Erfahrungsbericht von SaschaT
She, Robot
Pro:
Das Diven-Trio Close, Midler, Kidman
Kontra:
Ein zahnloser Film, dem eine lieblos zusammengezimmerte, nachträgliche Story-Anpassung das Genick bricht
Empfehlung:
Nein
Hollywood-Filme zu einem bestimmten Thema gehen in letzter Zeit häufiger im Doppelpack an den Start. Nach Vulkanen, Wirbelstürmen und Asteroiden bricht nun neues Ungemach über die Menschheit herein.
Mit \"Die Frauen von Stepford\" scheint UIP \"I, Robot\" vom Konkurrenten 20th Century Fox die Androiden-Stirn bieten zu wollen, wenn auch mit einem komplett anderen Zugang zum Thema und zu Recht vom Publikum kaum wahrgenommen.
Vorab: Dieser Bericht verrät viel von der Handlung des Films. Es war leider unumgänglich. Lest selbst.
Fernsehproduzentin Joanna Eberhart (Nicole Kidman) hat den Bogen ein klein wenig überspannt. Nach der Amoktat eines in ihrer Sendung gehörnten Ehemannes wird ihr gekündigt. Einem Nervenzusammenbruch folgt der Versuch ein völlig neues Leben zu führen. In ländlichen Connecticut scheinen sie und ihr Mann das passende Fleckchen gefunden zu haben. Im schnieken, mega-sauberen Stepford nennen die auffallend dämlichen Herren der Schöpfung auffallend folgsame Frauen ihr eigen: allesamt blond, versessen auf Hausarbeit und jederzeit sexuell verfügbar. Doch hinter der Machotraumkulisse verbirgt sich ein dunkles Geheimnis: Eine Hälfte der Bevölkerung Stepfords sind offensichtlich lebensechte Roboter...
Die Idee des Skriptes
ist zwar nicht neu - zum ersten Mall wurde der Stoff 1975 verfilmt - aber durchaus vielversprechend. Doch \"Die Frauen von Stepford\" führt deutlich vor Augen wie sehr auch eine gute Idee auf eine mindestens ebenso inspirierte Umsetzung angewiesen ist. So vielversprechend der Ansatz, so grandios chaotisch ist die tatsächliche Dramaturgie. Die Handlung strotzt nur so vor Ungereimtheiten und logischen Fehlern. Dabei ist es nicht einmal so der Fortgang der Handlung der unplausibel erscheint, sondern die vielen Details, die den mitdenkenden Betrachter ständig das Gefühl vermitteln etwas verpasst oder nicht verstanden zu haben. So präsentieren die Mitglieder des Herrenclubs den Neumitgliedern eine lebensechte Roboter-Nachbildung ihrer Ehefrauen, deren Bestimmung völlig im Unklaren bleibt. Drehbuchautor Paul Rudnick (\"In & Out\") schien sich nicht ganz einig mit sich selbst gewesen zu sein, ob er die Stadt mit maschinellen Duplikaten oder chipgesteuerten Weibchen bevölkert wollte. Das ist nur eine von vielen nicht nachvollziehbaren Kapriolen, die das Drehbuch schlägt.
Doch nicht nur in Einzelheiten offenbart sich ein unausgegorenes Skript. Lässt sich der Film noch wie eine Satire an, wird bald offenbar, wie plump einzelne Versatzstücke verschiedener Genres eingeflochten werden, ohne dass erkennbar wird, worauf der Film hinaus will. Sind es mal komödiantische Episoden, wechselt die Regie kurz darauf ins Horrorfach und spart auch tragische Elemente nicht aus.
Nun will ich nicht behaupten, dass das kein Stilmittel sein kann. Allein die Realisierung eines solchen Genre-Mixes erfordert ein geschicktes Händchen bei Drehbuchschreibern und Regie, das \"Die Frauen von Stepford\" vermissen lässt. Hin und her gerissen zwischen Science Fiction, Komödie, Tragik und milden Schockeffekten bleibt die Botschaft des Streifens verwaschen. Am ehesten könnte man ihn als Fabel auf die Sehnsucht nach einer heilen Welt ansehen, die wohl jeder schon einmal in sich aufblitzen spürte, voll von Seitenhieben auf Emanzipation und bedingungslosen Fortschrittsglauben. Doch auch Märchen folgen festen dramaturgischen Regeln, die man nicht ungestraft durchbrechen kann, vor allem nicht ohne eine besondere Intention klar zu machen. Falls es eine solche gab, blieb sie mir verborgen. So hinterlässt Autor Rodnick den Eindruck dass ihn beim Schreiben mehr als einmal das berüchtigte Textgedächtnis verlassen hat. Und offensichtlich ist das nicht mal Regisseur Frank Oz (\"In & Out\", \"Little Shop of Horrors\") aufgefallen. Kein Wunder wenn man bedenkt, dass er bisher in erster Linie als Stimme diverser Puppen (Starwars, Muppet Show) und computeranimierter Figuren (Monster AG) in Erscheinung trat.
