollstrecker,aber eben kein Vorbereiter.
Das Ergebnis war,daß im Gegensatz zur rechten Außenbahn über die linke nahezu nichts kam.
7.Zukunftschancen
Von diesen 23 Spielern haben nur drei ihren Rücktritt angekündigt mit Linke,Bode und Bierhoff.
Ziege überlegt noch und Kahn und Lehmann wären in dem Alter es sich zu überlegen.
Der Rest steht definitiv bis zur WM 2006 zur Verfügung und das läßt aufhorchen!
Linke können wir als Stammspieler nennen und eventuell natürlich Kahn (ob er mit dann 37 nochmal ne WM spielt bezweifle ich).
Anstelle von Linke stünde dann aber wieder ein Nowotny oder auf längere Sicht definitiv ein Kehl bereit,die durchaus besser als er werden könnten.
So schwer Kahns Abschied klingen könnte bleibt doch festzuhalten,daß sich Deutschland nicht verstecken müsste mit den Torwarten,die dahinter stehen.
Rost,Butt und auf lange Sicht wahrscheinlich Hildebrandt könnten es einmal genauso weit bringen.Schlechte Torwarte hatte Deutschland nie und wird es auf absehbare Zeit auch nicht haben!
Bierhoff war sowieso nur noch Joker und für ihn könnten einmal ein Tiffert,Timm,Ketelar oder Rath nachrücken.
Deutschlands Problem für den Sturm war nicht,daß es keine Talente dafür gab,sondern daß die Talente noch nicht weit genug waren.
Mit Bode,Heinrich ja sowieso schon und vermutlich auch Ziege bleibt die linke Seite vorerst offen,doch auch hier gibt es Alternativen,die mehr Potential bergen:
Böhme von Schalke halte ich für einen besseren Vorbereiter als diese und mit Rahn von St.Pauli und Bierofka,dem Neu-Leverkusener stehen große Talente zur Verfügung.
Die Manschaft war dieses Mal endlich wieder jung und könnte in den kommenden Jahren noch jünger und stärker werden.
Zudem steht schließlich auch noch ein Deisler auf der Liste!
8.Fazit
Deutschland hat Potential und Entwicklungsmöglichkeiten gezeigt wo lange nichts mehr zu erwarten war.
Beinahe resignierte man bereits in den abgesehenen Abstieg zur Bedeutungslosigkeit und doch zeigte sich,daß mit Kampf und Willen noch immer viel zu erreichen ist und vor allem,daß Deutschland noch immer ein paar ganz große Talente vorzuweisen hat!
Ein paar hatten nunmehr ihren endgültigen Durchbruch!
Viele Jahre lang verzweifelten wir an ewigen Talenten wie Möller,Ziege,Scholl und co,die unter ständigem Druck sich nie in Szene bei einem großen Turnier setzten und heute zeigte sich,daß ohne diesen Druck die Talente nur so sprudeln!
Dies war es was die deutsche Nationalmanschaft brauchte:
Ein Turnier ohne Ansprüche und Hoffnungen,eine Zeit wo die deutschen Erwartungen soweit gesunken waren,daß einige Talente versuchen konnten ihren Weg zu gehen ohne zusammengepfiffen zu werden.
Ein Trainergespann,das es wagte oder gezwungen war,in diesem Fall beides,auf allein diese Talente zu bauen und nicht zuletzt die Talente die sich durchbissen!
Die deutsche Nationalmanschaft hat sich eindrucksvoll auf die internationale Bühne zurückgemeldet und hat nun eine gute Vision vor Augen!
2006,eine junge Manschaft angeführt von Hildebrandt,Ballack,Deisler,Klose und co besiegt mit einem begeisternden schönen Angriffsfußball die Welt und streckt den Pokal in die Höhe!
9.Anmerkungen
Ich veröffentliche meine Beiträge bei
Yopi als PrinceofLies
Ecomments als ec_Loki
Hitwin als Loki
Doyoo als 0Loki
Griasdi als princeoflies
- 1.Vorwort
- 2.Manschaft
- 3.Trainer
- 4.Erwartungen
- 5.Stärken
- 6.Schwächen
- 7.Zukunftschancen
- 8.Fazit
- 9.Anmerkungen
1.Vorwort
Mit ein wenig Abstand halte ich es heuer und will versuchen im nachhinein zu ergründen,wie eine Manschaft ohne Stars,Hoffnungen und Erwartungen es schaffte bis ins Endspiel zu gelangen.
