Die Harald-Schmidt Show Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Unterhaltungswert:  sehr gut
  • Informationsgehalt:  sehr gut
  • Präsentation:  sehr gut
  • Spaß:  sehr viel
  • Spannung:  viel
  • Romantik:  wenig

Erfahrungsbericht von Anonym114

Alles Schmidt!

Pro:

süffisanter Humor, mehr als nur eine Late-Night-Show, kurzweilig

Kontra:

die Gäste?

Empfehlung:

Ja

Der Titel könnte zwar in die Irre führen. Denn so oder so ähnlich heißt (glaub ich?) ein Spielfilm. Doch die Rubrik stimmt, Thema ist Schmidt, Harald, der mit der Show bei Sat1. Zweimal habe ich ihn live gesehen. Nein, nicht auf der Bühne. Das erste Mal lief er durch meine kleine Stadt, die Stadt, aus der ich komme und war zusammen mit Hugo-Egon Balder und Jutta Hahn auf der Suche nach einer Kneipe und fragte mich, wo es lang geht. Das zweite Mal war in Köln, als ich gerade die Treppe vom Parkhaus unter dem Dom hochging. Vor mir lief ein Mann ohne Popo in der Hose längs. Von vorne wurde dann klar: Schmidt ist es. Doch nun zu seiner Show.

AUFBAU DER SENDUNG:
Zum Auftakt gibt es meist einen so genannten Standup. Harald Schmidt steht vor dem Publikum, frotzelt, philosophiert, labert je nach dem über aktuelle Themen.
Dann geht’s ab hinter den Schreibtisch. Dort sitzt er dann zwar auch allein, ist aber nicht mehr Einzelkämpfer. Denn sein Redaktionsleiter Manuel Andrack hat den Platz zu Schmidts Linker, ist Ansprechpartner und das im wahrsten Sinne des Wortes. Im Gespräch zwischen den beiden, das mal in Schmidtsche Monologe ausartet, mal in Spiele, an denen auch Bandleader Helmut Zerlett, Aufnahmeleiterin Susanne und weitere Teammitglieder teilhaben.
Die Gäste, die in anderen Sendungen einen wesentlichen Teil der Show ausmachen, sind hier zwar nicht unwichtig, aber sie stehen auch nicht im Mittelpunkt. Ihnen ist das letzte Drittel oder Viertel der Sendung zugedacht.

HARALD SCHMIDT:
Wer immer mal wieder die Harald-Schmidt-Show guckt, der kriegt ab und an so manche Dinge über den Namensgeber der Sendung mit, so z.B., dass er ein Schwabe aus Nürtingen ist oder dass er früher mal Priester werden wollte. Mit beidem kokettiert er ganz gern.
Schmidt ist Baujahr 1957. Als ich ihm das erste Mal über den Weg lief, war er gemeinsam mit Balder und Hahn für das Düsseldorfer Kommödchen auf Tournee. Auf dem Fernsehschirm machte er zunächst Maz ab (das mir nicht mehr in Erinnerung ist) und dann Pssst, eine Ratesendung, in der unter anderen Mariele Milowitsch und Herbert Feuerstein mit im Team waren. Schon damals kam die leicht süffisante Art von Schmidt gut durch.
Noch mehr Fans konnte er dann in Schmidteinander (1990-94) sammeln. Dort saß im Feuerstein als Prügelknabe zur Seite. Nach einer kurzen Stippvisite bei Verstehen Sie Spaß? landete Schmidt dann 1995 bei Sat1 und in seiner Harald-Schmidt-Show. Für den früher legeren Schmidt war dann bald Kurzhaarschnitt und Anzug angesagt.

MANUEL ANDRACK:
Nachdem Schmidt lange Zeit Alleinkämpfer war (und die Quoten meines Wissens nach nicht so gut ausschauten), wurde sein Redaktionsleiter Manuel Andrack mit auf die Bühne geschickt. Er bildet einen Gegenpart zu Schmidt, einen Reibungspunkt. Das merkt man schon optisch: Denn im Gegensatz zum geschniegelten Moderator ist Manuel Andrack meist in Pulli (und wahrscheinlich Jeans) zu sehen. Auf diese Weise und dadurch, dass er mal von seiner Fußball-Leidenschaft erzählt oder Biere in der Sendung testet, wirkt er volksnah, aber durch andere Dinge dann auch wieder etwas altklug: Denn Manuel Andrack hockt hinter seinem Computer, weiß meist mehr als Schmidt und gibt dem immer wieder auch Kontra.
Anders als Feuerstein hat der Redaktionsleiter nicht einen Schmidt-ähnlichen, süffisanten Humor, sondern auch sein Witz wirkt bodenständiger, aber dennoch clever.

