Edinburgh Testbericht

Edinburgh-city
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Erfahrungsbericht von elch33

Eine wunderschöne Stadt

Pro:

die Sehenswürdigkeiten sind recht zentral gelegen und daher auch gut zu Fuß erreichbar. Bei einer Anreise über den Flughafen Glasgow / Prestwick kann man schon ab 60€ nach Edinburgh fliegen...

Kontra:

ich kenne nichts, was gegen einen Besuch der Stadt spricht.

Empfehlung:

Ja

Schottlands Hauptstadt bildet unbestritten das Zentrum des Landes, hinsichtlich Kultur und Tourismus. Diese Stadt ist für viele der Ausgangspunkt einer Reise durch Schottland, daher sollte man sie sich keinesfalls entgehen lassen. Die mit ca. 400.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt, liegt inzwischen wunderschönen grünen Parkanlagen und majestätisch wirkenden Prachtbauten.



Überragt wird das Stadtbild vom zerklüfteten Castle Rock auf dessen Gesteine das gewaltige Edinburgh Castle errichtet wurde. Von hier aus gibt es eine tolle Aussicht zur Princess Street, dem Princess Street Gardens, bei gutem Wetter hinaus auf den Firth of Forth, zum Arthurs Seat oder zum Calton Hill, einem weiteren Aussichtspunkt der Stadt. Edinburgh Castle an sich bietet sehr viel Sehenswertes. Faszinierend fand ich die Mons Meg: ca. 100 Tonnen schwer, kann sich wohl jeder vorstellen, wie diese Kanone aussieht. Allein eine dieser Kugeln zu transportieren, erforderte schon enorme Anstrengungen von den Verteidigern der Burg.



Ein Besuch der St. Margrets Chapel (sie stammt aus dem 11. Jahrhundert), dem Hospital und dem Militärgefängnis schloss sich an. Nachdenklich wurde ich im Scottish War Memorial Museum, hier gibt es Erinnerungstafeln an den ersten Weltkrieg. Auf dem Altar liegt die „Roll of Honour“, darauf sind die Namen von über 100.000 Schotten verewigt, die für ihr Land bzw. für das Königsreich in vielen Kriegen und Schlachten gefallen sind.



Weiter geht es vorbei an der Great Hall (tolle Deckenkonstruktion) zum Palast. Hier befinden sich die königlichen Gemächer, unter anderem ist der Raum zu sehen, in dem der Sohn Maria Stuarts auf die Welt kam. Absoluter Höhepunkt sind natürlich die schottischen Kronjuwelen. Bestehend aus Krone, Staatsschwert und Zepter, liegen sie hinter starken Panzerscheiben gut behütet in einem separaten Raum. Auf Fotos machen muss hier leider verzichtet werden, es gibt ein strenges Fotografierverbot und es wird schnell der ganze Film vernichtet. Der Eintritt zum Castle kostet mittlerweile saftige 16 Euro. Wer sich nur in Edinburgh aufhält, hat dann schlechte Karten – wer allerdings eine Rundreise durch das Land plant, kann hier mit Hilfe des Explorer Tickets viel Geld sparen.



Zwischen der Festung und dem Palace of Holyroodhouse erstreckt sich die „Royal Mile“. Vor allem während den Festivals geht es hier hoch her – bei meinem letzten Besuch im Mai war es dagegen eher beschaulich und übersichtlich. In unmittelbarer Nähe der Straße liegt unter anderem das Scotch Whisky Heritage Centre. Ich wusste es ja eigentlich schon vorher – diesen Besuch für teures Geld (ca. neun Euro) hätte ich mir absolut schenken können. Da ziehe ich lieber eine kleine Destille in den Highlands oder der Speyside vor – dort kann ich viel mehr über die Produktion und Lagerung des schottischen Lebenswassers erfahren.



