Die letzte Festung (VHS) Testbericht

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ab 9,95
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Erfahrungsbericht von wildheart

Spannung plus Fahnen-Patriotismus

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Filme über Gefängnisrevolten, die sich gegen die unmenschliche Behandlung von Gefangenen wenden, gibt es en masse, viele gute darunter. Auch »The Last Castle« erweckt den Eindruck, sich eines solchen Themas anzunehmen. Und Robert Redford müsste doch schließlich allein schon Garant für einen spannenden Film dieses Genres sein.

Inhalt
Redford spielt den Drei-Sterne-General Irwin, Vietnam- und Bosnien-erprobt, der zu zehn Jahren Militärgefängnis verurteilt wurde, weil er eigenmächtig eine militärische Operation befehligte, bei der acht seiner Soldaten getötet wurden. Er bekannte sich schuldig und wird in ein Militärgefängnis überführt, das von dem menschenverachtenden Colonel Winter (James Gandolfini) geführt wird. Irwin kommt sehr schnell dahinter, dass Winter seine eigene Auslegung der Militär- respektive Gefängnisordnung hat. Und so organisiert Irwin eine Art Revolte mit dem Ziel, Winter zu stürzen. Motto: Wer die Fahne in seinen Besitz bringt, wird Herr der Festung.

Dem Zuschauer wird von Anfang an vermittelt, wer sich da gegenübersteht: Auf der einen Seite Winter, der sich – neben seinen sadistischen Anwandlungen gegen Gefangene – am liebsten damit beschäftigt, Orden und Degen blitzblank zu putzen und der nie in eine kriegerische Auseinandersetzung verwickelt war, ebenso wenig wie seine Gefängnisaufseher und Soldaten, auf der anderen Seite der ehrenhafte, kampferprobte General a.D. Irwin und seine Mitgefangenen, die wegen mehr oder weniger geringen Verstößen ins Gefängnis wanderten, der Armee aber immer die Treue gehalten haben.

Da stehen sie nun: Irwin lässt sie vor den Augen von Winter auf dem Gefängnishof in Reih und Glied antreten, salutieren – was auf Befehl Winters unter Strafe verboten ist – und heroische Lieder singen. Irwin organisiert den Sturz Winters: Erst müssen die Wachen vor dem Verwaltungsgebäude, dann die auf den Wachtürmen besiegt, danach der Wasserwerfer erobert werden, um schließlich die Winter entwendete US-Flagge zu hissen ...

Inszenierung
Doch handelt es sich hier tatsächlich um eine Revolte? Die Personen dieses Streifens sind völlig überzeichnet: Hier der nur sadistische Winter, da der ehrenwerte Irwin. Und mitten drin die Wachen, darunter sadistische ebenso wie solche, die sich am Schluss des Films weigern, auf die revoltierenden Gefangenen zu schießen. Nein, eine Revolte stellt dieser Film nicht dar.

»Die letzte Festung« ist ein Film, der – nach »Men of Honor« und »Pearl Harbor« – mal wieder in überschwänglichem Hurra-Patriotismus schwelgt. Und das nicht zu knapp. Denn schließlich geht es um die Ehre der Armee, die sich solche sadistischen und feigen Weicheier wie Winter nicht leisten kann. Das ist die Botschaft dieses Films – passend zu den aktuellen Tagesereignissen.

Man kann sicher sein, dass der Streifen in den USA vielen dortigen Zuschauern die Tränen in die Augen treibt. Man weiß auch – nicht zuletzt nach den Terroranschlägen des 11. September –, welche Bedeutung nicht nur die Fahne, sondern der spezielle Patriotismus für US-Bürger hat, dass er – oft über soziale und ethnische Grenzen hinweg – den Zusammenhalt der US-amerikanischen Nation immer wieder von neuem schmiedet. Und jeglicher Hauch von Kritik an diesem Patriotismus wird oft als Anti-Amerikanismus interpretiert und verletzt die Gefühle amerikanischer Bürger. Andererseits fehlt oft das Verständnis bei US-Bürgern dafür, welche Folgen im Namen von Ehre, Vaterland und militärischem Kadavergehorsam US-Politik in Vergangenheit und Gegenwart gezeitigt hat. Friedenspolitik – und ich meine damit keinen unrealistischen Hurra-Pazifismus – hat angesichts solcher Streifen kaum eine Chance, ebensowenig Fragen nach den Ursachen von regionalen Konflikten und dem Anteil an den Ursachen daran, den (nicht nur, aber auch) die USA zu vertreten haben. Nur ein Beispiel aus dem Film selbst: Irwin hat Spuren von Elektroschocks auf dem Rücken, Folterfolgen aus der Kriegsgefangenschaft in Nord-Vietnam. Ich will nicht bezweifeln, dass es auf seiten der Vietnamesen Folterhandlungen während des Vietnam-Krieges gegeben hat. Aber ist das alles, was an Erkenntnissen aus diesem schrecklichen Krieg geblieben ist? Gibt es da nicht die »Akte Kissinger« (vgl. das Buch von Christopher Hitchens), d.h. massive Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Namen der USA?

Fazit
»Die letzte Festung« ist ein spannender Film, der kaum Längen hat. Zieht man den Fahnen-Patriotismus ab, bleibt das übrig. Doch die Überzeichnung der Charaktere nach dem alten Muster »die einen nur gut, die anderen nur schlecht« lässt einen nur noch den Kopf schütteln. Der Schluss des Films setzt dem allem die Krone auf: Irwin stirbt durch die Pistole Winters beim Versuch, die Fahne zu hissen. Irwin gewinnt, und wieder ist einmal klar (?): Auch ein Drei-Sterne-General ist bereit, bis zu letzten zu gehen, auch unter Einsatz seines eigenen Lebens.

When will they ever learn?

Die letzte Festung (The Last Castle)
USA 2001, 131 Minuten
Regie: Rod Lurie
Hauptdarsteller: Robert Redford, James Gandolfini, Mark Ruffalo, Delroy Lindo, Steve Burton, Paul Calderon, Samuel Ball


© Ulrich Behrens 2002
(dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in www.ciao.com unter dem Mitgliedsnamen Posdole)

12 Bewertungen, 2 Kommentare

  • XXLALF

    02.03.2012, 11:52 Uhr von XXLALF
    Bewertung: besonders wertvoll

    schön, bewe und liebe grüße

  • Sayenna

    17.12.2006, 14:33 Uhr von Sayenna
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh & Kuss :-)