HELMUT ZERLETT:
Schmidts Bandleader sollte ursprünglich immer mal wieder den Couterpart zu Schmidt darstellen. Doch auch wenn er eine Type ist, so macht sich Helmut Zerlett in seiner Band besser als mit dem Mundwerk. Seitdem Andrack mit auf der Bühne sitzt, kann sich Zerlett wieder ganz seiner Musik widmen und hat nur dann und wann kleine Randrollen.

NATHALIE:
Die Französin ist mir ihren Auftritten immer wieder ein Highlight. Das liegt zum einen an ihrem Akzent, der (aus deutscher Sicht) typisch französisch rüber kommt, wenn sie zum Beispiel Arald anspricht! Ihre Stimme wirkt mitunter erotisch, während ihr Aussehen eher harmlos rüber kommt. Typisch für sie ist eine sympathische Naivität, die aber ebenfalls sicher auch mit der Sprache zusammen hängt, wenn sie nach dem richtigen französischen Wort sucht.

SUSANNE ODER SUZANA:
Die blonde Aufnahmeleiterin aus der Schmidt-Show wird inzwischen immer öfter mit vor die Kamera geholt. Sie ist nicht auf den Mund gefallen, wagt auch immer wieder, ihre Meinung zu sagen und Schmidt damit zu widersprechen.

WEITERE MITARBEITER:
Inzwischen hat man den einen oder die andere weitere Person aus der Schmidt-Show kennen gelernt, so z.B. einen jungen Mann (Sven), mit dem man bei Schmidt auf Wohnungssuche ging.

SCHMIDTS HUMOR:
Das ist ein schwarzer Humor, immer etwas süffisant, etwas ironisch, immer mal wieder auch selbstironisch.

SCHMIDT-SPIELE:
Als ich das erste Mal vor einer ganzen Weile merkte, dass Schmidt von der üblichen Laberei von Late-Night-Shows abgewichen war, wurde ich einmal mehr neugierig. Denn plötzlich war es, als würde man einigen Kindern beim Spielen zu schauen. So haben Schmidt, Andrack und Co. z.B. mit Playmobil-Figuren historische Geschichten nachgestellt.
Ein anderes Mal mussten Arald, Manuel und Elmut Züge raten. Nathalie war auf eine Bahnstrecke geschickt worden und immer, wenn ein Zug kam, mussten die Männer Wetten abschließen, was für ein Zugtyp da gerade anrollte.
Auch das Publikum ist ab und an mittendrin statt nur dabei. So z.B. neulich, als die Gäste aufgefordert waren, Stofftiere mit zu bringen und Schmidt sie dann launig dazu interviewte.
Klar mag man solche Dinge albern finden. Klar mag man meinen, dass auf diese Weise nur die Zeit tot geschlagen wird. Ich sehr das etwas anders. Denn Schmidt bringt diese Spielereien mit viel Wortwitz rüber und macht sie dadurch sehr sehenswert.

DIE GÄSTE:
Für mich ist dieser Part der Sendung inzwischen am entbehrlichsten. Nur wenn Gäste kommen, die mich wirklich interessieren, dann bleibe ich auch für die letzte Viertelstunde dran. Oft ist aber der Xte Soapdarsteller zu Gast und das Geplänkel zwischen ihm und Schmidt wirkt eher lahm.

WO WIRD SIE PRODUZIERT:
Die Sendung kommt aus dem Studio 449 in Köln. Wer Karten haben möchte, um selber mal die Sache live dort zu erleben, kann die am besten übers Internet bestellen. Einfach unter www.sat1.de auf die Harald-Schmidt-Show gehen..

SENDEZEIT:
Auch wenn die Sendungen schon früh aufgezeichnet werden 18 Uhr (freitags sogar um 16 Uhr), so müssen die Zuschauer eine ganze Weile warten, um die Schmidt-Show zu sehen. Erst um 23 Uhr 15 startet sie bei SAT1. Übrigens: Vom 30. Juni an kann man sie dort auch montags sehen, dann sind Schmidt, Andrack und Co. an JEDEM Werktag (abgesehen von den Ferienzeiten) auf dem Schirm.

FAZIT:
Ich gucke die Harald-Schmidt-Show nicht immer, aber immer wieder gerne. Die kleinen Verrücktheiten, die Schmidt und seine Crew während der Sendung unternehmen, finde ich meist spannend witzig und oft überraschend im Ausgang. Selbst eine Spur Chaos, die da ab und an mit einfließt, tut der guten Unterhaltung keinen Abbruch.
Klar, man muss den Humor mögen. Und auch ich kann nicht immer über alle süffisant gemeinten Gags von Schmidt lachen. Doch in der Regel bietet er dann für mich doch kurzweilige Unterhaltung. Gut, dass es die quasi ab so fort fünf (Werk-)Tage pro Woche gibt!

P.S.: Ein paar namentliche Ergänzungen habe ich auf Hinweis von eden.ca gemacht, die sich mit der Show anscheinend noch besser auskennt aus ich! Danke, Jutta! ;-)

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