Fast gegenüber liegt die Camera Obscura - wer Interesse an eher ungewöhnlichen Sichtweisen der Stadt hat, ist hier gut aufgehoben. Weiter geht es zur St. Giles Cathedral, sie ist die Hauptkirche Edinburghs. Wenn die Kirche gegen Abend im Schatten liegt, hat sie schon etwas Gespenstisches an sich. Verstärkt wird dies durch die Tatsache, das sie weder von einem Park, noch durch einen Kirchenvorplatz umgeben wird.



Daniel Defoe beschrieb die Royal Mile als „perhaps the longest an finest Street for buildings, and Number of Inhabitants, not in Britain only, but in the world.” Große Worte für eine recht kleine Hauptstadt, die sich immerhin rühmt, die ersten Hochhäuser Europas ihr eigen zu nennen. Vor ein paar hundert Jahren war es sicherlich alles andere als angenehm, in einem zehnstöckigen Haus zu leben…



Wieder ein paar Meter weiter befindet sich Gladstone`s Land, einem typischen Mietshaus aus den zwanziger Jahren des 17. Jahrhunderts. Hier hat der National Trust for Scotland ganze Arbeit geleistet und das Haus mit typischen Möbeln für diese Zeit ausgerüstet. Dem Besucher wird schnell deutlich, wie gut es uns heute geht… Nur wenige Meter weiter befindet sich das Writer´s Museum. Dort gibt es Werke und Erinnerungen an Schottlands berühmteste Schriftsteller: Robert Burns, Sir Walter Scott (Ivanhoe/ Rob Roy!) und Robert Louis Stevenson (Dr. Jekyll und Mr. Hyde/ Schatzinsel). Für die Freunde der Kunst gibt es in der Fruitmarket Gallery jede Menge Ausstellungen zeitgenössischer Werke. Diese sind allerdings nicht immer ganz unumstritten…



Ebenfalls sehenswert soll das Museum of Childhood sein - hier gibt es Spielzeug, Teddys und Bücher für jung und alt. Auf einen Besuch habe ich beim Anblick der riesigen Kinderschar vor dem Eingang dann doch verzichtet. Ein paar Meter weiter soll einer der berühmtesten Männer Edinburghs und gleichzeitig der erbitterte Gegenspieler von Maria Stuart gelebt haben. John Knox war ein berühmter protestantischer Reformer, der großen Einfluss auf die Entwicklung der schottischen Geschichte hatte.



Wiederum parallel zur Royal Mile bzw. High Street laufen Cowgate und die dahinter befindliche Chambers Street. Hier sind die beiden größten Museen der Stadt, das Museum of Scotland und das Royal Museum zu finden. Beide Gebäude sind miteinander verbunden – somit braucht man auch nur einmal knapp fünf Euro Eintritt zu bezahlen. Dafür gibt es dann interessante Sammlungen über die Geschichte und die Entwicklung des Landes zu sehen – dazu gehören unter anderem ansprechende Ausstellungen über die Herrscher und Könige Schottlands oder die Ansätze der industriellen Revolution im Land.



Gar nicht weit davon entfernt liegt Greyfriars Kirk and Churchyard. Die Kirche ist die erste, die nach der schottischen Reformation in Edinburgh erbaut wurde. Sie ist aber nicht der eigentliche Anziehungspunkt, sondern eher eine Statue, die an den kleinen Hund namens Bobby erinnert. Der Geschichte nach soll dort ein Terrier vierzehn (!) Jahre lang das Grab seines Herrchens bewacht haben.



Ganz am anderen Ende der Royal Mile befindet sich ein weiterer Glanzpunkt der Stadt - das Palace of Holyroodhouse. Hier können die Privatgemächer der „Queen of the Scots“ (Maria Stuart) oder der Thronsaal besichtigt werden. Mir persönlich gefiel die angrenzende Abtei (Holy Rood Abbey) noch ein wenig besser. Sie wurde mehrfach niedergebrannt und steht heute nur noch als Ruine da. Gerade dadurch wirkte sie recht beeindruckend auf mich. Die königliche Familie besucht den Palast jedes Jahr auf ihrer Fahrt Richtung Feriendomizil Balmoral Castle. In dieser Zeit ist dann nur die herrliche Holyrood Parkanlage zugänglich, wobei ein Aufstieg zum Arthurs Seat zwar recht anstrengend ist, dafür mit einem tollen Ausblick auf die Stadt belohnt. Wem dieses zu beschwerlich ist, kann diesen kleinen „Berg“ (Queen´s Drive) auch nur umrunden, was aber mit ansehnlichen Aussichten auf einzelne Stadtteile mehr als wettgemacht wird.