Inoffiziellen Quellen zufolge waren in der Erstfassung des Films, ebenso wie im Original von 1975, die Frauen tatsächlich Roboter. Die Roboter-Idee schnitt aber bei Testvorführungen derart schlecht bei den Zuschauern ab, dass die Idee mit den implanierten Chips aufkam. Da man aber die Kosten von Nachdrehs offensichtlich scheute, blieb bei der Anpassung des zentralen dramaturgischen Themas die Plausibilität der Story auf der Strecke (Quelle: Forumsbeitrag auf imdb.com). Das erscheint mir einleuchtend, denn es ist schwer vorstellbar, dass der Film in der Urfassung ein Happy End hatte.
Dabei haben die \"Die Frauen von Stepford\" durchaus ihre Momente. Die gehen aber fast ausnahmslos auf das Konto der hervorragenden
Besetzung:
Köstlich das von Claire Wellington entwickelte Aerobicprogramm, basierend auf leichten Haushaltstätigkeiten. Glen Close gibt die First Lady von Stepford wundervoll überdreht und spielt dabei gegen ihr eigenes Image der emanzipierten, rationalen Frau an. Während Nicole Kidman als gewissenlose Fernsehproduzentin Joanna Eberhart eine der grandiosesten Gesichtentgleisungen liefert, die ich je sah - von der Kamera in schier endloser Nahaufnahme eingefangen. Wunderbar! Tapfer spielt sie sich durch die Fallstricke, die das chaotische Skript ihrer Figur unnötigerweise legt. Matthew Broderick als Joannas Ehemann dagegen wirkt steifer als mancher Stepford-Roboter.
Die Figur der Bobby Markowitz bietet Bette Midler die seltene Gelegenheit eines Charakterschwenks um 180 Grad. Doch das Potenzial einer solch abrupten Wandlung von der chaotischen Schriftsteller-Emanze zum hirngewaschenen Hausweibchen wird meiner Meinung nach verschenkt. Da hätte man viel mehr herausholen können. Schade.
Auch wenn man das Gefühl nicht los wird, dass hier mit Starkino ein verwurstetes Drehbuch gerettet werden soll, bekommt der Film für das Spiel der drei Diven einen Extra Wertungsstern. Denn ohne das Trio Close, Midler und Kidman wäre \"Die Frauen von Stepford\" nur halb so sehenswert.
Erstaunlich finde ich, dass neben den drei Ehepaaren ein schwules Pärchen eine tragende Rolle spielt. Dabei wird Homosexualität mit keiner Silbe thematisiert, die beiden sind ein Gespann wie all die anderen seltsamen Pärchen in Stepford auch, mit allen Konsequenzen. Solch ein entspannter und im besten Wortsinn schamloser Umgang mit schwulen Charakteren in einem \"nicht-schwulen\" Film, ist für einen Hollywood-Streifen ein Politikum. Von mir ein Extra-Lob für diese stille Revolution, die von den meisten Zuschauern wohl unbemerkt bleiben wird.
Zu guter Letzt
bleibt zu sagen, dass in der den \"Frauen von Stepford\" zugrunde liegende Idee die Chance auf eine wirklich anspruchsvolle Umsetzung lag. Doch die stark verstümmelte Geschichte der offensichtlich mit dem Holzhammer revidierten Version wird auch durch die großen Schauspielerinnen kaum noch gerettet. So bleibt bis auf das Spiel von Glenn Close, Bette Midler und Nicole Kidman und einige gelungene Gags ein kastriertes Stück Film. Man hätte gut daran getan, an der ursprünglichen Fassung zu bleiben - vermutlich wäre ein intelligentes, gesellschaftskritisches Stück in die Kinos gekommen. Vielleicht ist UIP so schlau, der DVD-Fassung einen Directors Cut mit der ungeänderten Fassung zu spendieren. Dann würde ich ihn mir glatt noch mal anschauen.
Den Film allerdings so zu servieren wie er jetzt ist, und nur auf die Zugkraft großer Namen zu vertrauen kann nur als Frechheit bezeichnet werden. Also, ihr seid gewarnt. Von mir gibt es mit knapper Not zwei Sterne und keine Empfehlung.
