Madagascar (DVD) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 04/2006
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Erfahrungsbericht von pegafli
Mama? Was ist ein Rektalthermometer?
Pro:
Cartoonstil, die Pinguine, Wortwitz...
Kontra:
nicht wirklich Neues von Dreamworks, ein Großteil der Synchro, überdrehte Charakterzüge...
Empfehlung:
Ja
Hallo zusammen!
Pega, was hast du dir da nur angetan? Wie konntest du nur? Hast du aus ,Robots\' nichts gelernt? Nö, ne? Du musstest ja unbedingt wieder ins Kino und dir einen Animationsfilm anschauen, in dem es wie im Zoo zugeht… Selber Schuld! Kinderfilme sind halt nur für Kinder! Oder doch nicht?
So ähnlich könnten sich meine Gedanken angehört haben, als ich das Kino nach dem Genuss von ,Madagascar\' wieder verlassen habe. Vielleicht habe ich auch vor mich hingemurmelt… Wer weiß das schon? *mit dem kopf auf die schreibtischplatte donner*
Aber lest selber…
► Die Macher
Knapp ein Jahr nach ,Große Haie - Kleine Fische\' wartet Dreamworks mit seinem neuesten Werk ,Madagascar\' auf. Die Macher von ,Shrek\' scheinen wohl auf Teufel komm raus die Wartezeit auf den dritten Aufguss des grünen Animations-Ogers überbrücken zu wollen.
Regie für den Streifen aus Katzenbergs Animationsschmiede führten Eric Darnell (,Antz\') und Tom Mcgrath (,Ren & Stimpy\').
► Die Story und Umsetzung
,Madagascar\' ist die Geschichte von vier Freunden, dem Zebra Marty, dem Star-Löwen Alex, der hypochondrischen Giraffe Melman und dem Nilpferd Gloria. Alle vier leben sie im New Yorker Central Park und liefern dem dortigen Publikum Tag für Tag die selbe Show ab. Bis das Zebra Marty seinen 10. Geburtstag feiert und eine leichte Mid-life-crisis bekommt. Er möchte so gern in die Wildnis und mehr erleben, als seine wenigen Quadratmeter Gehege im Zoo. Also folgt er dem Rat von vier radikalen Pinguinen und bricht aus, um sich auf die Suche nach der Wildnis zu begeben. Seine drei Freunde sind wenig begeistert davon und folgen dem Ausreißer, um diesen zur Vernunft zu bringen und wieder in den Zoo. Die Verfolgungsjagd durch New York artet in ein Chaos aus und schließlich finden sich alle vier umringt von Polizisten. Bald darauf finden sie sich, dank Tierschützern und revoltierender Pinguine, an der Küste von Madagascar wieder. Marty am Ziel seiner Träume und Alex in einem Albtraum ohne Steaks…
,Madagascar\' ist ein typischer Buddy-Movie! Das befreundete Traumpaar bilden hier das Zebra Marty und der Löwe Alex. Aufgewachsen und befreundet als eingefleischte Zootiere, muss sich ihre Freundschaft letztendlich in der Wildnis beweisen, denn Zebras und Löwen gehören einfach nicht zusammen. Und wenn man einem Löwen keine Steaks mehr serviert, drängt sich der Ruf der Natur in den Vordergrund. Marty meinte im Laufe des Filmes so trefflich zu Alex: \"Ich besorge Dir Dein Steak - und wenn ich mich dabei umbringe.\" Nebenher existieren vielerlei andere Figuren, die als nervige Statisten versuchen den eher einfallslosen Film aufzuwerten. Diese spreche ich unter dem Punkt ,Charaktere\' noch genauer an.
