Edinburgh Testbericht
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Erfahrungsbericht von Urquhart
Edinburgh-Rundwanderung - Teil 1
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
In diesem Beitrag möchte ich euch über den ersten Teil (ersten Tag) unserer Wanderung berichten. Der zweite Teil wird bald folgen!
So begannen wir unsere "Edinburgh-Rundwanderung" an der Heriot's School auf der Nordseite des Lauriston Place. Sie liegt etwa 800 Meter südlich der Waverley Station, gegenüber dem Royal Infirmary (Krankenhaus). Der im repräsentativen schottischen Renaissancestil aufgeführte Bau liegt hinter einem Park und umschließt einen großen Innenhof. Die Schule wurde 1628 vom Goldschmied Heriot, der Juwelier am Hofe König James' VI. war, gegründet. 1886 wurde sie als private Jungenschule der gehobenen Schicht wiedereröffnet. Während der Schulferien können Führungen durch den Schulkomplex organisiert werden. Vom Außenhof hat man einen schönen, umfassenden Blich zum Edinburgh Castle.
Vom Eingangstor gingen wir links auf den Lauriston Place, bogen wieder links in die Forest Road, die vom Greyfriars Place abgelöst wird, und gingen wiederum links auf den Greyfriars-Friedhof. Hier stehen sehenswerte Grabsteine und Epitaphien teilweise aus dem 16. Jahrhundert. Außer den Grabstätten der Honoratioren befindet sich am Eingang auch ein Gedenkstein für Bobby, eine treue Hundeseele, die 14 Jahre lang nach dem Tode ihres Herrn an dessen Grab ausharrte.
Vom Friedhofseingang überquerten wir die Straße und gingen in die Chambers Street. Rechts steht das Royal Museum of Scotland (RMS), in dem nicht nur die Exponate (unter anderem das Skelett eines Blauwals), sondern vor allem die viktorianische Gußeisenkonstruktion der Haupthalle unbedingt einen Besuch lohnen - der Eintritt ist übrigens frei! Der schöne, alte Bau wird durch einen modernen Anbau ergänzt. Gegenüber befindet sich die ehemalige Heriot-Watt-University, eine technische Hochschule des 19. Jahrhunderts. Neben dem RMS steht der massive Bau der Edinburgh University. Die Gründungsakte ist mit 1582 datiert; der klassizistische Bau, dessen imposanten Innenhof man von der South Brigde aus betritt, stamm aus dem Jahr 1789.
Nach dem Verlassen der Universität ging es wieder nach links, über die South Bridge bis zur Kreuzung mit der Royal Mile. Dort schwenkten wir nach rechts in diese und liefen durch ihren östlichen Teil, die Canongate, zum Palace of Holyroodhouse. (Da wir die Besichtigung für den nächsten Tag angesetzt hatten, hielte wir uns nicht lange auf und setzten unseren Weg weiter fort.)
Statt dessen bestiegen wir den Arthur's Seat, der sich auf dem höchsten der drei Hügel von Trimontium in der Mitte von Holyrood Park erhebt. Von Park ist allerdings nichts zu sehen, sondern es handelt sich um eine grasbewachsene, baumlose Hügelgruppe mit felsigen Abbrüchen. Mit dem Rücken zum Holyrood Palace begaben wir uns auf The Radical Road. Am Fuß einer ca. 50 Meter hohen Abbruchkante, Salisbury Crags, stiegen wir an, bis wir in einer Senke westlich des Haupthügels standen.
Nach links ging es nun auf einem steilen Pfad, der teilweise mit Holzplanken befestigt ist, aufwärts. Dabei schwenkten wir allmählich in Richtung Süden, so daß wir Arthur's Seat von Norden her erreichten. Dieser höchste der drei Hügel ist 250 Meter Hoch und baumlos, so daß man von jedem Punkt einen großartigen Überblick über die Stadt hat. Wir verließen Arthur's Seat nordwärts über den Velvet Walk (oder Long Row) bis St. Anthony's Chapel. Von dort aus gingen wir westwärts zurück zum Parkplatz, wobei rechts unter uns der kleine See St. Margaret's Loch lag.