Mit \"Die Frauen von Stepford\" scheint UIP \"I, Robot\" vom Konkurrenten 20th Century Fox die Androiden-Stirn bieten zu wollen, wenn auch mit einem komplett anderen Zugang zum Thema und zu Recht vom Publikum kaum wahrgenommen.
Vorab: Dieser Bericht verrät viel von der Handlung des Films. Es war leider unumgänglich. Lest selbst.
Fernsehproduzentin Joanna Eberhart (Nicole Kidman) hat den Bogen ein klein wenig überspannt. Nach der Amoktat eines in ihrer Sendung gehörnten Ehemannes wird ihr gekündigt. Einem Nervenzusammenbruch folgt der Versuch ein völlig neues Leben zu führen. In ländlichen Connecticut scheinen sie und ihr Mann das passende Fleckchen gefunden zu haben. Im schnieken, mega-sauberen Stepford nennen die auffallend dämlichen Herren der Schöpfung auffallend folgsame Frauen ihr eigen: allesamt blond, versessen auf Hausarbeit und jederzeit sexuell verfügbar. Doch hinter der Machotraumkulisse verbirgt sich ein dunkles Geheimnis: Eine Hälfte der Bevölkerung Stepfords sind offensichtlich lebensechte Roboter...
Die Idee des Skriptes
ist zwar nicht neu - zum ersten Mall wurde der Stoff 1975 verfilmt - aber durchaus vielversprechend. Doch \"Die Frauen von Stepford\" führt deutlich vor Augen wie sehr auch eine gute Idee auf eine mindestens ebenso inspirierte Umsetzung angewiesen ist. So vielversprechend der Ansatz, so grandios chaotisch ist die tatsächliche Dramaturgie. Die Handlung strotzt nur so vor Ungereimtheiten und logischen Fehlern. Dabei ist es nicht einmal so der Fortgang der Handlung der unplausibel erscheint, sondern die vielen Details, die den mitdenkenden Betrachter ständig das Gefühl vermitteln etwas verpasst oder nicht verstanden zu haben. So präsentieren die Mitglieder des Herrenclubs den Neumitgliedern eine lebensechte Roboter-Nachbildung ihrer Ehefrauen, deren Bestimmung völlig im Unklaren bleibt. Drehbuchautor Paul Rudnick (\"In & Out\") schien sich nicht ganz einig mit sich selbst gewesen zu sein, ob er die Stadt mit maschinellen Duplikaten oder chipgesteuerten Weibchen bevölkert wollte. Das ist nur eine von vielen nicht nachvollziehbaren Kapriolen, die das Drehbuch schlägt.
Doch nicht nur in Einzelheiten offenbart sich ein unausgegorenes Skript. Lässt sich der Film noch wie eine Satire an, wird bald offenbar, wie plump einzelne Versatzstücke verschiedener Genres eingeflochten werden, ohne dass erkennbar wird, worauf der Film hinaus will. Sind es mal komödiantische Episoden, wechselt die Regie kurz darauf ins Horrorfach und spart auch tragische Elemente nicht aus.
Nun will ich nicht behaupten, dass das kein Stilmittel sein kann. Allein die Realisierung eines solchen Genre-Mixes erfordert ein geschicktes Händchen bei Drehbuchschreibern und Regie, das \"Die Frauen von Stepford\" vermissen lässt. Hin und her gerissen zwischen Science Fiction, Komödie, Tragik und milden Schockeffekten bleibt die Botschaft des Streifens verwaschen. Am ehesten könnte man ihn als Fabel auf die Sehnsucht nach einer heilen Welt ansehen, die wohl jeder schon einmal in sich aufblitzen spürte, voll von Seitenhieben auf Emanzipation und bedingungslosen Fortschrittsglauben. Doch auch Märchen folgen festen dramaturgischen Regeln, die man nicht ungestraft durchbrechen kann, vor allem nicht ohne eine besondere Intention klar zu machen. Falls es eine solche gab, blieb sie mir verborgen. So hinterlässt Autor Rodnick den Eindruck dass ihn beim Schreiben mehr als einmal das berüchtigte Textgedächtnis verlassen hat. Und offensichtlich ist das nicht mal Regisseur Frank Oz (\"In & Out\", \"Little Shop of Horrors\") aufgefallen. Kein Wunder wenn man bedenkt, dass er bisher in erster Linie als Stimme diverser Puppen (Starwars, Muppet Show) und computeranimierter Figuren (Monster AG) in Erscheinung trat.
