Die Herrschaft des Feuers (VHS) Testbericht

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ab 7,58
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Erfahrungsbericht von wildheart

Reines Blendwerk

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Es gibt Filme, an denen ist alles Lug und Trug – Geschichte, Inszenierung, Figuren, Logik, Atmosphäre, Design, Vision, was auch immer. Allerdings geben sie sich als Szenarium, dessen Aussage das Publikum ernst nehmen soll, nicht unbedingt im Sinne einer seriösen Botschaft, einer möglichen Perspektive oder gar nur als Ausdruck von Ängsten oder einer apokalyptischen Prophezeiung. „Reign of Fire“ gehört zu dieser Sorte Film. Wer im wesentlichen Popcorn-Kino genießen will, mag sich über das Pseudo-Weltuntergangsszenario von Rob Bowmans („Akte X – Der Film“, 1998) neuem Film vielleicht noch freuen. Doch selbst als kurzweilige Unterhaltung hat mir der Film nicht gefallen.

Inhalt
Der junge Quinn (Ben Thornton) muss im London der Gegenwart miterleben, wie ein feuerspeiender Drache seine Mutter, die als Ingeneurin in einem U-Bahn-Schacht arbeitet, sowie deren Arbeitskollegen tötet. In den folgenden Jahren reißen die Drachen, die in ihrem Körper eine napalmähnliche Substanz produzieren können, die Herrschaft über die Welt an sich.

Zwanzig Jahre später ist Quinn (Christian Bale) Anführer einer Gruppe von Überlebenden, die sich auf einem alten Schloss in Northumberland verschanzt haben. Der größte Teil der Welt scheint zerstört. Zu Quinns treuesten Gefolgsleuten zählen Creedy (Gerard Butler) und der junge Jared (Scott Moutter), den Quinn vor Jahren bei seiner toten Mutter gefunden und dann großgezogen hatte. Die Drachen scheinen hochintelligente Wesen. Immer wieder greifen sie die überlebenden Menschen an.

Eines Tages erhält die kleine Gemeinschaft Besuch aus den Vereinigten Staaten. Denton Van Zan (Matthew McConaughey, zuletzt in „Frailty“, 2001) führt eine kleine Truppe von militärisch ausgebildeten Leuten an, die in den Staaten bereits etliche Drachen zur Strecke gebracht haben. Zu der Crew zählt auch Alex (Izabella Scorupco, als Bond-Girl in „Golden Eye“, 1995), die den Hubschrauber lenkt. Denton hat eine spezielle Methode entwickelt, um die Drachen unschädlich zu machen. Aus dem Hubschrauber springen drei seiner Leute, einer als Köder, die anderen spannen ein Netz über die feuerspeienden Monster, um sie dann zu töten.

Inzwischen aber haben sich die Drachen derart vermehrt, dass guter Rat teuer ist. Quinn begegnet Denton mit Misstrauen. Schlimmer noch als Drachen seien Amerikaner. Denton allerdings hat einen Grund, in England aufzutauchen. Er vermutet im völlig zerstörten London die Brutzentrale der Drachen. Quinn wie Denton wissen, dass alle Drachen, die sie bisher gesehen oder getötet hatten, weibliche Tiere waren. In London soll das einzige Männchen sitzen. Wenn das Männchen getötet werden kann, ist es aus mit der Vermehrung der Ungetüme. Quinn jedoch befürchtet, dass ein Gang nach London den männlichen Drachen nach Northumberland locken könnte. Er kann Denton allerdings nicht von seinem Plan abhalten.

In London angekommen verliert Denton bis auf Alex und einen anderen Mann alle Leute und kehrt reumütig zu Quinn zurück. Der hat sich inzwischen entschlossen, dem Kampf gegen den Londoner Drachen doch aufzunehmen, denn der weiß jetzt, wo noch Menschen leben ...

Inszenierung
Eine trostlose, verlassene Einöde scheint die Erde geworden zu sein. Das London, das Adrian Biddle (der u.a. „Aliens – Die Rückkehr“, 1986, und „Die Mumie“, 1999, und „Event Horizon“, 1997, fotografierte) in seinen Bildern einfängt, ist eine riesige Schutthalde, über der Dutzende von Drachen kreisen, Northumberland eine gottverlassene Gegend, in der sich der letzte Rest der Engländer verschanzt zu haben scheint. Die Stimmung ist geprägt von panischer Angst. So weit, so gut. Nur, zu einer solchen Weltuntergangsstimmung, deren Bilder in Rot-, Braun- und Schwarztönen gehalten sind, müsste nicht nur eine einigermaßen glaubwürdige Geschichte hinzugefügt werden, sondern auch Bedrohungen, die als solche erkennbar sind, und Figuren, die Überzeugungskraft ausstrahlen.