Wir begaben uns wieder zu Holyrood House und an diesem vorbei in die Calton Road. Nach 200 Metern führte rechts hinter einem roten Backsteinhaus unausgeschildert ein Steig auf die Regent Road. Am Oberrand des New Calton Burial Ground (Friedhof) stehen ein Rotunde für Robert Burns und der klassizistische Bau des Crown Council. Hinter diesem steigt man auf den Calton Hill (die Akropolis Edinburghs). Das 33 Meter höhe Nelson-Denkmal und die unvollendete Nachbildung des Parthenon (nur zwölf Säulen statt der 46 des Originals) geben den Aufbauten eine historisch-pathetische Atmosphäre. Im alten Observatorium informiert eine dreidimensionale Dia-Show über die Geschichte der Stadt. Etwas stadteinwärts steht eine zweite Rotunde, die für den Philosophen Dugald Stewart errichtet wurde.
Was aber eine Besteigung des Calton Hill am meisten lohnt, das ist der blich über die Stadt und zur Burg; beiden ist man jetzt viel näher als auf Arthur's Seat. Das Zentrum wird von einem tiefen, begrünten Tal durchzogen, das die Old Town von der New Town trennt. Bis 1830 lag hier ein See, der Nor'Loch, nach dessen Trockenlegung zunächst Sumpfgelände zurückblieb. Später wurde auch dieses trockengelegt, the Mound als Damm errichtet und das Tal als Park gestaltet. In ihm liegt auch der Bahnhof Waverley Station, der von der North Bridge überspannt wird. Die Technik ist dadurch den Blicken des Betrachters entzogen. Was bleibt, ist eine Symbiose aus Urbanität und Grün.
Dieser für Edinburgh spezifische Charakter wird noch verstärkt, wenn man von Calton Hill herabsteigt und über den Waterloo Place auf der Prince Street, vorbei am links liegenden Tourist Centre und dem Walter-Scott-Denkmal von 1844, zu den beiden berühmten Museen Royal Scottish Academy und National Gallery of Scotland vorgeht. Sie stehen beide als klassizistische Bauten auf der Ostseite des Mound, zwischen Old und New Town.
Blickt man nach Westen über Princes Gardens zur Burg, glaubt man in einem Gebirge zu sein: Ein tiefes Tal zieht nach Westen, flankiert von steilen Bergwiesen und schließlich im Süden von den Felsen des Burgbergs bergrenzt. Wendet man sich dagegen um, steht man vor erlesener Arichtektur und Kunst, denn in der Academy werden zeitgenössische schottische Werke der Malerei und Bildhauerkunst und inder Nationalgalerie europäische Gemälde gezeigt.
Wenn man noch mehr Gemälde sehen will (bzgl. schottischer Geschichte), geht man ca. 250 Meter auf der Princes Street zurück und dann links zum St. Andrew Square, wo die Scottish National Portrait Gallery steht. Im selben Gebäude ist das Royal Museum of Scotland untergebracht. Von hier aus gingen wir auf der St. David Street direkt zum Scott-Monument zurück. Die Straßen der New Town präsentieren sich zum Teil im typisch georgianischen Stil. Ihre Namen sprechen für sich: Queen Street - George Street - Princes Street - Hanover Street - Castle Street.
Nachdem wir die Princes Street wieder erreicht hatten, ließen wir den Rundgang in einem Flanierbummel ausklingen: Rechts stehen die aufwendigen Repräsentationsbauten des Viktorianischen Zeitalters, berühmte Kaufhäuser wie Jenner's, dessen Verkaufshallen wieder einfallsreiche Eisenkonstruktionen zeigen, und teure Hotels wie das Caledonian Hotel oder bei der North Bridge das Balmoral Hotel und Royal British Hotel. Links dagegen liegen die zum Park ausgestalteten Tallandschaften, die Princes Gardens, auf deren Terrasse mit der originellen Blumenuhr man schlendern kann, wenn man vom Trouble und der Geschäftigkeit der Princes Street genug hat.
Am Charlotte Square rechts vom Ende der Princes Street endete unsere Stadtwanderung. Hier kann man noch hervorradend die Bauten, die diesen schönsten georgianischen Platz Edinburghs umstellen, studieren: St. George's Church an der Westseite, wo im West Register House Ausstellungen zur schottischen Geshcichte gezeigt werden, und die stilreinen Bute House (Privatresidenz des Schottlandministers) und Georgian House an der Nordseite des Platzes.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-12 13:25:49 mit dem Titel Edinburgh-Rundwanderung - Teil 2
Hier ist nun der zweite Teil (zweiter Tag) über unsere Wanderung durch Edinburgh.
Wir begannen unseren zweiten Gang am Palace of Holyroodhouse; den Palast wollten wir nun besichtigen. Er ist, wenn nicht gerade Staatsbesuch zugegen ist, täglich geöffnet und kann dort die "Historc and State Apartments" besuchen. In der Gemäldegalerie hängen "111 Portraits" schottischer Könige, die Jacob de Wet von 1684 bis 1685 schuf. Die Fließband-Pinselei von 111 Gemälden in knapp zwei Jahren war das Ergebnis eines Kontraktes, der den Maler zur "Lieferung" von Portraits und das Government zur Beschaffung der "Originale" verpflichtete. Da diese längst tot waren, behalf sich der "Künstler" mit ein oder zwei Leuten von der Straße als Modellen. Nun ähnelt ein König dem anderen, und die Portraits sind im Grunde so wertlos, daß Fontane meinte, "daß es niemandem auffallen würde, wenn man die Nummern durcheinander werfen und ihre Namen hinterher durch Los bestimmen wollte". In den Gemächern der Königin kennzeichnet eine Messingtafel die Stelle an der 1566 Darnley und sein Verschwörer den piemontesischen Sekretär Maria Stuarts, Rizzio, ermordeten, weil sie ihn für einen Agenten des Papstes hielten. In der Gemäldegalerie fand die Hochzeit Maria Stuarts mit Bothwell statt. Der zweimal vom Verdacht des Mordes an seinem Vorgänger, Lord Darnley, freigesprochene Bothwell verschaffte der Königin viele Feinde und mußte schließlich fliehen; denn wahrscheinlich war er es doch gewesen. Holyrood Abbey, 1128 gegründet, enthält in seine Überresten die ältesten Teile des Schlosses.
Die Royal Mile ist in sechs Teilstücke gegliedert, die verschiedene Namen tragen. Unser Start lag in Abbey Strand, dem Zugang zu Holyrood House. Wir begaben uns westwärts in den zweiten Abschnitt Canongate. Hier wohnten bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts Herzöge, Grafen und Lords in ihren Palästen. Davon ist heute nichts mehr zu sehen.
Linker Hand liegt bei Nr. 142 Huntly House, Edinburghs wichtigstes Heimatkundemuseum. Rechts steht schräg gegenüber (Nr. 163) das mit Türmchen und vorgezogener Uhr verzierte Canongate Tolbooth aus dem Jahr 1591, in dem The People's Story untergebracht ist. Sie schildert Leben und Arbeit der kleinen Leute von Edinburgh, der Handwerker, Schiffsbauer, Drucker usw., informiert aber auch über Gewerkschaften und Sozialwesen. Der Eintritt ist frei.
Nach der Einmündung der New Street von rechts geht die Canongate in den dritten Abschnitt über, die High Street. Sie bildet das Hauptstück der Royal Mile und nimmt fast die Hälfte ihrer gesamten Länge ein. Links befinden sich The Scottish Experience (Living Craft Centre) und bei Nr. 2 das Museum of Childhood - auch hier ist der Eintritt frei -, das eine Spielzeug- und Puppensammlung enthält und wegen der vielen Kinder gern als "geräuschvollstes Museum der Welt" bezeichnet wird. Etwas zurück auf der rechten Seite steht das John Knox House (Nr. 5), ein mittelalterliches Haus, in dem der fanatische Reformator von 1566 bis zu seinem Tod 1572 gewohnt hat. Er gilt als Begründer der presbyterianischen "Church of Scotland". In dem Haus rechts daneben (Nr. 3) ist das Netherbow Theatre untergebracht. Gleich danach liegt ebenfalls rechts im Chalmer's Close das Brass Rubbing Centre, ein Museum für Messingbeschläge. Noch vor der Ecke zur North Bridge (Nr. 105) befindet sich schließlich Still's Gallery, in der zeitgenössische Fotografien schottischer, britischer und internationaler Künstler gezeigt werden. An der Kreuzung mit der Norht Bridge ist links in der Tron Kirk eine Ausstellung über die Old Town.
Um in die im Tal gelegene Market Street zu gelangen, gingen wir nach der Kreuzung rechts hinab in die schmale Gasse Cockburn Street. Links befindet sich die Collective Gallery, eine zeitgenössische Kunstgalerie mit Designladen. Unter der North Bridge ist in Nr. 2 das City Art Centre, einer der führenden Ausstellungsorte Großbritanniens. In der Market Street gingen wir schließlich wieder Richtung Burg. Links liegt das Edinburgh Festival Office, wo man seine Wünsche auch in Deutsch vortragen kann.
Wenn die Market Street endet, ist man schon nahe der Burg. Wir stiegen links durch die North Bank Street zur George IV. Bridge auf. Aus der Bank Street zweigt noch einmal links eine schmale Gasse ab, die St. Giles Street. Sie führt direkt auf den Parliament Square zu. High Kirk of St. Giles, wie der offizielle Name der Kathedrale lautet, ist die Hauptkirche Edinburghs. Die vier achteckigen Pfeiler, die den Turm mit der Krone von St. Giles trage, sollen noch Reste der 1120 erbauten und 1385 zerstörten normannischen Kirche enthalten. Das in strenger Gotik erbaute Gotteshaus wurde 1633 von Karl I. zur Kathedrale erhoben. In der Südostecke der Kirche befindet sich die 1911 erbaute kleine, reich geschmückte Chapel of the Order of the Thistle, die Kapelle des ersten und höchsten schottischen Ritterordens. An ihrem Portal ist ein "schottischer Engel" mit Kilt und Dudelsach zu sehen.
Die High Kirk ist umgeben von stattlichen Repräsentationsbauten, wie der Signet Library, dem ehemaligen House of Parliament, dem District Court, The City Chambers usw. Hier war das kirchliche und politische Zentrum Schottlands. Im Parliament House trat bis zur Realunion mit England im Jahr 1707 das schottische Parlament zusammen. Seit dem Jahr 2000 tagt es hier nach 300jähriger Pause wieder.
Wir betraten nun den vierten Abschnitt der Royal Mile, den Lawn Market. Rechts befindet sich neben der Gasse James Close das alte, 1620 vollendete Haus Gladstone's Land, ein sechsstöckiges Stadthaus mit schönen Deckenmalereien. Bald danach folgt im Übergang zu Castle Hill eine besondere Edinburgher Attraktion: Unter dem Dach des weißen Fachwerkturmes, des Outlook Tower, ist eine riesige Camera Obscura aus dem Jahre 1850 untergebracht, die an schönen Tagen das Bild der umliegenden Häuser auf eine weiße, konkave Tischplatte wirft. Das alte Stück wird ergänzt durch ein Ergebnis moderner Lasertechnik: Es werden faszinierende Hologramme gezeigt. Am Ende des Castle Hill (Nr. 354) steht links das Scotch Whisky Heritage Centre, in dem die Geschichte des Whiskys dargestellt wird.
Wir waren nun auf der Esplanade angelangt und betraten Edinburgh Castle. Auf diesem Parkplatz stehen Denkmöler berühmter Schotten. Die Burg hat im Laufe der Jahrhunderte als Kastell, Garnison, Gefängnis und Königspalast gedient. Sie hat viele Belagerungen, Eroberungsversuche und Zerstörungen erlebt. Jetzt wird sie Sommer für Sommer von den in Scharen herbeiströmenden Touristen "erobert", allein schon wegen des herrlichen Ausblicks auf den Firth of Forth, der sich von der Festungsmauer aus bietet. Der eigentliche Schloßkomplex steht auf dem Gipfel des Burgberges. Ältester Teil ist die kleine St. Margaret's Chapel aus dem Jahr 1073. Man betritt das Schloß durch einen Torweg an der Ostseite des Hofes.
Man kann die Great Hall auf der Südseite besichtigen, wo das erste schottische Parlament zusammengetreten ist. Später wurde die Halle für Bankette genutzt. Nach der letzten Sitzung des schottischen Parlaments am 21. März 1707 wurden die schottischen Throninsignien in einer Eichentruhe versiegelt. 111 Jahre lang lagen sie im verborgenen, bis Sir Walter Scott eine königliche Vollmacht erhielt, die Truhe zu öffnen. Danach wurden die Kronjuwelen für die Öffentlichkeit ausgestellt. Im Royal Office kann man die königlichen Gemächer und seit 1993 auch Originale der schottischen Kroninsignien mit einer einführenden historischen Darstellung besichtigen. Sehenswert ist auch die im 15. Jahrhundert gegossene Kanone Mons Meg, die selbst Cromwell das Fürchten gelehrt haben soll. Bei einem Salut 1681 platzte das Kanonenmonster.
Ich hoffe, die kleine Führung hat euch gefallen. Eine Reise lohnt sich auf jeden Fall. Besonders empfehlen kann ich euch da als Reisezeit die zweite Augusthälfte, da dann das offizielle und das Fringe-Festival auf Hochtouren laufen.
