Die fetten Jahre sind vorbei (DVD) Testbericht

ab 6,79
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  • Action:  viel
  • Anspruch:  sehr anspruchsvoll
  • Romantik:  hoch
  • Humor:  humorvoll
  • Spannung:  spannend

Erfahrungsbericht von Simonster

JEDES HERZ IST EINE REVOLUTINÄRE ZELLE

Pro:

Interessante Handlung, tolle Schauspieler, durch die spezielle Technik wirkt der Film authentisch, man wird zum nachdenken angeregt

Kontra:

Im Grunde nichts...

Empfehlung:

Ja

„Die fetten Jahre sind vorbei“, unter anderen mit dem mehrfach ausgezeichneten Daniel Brühl, bekannt aus „Good bye Lenin“ und „Das Weiße Rauschen“, war der einzige deutsche Film, der nach elf Jahren (!) auf dem internationalen Filmfestival in Cannes in Mai diesen Jahres gezeigt wurde. Ende 2004 lief der Film im Kino und ist seit einiger Zeit als DVD im Handel.


Jan (Daniel Brühl) und Peter (Stipe Erceg), beide wohl Mitte 20, haben das System der Ungerechtigkeit satt. Die Superreichen leben ihr unbesorgtes Leben im Luxus, während die Menschen in der dritten Welt um ihr Leben kämpfen müssen. Und so haben es sich die Rebellen zur Aufgabe gemacht, die Reichen aufzuwecken und zu verunsichern. Dies machen sie, indem sie heimlich in Berliner Villen einbrechen, aber nicht um teure Gegenstände zu stehlen – denn dann wären sie ja gewöhnliche Einbrecher - sondern um die Möbel zu verrücken und ein gepflegtes Chaos zu hinterlassen. So kann es sein, dass die Besitzer die Stereoanlage im Kühlschrank wieder finden, die teuren Porzellanfiguren sich in der Toilette aufhalten und die gesamten Möbel zu einem fast schon künstlerischen Turm gestapelt sind. Gleichzeitig hinterlassen die zwei, die sich selbst „Die Erziehungsberechtigten“ nennen, immer eine Botschaft: Entweder „Die fetten Jahre sind vorbei“ oder „Sie haben zuviel Geld“.

Und dann ist da auch noch Peters Freundin Jule (Julia Jentsch), die öfters in Schuhgeschäften gegen Kinderarbeit lautstark protestiert. Hinzu kommt, dass sie 100.000 € Schulden hat, da sie mit ihrem unversicherten Wagen einem teuren Mercedes hinten rein gefahren ist. Um diese Schulden zu begleichen, darf sie sich zu Tode rackern und das, obwohl der Mercedes einem Millionären namens Hardenberg (Burghart Klaußner) gehörte, der im Jahr eh mehrere Millionen Euro verdient. Jules Leben ist dadurch ziemlich verbaut....

Während Peter für einige Tage im Ausland ist, kommen sich Jan und Jule näher und verlieben sich auch noch ineinander. Als die beiden zufällig die Villa von Hardenberg finden, beschließen sie, auch dort einzubrechen. Doch diesmal geht es schief: Der Eigentümer taucht plötzlich auf, als sich Jan und Jule noch in der Villa aufhalten. Aus Verzweiflung schlagen sie in zu Boden und entführen ihn spontan zusammen mit Peter, der wieder zurück ist. Auf einer einsamen Almhütte in Tirol hält sich das Trio zusammen mit dem gefesselten Hardenberg erst mal versteckt. Zwangsläufig lernen sie den Entführten etwas besser kennen, der ja eigentlich ihr größter Feind ist und machen ihm aber gleichzeitig das ungerechte Verhältnis zwischen arm und reich klar. Es kommt vermehrt zu politischen Streitigkeiten. Derweil merkt Peter, dass Jan und Jule sich während seines Auslandaufenthalts doch etwas zu gut kennen gelernt haben. Und dann ist da noch die Überlegung, was sie nun mit Hardenberg tun sollen. Wenn die Polizei etwas über die Entführung erfährt, war’s das für die drei…


So viel also zur Story. Jan und Peter haben einfach keine Lust, sich anzupassen und versuchen, auf das ungerechte System aufmerksam zu machen und die Reichen wachzurütteln. Sie sind also sehr rebellisch und der Kopf voller revolutionärer Gedanken. Doch während der selbstbewusste Peter das alles eher lockerer sieht und so doch mal bei einem Einbruch eine wertvolle Armbanduhr mitgehen lässt, ist es für Jan schon ernster. Er wirkt verschlossen, geheimnisvoll und voller innerer Wut. Seine revolutionäre Art ist wohl das, was Jule an ihm interessant findet, die ihn eigentlich zu erst etwas unheimlich fand.

Die zweite Hälfte des Films spielt sich ja in der Almhütte in einer verlassenen Berglandschaft ab. Hier setzt sich das rebellische Trio mit ihrem Feind, Hardenberg auseinander. Dieser erzählt, dass er früher selbst mal so einer war, wie Jan, Peter und Jule. Aber dann hat er sich immer mehr und mehr angepasst und ist so zu einem gutverdienenden, aber egoistischen Manager geworden, der nicht merkte, dass er Jules Leben durch ihren Schuldenberg bei ihm, kaputt machte. Während dieser Auseinandersetzung kommt es zu vielen lustigen, aber auch sehr politischen und intelligenten Gesprächen und Sprüche. So erklärt Hardenberg, dass er die regeln nicht erfunden hat, sondern nur nach ihnen spielt. Daraufhin entgegnet ihm Peter, dass es auch nicht darauf ankommt, wer die Pistole erfunden hat, sondern wer sie abzieht. So kommt es häufig zu einem Hin und Her, Hardenberg versucht sich gegenüber den dreien zu rechtfertigen, kann ihre Meinung aber auch verstehen und scheint zum Schluss gar nicht mal so unglücklich über seine Entführung zu sein. Im Gegenteil: Sie rauchen zusammen und spielen Karten.

