Dieter Nuhr Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von _matthias_
Wenn man scheiße aussieht ...
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
... sollte man keine blöden Fragen stellen. Allein wegen dieses Ausspruchs hatte sich der gestrige Abend schon gelohnt. Genauso wie die Weisheit \"Wenn man keine Ahnung hat ... einfach mal Fresse halten.\" steckt auch hier ein Körnchen Wahrheit drin ... aber eigentlich auch nicht. Egal, jeder macht sowieso, wie er denkt. Und Schönheit entsteht ja sowieso im Auge des Betrachters. Und was eine blöde Frage ist, entscheidet in der Regel ja auch derjenige, der die Antwort geben soll. Und das war gestern eindeutig Dieter Nuhr.
Der Kabarettist, der mittlerweile Ende 30 ist, hat nie einen regelrechten Durchbruch gehabt, wie andere Comedians der letzten Jahre. Er hat keine eigene Fernsehshow, ist aber dennoch vielen ein Begriff, weil er doch des öfteren in der einen oder anderen Sendung auftreten darf. Dort verbreitet er Alltagsweisheiten, aber aus seiner Sicht. Und seine Sicht ist durchaus interessant, denn die Art und Weise wie er Dinge analysiert, ist witzig, zynisch und ehrlich gleichermaßen. Und jeder, wirklich jeder wird sich an einem Abend mit Dieter Nuhr mindestens einmal exakt beschrieben in seinem Programm wiederfinden, spätestens dann, wenn es um eins seiner Lieblingsthemen geht: Männer und Frauen.
Aber von Anfang an! Seit drei Monaten freute ich mich auf diesen Tag. Dieter Nuhr, und zwar live und in Farbe. In einer Stadthalle einer kleinen, aber bekannten Stadt im Südwesten Deutschlands fanden sich etwa 500 Fans, Interessierte und Zufällige ein, um an dem Spektakel teilzunehmen. Obwohl es eigentlich nicht wirklich als Spektakel zu bezeichnen ist, denn was ist an einem Mann, einem fehlenden Bühnenbild und einer circa 100-minütigen One-Man-Show schon Spektakuläres dran? So war es uns dann doch wichtig, relativ weit vorne zu sitzen, damit wir keine Nuance der Mimiken und Gestiken verpassen oder übersehen, denn davon hat Nuhr jede Menge auf Lager. Eigentlich könnte man sogar sagen, dass er mit seinem Gesicht mehr ausdrücken kann als andere mit Worten, ohne dass er dabei plump oder übertrieben wirkt.
Um ziemlich genau 20 Uhr ging es los. Und auch wenn die Halle nicht völlig ausgeflippt ist, als Dieter Nuhr mit einem Stuhl, einem Glas und einer Flasche Mineralwasser bewaffnet auf die Bühne kam, war doch eine knisternde Vorfreude auf die Shoy zu spüren, was Nuhr auch sofort zum Anlass nahm, die Erwartungshaltung des Publikums direkt abzufragen. Es folgte ein Streifzug durch das Leben von Nuhr, in dem sich im Prinzip nichts besonderes ereignet, er aber durch genaue Beobachtung und mit einer gehörigen Portion Verachtung allem und jedem gegenüber den Freunden des nichtsubtilen Humors das Herz öffnet.
Alles scheint sich bei Nuhr im Kreis zu drehen, denn irgendwie hängen alle Themen unzertrennlich miteinander zusammen. Männer und Frauen, Buddhismus, \"City\"-Hemden, seine Mutter, Lehrer, Krötentunnel, dies sind nur einige seiner Lieblingsthemen. Das an Stellen, an denen es niemand erwarten würde, wieder eine pointe gesetzt wird, die man eine halbe Stunde früher bereits als beendet betrachtete, ist wahnsinnig und genial zugleich. Nuhr schafft es zweifelsohne so zu tun, als ob er einfach draufloserzählt. Man denkt, dass er quasi unvorbereitet auf die Bühne tritt und das erstbeste Thema, welches ihm gerade einfällt, zum Anlass für einige lustige Geschichten aus seinem Leben nimmt. Wer seine CDs, seine Fernsehauftritte oder seine Shows kennt, der weiß, das dem nicht so ist und das prinzipiell jeder Lacher geplant ist, aber auch wenn man sich dessen bewusst ist, so wirkt sein Auftreten anders als bei anderen Comedians nicht stur durchgeplant, denn auch auf Reaktionen oder Unvorhergesehenes im Publikum reagiert er blitzartig und weiß jederzeit durch seine Mimik und seine teilweise skurrile Verknüpfung scheinbar zusammenhangloser Dinge zu begeistern.
