Dubrovnik Testbericht

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Erfahrungsbericht von rofis

Symphonie aus Stein

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Die Fähre hat uns und einige wenige andere an Land entlassen. Die Erinnerung an viele Besuche in dieser Stadt vor dem Krieg beginnt sich wieder zu regen. Was mag sich alles geändert haben? Welche Fetzen der Erinnerung werden der Realität standhalten?

Wir suchen zunächst unser Hotel, das Hotel Lero, nicht am Wasser, aber dafür in Gehentfernung zur Altstadt gelegen. Hier haben wir etwa eine Woche vor unserer Abreise noch via e-mail ein Zimmer bekommen, etwa 120 DM pro Nacht mit Frühstück. Die Zimmer sind alle frisch renoviert, haben Klimaanlage, Fernseher und Minibar - was braucht man mehr. Beim Standard des Hotels geht der Preis völlig in Ordnung. Und auch das Frühstücksbüffet war ausreichend bestückt, sogar Vollkornbrötchen konnte man sich einverleiben. Vier Tage lang wird dieses Hotel Ausgangspunkt für unsere Unternehmungen sein.

Mittlerweile ist es schon nach 16.00 Uhr geworden, die Kühle des Zimmers kann uns nicht mehr länger zurückhalten, der Drang zur Stadt wird übermächtig. Etwa 15 bis 20 Minuten wird der Weg wohl dauern, bevor wir dann endlich vor dem Pile-Tor stehen werden.

Beim Verlassen des Hotels schweift unser Blick über eine kleine Senke, hinüber zum Schriftzug „Hotel Libertas“, der vor dem Krieg eines der besseren Hotels der Stadt zierte, heute über einem verfallenden, noch nicht renoviertem Betonkomplex an alte Zeiten erinnert.

Am Weg zur Stadt hat sich nichts geändert, lediglich die Metallgeländer machen einen frisch gestrichenen Eindruck. Noch immer muss man sich seinen Weg gegen Autos und Busse erkämpfen, der Gehsteig ist viel zu schmal, um mehr als eine Person gleichzeitig aufzunehmen.

Rechts das alte Krankenhaus, das jetzt wohl keines mehr sein kann, gezeichnet noch von den Folgen der Beschiessung der Stadt. Keiner hat die zerbrochenen Fensterscheiben ersetzt, die Einschusslöcher gestopft.

Noch ein paar Meter weiter, auf der linken Seite das Hotel Imperial. Dieses imposante Hotel, das auch in den letzten Jahren vor dem Krieg immer noch einen Geruch nach k. und k.- Zeit verbreitete, ist eine Ruine geblieben. Keine Plüschmöbel mehr, keine vornehmen Hoteldiener, keine alten Damen, die aus vergangenen Zeiten übriggeblieben waren.

Aber dann sehen wir es vor uns: das Pile-Tor, trutzig wie in alten Zeiten, wie seit Jahrhunderten die Uneinnehmbarkeit der Stadt demonstrierend. Ihm hat der Wahnsinn Milosevics nichts anhaben können - gottseidank.

Gespannt gehen wir die Treppen hinunter, um endlich die eigentliche Altstadt betreten zu können. Ein Blick durch das Tor - die breite Strasse glänzt wie eh und jeh in der nachmittäglichen Sonne. Der Brunnen, gleich rechts gegenüber der kleinen Kirche ist Treffpunkt für Touristen und Einheimische, die Gewohnheiten haben sich nicht geändert. Links streben Menschenschlangen die Treppe zum Stadtmauerrundgang hinauf, für 15 Kuna pro Person (Kinder etwas weniger) darf man sich den Strapazen der Mauerwanderung unterziehen.

Wir beschließen, diesen Rundgang zu vertagen und erst mal den Stadtkern zu erkunden. Der Weg die breite Strasse hinunter wird begleitet von kleinen Läden und Cafes, bei weitem nicht mehr so viele wie früher, einige stehen noch leer, warten darauf, dass der Touristenansturm sie wieder wach küsst.

Es ist viel getan worden seit die Geschosse der Serben eingeschlagen sind und große Teile der Stadt in Brand gesetzt haben, aber ganz beseitigt sind die Folgen noch nicht. Schwarze Wände und noch nicht fertige Dächer an einzelnen Häusern erinnern an die Wahnsinnstaten der Herren aus Serbien.
Am Ende der Straße steht die Roland-Säule, einige Tauben bevölkern den Platz um sie herum. Wie eh und jeh ist diese Säule begehrtes Objekt für Erinnerungsfotos zum Thema: seht nur, ich war auch da...

Das Kloster gegenüber ist Gedenkstätte geworden für die Schandtaten des Krieges, Fotos erinnern an diese schreckliche Zeit, Tafeln mit den Namen gefallener Soldaten zeugen vom Leid, das diese Zeit hinterlassen hat.

Wir schlendern noch eine Weile durch die engen Gässchen, besuchen einige Plätze der Erinnerung, finden so manches wieder, manches ist aber auch verschwunden im Schlund der Geschichte. Nicht verschwunden ist der Prijeko, eine schmale Parallelgasse zur breiten Strasse, ein kleines Stückchen aufwärts gelegen. Schon vor dem Krieg reihte sich Lokal an Lokal, das ist geblieben. Geblieben ist auch die Hartnäckigkeit, mit der Restaurantbesitzer und deren Angestellte den wandernden Touristen in ihr Etablissement drängen wollen. Der Gang durch diese Straße wird zu einem Spiessrutenlauf. Die Plätze sind kaum belegt, die Speisekarten fast beliebig austauschbar.