So begannen wir unsere "Edinburgh-Rundwanderung" an der Heriot's School auf der Nordseite des Lauriston Place. Sie liegt etwa 800 Meter südlich der Waverley Station, gegenüber dem Royal Infirmary (Krankenhaus). Der im repräsentativen schottischen Renaissancestil aufgeführte Bau liegt hinter einem Park und umschließt einen großen Innenhof. Die Schule wurde 1628 vom Goldschmied Heriot, der Juwelier am Hofe König James' VI. war, gegründet. 1886 wurde sie als private Jungenschule der gehobenen Schicht wiedereröffnet. Während der Schulferien können Führungen durch den Schulkomplex organisiert werden. Vom Außenhof hat man einen schönen, umfassenden Blich zum Edinburgh Castle.
Vom Eingangstor gingen wir links auf den Lauriston Place, bogen wieder links in die Forest Road, die vom Greyfriars Place abgelöst wird, und gingen wiederum links auf den Greyfriars-Friedhof. Hier stehen sehenswerte Grabsteine und Epitaphien teilweise aus dem 16. Jahrhundert. Außer den Grabstätten der Honoratioren befindet sich am Eingang auch ein Gedenkstein für Bobby, eine treue Hundeseele, die 14 Jahre lang nach dem Tode ihres Herrn an dessen Grab ausharrte.
Vom Friedhofseingang überquerten wir die Straße und gingen in die Chambers Street. Rechts steht das Royal Museum of Scotland (RMS), in dem nicht nur die Exponate (unter anderem das Skelett eines Blauwals), sondern vor allem die viktorianische Gußeisenkonstruktion der Haupthalle unbedingt einen Besuch lohnen - der Eintritt ist übrigens frei! Der schöne, alte Bau wird durch einen modernen Anbau ergänzt. Gegenüber befindet sich die ehemalige Heriot-Watt-University, eine technische Hochschule des 19. Jahrhunderts. Neben dem RMS steht der massive Bau der Edinburgh University. Die Gründungsakte ist mit 1582 datiert; der klassizistische Bau, dessen imposanten Innenhof man von der South Brigde aus betritt, stamm aus dem Jahr 1789.
Nach dem Verlassen der Universität ging es wieder nach links, über die South Bridge bis zur Kreuzung mit der Royal Mile. Dort schwenkten wir nach rechts in diese und liefen durch ihren östlichen Teil, die Canongate, zum Palace of Holyroodhouse. (Da wir die Besichtigung für den nächsten Tag angesetzt hatten, hielte wir uns nicht lange auf und setzten unseren Weg weiter fort.)
Statt dessen bestiegen wir den Arthur's Seat, der sich auf dem höchsten der drei Hügel von Trimontium in der Mitte von Holyrood Park erhebt. Von Park ist allerdings nichts zu sehen, sondern es handelt sich um eine grasbewachsene, baumlose Hügelgruppe mit felsigen Abbrüchen. Mit dem Rücken zum Holyrood Palace begaben wir uns auf The Radical Road. Am Fuß einer ca. 50 Meter hohen Abbruchkante, Salisbury Crags, stiegen wir an, bis wir in einer Senke westlich des Haupthügels standen.
Nach links ging es nun auf einem steilen Pfad, der teilweise mit Holzplanken befestigt ist, aufwärts. Dabei schwenkten wir allmählich in Richtung Süden, so daß wir Arthur's Seat von Norden her erreichten. Dieser höchste der drei Hügel ist 250 Meter Hoch und baumlos, so daß man von jedem Punkt einen großartigen Überblick über die Stadt hat. Wir verließen Arthur's Seat nordwärts über den Velvet Walk (oder Long Row) bis St. Anthony's Chapel. Von dort aus gingen wir westwärts zurück zum Parkplatz, wobei rechts unter uns der kleine See St. Margaret's Loch lag.
Wir begaben uns wieder zu Holyrood House und an diesem vorbei in die Calton Road. Nach 200 Metern führte rechts hinter einem roten Backsteinhaus unausgeschildert ein Steig auf die Regent Road. Am Oberrand des New Calton Burial Ground (Friedhof) stehen ein Rotunde für Robert Burns und der klassizistische Bau des Crown Council. Hinter diesem steigt man auf den Calton Hill (die Akropolis Edinburghs). Das 33 Meter höhe Nelson-Denkmal und die unvollendete Nachbildung des Parthenon (nur zwölf Säulen statt der 46 des Originals) geben den Aufbauten eine historisch-pathetische Atmosphäre. Im alten Observatorium informiert eine dreidimensionale Dia-Show über die Geschichte der Stadt. Etwas stadteinwärts steht eine zweite Rotunde, die für den Philosophen Dugald Stewart errichtet wurde.
Was aber eine Besteigung des Calton Hill am meisten lohnt, das ist der blich über die Stadt und zur Burg; beiden ist man jetzt viel näher als auf Arthur's Seat. Das Zentrum wird von einem tiefen, begrünten Tal durchzogen, das die Old Town von der New Town trennt. Bis 1830 lag hier ein See, der Nor'Loch, nach dessen Trockenlegung zunächst Sumpfgelände zurückblieb. Später wurde auch dieses trockengelegt, the Mound als Damm errichtet und das Tal als Park gestaltet. In ihm liegt auch der Bahnhof Waverley Station, der von der North Bridge überspannt wird. Die Technik ist dadurch den Blicken des Betrachters entzogen. Was bleibt, ist eine Symbiose aus Urbanität und Grün.
Dieser für Edinburgh spezifische Charakter wird noch verstärkt, wenn man von Calton Hill herabsteigt und über den Waterloo Place auf der Prince Street, vorbei am links liegenden Tourist Centre und dem Walter-Scott-Denkmal von 1844, zu den beiden berühmten Museen Royal Scottish Academy und National Gallery of Scotland vorgeht. Sie stehen beide als klassizistische Bauten auf der Ostseite des Mound, zwischen Old und New Town.
Blickt man nach Westen über Princes Gardens zur Burg, glaubt man in einem Gebirge zu sein: Ein tiefes Tal zieht nach Westen, flankiert von steilen Bergwiesen und schließlich im Süden von den Felsen des Burgbergs bergrenzt. Wendet man sich dagegen um, steht man vor erlesener Arichtektur und Kunst, denn in der Academy werden zeitgenössische schottische Werke der Malerei und Bildhauerkunst und inder Nationalgalerie europäische Gemälde gezeigt.
Wenn man noch mehr Gemälde sehen will (bzgl. schottischer Geschichte), geht man ca. 250 Meter auf der Princes Street zurück und dann links zum St. Andrew Square, wo die Scottish National Portrait Gallery steht. Im selben Gebäude ist das Royal Museum of Scotland untergebracht. Von hier aus gingen wir auf der St. David Street direkt zum Scott-Monument zurück. Die Straßen der New Town präsentieren sich zum Teil im typisch georgianischen Stil. Ihre Namen sprechen für sich: Queen Street - George Street - Princes Street - Hanover Street - Castle Street.
Nachdem wir die Princes Street wieder erreicht hatten, ließen wir den Rundgang in einem Flanierbummel ausklingen: Rechts stehen die aufwendigen Repräsentationsbauten des Viktorianischen Zeitalters, berühmte Kaufhäuser wie Jenner's, dessen Verkaufshallen wieder einfallsreiche Eisenkonstruktionen zeigen, und teure Hotels wie das Caledonian Hotel oder bei der North Bridge das Balmoral Hotel und Royal British Hotel. Links dagegen liegen die zum Park ausgestalteten Tallandschaften, die Princes Gardens, auf deren Terrasse mit der originellen Blumenuhr man schlendern kann, wenn man vom Trouble und der Geschäftigkeit der Princes Street genug hat.
Am Charlotte Square rechts vom Ende der Princes Street endete unsere Stadtwanderung. Hier kann man noch hervorradend die Bauten, die diesen schönsten georgianischen Platz Edinburghs umstellen, studieren: St. George's Church an der Westseite, wo im West Register House Ausstellungen zur schottischen Geshcichte gezeigt werden, und die stilreinen Bute House (Privatresidenz des Schottlandministers) und Georgian House an der Nordseite des Platzes.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-12 13:25:49 mit dem Titel Edinburgh-Rundwanderung - Teil 2
Hier ist nun der zweite Teil (zweiter Tag) über unsere Wanderung durch Edinburgh.