Als erstes ist mir an dem Film die Animation der Figuren aufgefallen. Sie sind einfach und grotesk animiert. Sogar ziemlich eckig, mit Ausnahme von Gloria und einigen Lemuren. Keine Details zu den reellen Vorlagen sind zu erkennen. Vor einem lieblosen Hintergrund mit wenig Details gepappt, wirken die Figuren schon wieder wie in 2D animiert. Die einfache Umsetzung des Hintergrundes lässt dem Zuschauer keine andere Wahl, als die volle Aufmerksamkeit auf die Hauptdarsteller zu konzentrieren, die auf der Leinwand herumzappeln. Ich glaube, dass der Cartoon-Charakter von den Machern gewollt ist, da sich unsere Hauptfiguren durch viele Fettnäpfchen im Film bewegen. Vor allem die Giraffe Melman ist für einen Slapstick nach dem anderen gut. Tollpatschig stakst er mit seinen langen Beinen durch die Gegend, stolpert mal hier, stößt sich mal da den Kopf… Unnatürliche Verrenkungen der Gliedmaßen sind inklusive. Unsereiner hat vielleicht schon Schmerzen beim Zuschauen. Die Figuren bleiben körperlich aber unversehrt. Ich bin der Meinung, dass Dreamworks viel zu tief in die Schublade mit den Slapsticks gegriffen hat. Was hier und da den Kindern noch gefällt, wird mit der Zeit langweilig, weil einfach zu oft vorhanden, und amüsiert Erwachsene eher weniger.
Was hat der Film also für das ältere Publikum zu bieten? Das ist wohl kaum zu übersehen! Kennt man einen Animationsfilm von Dreamworks, dann kennt man alle, denn wieder findet man eine ganze Menge Anspielungen auf Filmszenen und Filmcharaktere. Am besten hat mir hier die kleine ,Karate-Oma\' gefallen, die dem Löwen Alex mit der Handtasche verprügelt und dabei säuselt: \"Böse Miezekatze\". Fans von Bugs Bunny werden in ihr Tweety\'s Grandma erkennen, unter der Sylvester zu leiden hat. Aber nicht nur auf Cartoons wird angespielt. Zum Beispiel gibt es eine Szene, in der jede Menge Steaks auf Alex nieder regnen, und die sehr verdächtig an ,American Beauty\' ohne Rosenblätter erinnert.
Auch kam ich bei unserem Pärchen Marty und Alex ins Grübeln. Die beiden erinnerten mich irgendwie an ein anderes Filmpaar. Nach genauem Überlegen, leuchtete in großer Leuchtschrift das Wort ,Shrek\' vor meinem inneren Auge auf. Der gutmütige Löwe Alex ist das Gegenstück zu Shrek und Marty ist genauso überdreht wie der Esel aus dem Oger-Streifen. Nicht nur hier lehnt sich Dreamworks an ältere Erfolgskonzepte an… Ein kleiner Lemur mit großen Kulleraugen, macht dem gestiefelten Kater aus ,Shrek 2\' Konkurrenz. Statt einer Mütze hält er seinen Schwanz schützend vor sich. Fehlen Dreamworks die Ideen, oder sind sie einfach nur zu feige, neue Konzepte auszuprobieren? Vielleicht wäre ein neues Konzept ein Jungbrunnen für Dreamworks Animationsfilme, denn was damals noch durchbrechenden Erfolg hatte, ist heute veraltet und durchgekaut.
Neben Insider-Witzen, wird natürlich auch wieder mit jeder Menge Wortwitz in den Dialogen aufgewartet, die mehr für die Erwachsenen sind, als für die Kinder. Das beste Beispiel hierfür ist folgende Szene: Marty bekommt von Melman ein Thermometer zum Geburtstag. Als er dieses prüfend in den Mund genommen hat, erklärt Melman stolz, dass dies sein erstes Rektalthermometer war… Spätestens hier werden die Kleinen beginnen, ihre Eltern mit Fragen zu löschern. ;)
!!!!!!!!!! KLEINER SPOILER !!!!!!!!!!!!!