In unmittelbarer Nähe zum königlichen Palast befindet sich das neue schottische Parlament, dessen Fassade zwar etwas gewöhnungsbedürftig, meiner Meinung nach aber recht ansehnlich geworden ist. Beton, Glas und Holz bestimmen hier das Bild – mir selber hat aber vor allem der Innenausbau recht gut gefallen. Eine schön anzusehende Holzkonstruktion schwebt sozusagen über den Mitgliedern des Abgeordnetenhauses.



Eine lohnende Alternative ist der Calton Hill, der sich nordwestlich des Palastes befindet. Dieser Hügel ist vor allem im Sommer bei Sonnenanbetern und Studenten sehr beliebt. Hier befinden sich unter anderem das ehemalige Royal Observatory, bei passendem Wetter gibt es von hier aus bestimmt eine tolle Aussicht auf die Sterne. Recht bedrückend fand ich das National Monument, welches an die gefallenen schottischen Soldaten in den Kriegen mit Napoleon erinnert. Es steht dort kahl, einsam und verlassen und erinnert an eine längst vergangene Zeit. Fertig gebaut wurde das Mahnmal seinerzeit nicht, es war mal wieder kein Geld in der Stadtkasse. Gerade bei Liebespaaren ist das Nelson Monument recht gut angeschrieben. Dabei genießen sie den Sonnenuntergang und den herrlichen Ausblick auf die Stadt.



Der Princess Street Gardens liegt unterhalb des Edinburghs Castle. Die dazugehörige riesige Parkanlage, lädt vor allem im Sommer zum ausspannen und erholen innerhalb der Stadt ein. Es gibt hier eine Open Air Bühne, auf der viele Bands und Orchester ihr Können unter Beweis stellen. In dieser Parkanlage findet täglich ein großer Markt statt, auf dem Ihr ruhig mal rumstöbern solltet (Vorsicht es gibt dort viel Plunder). Trotz der Nähe zur Princess Street – bekommt im Garden selber von dem hektischen Treiben in der Haupteinkaufsstraße nicht mehr viel mit.



Dieser Park bildet eine Art Trennungslinie zwischen der Alt- und der Neustadt. Queen Street, George Street und Princess Street laufen ziemlich parallel und bilden dabei die Grundlage der New Town. Hier leben die betuchteren Bürger der Stadt. Direkt am Bahnhof liegt der Waverly Market – auf einer recht großen Fläche sind viele luxuriöse Geschäfte zu finden. Einen Pflichtbesuch sollte ein jeder Edinburgh Besucher dem Jenners Shopping Centre abstatten, was sich selber als „ältestes unabhängiges Kaufhaus der Welt“ bezeichnet. Ich habe selten ein Geschäft gesehen, was so voller Waren zugestellt war…



An der Princess Street steht eines der wohl größten Denkmäler für einen Literaten. Das Scott Monument (benannt nach Sir Walter Scott) ist mit einer Höhe von 61 Metern, von vielen Punkten der Stadt aus zu sehen. Der imposante, im gotischen Baustil errichtete Bau beinhaltet eine Treppe mit cirka 280 Stufen, über die man auf eine Plattform gelangt. Belohnt wird man mit einer herrlichen Aussicht über das Stadtzentrum bis hin zum Firth of Forth.



