Dreizehn (DVD) Testbericht

ab 4,39
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Erfahrungsbericht von Die_böse_Maus

Die gefährliche Glitzerwelt des Melroce Place

Pro:

Handlung / Darsteller / Thematik

Kontra:

nichts

Empfehlung:

Ja

Willkommen bei der bösen Maus

Heute möchte ich einen Film vorstellen, den ich vor einigen Monaten mal bei Freunden angeschaut habe. Ausnahmsweise wurde mal kein Action - oder Horrorfilm geschaut, sondern etwas aus der Kategorie \"ernst und zum Nachdenken\". Der Titel lautet:

\"Dreizehn\"

- Randdaten -

USA 2003 - Originaltitel: Thirteen - Regie: Catherine Hardwicke - Darsteller: Holly Hunter, Evan Rachel Wood, Nikki Reed, Jeremy Sisto, Brady Corbet, Deborah Kara Unger, Kip Pardue, Sarah Clarke - Prädikat: besonders wertvoll - FSK: ab 12 - Länge: 100 min. - Start: 13.11.2003

- Handlung -

Die dreizehnjährige Tracey (Evan Rachel Wood) führt mit ihrer alleinerziehende Mutter Mel ( Holly Hunt) und ihrem Bruder Mason (Brady Cobert) ein etwas unkonventionelles, aber dennoch ruhiges Leben. Tracey ist der ganze Stolz ihrer Mutter: sie wird von allen gemocht, zeigt sehr gute Schulleistungen und hat viele Freunde. Der Bruch vollzieht sich, als sie auf die High School kommt: Tracey beginnt sich zu kindlich zu fühlen und leidet darunter als langweiliger Streber abgestempelt zu werden. Sie träumt davon so zu sein wie Evie (Nikki Reed), das In-Girl der Schule. Evie ist auch erst dreizehn, doch weiß mit ihren Reizen zu spielen, schminkt sich, trägt sexy Klamotten und umgibt sich schon mit Jungs. Tracey versucht alles, um Evie zur Freundin zu gewinnen, doch ihre ersten Versuche scheitern. Erst als sie sich umstylt und einer Dame Kreditkarten klaut, um Evie einen Shopping Tag der Extra Klasse zu bescheren, wird sie akzeptiert. Tracey und Evie sind schnell die besten Freundinnen, doch so schnell kann Mutter Mel gar nicht reagieren, da hat Evie ihre Tochter bereits in das gefährlich-glamoröse Leben des Melroce Place eingeführt: Piercings, Klamotten, Drogen, Jungs, Sex. Gleichzeitig drängt sich die scheinbar ohne Mutter aufgewachsene Evie in das ohnehin schon chaotische Familienleben der Freelands und versucht alle zu manipulieren. Tracey beginnt sich exzessiv gegen ihre Mutter aufzulehnen, vernachlässigt die Schule und verfällt immer mehr den Drogen…

- Test und Bewertung -

Das Regiedebüt von Catherine Hardwicke zeigt die gefährlichen Abzweigungen, die ein Mädchen auf dem Weg zur Frau nehmen kann. Tracey hat nicht die besten Startbedingungen: Ihre noch recht junge Mutter Mel ist alleinerziehend und hat aufgrund ihres Jobs wenig Zeit für sie und ihren Bruder Mason, Mel\'s Freund Luke ist drogenabhängig, ihre Freundin quatiert sich dauernd mangels Geld mit Baby ein - und ihren leiblichen Vater sieht Tracey vielleicht 2 Mal im Jahr. Trotzdem beginnt der Film mit der Darstellung Traceys als recht glücklicher, ausgeglichener Teenager, der noch Kuscheltiere mit ins Bett nimmt und zu Hause Gedichte für Schulprojekte schreibt. Mit der Einführung der Figur der Evie wird ein kompletter Gegensatz eingeführt. Mit dem Wechsel auf die High School und dem ersten Kontakt mit Evie endet Traceys Kindheit, denn Evie ist schon lang kein Mauerblümchen mehr oder war vielleicht auch nie eines. Sie verbringt ihre Nächte auf dem Melrose Place, wo sie Geld für Klamotten und Make Up ausgibt, das sie gar nicht besitzt, schläft wahlos mit Jungs, schnüffelt Klebstoff und kümmert sich einen Dreck um ihre Schulleistungen. Der Film schildert durch das Aufzeigen unterschiedlicher Milieus, die Untermalung durch recht eindringliche, aber zugleich oft poppige Musik, wie Tracey Zugang zu Evies Welt findet. Tracey verliert das Interesse an ihren alten Freunden und wandelt sich unter Evies Einfluss vom Mauerblümchen zum sexy It-Girl. Ohne in Kitsch abzudriften oder den moralischen Zeigefinger zu erheben erlebt der Zuschauer mit, wie die völlig überforderte Mel verzweifelt versucht den Abstieg ihrer Tochter zu verhindern, aber gleichzeitig von der cleveren Evie ausgespielt wird. Traceys Vater zieht sich wie immer aus der Verantwortung, Tracey selbst hat nur einen einzigen Ansprechpartner für ihre Probleme: ihr großes Vorbild, die schöne Evie. Und Probleme löst man, in dem man Koks zieht, shoppen geht oder Jungs gegenüber die \"femme fatale\" spielt, lernt sie. Wenn sie befürchtet, dass Evie sich von ihr abwenden könnte, dann greift sie - eingeschlossen im Bad - zu Rasierklingen, um sich zu spüren - möchte sie doch nur ein bisschen Aufmerksamkeit und Liebe. Mitteilen kann sie sich nicht.

Die realistische Story ist spannend aufbereitet, man hat einen sehr guten Einblick in das Gefühlsleben der Figuren (nur Evie bleibt bis zum Schluss ein Mysterium) und identifiziert sich mit ihnen. Die schauspielerischen Leistungen sind lobenswert: Holly Hunt überzeugt in der Rolle der überforderten, aber doch liebenden Mutter Mel, Evan Rachel Wood (in Wirklichkeit zum Zeitpunkt der Dreharbeiten bereits sechzehn) gelingt es authentisch die Verwandlung der jungen Tracey dem Zuschauer näher zu bringen und Nikki Reed findet in der Rolle des sexy Biest Evie ihre Paraderolle. Laut Internetquellen soll Nikki Reed am Drehbuch beteiligt gewesen sein - die in \"Dreizehn\" erzählte Geschichte decke sich zum Teil mit ihren privaten Erfahrungen. Schockierend!

\"Dreizehn\" ist ein eindringliches Teenager-Drama, das zeigt wie schnell die Schattenseiten des Erwachsenwerdens aufziehen können, wenn man mit den \"falschen\" Menschen in Kontakt gerät. Die ersten Szenen sind noch recht seicht und beinah langweilig, doch dann gerät die Handlung schnell in Fahrt und der Zuschauer erlebt Traceys Absturz. Ob es eine Rettung gibt, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Schaut selbst!

5 Sterne und natürlich eine Empfehlung!

Vielen Dank für Eure Lesungen, Bewertungen und Kommentare

Eure böse Maus (Mausimausmaus bei Ciao)

18 Bewertungen, 3 Kommentare

  • knudly

    26.05.2005, 20:33 Uhr von knudly
    Bewertung: sehr hilfreich

    super bericht

  • DrWeb

    26.05.2005, 20:31 Uhr von DrWeb
    Bewertung: sehr hilfreich

    ein wirklich spannender bericht!

  • sinfortuna

    26.05.2005, 20:31 Uhr von sinfortuna
    Bewertung: sehr hilfreich

    auf Premiere, war positiv überrascht, was für kleine Biester;-)