Die Euphorie war ja anhand der jubelnden Staus nicht zu übersehen und so manches dabei blieb nun doch noch ungesagt.
Im Folgenden will ich versuchen zu erklären,warum die deutsche Manschaft so viel weiter als die großen Favoriten,soviel weiter als die eigenen kühnsten Hoffnungen kamen und hieraus ableiten,was wir für die Zukunft erwarten dürfen.
2.Manschaft
Der Kader liest sich breit,aber nicht herausragend.
Der einzige Spieler,den man bereits vor dem Turnier als Weltklasse kannte stand im Tor mit Olliver Kahn von Bayern München.
Ein einziger Fehler im ganzen Turnier hat er gemacht,der entscheidend leider war,doch ansonsten gab es nahezu nichts was die Stürmer der Welt an ihm vorbei hätten bringen können.
Hinter Kahn gab es zwar wenig bedarf,doch mit Lehmann und Butt standen Torhüter dahinter,die ebenfalls bereits international bekannt waren.
Die Abwehr wechselte zwischen Dreier- und Viererkette munter durch,zuweilen gar wärend des Spieles mehrfach.
Zur Stammbesetzung gehörten hierbei vorwiegend Metzelder und Linke sowie Ramelow oder Kehl bei der Dreierkette,und Frings,Ramelov,Linke und Metzelder in der Viererkette.
Dahinter gab es noch Baumann und Rehmer als Alternativen für die Innenverteidigung,Ziege und Bode für die linke Seite sowie Asamoah für die rechte Seite.
Die Abwehr stand zwar nicht über das ganze Turnier,doch sich stetig steigernd sehr stabil und brachte insbesondere die Jungstars Kehl und vor allem Metzelder ins Rampenlicht.
Geordnet,Zweikampfstark,Sellungssicher und durchaus auch allesamt mit Möglichkeiten sich offensiv einzuordnen.
Das Mittelfeld hatte eine klare Achse mit Ballack und Hamann als Ballverteiler und Absicherung sowie Schneider als fast schon klassischen Rechtsaußen.
Die linke Seite war leider nicht ganz so ausgeprägt,da zunächst Ziege und später auch Bode offensiv relativ wenig zustande brachten und mehr nach hinten absicherten.
Dafür kamen aus der Verteidigung Frings und Metzelder oft über die Außen vor und stärkten damit unsere Außenbahnen.
Hinter diesen Mittelfeldspielern und Quasimittelfeldspielern,wie ich die Außenverteidiger durch ihre häufigen Flankenläufe gerne nenne gab es noch viele Alternativen auf der Bank.
Jeremies und wiederum Kehl waren Alternativen für Hamann und Ballack im eher defensiveren Mittelfeld sowie Asamoah für Schneider auf der rechten Außenbahn.
Ricken wäre auch Spieltyp eher als Alternative für die zentrale Rolle hinter den Spitzen denkbar,doch ein solches System spielte die deutsche Manschaft nicht.
Ballack,dem man diese Rolle zwar immer wieder zuschob agierte etwas weiter hinten und wechselte sich in dieser Rolle mit Hamann ab,was zugleich die Außenbahnen verstärkte und das deutsche Spiel schlechter ausrechenbahr machte.
Im Sturm,dem Manschaftsteil der mit die meisten Sorgen machte,zeigte sich ein großes Talent auf dem Weg nach vorne:
Miroslav Klose,der in den Vorrundenspielen und dabei besonders gegen Kamerung die Gründe zeigte,warum man mit ihm in den kommenden Jahren zu rechnen habe.
Der zunächst hintenanstehende Neuville wurde zu unserem wichtigsten Stürmer als es in die K.O.Spiele ging und er mehrmals spielentscheidend traf und auflegte.
Da er der kleinste Stürmer der Manschaft war war die Frage durchaus berechtigt ob er zusammen mit Klose harmonieren könnte,der auch nicht gerade der typische Stürmer für die vorderste Front war.
Daher spielte zunächst der hühnenhafte Jancker,den die gegnerischen Manschaften wohl für Kopfballstärker hielten,als er wirklich ist.
Er konnte viele Bälle ablegen,da er am Ball geschickt ist,was kaum einer von so einem Hühnen erwartete.
Am Ende der Vorrunde hatte sich dies aber scheinbar aufgebraucht,denn gegen Kamerun bekam er gar nichts mehr zustande und man versuchte die Variante Klose/Neuville.