Hans Weingartner, der Regisseur des Films führte nun zum zweiten Mal Regie. Sein Debüt gab er mit dem Film „Das Weiße Rauschen“ (2001/02), ebenfalls mit Daniel Brühl in der Hauptrolle. Bemerkenswert an diesem Film war, dass er ohne großen technischen Schnick Schnack auskam und durch ein sehr geringes Budget auch auskomme musste.
Und dies hat Weingartner beibehalten. Gedreht wurde wieder ohne viel künstliches Licht und mit gewöhnlichen Handkameras, wodurch das Bild an machen Stellen leicht verwackelt ist. Und auch der Ton wurde merkbar nicht noch im Nachhinein künstlich verbessert. Doch diese zwei Merkmale schaden dem Film ganz und gar nicht, im Gegenteil: Der Film wirkt dadurch noch umso natürlicher und authentischer. Man hat das Gefühl, als wenn nicht einfach nur zuschauen würde, sondern man sei wirklich dabei.

Die schauspielerische Leistung der Protagonisten lässt absolut keine Kritik zu. Das Daniel Brühl, der übrigens nie eine Schauspielschule besucht hat, glaubwürdig rüber kommt, war ja zu erwarten, aber auch die anderen überzeugen. Alle spielen sehr natürlich und echt. Man merkt, dass vieles ganz einfach improvisiert wurde. Dies hat den Vorteil, dass sich die Schauspieler nicht krampfhaft an ihrem Dialogtext halten und einfach freier spielen können. Abgesehen von Daniel Brühl kannte ich übrigens von den Hauptdarstellern nur Burghard Klaußner. Aber besonders Julia Jentsch wird man in Zukunft noch in weiteren wichtigen deutschen Filmen sehen (z.B. in "Sophe School - Die letzten Tage", ab Februar 2005 im Kino).

Auf jeden Fall bietet der Film sehr viel Diskussionsstoff und regt zum Nachdenken an, auch auf eine indirekte Weise. Leben wir wirklich in einer Demokratie oder einfach nur in einer Diktatur des Kapitals? Was kann man als Einzelner tun, um die Welt wenigstens etwas zu verbessern und die Ungerechtigkeiten des Systems zu beseitigen? Wie viel revolutionäre Energie ist gesund? Wie weit muss und sollte man sich das System anpassen? Um etwas bewirken zu können, braucht man nun mal leider Geld, womit man sich zwangsläufig dem System neigen muss. Und in wie fern ist es (un)gerecht, dass Jule bei Hadenberg so hoch verschuldet ist? Auf der einen Seite ist er doch stinkreich, andererseits war es dennoch ihr eigener Fehler, dass sie mit einem unversicherten Wagen einen Unfall macht.

Insgesamt kann ich nur schreiben, dass mich der Film sehr beeindruckt hat. Mir sind viele Sätze in Erinnerung geblieben. Ich halte „Die fetten Jahre sind vorbei“ schon für einen sehr gelungenen Film. Er beinhaltet vieles: Dramatik, lustiges, zwischenmenschliches, Gefühle und eine klare Botschaft. Nur das Ende ist etwas verwirrend, da es für den Zuschauer nicht ganz eindeutig ist, wie es nun dazu kommen konnte. Was genau, verrate ich natürlich nicht. Jedenfalls lässt sich darüber aber auch wiederum viel diskutieren. Ein deutscher Film, den man sich sehr gut anschauen kann!




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Die fetten Jahre sind vorbei
Drama
Deutschland, Österreich 2004
Regie: Hans Weingartner ("Das Weiße Rauschen"")
Buch: Hans Weingartner, Katharina Held
Darsteller: Daniel Brühl (Good Bye Lenin; Das Weiße Rauschen; Nichts bereuen), Julia Jentsch (Sophie School – Die letzten Tage; Schneeland), Stipe Erceg (Sommer Hunde Söhne; Der Typ), Burghart Klaußner (Ein Goldfisch unter Haien; Crazy; Good Bye Lenin)
Länge: ca. 129 Min
FSK: Ab 12
http://www.diefettenjahre.de

27 Bewertungen, 9 Kommentare

  • anonym

    24.12.2005, 14:28 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh, LG Birgit :-)

  • Vicky

    24.12.2005, 10:33 Uhr von Vicky
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich. Vic

  • HiRD1

    24.12.2005, 09:27 Uhr von HiRD1
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh. Ralf

  • Baby1

    22.12.2005, 16:18 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    Guter Bericht LG und frohe Weihnachten LG Anita

  • Andreas1501

    22.12.2005, 15:11 Uhr von Andreas1501
    Bewertung: sehr hilfreich

    Interessanter Bericht! Gruß Andreas

  • Lidlefood

    20.12.2005, 19:45 Uhr von Lidlefood
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich

  • Dr.Claudia

    20.12.2005, 17:19 Uhr von Dr.Claudia
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH + LG von Claudia

  • Jülki

    20.12.2005, 15:11 Uhr von Jülki
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich

  • morla

    20.12.2005, 15:05 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich