Die drei ??? (100) - Die Toteninsel (Hörbuch) Testbericht

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Erfahrungsbericht von Tut_Ench_Amun

Drei auf einen Streich

Pro:

Jubiläumsfolge mit Überlänge / Wiedersehen mit alten Bekannten / Fängt gut an...

Kontra:

...lässt aber bis zum Showdown immer mehr nach und somit zu wünschen übrig / Krude, herbeigezerrte Story

Empfehlung:

Ja

Dies ist sie nun, die sagenumwobene Jubiläumsfolge, von der schon so oft die Rede gewesen ist. Nummer 100. Genauer: 100 A, B, und C. Denn die unter dem Oberbegriff „Toteninsel“ zusammengefasste Story, besteht aus drei CDs – einzeln verpackt im Pappschuber geliefert. Jene Folge, die den Wendepunkt der Serie hin zur Moderne endgültig besiegelt. Dafür hat man sich bei EUROPA eine extravagante und extralange Geschichte ausgedacht. Eine Hommage an sich selbst, schon die Trackliste lässt Kenner schmunzeln: Die Titel tragen allesamt passende Namen von Hörspielen aus der Reihe. Doch was wird geboten? Etwa Einheitskost, nur in die Länge gezogen? Oder haben sich die Macher zur Feier der runden Zahl mal wirklich etwas Besonderes aus den Fingern gesaugt? Werfen wir mal ein Ohr – besser zwei - rein...

[ Schiff verzweifelt gesucht | Steckbrief ]
Titel: „Die drei ??? - Die Toteninsel“ - Folge 100
Ersterscheinung: 2001
Label: EUROPA - BMG Ariola Miller
Laufzeit: 54 (A) + 56 (B) + 60 (C) Minuten
Buch und Effekte: André Minninger
Regie und Produktion: Heikedine Körting
Musik: Conrad, Morgenstern, Zeiberts
Cover-Illustration: Silvia Cristoph

Bestellnummen: (CD) 74321 84206 2 (MC) ... 4
Offizielle Page: www.dreifragezeichen.de
Fan Surftipp: www.rocky-beach.com

Figuren und ihre Sprecher (alle drei Folgen)*:
Erzähler - Alfred Hitchcock: Matthias Fuchs
Erster Detektiv - Justus Jonas: Oliver Rohrbeck
Zweiter Detektiv - Peter Shaw: Jens Wawrzceck
Recherchen & Archiv - Bob Andrews: Andreas Fröhlich
Dr. Maria Svenson: Antje Roosch
Mr. Schwarz: Erik Schäffler
Mr. Olin: Uli Krohm
Juan: Oliver Böttcher

*) Diese Figuren und Sprecher tauchen auf allen drei CDs auf, zusätzliche Charaktere und ihre Stimmen sind bei den jeweiligen Einzelteilen vermerkt.

[ 100A - Das Rätsel der Sphinx ]
Weiterer Sprecher dieser CD:
Erzfeind der ??? - Skinny Norris: Andreas von der Meden
Jelena Charkova: Alexandra Doerk

Ein geheimnisvoller, bedrohlich klingender Anruf schreckt Justus hoch: Die drei Fragezeichen sollen ein Rätsel lösen, das dem eines Sphinx würdig ist, der heiser klingende Anrufer spricht noch eine Drohung aus und legt auf - natürlich ohne seine Identität preiszugeben. Justus knackt die ihnen gestellte Nuss jedoch noch bevor seine Kollegen Peter und Bob in der Zentrale eintreffen. Kurz darauf klingelt das Telefon erneut und der Unbekannte verlangt die Antwort auf seine Frage, die Justus ihm auch prompt präsentiert. Der Anonymus unterbricht unvermittelt die Verbindung, stattdessen springt das Fax an.

Ein weiterer Hinweis, der zu einer nicht ganz astreinen archäologischen Vereinigung namens „Sphinx“ führt, die illegale Schatzsuche betreibt und verständlicherweise im Verborgenen arbeitet. Es stellt sich heraus, dass irgendetwas auf der mysteriösen, so genannten „Toteninsel“ Macatao vorgehen muss, dass jemand zu verschleiern versucht. Doch was haben halbseidene Archäologen, die große Firma Hadden-Industries, der alte Erzfeind der drei Jungs - Skinny Norris - und das geheimnisvolle, verschwundene Schiff „Montana“ damit zu tun?