Inoffiziellen Quellen zufolge waren in der Erstfassung des Films, ebenso wie im Original von 1975, die Frauen tatsächlich Roboter. Die Roboter-Idee schnitt aber bei Testvorführungen derart schlecht bei den Zuschauern ab, dass die Idee mit den implanierten Chips aufkam. Da man aber die Kosten von Nachdrehs offensichtlich scheute, blieb bei der Anpassung des zentralen dramaturgischen Themas die Plausibilität der Story auf der Strecke (Quelle: Forumsbeitrag auf imdb.com). Das erscheint mir einleuchtend, denn es ist schwer vorstellbar, dass der Film in der Urfassung ein Happy End hatte.
Dabei haben die \"Die Frauen von Stepford\" durchaus ihre Momente. Die gehen aber fast ausnahmslos auf das Konto der hervorragenden
Besetzung:
Köstlich das von Claire Wellington entwickelte Aerobicprogramm, basierend auf leichten Haushaltstätigkeiten. Glen Close gibt die First Lady von Stepford wundervoll überdreht und spielt dabei gegen ihr eigenes Image der emanzipierten, rationalen Frau an. Während Nicole Kidman als gewissenlose Fernsehproduzentin Joanna Eberhart eine der grandiosesten Gesichtentgleisungen liefert, die ich je sah - von der Kamera in schier endloser Nahaufnahme eingefangen. Wunderbar! Tapfer spielt sie sich durch die Fallstricke, die das chaotische Skript ihrer Figur unnötigerweise legt. Matthew Broderick als Joannas Ehemann dagegen wirkt steifer als mancher Stepford-Roboter.
Die Figur der Bobby Markowitz bietet Bette Midler die seltene Gelegenheit eines Charakterschwenks um 180 Grad. Doch das Potenzial einer solch abrupten Wandlung von der chaotischen Schriftsteller-Emanze zum hirngewaschenen Hausweibchen wird meiner Meinung nach verschenkt. Da hätte man viel mehr herausholen können. Schade.
Auch wenn man das Gefühl nicht los wird, dass hier mit Starkino ein verwurstetes Drehbuch gerettet werden soll, bekommt der Film für das Spiel der drei Diven einen Extra Wertungsstern. Denn ohne das Trio Close, Midler und Kidman wäre \"Die Frauen von Stepford\" nur halb so sehenswert.
Erstaunlich finde ich, dass neben den drei Ehepaaren ein schwules Pärchen eine tragende Rolle spielt. Dabei wird Homosexualität mit keiner Silbe thematisiert, die beiden sind ein Gespann wie all die anderen seltsamen Pärchen in Stepford auch, mit allen Konsequenzen. Solch ein entspannter und im besten Wortsinn schamloser Umgang mit schwulen Charakteren in einem \"nicht-schwulen\" Film, ist für einen Hollywood-Streifen ein Politikum. Von mir ein Extra-Lob für diese stille Revolution, die von den meisten Zuschauern wohl unbemerkt bleiben wird.
Zu guter Letzt
bleibt zu sagen, dass in der den \"Frauen von Stepford\" zugrunde liegende Idee die Chance auf eine wirklich anspruchsvolle Umsetzung lag. Doch die stark verstümmelte Geschichte der offensichtlich mit dem Holzhammer revidierten Version wird auch durch die großen Schauspielerinnen kaum noch gerettet. So bleibt bis auf das Spiel von Glenn Close, Bette Midler und Nicole Kidman und einige gelungene Gags ein kastriertes Stück Film. Man hätte gut daran getan, an der ursprünglichen Fassung zu bleiben - vermutlich wäre ein intelligentes, gesellschaftskritisches Stück in die Kinos gekommen. Vielleicht ist UIP so schlau, der DVD-Fassung einen Directors Cut mit der ungeänderten Fassung zu spendieren. Dann würde ich ihn mir glatt noch mal anschauen.
Den Film allerdings so zu servieren wie er jetzt ist, und nur auf die Zugkraft großer Namen zu vertrauen kann nur als Frechheit bezeichnet werden. Also, ihr seid gewarnt. Von mir gibt es mit knapper Not zwei Sterne und keine Empfehlung.
21 Bewertungen, 3 Kommentare
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13.08.2005, 21:54 Uhr von blackprincess1
Bewertung: sehr hilfreichschön geschrieben...
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24.02.2005, 18:34 Uhr von modschegibbchen
Bewertung: sehr hilfreichwillkommen hier! schöner einstieg. gruß heike
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23.02.2005, 20:38 Uhr von zomtech
Bewertung: sehr hilfreichWillkommen bei Yopi. Für den Anfang war der Bericht schon gut. Wenn du Fragen hast, schau einfach bei mir rein und schreib mir ins GB. *LOL*
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