Wir begannen unseren zweiten Gang am Palace of Holyroodhouse; den Palast wollten wir nun besichtigen. Er ist, wenn nicht gerade Staatsbesuch zugegen ist, täglich geöffnet und kann dort die "Historc and State Apartments" besuchen. In der Gemäldegalerie hängen "111 Portraits" schottischer Könige, die Jacob de Wet von 1684 bis 1685 schuf. Die Fließband-Pinselei von 111 Gemälden in knapp zwei Jahren war das Ergebnis eines Kontraktes, der den Maler zur "Lieferung" von Portraits und das Government zur Beschaffung der "Originale" verpflichtete. Da diese längst tot waren, behalf sich der "Künstler" mit ein oder zwei Leuten von der Straße als Modellen. Nun ähnelt ein König dem anderen, und die Portraits sind im Grunde so wertlos, daß Fontane meinte, "daß es niemandem auffallen würde, wenn man die Nummern durcheinander werfen und ihre Namen hinterher durch Los bestimmen wollte". In den Gemächern der Königin kennzeichnet eine Messingtafel die Stelle an der 1566 Darnley und sein Verschwörer den piemontesischen Sekretär Maria Stuarts, Rizzio, ermordeten, weil sie ihn für einen Agenten des Papstes hielten. In der Gemäldegalerie fand die Hochzeit Maria Stuarts mit Bothwell statt. Der zweimal vom Verdacht des Mordes an seinem Vorgänger, Lord Darnley, freigesprochene Bothwell verschaffte der Königin viele Feinde und mußte schließlich fliehen; denn wahrscheinlich war er es doch gewesen. Holyrood Abbey, 1128 gegründet, enthält in seine Überresten die ältesten Teile des Schlosses.
Die Royal Mile ist in sechs Teilstücke gegliedert, die verschiedene Namen tragen. Unser Start lag in Abbey Strand, dem Zugang zu Holyrood House. Wir begaben uns westwärts in den zweiten Abschnitt Canongate. Hier wohnten bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts Herzöge, Grafen und Lords in ihren Palästen. Davon ist heute nichts mehr zu sehen.
Linker Hand liegt bei Nr. 142 Huntly House, Edinburghs wichtigstes Heimatkundemuseum. Rechts steht schräg gegenüber (Nr. 163) das mit Türmchen und vorgezogener Uhr verzierte Canongate Tolbooth aus dem Jahr 1591, in dem The People's Story untergebracht ist. Sie schildert Leben und Arbeit der kleinen Leute von Edinburgh, der Handwerker, Schiffsbauer, Drucker usw., informiert aber auch über Gewerkschaften und Sozialwesen. Der Eintritt ist frei.
Nach der Einmündung der New Street von rechts geht die Canongate in den dritten Abschnitt über, die High Street. Sie bildet das Hauptstück der Royal Mile und nimmt fast die Hälfte ihrer gesamten Länge ein. Links befinden sich The Scottish Experience (Living Craft Centre) und bei Nr. 2 das Museum of Childhood - auch hier ist der Eintritt frei -, das eine Spielzeug- und Puppensammlung enthält und wegen der vielen Kinder gern als "geräuschvollstes Museum der Welt" bezeichnet wird. Etwas zurück auf der rechten Seite steht das John Knox House (Nr. 5), ein mittelalterliches Haus, in dem der fanatische Reformator von 1566 bis zu seinem Tod 1572 gewohnt hat. Er gilt als Begründer der presbyterianischen "Church of Scotland". In dem Haus rechts daneben (Nr. 3) ist das Netherbow Theatre untergebracht. Gleich danach liegt ebenfalls rechts im Chalmer's Close das Brass Rubbing Centre, ein Museum für Messingbeschläge. Noch vor der Ecke zur North Bridge (Nr. 105) befindet sich schließlich Still's Gallery, in der zeitgenössische Fotografien schottischer, britischer und internationaler Künstler gezeigt werden. An der Kreuzung mit der Norht Bridge ist links in der Tron Kirk eine Ausstellung über die Old Town.
Um in die im Tal gelegene Market Street zu gelangen, gingen wir nach der Kreuzung rechts hinab in die schmale Gasse Cockburn Street. Links befindet sich die Collective Gallery, eine zeitgenössische Kunstgalerie mit Designladen. Unter der North Bridge ist in Nr. 2 das City Art Centre, einer der führenden Ausstellungsorte Großbritanniens. In der Market Street gingen wir schließlich wieder Richtung Burg. Links liegt das Edinburgh Festival Office, wo man seine Wünsche auch in Deutsch vortragen kann.