Ein Spiel lang gings gar nicht miteinander,beim zweiten zäh und ab dem Halbfinale schienen sie ihre Wege aufeinander abgestimmt zu haben.
Als letzte Alternative im Sturm stand da noch der alte Kapitän Bierhoff,der noch immer es versteht als Joker Unruhe in die gegnerische Manschaft zu bringen und die eine oder andere Torraumszene zu bewirken.
3.Trainer
Das Trainergespann Völler/Skibbe war erst zwei Jahre im Amt und man erwartete von ihnen eher einen ausbaufähigen Neuaufbau im Hinblick auf die WM 2006 im eigenen Lande denn den ganz großen Wurf hier.
Man ließ sie sogar noch mehr in Ruhe als sich abzeichnete,daß ein großer Teil der Spieler von denen man noch etwas erwartete sich ab-,krank- und nicht fit meldeten.
Was den beiden dann notgedrungen gelang war eine blutjunge Manschaft ins Feld zu werfen,wo fast alle noch in vier Jahren dabei sein könnten ginge man rein nach dem Alter.
Wärend Skibbe das Training leitete und es schaffte woran Argentinien und vor allem Frankreich scheiterte war die Manschaft fit zu bekommen nach einer langen,ermüdenden Saison.
Dahingegen war Völlers Hauptaufgabe,die Manschaft zu präsentieren und die Medien bei Laune zu halten.
Als chariismatischer Volksheld von 90 war dies relativ leicht für ihn und man nahm ihn so manche Ungehobeltheit ab,für die ein anderer schwere Schelte zu erwarten hätte.
Zusammen gelang es ihnen eine deutsche Manschaft,die kämpfte,modern und variabel spielte und ernsthafte Hoffnungen erweckte zu erschaffen,deren Altersdurchschnitt noch viel erhoffen läßt.
4.Erwartungen
Nach dem Vorrundenaus bei der Europameisterschaft und der damit beendeten Ära Ribbeck waren die Erwartungen naturgemäß niedrig.
Das letzte große Turnier war eine einzige Blamage,das davor eine halbe und die Qualifikation gelang auch nicht direkt.
Die Erwartungen waren niedrig und dann passierte das Grauen:
Leverkusen scheiterte in allen drei Wettbewerben im Endspurt und viele hafteten ihnen das Verliererimage an!
Dabei stellten sie den Großteil des Kaders!
Zu allem Überfluß kamen noch die Absagen von Deisler und Scholl,den beiden letzten offensiven Spielern,denen man internationales Niveau zutraute;Wörns und Nowotny,den fest eingeplanten Abwehrbollwerken;Heinrich und schließlich wärend des Turniers noch Böhme den Hoffnungsträgern für die linke Angriffs-/Verteidigungsposition.
Die Erwartungen waren nie hoch und sanken damit bereits unter Null!
Übrig blieb die Gewissheit den vermutlich besten Torwart der Welt,was er ja auch bewies,zu haben,ein zwei Mittelfeldspieler,die sich international behaupten konnten und ein Talent im Sturm.
Nicht gerade viel und da der Druck damit sehr niedrig war konnte die Manschaft und das Trainergespann aus der Not eine Tugend machen.
Man nahme den Rest,der mitfuhr,nahezu alle weit vor der 30 und baute eine taktisch sehr flexible und kampfstarke Manschaft auf.
Das schnelle Umschalten von der Dreier- auf die Viererkette ist nur ein Beispiel hierfür.
Ein anderes wäre die herausragende recht Seite,wo Frings,Ballack und Schneider sich sehr geschickt vorschoben und zurückfallen ließen und so dem Gegner nie die Chance gab sich auf ihre wechselnde Spielweise einstellen zu können.
5.Stärken
Es sei genannt Olliver Kahn zur Hand!
Absolute Weltklasse spielte er in jedem Spiel und nur ein einziges Mal machte er einen Fehler (und diesen erst unmittelbar nach einer Verletzung an der Hand)!
Was die Abwehr durchließ musste sich mit diesem Koloß messen und fürwahr,dies war eine undankbare Aufgabe für jeden Stürmer dieser Welt!
Als zweites war der geringe Erfolgsdruck zu nennen,der so manchen jungen Spieler aufblühen ließ.
Ich bin mir nicht sicher ob ein Klose oder Metzelder so unbeschwert hätten spielen können,wenn sie im Hinterkopf hätten,daß sie bei weniger als dem Halbfinale als Endergebnis gar nicht mehr heimkommen hätten brauchen!