Um mit der Logik zu beginnen: Woher nimmt eine fast völlig zerstörte menschliche Zivilisation Energievorräte? Es gibt Benzin, Elektrizität, und obwohl die Drachen seit 20 Jahren (!) vermeintlich die Welt beherrschen, leben nicht nur noch etliche Menschen, sie besitzen auch genug Waffen und Munition, haben keine Probleme, sich zu ernähren, zu kleiden usw. usf. Damned! Mr. Bowman? How you can explain that? Und: Woher kommen eigentlich die Drachen? Zumindest irgendeine samtweiche Erklärung, z.B.: Monster, die bei misslungenen genetischen Experimenten entstanden sind, hätte man mitliefern können. Nun, vielleicht kann man darauf auch verzichten, nicht aber auf die Frage: Wenn die Drachen so schlau, stark, widerstandsfähig und vor allem als Napalm-bestückte Kampfmaschinen ausgerüstet sind, wieso leben dann in der mittelalterlichen Burg in Northumberland noch Menschen? Die Drachen wissen, dass sie dort leben; schließlich gab es schon etliche Angriffe. Warum um alles in der Welt haben sie nicht gemeinsam einen Angriff gestartet, um sich der restlichen Menschen zu entledigen? Sie hatten schließlich 20 Jahre Zeit.

Das Drehbuch gibt eine Antwort: „Wissen ist die einzige Waffe, die uns geblieben ist“, meint Quinn. Wen soll das überzeugen? Der Dreh- und Angelpunkt für die Menschen laut Drehbuch lautet: Es gibt nur einen männlichen Drachen, der die Eier von zig weiblichen Drachen befruchtet. Frage: Wieso schlüpft aus keinem dieser Hunderte von Eiern auch nur ein männlicher Drache? Und das 20 Jahre lang? Antwort: Weil das Drehbuch keine solchen Eier duldet.

Lassen wir also die Logik beiseite und wenden uns dem Weltuntergang zu. Sicher, es gibt einige Drachenangriffe aus der Luft, aber wie viele angesichts der inzwischen Hunderten von Drachen? Statt dessen konzentrieren sich Bowman und seine vier Drehbuchautoren lieber auf ein pseudophilosophisches Kauderwelsch zwischen Quinn und Van Zan, Marke: „Wehe den Zeiten, die Helden nötig haben, wehe dem Land, das Helden braucht“ (Bertolt Brecht). Geklaut, nun gut, aber hier pathetisch und hohl. Weiter: Dass sich Quinn weigert, dem Londoner Drachenmännchen einen Besuch abzustatten, kann man auf eine gewisse Zeit gesehen vielleicht verstehen. Nur, Quinn weiß laut Drehbuch auch, dass in London das einzige Männchen wohnt (schließlich hat es u.a. seine Mutter getötet) – und muss erst von einem Amerikaner aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden, um endlich den einzigen sinnvollen Ansatz für einen Sieg über die Drachenplage in die Tat umzusetzen.

Auch die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen Alex und Quinn gerät unter dem Pseudo-Weltuntergangszauber zur schlechten Farce. Und gerade diese Dreiecksgeschichte zwischen Alex, Quinn und Van Zan – geprägt von schlauen Sprüchen, ernsten Mienen und dem überhaupt nicht dazu passenden schwachen Background und der fehlenden Logik – wirkt dann doch allzu aufgesetzt. Erst führt der eine, dann der andere, und die entsprechenden Dialoge wirken derart hölzern, dass es einem die Sprache verschlägt: Ich führe, Du folgst; Du führst, ich folge – untermauert mit dem martialischen Ton seiner beiden männlichen Hauptdarsteller. Nein danke. Hinein gewurschtelt wurde dann noch die Vater-Sohn-Story zwischen Quinn und Jared – völlig überflüssig und nichtssagend.

Bale, McConaughey und Izabella Scorupco schauspielern übrigens ganz gut, nur sie sind im falschen Film.