Bei so viel bunter, knalliger und temporeicher Kinderfreundlichkeit hat der Film trotzdem einen riesigen Makel in meinen Augen. Weiter oben erwähnte ich bereits, dass ein Löwe ohne seine Steaks schnell sein natürliches Verhaltensmuster annimmt. Dies passiert auch mit Alex. Der sympathische Kuschellöwe mutiert im letzen Drittel des Filmes zu einem ,Monster\', dass seine eigenen Freunde angreift. Diese Wende, die augenscheinlich mal Sinn macht, könnte für die jungen Zuschauer erschreckend sein. So steigt Alex als Hauptfigur mit zum Idol der Kleinen auf und enttäuscht durch seine Mutation zum Monster. Am Ende erholt sich Dreamworks von seinen Ausflug in das logische Denken und versöhnt die Kleinen und/ oder auch großen mit einem Happyend, zu dessen Krönung ein Kommentar einen möglichen zweiten Teil offen lässt, wenn ersterer erfolgreich war.
► Charaktere und Synchronisation
Die Figuren sind jeder für sich, aus der Sicht des Kindes gesehen, Sympathieträger. Die Synchronisation ist eher schwach als recht gelungen. Meine persönlichen Favoriten waren allerdings die Pinguine, die eine tragende Nebenrolle spielen.
+ Marty das Zebra: Marty lebt seit seiner Geburt im Zoo im Central Park. Er feiert bereits seinen 10. Geburtstag und weiß immer noch nicht, ob er ein weißes Zebra mit schwarzen Streifen oder ein schwarzes Zebra mit weißen Streifen ist. Eines ist sicher. Er ist monochrom. ;) Sein größter Traum ist es einmal die Wildnis zu erleben. Und so verliert sich das Zebra auf seinem Laufband in Tagträume. Als Sprecher macht Rick Kavanian seine Sache gut, mindert aber nicht die für mich teils zu aufdringlich aufgedrehte Art des Zebras… Mit der Zeit habe ich mir schon gewünscht, dass Marty\'s Text endlich ein Ende hat, denn man gab ihm auch die Gabe sich äußerst euphorisch in seine Vorstellungen hineinzusteigern, was er nebenbei noch mit starkem Zappeln betonte.
+ Alex der Löwe: Alex ist die Hauptattraktion im Zoo von New York und leidet unter Starallüren. Im Zoo wird er gehegt und gepflegt und bekommt regelmäßig seine saftigen Steaks. Und psssst… Alex nuckelt im Schlaf am Daumen, was ihn für Kinder noch mehr zur Indentifikationsfigur macht. Jan Josef Liefers macht seinen Job als Synchronsprecher gut, ist aber nicht umwerfend.
+ Gloria das Nilpferd: Gloria hat eigentlich keine große Rolle. Sie ist eine der Figuren, die einfach da ist und die man für selbstverständlich hinnimmt. Dick und lila lümmelt sie am liebsten in ihrem Pool im Zoo. Unter den vier Freunden scheint sie als ausgleichender und schlichtender Ruhepol zu fungieren. Gesprochen wird sie von Claudia Urbschat-Mingues (http://www.claudiaspricht.de), ist aber nichts Besonderes.
+ Melman die Giraffe: Melman pflegt im Zoo sein Dasein als Hypochonder und wird umhegt und umpflegt von Ärzten und Schwestern. Während die anderen ihr Abendessen serviert bekommen, bekommt er ein Tablett voller Pillendosen… In der Vierergruppe ist er der ängstlich, nervöse Typ, der im Dschungel von Madagascar und in der Stadt New York zum tollpatschigen Sicherheitsrisiko wird. Der Komiker Bastian Pastewka verschmilzt förmlich mit seiner Figur. Einen besseren Sprecher für Melman hätte man nicht finden können.
+ König Julien und Maurice: Zwei Lemuren. König Julien ist der selbsternannte Herrscher über die Lemuren und feiert Party, Party, Party… ,I like to move it, move it!\' Der kleine, schräge Typ mit seiner Blätterkrone und lockeren Art hätte mein Herz gewinnen können so durchgedreht wie er ist, wenn nicht die grauenerregende Synchronisation durch Stefan Gossler (http://www.aniki.info/Stefan_Gossler) dazwischen gekommen wäre. Was war das nur für ein Dialekt/ Akzent? Ich habe es dann als deutsch nuschelnden Holländer definiert. Leider hatte ich auch so meine Probleme diesen Typen zu verstehen.
Maurice, ebenfalls ein Lemur, ist Juliens Berater. Im Gegensatz zu Julien ist er der überlegte Typ, der erst denkt, bevor er was sagt und/ oder handelt. Roland Hemmo (http://lexikon.freenet.de/Roland_Hemmo) unterstreicht diese Eigenschaft von Maurice mit seiner ruhigen, besonnenen Sprechweise.
Julien und Maurice sind ein Team, das sich wunderbar ergänzt.
+ Die vier PINGUINE: Meine Favoriten! Der Grund, weshalb ich mir den Film angetan habe. Das radikale, revoltierende Dreamteam lebt ebenfalls im New Yorker Zoo. Gemeinsam planen sie einen Ausbruch und versuchen sich heimlich zur Antarktis durchzugraben. Zwei graben und zwei stehen da, sehen knuffig aus und winken dem Publikum. Man kann sagen, dass die Pinguine der Katalysator für die ganze Geschichte sind, denn statt in der Antarktis herauszukommen, buddeln sie sich in das Gehege von Marty und erzählen ihn von der Freiheit. Und zweitens kapern sie das Schiff, auf welchen die Zootiere in die Freiheit gebracht werden sollen… Weiteres wird nicht verraten! ;)
Wie Pinguine nun einmal sind, sind diese Typen einfach cool und durch nichts aus der Ruhe zu bringen, was durch die großartige Synchro der ,Fantastischen Vier\' noch unterstrichen wird.
Ursprünglich war für die Pinguine ein eigenes Projekt geplant. Es sollte ein Film in Anlehnung an die Beatles-Filme entstehen, der letztendlich an den Songrechten scheiterte. So wurden diese ,Fab Four\' einfach in ,Madagascar\' eingefügt. Wer nun noch ,A hard days night\' und ,Help\' von den Beatles gesehen hat, wird in den Charakterzügen und der trockenen Ironie der Pinguine parallelen zu den Filmen erkennen.
► Weitere Fakten
Und nun für alle Leser die Fakten, Fakten, Fakten…
Deutscher Titel: Madagascar
Originaltitel: Madagascar
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2005
Länge: 86 Minuten
Altersfreigabe: FSK 0
Regie: Eric Darnell, Tom McGrath
Drehbuch: Mark Burton, Billy Frolick, Eric Darnell, Tom McGrath
Produktion: Mireille Soria
Musik: Hans Zimmer
Wer ein paar visuelle Eindrücke vom Film bekommen möchte, der begebe sich bitte direkt auf die Homepage zum Film, denn aus urheberrechtlichen Gründen möchte ich keine eigenen Bilder zum Film hochladen.
http://movies.uip.de/madagascar/
► Meine letzten Worte
,Madagascar\' ist ein Film für die breite Masse, ein Film der sich auf keine konkrete Zielgruppe festlegt. Neben ausgeleierten Slapstiks existiert in den Dialogen sehr guter Wortwitz, der für Kurzweil und allerlei Heiterkeit sorgt. Die Animation in Cartoonstil verzichtet mit Absicht auf überflüssige Details, und zentriert den Blick des Zuschauers auf das Wesentliche. Leider liefert Dreamworks keine neuen Ideen, sondern hält an alten Erfolgsschemata fest. So werden uns wieder ziemlich überzogene Charakterzüge geboten, die in Extreme ausarten und im bunten Durcheinander über die Leinwand wuseln. Der Film ist durchaus sehenswert. Ich glaube aber nicht, dass ,Madagascar\' der erste abendfüllende Animationsfilm seit langem sein wird, der seine Produktionskosten wieder einspielt, denn der Wettlauf zwischen Dreamworks und Pixar lässt kaum Freiraum für wirkliche Innovationen auf diesem Sektor der Filmindustrie.
Ich danke Euch fürs Lesen, Kommentieren und Bewerten. Und mögen die Freunde des schnellen Scrollens und Klickens von vier skrupellosen Pinguinen in der Antarktis ausgesetzt werden! ☻
Dieser Bericht ist nur bei Ciao und Yopi zu lesen!
LG von Pegafli
Pega, was hast du dir da nur angetan? Wie konntest du nur? Hast du aus ,Robots\' nichts gelernt? Nö, ne? Du musstest ja unbedingt wieder ins Kino und dir einen Animationsfilm anschauen, in dem es wie im Zoo zugeht… Selber Schuld! Kinderfilme sind halt nur für Kinder! Oder doch nicht?
So ähnlich könnten sich meine Gedanken angehört haben, als ich das Kino nach dem Genuss von ,Madagascar\' wieder verlassen habe. Vielleicht habe ich auch vor mich hingemurmelt… Wer weiß das schon? *mit dem kopf auf die schreibtischplatte donner*
Aber lest selber…
► Die Macher
Knapp ein Jahr nach ,Große Haie - Kleine Fische\' wartet Dreamworks mit seinem neuesten Werk ,Madagascar\' auf. Die Macher von ,Shrek\' scheinen wohl auf Teufel komm raus die Wartezeit auf den dritten Aufguss des grünen Animations-Ogers überbrücken zu wollen.
Regie für den Streifen aus Katzenbergs Animationsschmiede führten Eric Darnell (,Antz\') und Tom Mcgrath (,Ren & Stimpy\').
► Die Story und Umsetzung
,Madagascar\' ist die Geschichte von vier Freunden, dem Zebra Marty, dem Star-Löwen Alex, der hypochondrischen Giraffe Melman und dem Nilpferd Gloria. Alle vier leben sie im New Yorker Central Park und liefern dem dortigen Publikum Tag für Tag die selbe Show ab. Bis das Zebra Marty seinen 10. Geburtstag feiert und eine leichte Mid-life-crisis bekommt. Er möchte so gern in die Wildnis und mehr erleben, als seine wenigen Quadratmeter Gehege im Zoo. Also folgt er dem Rat von vier radikalen Pinguinen und bricht aus, um sich auf die Suche nach der Wildnis zu begeben. Seine drei Freunde sind wenig begeistert davon und folgen dem Ausreißer, um diesen zur Vernunft zu bringen und wieder in den Zoo. Die Verfolgungsjagd durch New York artet in ein Chaos aus und schließlich finden sich alle vier umringt von Polizisten. Bald darauf finden sie sich, dank Tierschützern und revoltierender Pinguine, an der Küste von Madagascar wieder. Marty am Ziel seiner Träume und Alex in einem Albtraum ohne Steaks…
,Madagascar\' ist ein typischer Buddy-Movie! Das befreundete Traumpaar bilden hier das Zebra Marty und der Löwe Alex. Aufgewachsen und befreundet als eingefleischte Zootiere, muss sich ihre Freundschaft letztendlich in der Wildnis beweisen, denn Zebras und Löwen gehören einfach nicht zusammen. Und wenn man einem Löwen keine Steaks mehr serviert, drängt sich der Ruf der Natur in den Vordergrund. Marty meinte im Laufe des Filmes so trefflich zu Alex: \"Ich besorge Dir Dein Steak - und wenn ich mich dabei umbringe.\" Nebenher existieren vielerlei andere Figuren, die als nervige Statisten versuchen den eher einfallslosen Film aufzuwerten. Diese spreche ich unter dem Punkt ,Charaktere\' noch genauer an.
Als erstes ist mir an dem Film die Animation der Figuren aufgefallen. Sie sind einfach und grotesk animiert. Sogar ziemlich eckig, mit Ausnahme von Gloria und einigen Lemuren. Keine Details zu den reellen Vorlagen sind zu erkennen. Vor einem lieblosen Hintergrund mit wenig Details gepappt, wirken die Figuren schon wieder wie in 2D animiert. Die einfache Umsetzung des Hintergrundes lässt dem Zuschauer keine andere Wahl, als die volle Aufmerksamkeit auf die Hauptdarsteller zu konzentrieren, die auf der Leinwand herumzappeln. Ich glaube, dass der Cartoon-Charakter von den Machern gewollt ist, da sich unsere Hauptfiguren durch viele Fettnäpfchen im Film bewegen. Vor allem die Giraffe Melman ist für einen Slapstick nach dem anderen gut. Tollpatschig stakst er mit seinen langen Beinen durch die Gegend, stolpert mal hier, stößt sich mal da den Kopf… Unnatürliche Verrenkungen der Gliedmaßen sind inklusive. Unsereiner hat vielleicht schon Schmerzen beim Zuschauen. Die Figuren bleiben körperlich aber unversehrt. Ich bin der Meinung, dass Dreamworks viel zu tief in die Schublade mit den Slapsticks gegriffen hat. Was hier und da den Kindern noch gefällt, wird mit der Zeit langweilig, weil einfach zu oft vorhanden, und amüsiert Erwachsene eher weniger.
Was hat der Film also für das ältere Publikum zu bieten? Das ist wohl kaum zu übersehen! Kennt man einen Animationsfilm von Dreamworks, dann kennt man alle, denn wieder findet man eine ganze Menge Anspielungen auf Filmszenen und Filmcharaktere. Am besten hat mir hier die kleine ,Karate-Oma\' gefallen, die dem Löwen Alex mit der Handtasche verprügelt und dabei säuselt: \"Böse Miezekatze\". Fans von Bugs Bunny werden in ihr Tweety\'s Grandma erkennen, unter der Sylvester zu leiden hat. Aber nicht nur auf Cartoons wird angespielt. Zum Beispiel gibt es eine Szene, in der jede Menge Steaks auf Alex nieder regnen, und die sehr verdächtig an ,American Beauty\' ohne Rosenblätter erinnert.
Auch kam ich bei unserem Pärchen Marty und Alex ins Grübeln. Die beiden erinnerten mich irgendwie an ein anderes Filmpaar. Nach genauem Überlegen, leuchtete in großer Leuchtschrift das Wort ,Shrek\' vor meinem inneren Auge auf. Der gutmütige Löwe Alex ist das Gegenstück zu Shrek und Marty ist genauso überdreht wie der Esel aus dem Oger-Streifen. Nicht nur hier lehnt sich Dreamworks an ältere Erfolgskonzepte an… Ein kleiner Lemur mit großen Kulleraugen, macht dem gestiefelten Kater aus ,Shrek 2\' Konkurrenz. Statt einer Mütze hält er seinen Schwanz schützend vor sich. Fehlen Dreamworks die Ideen, oder sind sie einfach nur zu feige, neue Konzepte auszuprobieren? Vielleicht wäre ein neues Konzept ein Jungbrunnen für Dreamworks Animationsfilme, denn was damals noch durchbrechenden Erfolg hatte, ist heute veraltet und durchgekaut.
Neben Insider-Witzen, wird natürlich auch wieder mit jeder Menge Wortwitz in den Dialogen aufgewartet, die mehr für die Erwachsenen sind, als für die Kinder. Das beste Beispiel hierfür ist folgende Szene: Marty bekommt von Melman ein Thermometer zum Geburtstag. Als er dieses prüfend in den Mund genommen hat, erklärt Melman stolz, dass dies sein erstes Rektalthermometer war… Spätestens hier werden die Kleinen beginnen, ihre Eltern mit Fragen zu löschern. ;)
!!!!!!!!!! KLEINER SPOILER !!!!!!!!!!!!!
Bei so viel bunter, knalliger und temporeicher Kinderfreundlichkeit hat der Film trotzdem einen riesigen Makel in meinen Augen. Weiter oben erwähnte ich bereits, dass ein Löwe ohne seine Steaks schnell sein natürliches Verhaltensmuster annimmt. Dies passiert auch mit Alex. Der sympathische Kuschellöwe mutiert im letzen Drittel des Filmes zu einem ,Monster\', dass seine eigenen Freunde angreift. Diese Wende, die augenscheinlich mal Sinn macht, könnte für die jungen Zuschauer erschreckend sein. So steigt Alex als Hauptfigur mit zum Idol der Kleinen auf und enttäuscht durch seine Mutation zum Monster. Am Ende erholt sich Dreamworks von seinen Ausflug in das logische Denken und versöhnt die Kleinen und/ oder auch großen mit einem Happyend, zu dessen Krönung ein Kommentar einen möglichen zweiten Teil offen lässt, wenn ersterer erfolgreich war.
► Charaktere und Synchronisation
Die Figuren sind jeder für sich, aus der Sicht des Kindes gesehen, Sympathieträger. Die Synchronisation ist eher schwach als recht gelungen. Meine persönlichen Favoriten waren allerdings die Pinguine, die eine tragende Nebenrolle spielen.
+ Marty das Zebra: Marty lebt seit seiner Geburt im Zoo im Central Park. Er feiert bereits seinen 10. Geburtstag und weiß immer noch nicht, ob er ein weißes Zebra mit schwarzen Streifen oder ein schwarzes Zebra mit weißen Streifen ist. Eines ist sicher. Er ist monochrom. ;) Sein größter Traum ist es einmal die Wildnis zu erleben. Und so verliert sich das Zebra auf seinem Laufband in Tagträume. Als Sprecher macht Rick Kavanian seine Sache gut, mindert aber nicht die für mich teils zu aufdringlich aufgedrehte Art des Zebras… Mit der Zeit habe ich mir schon gewünscht, dass Marty\'s Text endlich ein Ende hat, denn man gab ihm auch die Gabe sich äußerst euphorisch in seine Vorstellungen hineinzusteigern, was er nebenbei noch mit starkem Zappeln betonte.
+ Alex der Löwe: Alex ist die Hauptattraktion im Zoo von New York und leidet unter Starallüren. Im Zoo wird er gehegt und gepflegt und bekommt regelmäßig seine saftigen Steaks. Und psssst… Alex nuckelt im Schlaf am Daumen, was ihn für Kinder noch mehr zur Indentifikationsfigur macht. Jan Josef Liefers macht seinen Job als Synchronsprecher gut, ist aber nicht umwerfend.
+ Gloria das Nilpferd: Gloria hat eigentlich keine große Rolle. Sie ist eine der Figuren, die einfach da ist und die man für selbstverständlich hinnimmt. Dick und lila lümmelt sie am liebsten in ihrem Pool im Zoo. Unter den vier Freunden scheint sie als ausgleichender und schlichtender Ruhepol zu fungieren. Gesprochen wird sie von Claudia Urbschat-Mingues (http://www.claudiaspricht.de), ist aber nichts Besonderes.
+ Melman die Giraffe: Melman pflegt im Zoo sein Dasein als Hypochonder und wird umhegt und umpflegt von Ärzten und Schwestern. Während die anderen ihr Abendessen serviert bekommen, bekommt er ein Tablett voller Pillendosen… In der Vierergruppe ist er der ängstlich, nervöse Typ, der im Dschungel von Madagascar und in der Stadt New York zum tollpatschigen Sicherheitsrisiko wird. Der Komiker Bastian Pastewka verschmilzt förmlich mit seiner Figur. Einen besseren Sprecher für Melman hätte man nicht finden können.
+ König Julien und Maurice: Zwei Lemuren. König Julien ist der selbsternannte Herrscher über die Lemuren und feiert Party, Party, Party… ,I like to move it, move it!\' Der kleine, schräge Typ mit seiner Blätterkrone und lockeren Art hätte mein Herz gewinnen können so durchgedreht wie er ist, wenn nicht die grauenerregende Synchronisation durch Stefan Gossler (http://www.aniki.info/Stefan_Gossler) dazwischen gekommen wäre. Was war das nur für ein Dialekt/ Akzent? Ich habe es dann als deutsch nuschelnden Holländer definiert. Leider hatte ich auch so meine Probleme diesen Typen zu verstehen.
Maurice, ebenfalls ein Lemur, ist Juliens Berater. Im Gegensatz zu Julien ist er der überlegte Typ, der erst denkt, bevor er was sagt und/ oder handelt. Roland Hemmo (http://lexikon.freenet.de/Roland_Hemmo) unterstreicht diese Eigenschaft von Maurice mit seiner ruhigen, besonnenen Sprechweise.