Das dritte war der Hunger!
Im Gegensatz zu 2000 war die Manschaft hungrig nach Erfolgen!
Die Bayern und Leverkusenstars,die ja komplett leer dieses Jahr an Titeln ausgingen waren hungrig nach Erfolgen wie lange nicht mehr.
Die eingespielten Leverkusener und ihr Selbstvertrauen!
Was manche befürchteten war gelinde gesagt das verkehrte!
Die Leverkusener Spieler kamen nicht mit der Einstellung oh weh,wir haben dreimal verloren,wir können gar nichts nach Japan sondern schlicht und ergreifend mit der breitesten Brust die sich denken ließ!
Genauso wie Dortmund,das das Uefa-Cup Finale verlor hatten sie die Gewissheit mit den besten Manschaften der Welt nicht nur mithalten zu können sondern auch eine große Zahl von ihnen rausgeworfen zu haben!
Die ansehnlichen Kombinationen aus der Championsleague wurden hier fortgesetzt wie die herrlichen Kombinationen im Finale spätestens bewiesen!
Die variable Abwehr war ein weiterer Schlüsselpunkt!
Es war schwer für gegnerische Stürmer sich in Szene zu setzten,da sie sich nicht einstellen konnten auf die deutsche Verteidigung und wenn sie doch einmal einen Weg zu finden schienen stellte die Manschaft um!
Damit ergaben sich verschiedene Möglichkeiten auch sich offensiv zu verhalten,wie wenn Metzelder über links und Frings über rechts plötzlich an Cafu und Carlos Vorstöße erinnern ließen.
Die deutsche Kopfballstärke zeigte sich nicht nur an Kloses Toren sondern über das ganze Turnier.
Zwar gewannen die Brasilianer im Endspiel knapp diese Bilanz als eine von wenigen,doch wie ich so schön sagte,zählen da ja auch Neuvilles Kopfbälle dazu *G*.
Die komplette rechte Seite wäre als wahrer Pluspunkt zu nennen.
Hier tummelten sich abwechselnd Schneider,Ballack und Frings und vernichteten nicht nur nahezu alle Anstrengungen hierüber anzugreifen,einschließlich eines Roberto Carlos,von dem man nun wirklich mehr erwartet,sondern brachten ein ums andere Mal Gefahr bis an die gegnerische Grundlinie.
Hinzu kam dann später auch noch Neuville,der meist über diese Seite dribbelte und damit Schneider die Möglichkeit eröffnete im Stile eines klassischen Spielmachers den gesamten Platz zu seiner Spielwiese zu machen.
Zuletzt,aber nicht hintenan steht das defensive Mittelfeld als große Stärke der Manschaft!
In der besetzung Hamann/Ballack fanden sich zwei Spieler,die herausragend absicherten und gleichzeitig das Spiel mit weiten öffnenden Pässen und großer Torgefährlichkeit beherrschten.
Selbst mit Jeremies oder Kehl als den Alternativen hierzu waren diese Möglichkeiten gegeben und bewiesen sich mit einer Bilanz im Finale,die ich lange nicht mehr sah:
Eine deutsche Manschaft hatte deutlich mehr Ballbesitz als die Brasilianer!
6.Schwächen
Als Schwächen erkennbar waren lediglich drei Dinge:
1.Unerfahrenheit vieler Spieler
Hin und wieder merkte man einem Klose oder Metzelder eben doch noch an,daß sie schlitzohriger auftreten könnten,doch dies haben alle im Laufe des Turniers mehr und mehr abgelegt.
2.Die spielerischen Möglichkeiten wurden nicht immer ganz genutzt.
Im Finale zeigte sich,daß Deutschland auch wunderschönen Fußball spielen kann und sogar teilweise ein Brasilien im eigenen Strafraum einzukesseln.
Diese Möglichkeit hat man leider mitunter säumen lassen und hätten die Manschaft noch größer werden lassen.
Doch was nicht ist das kann noch werden!
3.Die linke Seite!
Mit Metzelder auf der linken Abwehrposition scheint mir zwar eine Ideallösung gefunden zu sein,doch für die Angriffsposition auf der linken Seite ist er doch zu defensiv.
Ihm zur Seite standen dieses Mal Ziege und Bode doch beide waren nicht besonders.
Ziege zeigte mal wieder ein grauenvolles Turnier und blieb wie so oft weit hinter seinen Möglichkeiten zurück und Bode war für den Angriffsverband zwar ein Kopfballstarker Vollstrecker,aber eben kein Vorbereiter.