Wenn die Market Street endet, ist man schon nahe der Burg. Wir stiegen links durch die North Bank Street zur George IV. Bridge auf. Aus der Bank Street zweigt noch einmal links eine schmale Gasse ab, die St. Giles Street. Sie führt direkt auf den Parliament Square zu. High Kirk of St. Giles, wie der offizielle Name der Kathedrale lautet, ist die Hauptkirche Edinburghs. Die vier achteckigen Pfeiler, die den Turm mit der Krone von St. Giles trage, sollen noch Reste der 1120 erbauten und 1385 zerstörten normannischen Kirche enthalten. Das in strenger Gotik erbaute Gotteshaus wurde 1633 von Karl I. zur Kathedrale erhoben. In der Südostecke der Kirche befindet sich die 1911 erbaute kleine, reich geschmückte Chapel of the Order of the Thistle, die Kapelle des ersten und höchsten schottischen Ritterordens. An ihrem Portal ist ein "schottischer Engel" mit Kilt und Dudelsach zu sehen.
Die High Kirk ist umgeben von stattlichen Repräsentationsbauten, wie der Signet Library, dem ehemaligen House of Parliament, dem District Court, The City Chambers usw. Hier war das kirchliche und politische Zentrum Schottlands. Im Parliament House trat bis zur Realunion mit England im Jahr 1707 das schottische Parlament zusammen. Seit dem Jahr 2000 tagt es hier nach 300jähriger Pause wieder.
Wir betraten nun den vierten Abschnitt der Royal Mile, den Lawn Market. Rechts befindet sich neben der Gasse James Close das alte, 1620 vollendete Haus Gladstone's Land, ein sechsstöckiges Stadthaus mit schönen Deckenmalereien. Bald danach folgt im Übergang zu Castle Hill eine besondere Edinburgher Attraktion: Unter dem Dach des weißen Fachwerkturmes, des Outlook Tower, ist eine riesige Camera Obscura aus dem Jahre 1850 untergebracht, die an schönen Tagen das Bild der umliegenden Häuser auf eine weiße, konkave Tischplatte wirft. Das alte Stück wird ergänzt durch ein Ergebnis moderner Lasertechnik: Es werden faszinierende Hologramme gezeigt. Am Ende des Castle Hill (Nr. 354) steht links das Scotch Whisky Heritage Centre, in dem die Geschichte des Whiskys dargestellt wird.
Wir waren nun auf der Esplanade angelangt und betraten Edinburgh Castle. Auf diesem Parkplatz stehen Denkmöler berühmter Schotten. Die Burg hat im Laufe der Jahrhunderte als Kastell, Garnison, Gefängnis und Königspalast gedient. Sie hat viele Belagerungen, Eroberungsversuche und Zerstörungen erlebt. Jetzt wird sie Sommer für Sommer von den in Scharen herbeiströmenden Touristen "erobert", allein schon wegen des herrlichen Ausblicks auf den Firth of Forth, der sich von der Festungsmauer aus bietet. Der eigentliche Schloßkomplex steht auf dem Gipfel des Burgberges. Ältester Teil ist die kleine St. Margaret's Chapel aus dem Jahr 1073. Man betritt das Schloß durch einen Torweg an der Ostseite des Hofes.
Man kann die Great Hall auf der Südseite besichtigen, wo das erste schottische Parlament zusammengetreten ist. Später wurde die Halle für Bankette genutzt. Nach der letzten Sitzung des schottischen Parlaments am 21. März 1707 wurden die schottischen Throninsignien in einer Eichentruhe versiegelt. 111 Jahre lang lagen sie im verborgenen, bis Sir Walter Scott eine königliche Vollmacht erhielt, die Truhe zu öffnen. Danach wurden die Kronjuwelen für die Öffentlichkeit ausgestellt. Im Royal Office kann man die königlichen Gemächer und seit 1993 auch Originale der schottischen Kroninsignien mit einer einführenden historischen Darstellung besichtigen. Sehenswert ist auch die im 15. Jahrhundert gegossene Kanone Mons Meg, die selbst Cromwell das Fürchten gelehrt haben soll. Bei einem Salut 1681 platzte das Kanonenmonster.
Ich hoffe, die kleine Führung hat euch gefallen. Eine Reise lohnt sich auf jeden Fall. Besonders empfehlen kann ich euch da als Reisezeit die zweite Augusthälfte, da dann das offizielle und das Fringe-Festival auf Hochtouren laufen.
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12.05.2002, 15:42 Uhr von Chris_ONeal
Bewertung: sehr hilfreichSuper Bericht!
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