Erfahrungsbericht von wildheart
Popcorn-Kino statt satirische Komödie
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Fans von Adam Sandler werden sich über diese Rückkehr des Komikers zu alten Zeiten freuen. Mit dem exzellenten Anderson-Film „Punch-Drunk Love“ und einem über sich selbst hinaus wachsenden Adam Sandler in diesem Film hat „Anger Management“ nun wahrlich nichts zu tun. Ich muss gestehen, dass mich der Film, vor allem in der ersten Hälfte oft zum Lachen gebracht hat, auch wenn die Witze nicht immer neu waren. Die Idee zur Story ist zudem interessant: Ein friedfertiger, nicht besonders durchsetzungsfähiger Mann gerät durch Missverständnisse vor Gericht, weil eine Stewardess ihn wegen Körperverletzung angezeigt hat (von der er lediglich einen Kopfhörer erbat). Dort wird er zu einer Aggressionsbewältigungstherapie verurteilt. Nicholson, gerade erst hervorragend in „About Schmidt“, spielt einen exzentrischen Psychologen, der realen Personen der Zunft so gar nicht ähnelt, und der den Verurteilten therapieren soll – mit außergewöhnlichen Methoden.
Inhalt
Dave Buznik (Adam Sandler) steht nun also vor Dr. Buddy Rydell (Jack Nicholson) und weiß nicht so recht, was auf ihn zukommt. Seine Freundin Linda (Marisa Tomei) hingegen nimmt die Therapie gelassen hin. Gruppentherapie ist angesagt. Und Dave fühlt sich den anderen in dieser Gruppe so gar nicht zugehörig, weder dem gewalttätigen Chuck (John Turturro), noch dem „Gelegenheitsgewalttäter“ Lou (Luis Guzmán), und schon gar nicht den beiden bisexuellen Damen Stacy (Krista Allen) und Gina (January Jones). Zudem hat Dave noch andere Probleme. Ein Ex-Lover seiner geliebten Linda namens Andrew (Allen Covert) macht ihm nicht nur den Aufstieg in seiner Firma streitig, sondern ist noch immer hinter Linda her. Gegenüber seinem biestigen Chef Frank Head (Kurt Fuller) kann sich Dave sowieso nicht durchsetzen.
Alle Hände hat der verschrobene Buddy also zu tun, um Dave auf den psychologisch richtigen Pfad des Lebens zu führen. Daher ist es nur opportun, gleich bei Dave einzuziehen, um den unter seine Fittiche zu nehmen. Dave soll lernen, seine Aggressionen zu beherrschen, Wut nicht in sich hineinzufressen, ein normales Verhältnis zu beiden Geschlechtern zu entwickeln und sich durchzusetzen – das ganze Programm also. Dabei scheut Buddy vor außergewöhnlichen Methoden nicht zurück. Erst setzt er den schwulen Galaxia (Woody Harrelson) auf Dave an; dann fordert er ihn auf, mit einer Schönheit in einer Bar namens Kendra (Heather Graham) zu flirten. Schließlich meint Buddy, der selbst vor keiner Gewalttätigkeit zurückschreckt, Dave und Linda sollten sich vorübergehend trennen, um durch Abstand wieder besser zueinander zu finden. Und dann macht Buddy Linda auch noch an ...
Inszenierung
Da ist er wieder, der Adam Sandler, den man kennt. Und ein verschrobener, psychopathisch wirkender Jack Nicholson, der selbst therapiebedürftig scheint. Und man rate, wie sich die Geschichte am Schluss auflöst. Sandler spielt allerdings bis kurz vor Ende einen Mann, bei dem sich nicht viel ändert. Er nimmt so ziemlich alles hin, was Nicholsons Buddy ihm zumutet – und das ist nicht gerade wenig. Bis auf einen Faustschlag gegen den aufdringlichen Therapeuten reißt sich Dave überwiegend derart zusammen, dass man kaum glauben kann, dass es solche Menschen geben soll. Die Therapie erweist sich eher als Provokationsstrategie, damit Dave den Mut fasst, sich bei anderen durchzusetzen, denn als Anti-Aggressions-Therapie. Nicholson mimt einen Psychologen, dessen Verhalten fast in Gänze dem widerspricht, wie sich ein realer Psychologe verhalten würde. Dabei geht er nicht gerade geringe Risiken ein.