Ich will dem Film nicht eine gewisse, allerdings äußerst punktuelle, Spannung absprechen. Die fliegenden und feuerspeienden Drachen sind ganz gut gelungen. Nur leider sieht man von ihnen viel zu wenig. Und der Showdown setzt dem ganzen noch die Krone auf:


ACHTUNG: SPOILER
Van Dam stürzt sich aufopfernd auf das männliche Ungetüm. Der potentielle Konkurrent von Quinn bezüglich Alex (bezogen auf das Happy-End) ist auf diese Weise sauber aus dem Weg geräumt und dem Drehbuch genüge getan. Überhaupt ist gerade dieser Kampf dreier (!) Menschen gegen den männlichen Drachen in London, wo sich immerhin noch Dutzende von anderen Drachen aufhalten, der wohl lächerlichste Showdown der Filmgeschichte: Der Sieg über diesen Drachen erscheint als derart simpel, dass man sich fragt: Warum nicht schon vor Jahren? Und wieso greifen die anderen Drachen nicht ein, als ihr „Ehemann“ von den drei Menschen angegriffen wird? Last but not least: Auch als Papa Drache tot ist: Was ist mit den verbliebenen weiblichen Drachen und den befruchteten Eiern?

Und das Ende vom Lied? Alex und Quinn kehren zurück nach Northumberland – und wenn sie nicht gestorben sind, bauen sie noch immer Tomaten an.

Fazit
Rob Bowman hat dem Genre mit diesem Film keinen Gefallen getan. „Reign of Fire“ ist ein blendendes Feuerwerk mit der Betonung auf blendend, denn feuerspeiende Drachen sind nur wenige zu sehen. Von der düsteren Atmosphäre, die die Bilder suggerieren, bleibt nicht viel übrig, weil Geschichte, Logik und Figuren in jeder Hinsicht unglaubwürdig sind. Selbst wenn man bei Horror- oder Sciencefiction-Filmen gewisse Fiktionen in Kauf nehmen muss und dies auch gerne tut – denn darauf fußen solche Filme ja gerade –, müssen sie dennoch ein Mindestmaß an Logik, schlüssiger Handlung und Personen aus Fleisch und Blut, Geist und Seele mit sich bringen. „Reign of Fire“ verzichtet darauf, und was bleibt ist ein filmischer Trümmerhaufen, gegen den das gezeigte zerstörte London nichts ist.

Wertung: 1,5 von 10 Punkten.

Die Herrschaft des Feuers
(Reign of Fire)
Großbritannien, Irland, USA 2002, 102 Minuten
Regie: Rob Bowman

Drehbuch: Greg Chabott, Kevin Peterka, Matt Greenberg, Terry Hayes
Musik: Edward Shearmur
Director of Photography: Adrian Biddle
Schnitt: Thom Noble
Produktionsdesign: Wolf Kroeger, Ian Bailie, Justin Brown, Alan Tomkins
Hauptdarsteller: Matthew McConaughey (Denton Van Zan), Christian Bale (Quinn Abercromby), Izabella Scorupco (Alex Jensen), Gerald Butler (Dave Creedy), Scott James Moutter (Jared Wilke), David Kennedy (Eddie Stax), Alexander Siddig (Ajay), Ned Dennehy (Barlow), Rory Keenan (Devon), Terence Maynard (Gideon), Ben Thornton (der junge Quinn), Alice Krige (Karen Abercromby), Doug Cockle (Goosh), Randall Carlton (Burke), Chris Kelly (Mead)

Offizielle Homepage: http://www.die-herrschaft-des-feuers.de
Internet Movie Database: http://german.imdb.com/Title?0253556

Weitere Filmkritik(en):
„Chicago Sun-Times“ (Roger Ebert):
http://www.suntimes.com/ebert/ebert_reviews/2002/07/071202.html

„Movie Reviews“ (James Berardinelli):
http://movie-reviews.colossus.net/movies/r/reign_fire.html


© Ulrich Behrens 2003 für
www.ciao.com
www.yopi.de
www.dooyoo.de

23 Bewertungen, 1 Kommentar

  • XXLALF

    16.03.2012, 08:35 Uhr von XXLALF
    Bewertung: besonders wertvoll

    ;-) dein bericht ist wirklich gut, aber auf den film könnt auch ich gut und gern verzichten. bewe und ganz liebe grüße