[ 100B - Das vergessene Volk ]
Weitere Sprecher dieser CD:
Erzfeind der ??? - Skinny Norris: Andreas von der Meden
Chauffeur der ??? - Morton: Andreas von der Meden
Professor Phoenix: Wilfried Glatzeder
Rachel Hadden: Anna Carlson
Al: Nico König
Anne Fox: Corinna Wodrich

Hilflos mussten Justus, Bob und Jelena mit ansehen, wie das Schiff „Hadden Explorer“ mit Peter an Bord in Richtung Mikronesien ablegt, die Polizei können und wollen sie nicht informieren, scheinbar hat die CIA ihre Finger im Spiel, das jedenfalls hat Jelena zufällig herausgefunden. Eine undurchsichtige Frau bietet Justus und Peter tags darauf die Tickets und Ausrüstung für den Trip in den Pazifik zu bezahlen, um den zweiten Detektiv herauszuboxen. Die beiden sind sich zunächst unschlüssig, ob sie dieses ungewöhnliche Angebot annehmen sollen.

Peter befindet sich in einer misslichen Lage: Als er sich an Bord schlich wurde er betäubt und auf eine Koje verfrachtet, doch kann er sich frei auf dem Schiff bewegen - alle Anwesenden halten ihn für Skinny Norris, den Hadden aus unerfindlichen Gründen auf die Expedition mitschickte. Peter muss also das Spiel als reguläres Besatzungsmitglied mitspielen und nach 7 Tagen erreichen sie tatsächlich Macatao, von der verschwundenen „Montana“ und der ersten Expedition jedoch keine Spur. Die Grabanlage des vergessenen Volkes scheint unberührt birgt in seinen Katakomben aber ein weit größeres Geheimnis, als mumifizierte Leichen alter Mikronesier.

[ 100C - Der Fluch der Gräber ]
Weitere Sprecher dieser CD:
Professor Phoenix: Wilfried Glatzeder
Al: Nico König
Anne Fox: Corinna Wodrich

Endlich sind die drei wieder vereint, doch ein Fluchtversuch wird vom misstrauischen Juan vereitelt, der Peter die ganze Zeit schon argwöhnisch beobachtete. Notgedrungen müssen die drei Fragezeichen ihre ziemlich unglaubliche Geschichte bis hierher zum Besten geben. So recht wird ihnen kein Glaube geschenkt, denn es klingt ja wirklich alles wahrhaft abenteuerlich. Dennoch bekommen sie (natürlich!) ihre Chance sich zu profilieren und einem ganz anderen Geheimnis auf die Spur zu kommen, dessen Ausmaße und Gefährlichkeit alle ihre bis dato gelösten Fälle in den Schatten stellt.

Die Grabanlage und Kultstätte der Mikronesier ist nicht das, was sie vorgibt zu sein. Vordergründig schon, doch ist das nicht ihre ganze Funktion. Oder was soll man von Stahltüren und geheimen Computersystemen in ihrem Inneren halten? Sollten die Toten mit Videospielchen im Jenseits bei Laune gehalten werden? Wohl kaum. Bis es zum Showdown kommt, geht es um Verrat, Wahnvorstellungen und geheime Regierungsmachenschaften. Diesmal steht nicht nur der gute Ruf des Trios auf dem Spiel, sondern das Leben aller auf der Insel befindlichen Personen. Justus, Peter und Bob müssen sich etwas einfallen lassen, damit das Eiland nicht zu ihrer ganz persönlichen Toteninsel mutiert.

[ Aller guten Dinge sind drei ??? | Kritik ]
Eingeweihte ersehen bereits aus der Sprecherliste, dass sich hochkarätige Wiedersehen anbahnen. Jelena, Morton und Skinny Norris sind mit von der Partie. Leider hat man es nicht geschafft Inspector Cotta, sowie einige andere Dauergäste bei den drei Satzzeichen auch noch hinein zu quetschen. Dafür handelt es sich bei diesem Abenteuer mal wieder um ein richtigen Off-Shore Fall, weit weg von Rocky Beach. Auf den letzten beiden CDs jedenfalls. Überhaupt. Die drei Silberlinge separat zu behandeln und zu rezensieren ist wenig erfolgversprechend. Sie gehören untrennbar zusammen und ergeben auch nur im Verbund einen Sinn. Reden wir in diesem Kontext lieber von Kapiteln oder Episoden, das trifft es im Kern wesentlich exakter.