Wortwitz und Situationskomik (sowie auch etlichen Nonsens) finden sich in „Anger Management“ über weite Strecken. Die Psychologie bekommt auch einige stichelnde, aber harmlose Seitenhiebe. Und wenn Nicholson seinen Patienten im Auto auffordert, mit „I feel pretty“ seine momentane Wut zu mildern, während sie auf dem Highway den Verkehr aufhalten und etliche andere Autofahrer ihre Wut an den beiden auslassen, ist das schon köstlich.
Insgesamt aber ist „Anger Management“ eher eine harmlose Komödie, die zwar der Idee zum Film einige humorvolle Seiten abgewinnen kann, aber dann eben doch dem Mainstream verhaftet bleibt. Besonders extrem zeigt sich dies an dem völlig unglaubwürdigen Ende des Films, wenn Segal Prominente wie den Ex-Bürgermeister von New York Giuliani, John McEnroe, Bobby Knight und Roger Clemens im Stadium auftreten lässt und Sandler vor der versammelten Menge über Mikrophon Linda seine Liebe gesteht. What the hell! Was hat Segal dazu getrieben, einen derart kitschigen, peinlichen und den schlechtesten romantischen Komödien abgeschauten Showdown zu veranstalten?
Neben Sandler und Nicholson steht Marisa Tomei nicht gut da. Zum einen mag das am Drehbuch liegen, zum anderen aber auch an ihrem wenig ausdrucksstarken Spiel. Die prominente restliche Besetzung des Films – John C. Reilly als buddhistischer Mönch, der als Kind Dave gehänselt hatte, Turturro, Guzmán, Heather Graham und Harry Dean Stanton als Blinder – spielen nicht nur Nebenrollen, sondern teilweise eher Statisten. Das alles macht den nur sporadisch seiner Idee gerecht werdenden Streifen letztlich zu Popcorn-Kino. Auch das muss es geben, mag mancher denken. Aber insgesamt rutscht das alles im Vergleich zu „Punch-Drunk Love“ und „About Schmidt“ dann eben doch auf das Abstellgleis des Mainstreams. Und genau damit begibt sich Segal in den Bereich des Märchens. Schade drum.
Wertung: 5 von 10 Punkten.
Die Wutprobe
(Anger Management)
USA 2003, 106 Minuten
Regie: Peter Segal
Drehbuch: David Dorfman
Musik: Teddy Castellucci
Director of Photography: Donald M. McAlpine
Schnitt: Jeff Gourson
Produktionsdesign: Alan Au, Domenic Silvestri
Hauptdarsteller: Adam Sandler (Dave Buznik), Jack Nicholson (Dr. Buddy Rydell), Marisa Tomei (Linda), Allen Covert (Andrew), Kurt Fuller (Frank Head), Heather Graham (Kendra), Luis Guzmán (Lou), Woody Harrelson (Galaxia), John Turturro (Chuck), Jonathan Loughran (Nate), John C. Reilly (Arnie), Kevin Nealon (Sam), Krista Allen (Stacy), January Jones (Gina), Rudolph W. Giuliani (Rudolph W. Giuliani), Lynne Thigpen (Richterin Daniels), Harry Dean Stanton (blinder Mann), Isaac C. Singleton Jr. (Flug-Marshall)
Offizielle Homepage: http://www.die-wutprobe.de
Internet Movie Database: http://german.imdb.com/Title?0305224
Weitere Filmkritik(en):
„Chicago Sun-Times“ (Roger Ebert) (2 von 4 Punkten):
http://www.suntimes.com/ebert/ebert_reviews/2003/04/041101.html
„Movie Reviews“ (James Berardinelli) (2,5 von 4 Punkten):
http://movie-reviews.colossus.net/movies/a/anger_management.html
© Ulrich Behrens 2003 für
www.ciao.com