So zieht es sich über 100 Minuten -- geteilt durch eine kleine Pause -- dahin, dennoch hängt man Nuhr förmlich an den Lippen, wartet gespannt, bis nach einer kurzen Pause des Nachdenkens, die Auflösung auf schier unergründliche Fragen kommt. So zum Beispiel, wo Gott denn war, als sein Joghurt im Rucksack ausgelaufen ist oder warum ein Fahrradkauf für Nuhr ein fast traumatisches Ereignis geworden ist ... Wie gesagt, alles ist alltäglich, aber so wie Nuhr hat man viele Sachen noch nicht betrachtet. Und man wird feststellen, dass es sich lohnt über viele Dinge einmal anders nachzudenken, als man es bisher getan hat. Denn dann, ja dann wird man vermutlich wesentlich mehr Spaß im Leben haben als bisher.
Nuhr mag keine Zugaben und gibt auch keine ... eigentlich. Die Vermittlung dieser Aussage kann aber durchaus mal eine Viertelstunde in Anspruch nehmen. Stattdessen fragt er ins Auditorium, ob es unsererseits noch irgendwelche Fragen geben würde. Nach einer weiteren Klarstellung, dass es sich dabei nicht um ein Wunschkonzert für alte Sketche handelt, gibt es sie aber dann doch noch in irgendeiner Form, die alten Geschichten über das kleine Horrorkind Lars, oder seine Freundin, die an der Supermarktkasse ihr Portemonnaie sucht. Dass Nuhr dann Schuld ist, wenn sie es nicht findet, ist für ihn wahre Liebe: \"Einen schönen Abend oder einen tollen urlaub kann ich mit jeder Schlampe von der Straße haben, aber Schuld zu sein, wenn das Portemonnaie der Freundin weg ist, das ist Liebe!\". Und so ist es doch auch, oder?
Die Show kostet je nach Ort 14 bis 20 Euro, was zwar ziemlich viel ist, aber wer Nuhr mal im Fernsehen gesehen hat und ihn mag, der wird keinen Cent der Eintrittskarte bereuen. Wer dann noch handsignierte Autogrammkarten bekommen möchte oder T-Shirts und CDs mit seiner Widmung erstehen will, der kann das ebenfalls tun, denn nach der Show präsentiert sich Nuhr grundsätzlich hautnah ... Ein toller und empfehlenswerter Abend!
Grüße, euer mr.matze (c) 28.6.02
Wer klaut, dem soll die letzte Karte an der Abendkasse vor der Nase weggeschnappt werden.
Respect all Colours.
Der Kabarettist, der mittlerweile Ende 30 ist, hat nie einen regelrechten Durchbruch gehabt, wie andere Comedians der letzten Jahre. Er hat keine eigene Fernsehshow, ist aber dennoch vielen ein Begriff, weil er doch des öfteren in der einen oder anderen Sendung auftreten darf. Dort verbreitet er Alltagsweisheiten, aber aus seiner Sicht. Und seine Sicht ist durchaus interessant, denn die Art und Weise wie er Dinge analysiert, ist witzig, zynisch und ehrlich gleichermaßen. Und jeder, wirklich jeder wird sich an einem Abend mit Dieter Nuhr mindestens einmal exakt beschrieben in seinem Programm wiederfinden, spätestens dann, wenn es um eins seiner Lieblingsthemen geht: Männer und Frauen.
Aber von Anfang an! Seit drei Monaten freute ich mich auf diesen Tag. Dieter Nuhr, und zwar live und in Farbe. In einer Stadthalle einer kleinen, aber bekannten Stadt im Südwesten Deutschlands fanden sich etwa 500 Fans, Interessierte und Zufällige ein, um an dem Spektakel teilzunehmen. Obwohl es eigentlich nicht wirklich als Spektakel zu bezeichnen ist, denn was ist an einem Mann, einem fehlenden Bühnenbild und einer circa 100-minütigen One-Man-Show schon Spektakuläres dran? So war es uns dann doch wichtig, relativ weit vorne zu sitzen, damit wir keine Nuance der Mimiken und Gestiken verpassen oder übersehen, denn davon hat Nuhr jede Menge auf Lager. Eigentlich könnte man sogar sagen, dass er mit seinem Gesicht mehr ausdrücken kann als andere mit Worten, ohne dass er dabei plump oder übertrieben wirkt.