Zur Zeit des Edinburgh Festivals von Mitte August bis Anfang September, geht es in der Stadt drunter und drüber. Die Einwohnerzahl verdoppelt sich fast! Überall sieht man Gruppen mit Musiker und Tänzer aus anderen Ländern (vor allem Irland), die in Passagen von Kaufhäusern auftreten und ihr Können zum Besten geben. Abends spielen vor dem Castle große Militärkapellen beim Military Tattoo auf, die Karten kosten zwischen 12 und 50,-- €. Da diese sehr begehrt sind, lohnt es sich die Tickets schon recht früh im Jahr zu bestellen. Ich selber habe das Tattoo bisher noch nicht live gesehen, die Kapellen sind naturgemäß recht laut und man kann sie noch sehr weit hören. Zum allgemeinen Erscheinungsbild Edinburghs tragen die zahlreichen Dudelsackspieler bei, die an vielen Ecken der Stadt zu sehen sind. Es macht einfach Spaß, diesen Klängen zuzuhören.



400.000 Einwohner hört sich auf den ersten Blick recht viel an – das Stadtzentrum hingegen ist dafür recht übersichtlich und lässt sich ohne weiteres zu Fuß erkunden. Das ist zudem gesund und innerhalb einer Viertelstunde kann man von einem Ende zum anderen gelangen. Dazu gibt es ein reichhaltiges Angebot an Pubs, die aber im Gegensatz zu Glasgow durchaus mit gesalzenen Preisen aufwarten. So ist ein Pint Bier kaum unter 3,50 Euro zu bekommen – in Glasgow ist man schon ab 2 Euro dabei. Die Auswahl an Single Malt Whiskys dagegen ist meist recht reichhaltig – die Preise für einen ordentlichen Single Malt liegen mit cirka 3 – 3,50 Euro auf eher landesüblichen Niveau. Was das Ambiente der Pubs angeht, haben die Edinburgher dann doch erheblich mehr zu bieten wie die Glasgower „Konkurrenz“ – vielleicht liegt dies aber auch an den erheblich höheren Ansprüchen in der Landeshauptstadt. Am Grassmarket gibt es einige Kneipen, die durchaus einen Besuch lohnen – eine hat sogar sinnigerweise den Namen „the last drop“…



Wer zur Zeit der Festivals nach Edinburgh fahren möchte, sollte sich rechtzeitig genug um eine Unterkunft kümmern. Neben einigen Jugendherbergen, gibt es zahlreiche B&B Angebote und teilweise sogar recht günstige Hotelarrangements. Für betuchtere Gäste gibt es natürlich die Möglichkeit der exklusiveren Übernachtungsmöglichkeiten. Dazu gehört sicherlich das Balmoral Hotel, welches von einem 60 Meter hohen Glockenturm überragt wird.



Fußball wird in der Hauptstadt ebenfalls recht erfolgreich gespielt. Allerdings stehen die Hearts of Middlelothian und Hibernian Edinburgh doch im Schatten der beiden großen Glasgower Vereine Celtic und Rangers, die seit Jahren regelmäßig die Meisterschaft unter sich ausmachen. Wie überall in Schottland, wird auch hier gerne Golf gespielt. Auf den zahlreichen Golfplätzen der Stadt, sieht man allerorten Menschen, die diesem Sport frönen. Eine Alternative für die Anhänger des Joggings bildet die Strecke rund um den Arthurs Seat, die gleichzeitig tolle Aussichten auf die City bietet.



Edinburgh ist ein geeigneter Ausgangspunkt um das Land rund herum zu erkunden. Stirling sowie das berühmte Schlachtfeld von Bannockburn liegt gerade einmal eine Stunde entfernt. Selbst die größte Stadt Glasgow kann man in einer guten halben Stunde bequem mit Zug oder Auto erreichen. Auf jeden Fall einen Ausflug wert ist Linlithgow und der gleichnamige Palace – dort kam niemand geringerer als DIE schottische Königin Maria Stuart auf de Welt.



Aktuelles über Edinburgh findet Ihr unter www.eae.co.uk

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