www.yopi.de
www.dooyoo.de
Inhalt
Dave Buznik (Adam Sandler) steht nun also vor Dr. Buddy Rydell (Jack Nicholson) und weiß nicht so recht, was auf ihn zukommt. Seine Freundin Linda (Marisa Tomei) hingegen nimmt die Therapie gelassen hin. Gruppentherapie ist angesagt. Und Dave fühlt sich den anderen in dieser Gruppe so gar nicht zugehörig, weder dem gewalttätigen Chuck (John Turturro), noch dem „Gelegenheitsgewalttäter“ Lou (Luis Guzmán), und schon gar nicht den beiden bisexuellen Damen Stacy (Krista Allen) und Gina (January Jones). Zudem hat Dave noch andere Probleme. Ein Ex-Lover seiner geliebten Linda namens Andrew (Allen Covert) macht ihm nicht nur den Aufstieg in seiner Firma streitig, sondern ist noch immer hinter Linda her. Gegenüber seinem biestigen Chef Frank Head (Kurt Fuller) kann sich Dave sowieso nicht durchsetzen.
Alle Hände hat der verschrobene Buddy also zu tun, um Dave auf den psychologisch richtigen Pfad des Lebens zu führen. Daher ist es nur opportun, gleich bei Dave einzuziehen, um den unter seine Fittiche zu nehmen. Dave soll lernen, seine Aggressionen zu beherrschen, Wut nicht in sich hineinzufressen, ein normales Verhältnis zu beiden Geschlechtern zu entwickeln und sich durchzusetzen – das ganze Programm also. Dabei scheut Buddy vor außergewöhnlichen Methoden nicht zurück. Erst setzt er den schwulen Galaxia (Woody Harrelson) auf Dave an; dann fordert er ihn auf, mit einer Schönheit in einer Bar namens Kendra (Heather Graham) zu flirten. Schließlich meint Buddy, der selbst vor keiner Gewalttätigkeit zurückschreckt, Dave und Linda sollten sich vorübergehend trennen, um durch Abstand wieder besser zueinander zu finden. Und dann macht Buddy Linda auch noch an ...
Inszenierung
Da ist er wieder, der Adam Sandler, den man kennt. Und ein verschrobener, psychopathisch wirkender Jack Nicholson, der selbst therapiebedürftig scheint. Und man rate, wie sich die Geschichte am Schluss auflöst. Sandler spielt allerdings bis kurz vor Ende einen Mann, bei dem sich nicht viel ändert. Er nimmt so ziemlich alles hin, was Nicholsons Buddy ihm zumutet – und das ist nicht gerade wenig. Bis auf einen Faustschlag gegen den aufdringlichen Therapeuten reißt sich Dave überwiegend derart zusammen, dass man kaum glauben kann, dass es solche Menschen geben soll. Die Therapie erweist sich eher als Provokationsstrategie, damit Dave den Mut fasst, sich bei anderen durchzusetzen, denn als Anti-Aggressions-Therapie. Nicholson mimt einen Psychologen, dessen Verhalten fast in Gänze dem widerspricht, wie sich ein realer Psychologe verhalten würde. Dabei geht er nicht gerade geringe Risiken ein.
Wortwitz und Situationskomik (sowie auch etlichen Nonsens) finden sich in „Anger Management“ über weite Strecken. Die Psychologie bekommt auch einige stichelnde, aber harmlose Seitenhiebe. Und wenn Nicholson seinen Patienten im Auto auffordert, mit „I feel pretty“ seine momentane Wut zu mildern, während sie auf dem Highway den Verkehr aufhalten und etliche andere Autofahrer ihre Wut an den beiden auslassen, ist das schon köstlich.