Das Ergebnis war,daß im Gegensatz zur rechten Außenbahn über die linke nahezu nichts kam.
7.Zukunftschancen
Von diesen 23 Spielern haben nur drei ihren Rücktritt angekündigt mit Linke,Bode und Bierhoff.
Ziege überlegt noch und Kahn und Lehmann wären in dem Alter es sich zu überlegen.
Der Rest steht definitiv bis zur WM 2006 zur Verfügung und das läßt aufhorchen!
Linke können wir als Stammspieler nennen und eventuell natürlich Kahn (ob er mit dann 37 nochmal ne WM spielt bezweifle ich).
Anstelle von Linke stünde dann aber wieder ein Nowotny oder auf längere Sicht definitiv ein Kehl bereit,die durchaus besser als er werden könnten.
So schwer Kahns Abschied klingen könnte bleibt doch festzuhalten,daß sich Deutschland nicht verstecken müsste mit den Torwarten,die dahinter stehen.
Rost,Butt und auf lange Sicht wahrscheinlich Hildebrandt könnten es einmal genauso weit bringen.Schlechte Torwarte hatte Deutschland nie und wird es auf absehbare Zeit auch nicht haben!
Bierhoff war sowieso nur noch Joker und für ihn könnten einmal ein Tiffert,Timm,Ketelar oder Rath nachrücken.
Deutschlands Problem für den Sturm war nicht,daß es keine Talente dafür gab,sondern daß die Talente noch nicht weit genug waren.
Mit Bode,Heinrich ja sowieso schon und vermutlich auch Ziege bleibt die linke Seite vorerst offen,doch auch hier gibt es Alternativen,die mehr Potential bergen:
Böhme von Schalke halte ich für einen besseren Vorbereiter als diese und mit Rahn von St.Pauli und Bierofka,dem Neu-Leverkusener stehen große Talente zur Verfügung.
Die Manschaft war dieses Mal endlich wieder jung und könnte in den kommenden Jahren noch jünger und stärker werden.
Zudem steht schließlich auch noch ein Deisler auf der Liste!
8.Fazit
Deutschland hat Potential und Entwicklungsmöglichkeiten gezeigt wo lange nichts mehr zu erwarten war.
Beinahe resignierte man bereits in den abgesehenen Abstieg zur Bedeutungslosigkeit und doch zeigte sich,daß mit Kampf und Willen noch immer viel zu erreichen ist und vor allem,daß Deutschland noch immer ein paar ganz große Talente vorzuweisen hat!
Ein paar hatten nunmehr ihren endgültigen Durchbruch!
Viele Jahre lang verzweifelten wir an ewigen Talenten wie Möller,Ziege,Scholl und co,die unter ständigem Druck sich nie in Szene bei einem großen Turnier setzten und heute zeigte sich,daß ohne diesen Druck die Talente nur so sprudeln!
Dies war es was die deutsche Nationalmanschaft brauchte:
Ein Turnier ohne Ansprüche und Hoffnungen,eine Zeit wo die deutschen Erwartungen soweit gesunken waren,daß einige Talente versuchen konnten ihren Weg zu gehen ohne zusammengepfiffen zu werden.
Ein Trainergespann,das es wagte oder gezwungen war,in diesem Fall beides,auf allein diese Talente zu bauen und nicht zuletzt die Talente die sich durchbissen!
Die deutsche Nationalmanschaft hat sich eindrucksvoll auf die internationale Bühne zurückgemeldet und hat nun eine gute Vision vor Augen!
2006,eine junge Manschaft angeführt von Hildebrandt,Ballack,Deisler,Klose und co besiegt mit einem begeisternden schönen Angriffsfußball die Welt und streckt den Pokal in die Höhe!
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54 Bewertungen, 4 Kommentare
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19.11.2007, 16:00 Uhr von moniseiki
Bewertung: sehr hilfreich***-SH-***-LESEN UND GELESEN WERDEN---Liebe grüße moniseiki
-
13.11.2007, 23:45 Uhr von misscindy
Bewertung: sehr hilfreichlg Sylvia
-
08.01.2007, 10:11 Uhr von Baby1
Bewertung: sehr hilfreich* ~~ * Lieben Gruss Anita * ~~ *
-
03.11.2006, 16:48 Uhr von Zuckermaus29
Bewertung: sehr hilfreich:o) liebe Grüße Jeanny
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