Julien und Maurice sind ein Team, das sich wunderbar ergänzt.
+ Die vier PINGUINE: Meine Favoriten! Der Grund, weshalb ich mir den Film angetan habe. Das radikale, revoltierende Dreamteam lebt ebenfalls im New Yorker Zoo. Gemeinsam planen sie einen Ausbruch und versuchen sich heimlich zur Antarktis durchzugraben. Zwei graben und zwei stehen da, sehen knuffig aus und winken dem Publikum. Man kann sagen, dass die Pinguine der Katalysator für die ganze Geschichte sind, denn statt in der Antarktis herauszukommen, buddeln sie sich in das Gehege von Marty und erzählen ihn von der Freiheit. Und zweitens kapern sie das Schiff, auf welchen die Zootiere in die Freiheit gebracht werden sollen… Weiteres wird nicht verraten! ;)
Wie Pinguine nun einmal sind, sind diese Typen einfach cool und durch nichts aus der Ruhe zu bringen, was durch die großartige Synchro der ,Fantastischen Vier\' noch unterstrichen wird.
Ursprünglich war für die Pinguine ein eigenes Projekt geplant. Es sollte ein Film in Anlehnung an die Beatles-Filme entstehen, der letztendlich an den Songrechten scheiterte. So wurden diese ,Fab Four\' einfach in ,Madagascar\' eingefügt. Wer nun noch ,A hard days night\' und ,Help\' von den Beatles gesehen hat, wird in den Charakterzügen und der trockenen Ironie der Pinguine parallelen zu den Filmen erkennen.
► Weitere Fakten
Und nun für alle Leser die Fakten, Fakten, Fakten…
Deutscher Titel: Madagascar
Originaltitel: Madagascar
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2005
Länge: 86 Minuten
Altersfreigabe: FSK 0
Regie: Eric Darnell, Tom McGrath
Drehbuch: Mark Burton, Billy Frolick, Eric Darnell, Tom McGrath
Produktion: Mireille Soria
Musik: Hans Zimmer
Wer ein paar visuelle Eindrücke vom Film bekommen möchte, der begebe sich bitte direkt auf die Homepage zum Film, denn aus urheberrechtlichen Gründen möchte ich keine eigenen Bilder zum Film hochladen.
http://movies.uip.de/madagascar/
► Meine letzten Worte
,Madagascar\' ist ein Film für die breite Masse, ein Film der sich auf keine konkrete Zielgruppe festlegt. Neben ausgeleierten Slapstiks existiert in den Dialogen sehr guter Wortwitz, der für Kurzweil und allerlei Heiterkeit sorgt. Die Animation in Cartoonstil verzichtet mit Absicht auf überflüssige Details, und zentriert den Blick des Zuschauers auf das Wesentliche. Leider liefert Dreamworks keine neuen Ideen, sondern hält an alten Erfolgsschemata fest. So werden uns wieder ziemlich überzogene Charakterzüge geboten, die in Extreme ausarten und im bunten Durcheinander über die Leinwand wuseln. Der Film ist durchaus sehenswert. Ich glaube aber nicht, dass ,Madagascar\' der erste abendfüllende Animationsfilm seit langem sein wird, der seine Produktionskosten wieder einspielt, denn der Wettlauf zwischen Dreamworks und Pixar lässt kaum Freiraum für wirkliche Innovationen auf diesem Sektor der Filmindustrie.
Ich danke Euch fürs Lesen, Kommentieren und Bewerten. Und mögen die Freunde des schnellen Scrollens und Klickens von vier skrupellosen Pinguinen in der Antarktis ausgesetzt werden! ☻
Dieser Bericht ist nur bei Ciao und Yopi zu lesen!
LG von Pegafli
22 Bewertungen, 1 Kommentar
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16.08.2005, 17:06 Uhr von plötzlichpapa
Bewertung: sehr hilfreichgut geworden. Am Besten finde ich jedoch, dass Dein Produktvorschlag angenommen wurde. Bei mir war es so, dass ich noch keine Antwort drauf bekommen habe. Viele Grüße, Uwe
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