Insgesamt aber ist „Anger Management“ eher eine harmlose Komödie, die zwar der Idee zum Film einige humorvolle Seiten abgewinnen kann, aber dann eben doch dem Mainstream verhaftet bleibt. Besonders extrem zeigt sich dies an dem völlig unglaubwürdigen Ende des Films, wenn Segal Prominente wie den Ex-Bürgermeister von New York Giuliani, John McEnroe, Bobby Knight und Roger Clemens im Stadium auftreten lässt und Sandler vor der versammelten Menge über Mikrophon Linda seine Liebe gesteht. What the hell! Was hat Segal dazu getrieben, einen derart kitschigen, peinlichen und den schlechtesten romantischen Komödien abgeschauten Showdown zu veranstalten?
Neben Sandler und Nicholson steht Marisa Tomei nicht gut da. Zum einen mag das am Drehbuch liegen, zum anderen aber auch an ihrem wenig ausdrucksstarken Spiel. Die prominente restliche Besetzung des Films – John C. Reilly als buddhistischer Mönch, der als Kind Dave gehänselt hatte, Turturro, Guzmán, Heather Graham und Harry Dean Stanton als Blinder – spielen nicht nur Nebenrollen, sondern teilweise eher Statisten. Das alles macht den nur sporadisch seiner Idee gerecht werdenden Streifen letztlich zu Popcorn-Kino. Auch das muss es geben, mag mancher denken. Aber insgesamt rutscht das alles im Vergleich zu „Punch-Drunk Love“ und „About Schmidt“ dann eben doch auf das Abstellgleis des Mainstreams. Und genau damit begibt sich Segal in den Bereich des Märchens. Schade drum.
Wertung: 5 von 10 Punkten.
Die Wutprobe
(Anger Management)
USA 2003, 106 Minuten
Regie: Peter Segal
Drehbuch: David Dorfman
Musik: Teddy Castellucci
Director of Photography: Donald M. McAlpine
Schnitt: Jeff Gourson
Produktionsdesign: Alan Au, Domenic Silvestri
Hauptdarsteller: Adam Sandler (Dave Buznik), Jack Nicholson (Dr. Buddy Rydell), Marisa Tomei (Linda), Allen Covert (Andrew), Kurt Fuller (Frank Head), Heather Graham (Kendra), Luis Guzmán (Lou), Woody Harrelson (Galaxia), John Turturro (Chuck), Jonathan Loughran (Nate), John C. Reilly (Arnie), Kevin Nealon (Sam), Krista Allen (Stacy), January Jones (Gina), Rudolph W. Giuliani (Rudolph W. Giuliani), Lynne Thigpen (Richterin Daniels), Harry Dean Stanton (blinder Mann), Isaac C. Singleton Jr. (Flug-Marshall)
Offizielle Homepage: http://www.die-wutprobe.de
Internet Movie Database: http://german.imdb.com/Title?0305224
Weitere Filmkritik(en):
„Chicago Sun-Times“ (Roger Ebert) (2 von 4 Punkten):
http://www.suntimes.com/ebert/ebert_reviews/2003/04/041101.html
„Movie Reviews“ (James Berardinelli) (2,5 von 4 Punkten):
http://movie-reviews.colossus.net/movies/a/anger_management.html
© Ulrich Behrens 2003 für
www.ciao.com
www.yopi.de
www.dooyoo.de
39 Bewertungen, 1 Kommentar
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27.03.2010, 13:56 Uhr von XXLALF
Bewertung: besonders wertvollokay, unter romantisch stell ich mir auch etwas anderes vor, als in einem vollen station, auf der anzeigetafel, einen heiratsantrag zu lesen. da gibt es doch weis gott, andere gelegenheiten. aber amerikaner lieben halt sowas. mir wär das auch mehr als peinlich. und ganz liebe grüße
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