Wir haben uns den Anfechtungen widersetzt und sind zurück zur breiten Straße gegangen, haben ein Lokal gesucht, das nicht nur den üblichen Einheitsbrei kroatischer Grillplätze bietet. Und es gibt einige solche Lokale, am hinteren Ende der Flanierstraße, in einem kleinen Seitengässchen, das „Dundo Maroje“, bietet eine abwechslungsreichere Speisekarte und gute Qualität fürs Geld. Wer etwas mehr ausgeben möchte, dem sei das Steakhaus „Domino“ empfohlen, es hat seine Qualität und seine hohen Preise über die Zeit bewahren können. Leider ist auch hier in den Lokalen ausser dem teilweise katastrophalen „Landwein“ unter 30 DM keine Flasche besserer Qualität zu bekommen. Na ja, wird der Wein halt mit viel Wasser verdünnt.

Zwei weitere gute, aber teure Adressen für Hungrige sind das „Orhan“, zu Füssen der Festung Lovrenac vor dem Pile-Tor am Wasser gelegen - man sieht das Lokal nicht gleich, es ist etwas versteckt, aber der Weg hin wird angezeigt- und der „Club Nautica“ hinter dem Atlasbüro rechts vom Pile-Tor.

Heute, am ersten Abend, sind wir ins „Dundo Maroje“ gegangen, haben die Salatbar probiert und Carpaccio und Muscheln gegessen und haben beschlossen, wiederzukommen.

Am nächsten Morgen, gut gesättigt vom Frühstücksbüffet, empfängt uns wieder blauer Himmel und aufkeimende Hitze. Der Rundgang über die Stadtmauer steht auf dem Programm. Die Erinnerung an frühere Jahre sagt uns, dass es nicht günstig ist, den Aufgang gleich hinter dem Pile-Tor zu nehmen. Er führt über steile Treppen hinauf und strengt mehr an als unbedingt nötig ist. Wir gehen quer durch die Stadt in Richtung zum Ploce-Tor. Kurz vor diesem finden wir den alten Aufgang wieder, der uns über nur wenige Stufen auf die Mauer bringt.

Dort erwartet uns der Aufstieg zum höchsten Punkt, dem Turm "Minceta", der die ganze Stadt überragt. Die Wahl des Eintrittspunktes bringt es mit sich, dass dieser Aufstieg eher gemächlich erfolgt, bei der zu erwartenden Hitze ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Unsere Blicke schweifen über die Dächer der Altstadt, wir sehen, wie viele Opfer des Krieges geworden sind. Ihre Ziegel glänzen neu neben einigen alten, die den Beschuss unbeschadet überstanden haben. Die meisten der Dächer sind wieder hergestellt, einigen wenigen sieht man noch die traurigen Tage anfangs der 90iger Jahre an.

Der Aufstieg ist geschafft, wie seit eh und jeh kann man im Turm seinen Durst und den allgemeinen Wasserverlust bekämpfen, teuer zwar, aber was ist in dieser Stadt schon billig? Wir genießen den Blick über Dubrovnik, er ist unbeschreiblich und unvergleichbar mit etwas anderem. Man muss ihn selbst erlebt haben, um vieles von dieser Stadt verstehen zu können.

Etwa eineinhalb Stunden dauert unser Marsch um die Vergangenheit, erfüllt uns mit unzähligen Eindrücken und Erinnerungen.

Dubrovnik, „die Schöne“ genannt, macht dieser Bezeichnung alle Ehre.

Früher konnte man mit einer Seilbahn den Berg hinter der Stadt hinauffahren und einen atemberaubenden Blick über die Adria rund um Dubrovnik geniessen. Leider ist von der Seilbahn nur noch der Stützpfeiler übriggeblieben und so müssen wir uns mit einem ein bisschen weniger spektakulären Blick von der Umgehungsstraße aus begnügen. Wenn man Zeit und ein Auto hat, kann man auf der alten Straße an den alten Hotels wie „Excelsior“ und „Argentina“ vorbei hinauf in Richtung Umgehungstraße fahren. Dort gibt es einige Haltepunkte mit einem in der Abendsonne wunderschönen Blick auf Stadt und Altstadthafen, begehrte Fotoobjekte unzähliger Touristen seit ewigen Zeiten.

Noch eine kleine Bemerkung am Rande: am Sonntag vor unserer Abreise versorgte uns ein wohlmeinender Nachbar mit einer Sonderbeilage der Bildzeitung zum Thema „Kroatien“. Die aktuellen Informationen - woher die stammen, konnten wir nicht feststellen. Jedenfalls ist schon mal der Eintrittspreis für die Stadtmauer falsch angegeben und auch so manch anterer „Tipp“ stammt wohl von vorgestern, hat aber mit der aktuellen Situation nichts zu tun. Für stichhaltige Informationen taugt diese Zeitung wohl nicht mal in ausserpolitischen Angelegenheiten....

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