Die drei Kapitel sind halbwegs in sich abgeschlossen. sie losgelöst voneinander zu hören bringt nichts. Ich vermeine hinter der magischen Zahl Drei auch ein subtiles System zu erkennen: CD1 ist etwas Bob-lastiger, auf CD2 hat Peter den Hauptpart, CD3 ist Justus‘ Finale furioso – natürlich, was auch sonst? Ob das so beabsichtigt ist? Möglich wäre es. Generell haben die Autoren einen verzwickten Fall ausgeheckt, dessen Gliederung durch die Episoden aber klar strukturiert ist. Natürlich dürfen auf CD1 und 2 Cliffhanger als Appetizer für den jeweils nächsten Teil nicht fehlen. Man könnte meinen, da rotiert eine Soap-Opera im Player – ganz so schlimm ist es aber dann doch nicht. Nicht wegzappen, dies ist nicht die „Lindenstraße“ in der Inszenierung von Hitchcock...Pardon! Minninger.

Während die Geschichte eher mit dem klassischen Element des „geheimnisvollen Anrufs“ startet, der in der Serie bis zum Erbrechen praktiziert wurde (und wird), geht es dann munter mit einem weiteren oft verwendeten Stilmittel weiter: Dem Wort-Rätsel. Als wäre das nicht genug an Tribut, folgt die übliche „Schnitzeljagd“ – und zwar die nach Informationen. Eine Geheimorganisation (Sphinx) und eine martialisch-mysteriös klingender Ort (Toteninsel) dürfen selbstverständlich nicht fehlen. Kurzum: Bis zum Ende der ersten CD, hat man ziemlich genau alle in der Serie häufig verwendeten Klischees und Prozederes durch. Nebst einem halbwegs unerwarteten Zusammentreffen mit alten Bekannten. Man weiß, was man der Hörerschaft schuldig ist. Vermisst habe ich lediglich den Nebel. Man kann nicht alles haben.

Soweit die beliebten (oder auch nicht) Standard-Zutaten, die man seit Jahrzehnten kennt. Zur Verfeinerung des Menüs im Hauptgang – auf CD 2 und 3 - jagt man nun noch ein paar weitere erlesene Gewürze aus (fremden) Kräutergärten durch den Küchenmixer. Eine Prise Indiana Jones aus dem Archäologieregal, eine (Schweizer-Offiziers-)Messerspitze MacGyver, eine Prise von Onkel Grisham’s Agentensalz (wahlweise mit Follett-Aroma) und schmeckt das ganze mit einem Tropfen CIA-Wermut der Marke „Tom Clancy“ ab. Gerührt nicht geschüttelt. Während man die Verschwörungspastete auf drei Platten hoch kocht wirft man noch ein paar supersaure Paratroopers aus dem Airwolf-Streuer in den Topf, das verleiht dem Ganzen ein wenig Schärfe und sorgt für die feine Pulverdampf-Note. Garniert wird alles zum Schluss mit dem wahnwitzigen Nuklear-Sahnehäubchen. Ach verdammt! Jetzt hab ich die Geheim(dienst)zutat verraten...

Schwer verdaulich? Nun. Es geht. Immerhin ist es ein Drei-Gänge-Menü, da kann man sich zwischendrin ja mal eine Pause gönnen. Doch bei einem Jubiläumsessen soll man nicht so kleinlich sein und ordentlich zulangen. Trotzdem liegt manches davon schwer im Magen und ist ziemlich unverdaulich. Nicht nur viele Köche verderben den Brei, auch zu dick Aufgetragenes ist ungesund. Allerdings kann man sich hier damit raus reden, dass es eben eine Fun-Folge ist, wo man Sachen eingebaut hat, die absichtlich stark übertrieben sind. Dabei fängt alles – wie immer – recht harmlos an und steigert sich dann Schritt für Schritt, bis zu dem Punkt, wo man denkt: “Aua, jetzt sind sie übers Ziel hinaus geschossen – wer soll den haarsträubenden Nonsens noch glauben?“ Hmmm...Clancy-Leser vielleicht, die sind anspruchslos, was die Realitätswahrnehmung angeht.