Um ziemlich genau 20 Uhr ging es los. Und auch wenn die Halle nicht völlig ausgeflippt ist, als Dieter Nuhr mit einem Stuhl, einem Glas und einer Flasche Mineralwasser bewaffnet auf die Bühne kam, war doch eine knisternde Vorfreude auf die Shoy zu spüren, was Nuhr auch sofort zum Anlass nahm, die Erwartungshaltung des Publikums direkt abzufragen. Es folgte ein Streifzug durch das Leben von Nuhr, in dem sich im Prinzip nichts besonderes ereignet, er aber durch genaue Beobachtung und mit einer gehörigen Portion Verachtung allem und jedem gegenüber den Freunden des nichtsubtilen Humors das Herz öffnet.
Alles scheint sich bei Nuhr im Kreis zu drehen, denn irgendwie hängen alle Themen unzertrennlich miteinander zusammen. Männer und Frauen, Buddhismus, \"City\"-Hemden, seine Mutter, Lehrer, Krötentunnel, dies sind nur einige seiner Lieblingsthemen. Das an Stellen, an denen es niemand erwarten würde, wieder eine pointe gesetzt wird, die man eine halbe Stunde früher bereits als beendet betrachtete, ist wahnsinnig und genial zugleich. Nuhr schafft es zweifelsohne so zu tun, als ob er einfach draufloserzählt. Man denkt, dass er quasi unvorbereitet auf die Bühne tritt und das erstbeste Thema, welches ihm gerade einfällt, zum Anlass für einige lustige Geschichten aus seinem Leben nimmt. Wer seine CDs, seine Fernsehauftritte oder seine Shows kennt, der weiß, das dem nicht so ist und das prinzipiell jeder Lacher geplant ist, aber auch wenn man sich dessen bewusst ist, so wirkt sein Auftreten anders als bei anderen Comedians nicht stur durchgeplant, denn auch auf Reaktionen oder Unvorhergesehenes im Publikum reagiert er blitzartig und weiß jederzeit durch seine Mimik und seine teilweise skurrile Verknüpfung scheinbar zusammenhangloser Dinge zu begeistern.
So zieht es sich über 100 Minuten -- geteilt durch eine kleine Pause -- dahin, dennoch hängt man Nuhr förmlich an den Lippen, wartet gespannt, bis nach einer kurzen Pause des Nachdenkens, die Auflösung auf schier unergründliche Fragen kommt. So zum Beispiel, wo Gott denn war, als sein Joghurt im Rucksack ausgelaufen ist oder warum ein Fahrradkauf für Nuhr ein fast traumatisches Ereignis geworden ist ... Wie gesagt, alles ist alltäglich, aber so wie Nuhr hat man viele Sachen noch nicht betrachtet. Und man wird feststellen, dass es sich lohnt über viele Dinge einmal anders nachzudenken, als man es bisher getan hat. Denn dann, ja dann wird man vermutlich wesentlich mehr Spaß im Leben haben als bisher.
Nuhr mag keine Zugaben und gibt auch keine ... eigentlich. Die Vermittlung dieser Aussage kann aber durchaus mal eine Viertelstunde in Anspruch nehmen. Stattdessen fragt er ins Auditorium, ob es unsererseits noch irgendwelche Fragen geben würde. Nach einer weiteren Klarstellung, dass es sich dabei nicht um ein Wunschkonzert für alte Sketche handelt, gibt es sie aber dann doch noch in irgendeiner Form, die alten Geschichten über das kleine Horrorkind Lars, oder seine Freundin, die an der Supermarktkasse ihr Portemonnaie sucht. Dass Nuhr dann Schuld ist, wenn sie es nicht findet, ist für ihn wahre Liebe: \"Einen schönen Abend oder einen tollen urlaub kann ich mit jeder Schlampe von der Straße haben, aber Schuld zu sein, wenn das Portemonnaie der Freundin weg ist, das ist Liebe!\". Und so ist es doch auch, oder?
Die Show kostet je nach Ort 14 bis 20 Euro, was zwar ziemlich viel ist, aber wer Nuhr mal im Fernsehen gesehen hat und ihn mag, der wird keinen Cent der Eintrittskarte bereuen. Wer dann noch handsignierte Autogrammkarten bekommen möchte oder T-Shirts und CDs mit seiner Widmung erstehen will, der kann das ebenfalls tun, denn nach der Show präsentiert sich Nuhr grundsätzlich hautnah ... Ein toller und empfehlenswerter Abend!
Grüße, euer mr.matze (c) 28.6.02
Wer klaut, dem soll die letzte Karte an der Abendkasse vor der Nase weggeschnappt werden.
Respect all Colours.
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