Von technischer Seite her ist aber alles Roger. Die Sprecher, die Musik, die Geräusche, das alles ist – selten in letzter Zeit – mal wieder nicht wirklich zu beanstanden. Alle knien sich mächtig rein und ausnahmsweise krankt mal kein einziger Mime an Unglaubwürdigkeit, sieht man von dem durchgeknallten Maulwurf am Ende mal ab. Man kann‘s mit der Darbietung auch übertreiben. Over-Acting nennt das der Ami. Naja, woll’n mer ma nich kleinlich sein. Die Atmosphäre ist weitgehend in Ordnung, auch was die leisen Mystery-Einflüsse angeht. Klar, kann man nicht über 3 CDs volle Power gehen, was Spannung angeht, so gibt es sicher seichte Passagen. Die halten sich aber in Grenzen und dienen dem Vorankommen der Story, bis eben zu eben jenem Punkt, wo es dann richtig krude, und somit die Logik eh zweitrangig wird. Wie sagt mein Lieblings-Governator bei solchen Gelegenheiten immer? „Hauptsach‘ Ääääktschn!“ Danke Arnie, genau so isses!

[ Knapp daneben ist auch vorbei | Fehler-Ecke ]
Bei der Lauflänge sollte man erwarten können, dass die Folge vor lauter Patzern überquillt. Dem ist erstaunlicherweise nicht so. Sieht man von der hanebüchenden Grundstory als solche mal ab. Die \"Toteninsel\" nimmt bei den Umsetzungs- und Logikfehlern - trotzdem sie über 3 CDs geht - nur einen mittleren Platz ein. Mir selbst sind keine weiteren Missgriffe aufgefallen, als die, welche schon bei rocky-beach.com aufgelistet sind. Daher kann ich es angenehm kurz machen und präsentiere den Link, unter dem man die bislang identifizierten Macken nachlesen kann:

http://www.rocky-beach.com/hoerspiel/fehler/fehler076-100.html

[ Jubel, Trubel, Heiterkeit? | Fazit ]
Die Jubiläumsfolge nimmt sicherlich einen Sonderstatus ein, allein schon wegen ihrer Lauflänge von insgesamt fast 3 Stunden. Die wohl als Fun-Folge positionierte Toteninsel macht eigentlich eine gar nicht mal so schlechte Figur und stellt eine Hommage an die vorhergegangenen Fälle dar. Wäre da nicht die mit Biegen und Brechen sehr weit hergeholte Geschichte, bei der sich 007-Justus dann auch noch gerissener als der CIA erweist. Nun ja. Etwas weniger auf den Putz gehauen, hätt\'s auch getan. Dabei fing die Story wirklich gut und vielversprechend an: Alte Bekannte geben sich ein Stelldichein und die Erzählstruktur setzt auf altbewährte Konzepte, welche die Serie groß gemacht haben.

Doch dann lässt der Plot – zunächst schleichend - gegen Ende hin dann aber deutlich erkennbar und rapide nach, bis zum haarsträubend unglaubwürdigen Hoppla-Hopp-Ende, dass die Hörerschaft mit ratlosem Gesicht zurücklässt. Ich habe lange überlegt, welche Bewertung angemessen erscheint und mich entschieden, den ursprünglich mit viel Augen zukneifen angedachten 4. Gnadenstern dann doch nicht zu vergeben, dafür aber zum Ausgleich eine bedingte Empfehlung auszusprechen. Ein ruhmreiches Aushängeschild ist Nummer100 damit noch lange nicht. Zumindest aber mittelprächtig und durchaus hörbar, womit dem Jubiläum und den guten Ansätzen dann zur genüge Rechnung getragen wäre.

So Long

Der Geheimdienst-Pharao

40 Bewertungen, 2 Kommentare

  • Overknees

    16.10.2004, 14:12 Uhr von Overknees
    Bewertung: sehr hilfreich

    ...25 Jahre her, das ich zum letzten Mal "Die drei ???" gelesen habe. Wahnsinn, das es die erhalten hat :). *greetz* Marc A.

  • cleo0405

    15.10.2004, 20:52 Uhr von cleo0405
    Bewertung: sehr hilfreich

    die Info zur "Rocky Beach"-hompage bzw. Fehlerseite ist gut. Was die alles falsch machen, ey. Is mir noch nie so aufgefallen!