Erziehungswissenschaften Testbericht
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Erfahrungsbericht von LeaofRafiki
Mein „studium generale"
Pro:
erfordert Mut, gegen den Strom zu schwimmen
Kontra:
erfordert Mut, gegen den Strom zu schwimmen
Empfehlung:
Nein
Mein „studium generale\"
Immer wenn ich gefragt werde, was mein Beruf ist (war) bzw. was ich studiert habe, komme ich in Erklärungsnot... Dies liegt nicht nur daran, daß ich meist das Pferd von hinten aufgezäumt habe, also erst in einem Berufsfeld gearbeitet, dann die Ausbildung/das Studium hinterher geschoben habe, sondern auch daran, daß ich „exotische\" Studiengänge an einer eher ungewöhnlichen Hochschule besucht habe.
Kurz und knapp antworte(te) ich meist auf die obige Frage, ich sei diplomierte Sozialarbeiterin. Was zu Zeiten, als ich meinen Studienabschluß gemacht habe, eine ungewöhnliche Antwort war, denn damals gab es nur den Diplomstudiengang Erziehungswissenschaften (Dipl. Päd.) Und den Fachhochschulstudiengang Sozialarbeit/Sozialpädagogik (Soz.Päd./Soz.Arb. grad.). Mit der Einführung der Diplome I und II tragen beide nun ein Dipl. vor der Berufsbezeichnung, was es höchstens verwirrender macht... Aber auch das wird sich legen, oder intensivieren, je nach Blickrichtung, gibt es diese Studiengänge in dieser Form an meiner alten Uni doch nur noch als Auslaufmodell.
Die meisten Menschen denken, wenn sie das Wort „Pädagogik\" hören, an Lehrer, hieß doch die Einrichtung in meiner Heimatstadt, an der Lehrer ausgebildet wurden einst „Pädagogische Hochschule\", abgekürzt PH. Nun geht es zwar auch bei Diplom-PädagogInnen um Wissenvermittlung, allerdings nicht um die reinen Fachwissens, wenn dann schon eher in einem übergeordneten Sinne, sondern, wie es neuerdings heißt, um folgendes:
„Die Erziehungswissenschaft beschäftigt sich mit Bildungs- und Erziehungsprozessen des Menschen. Dazu untersucht sie die pädagogische Beziehung zwischen Erwachsenen und Heranwachsenden, entwickelt theoretische Konzepte zu Bildung und Erziehung, befasst sich mit den Institutionen des Bildungs- und Erziehungswesens und differenziert ihre Forschungsmethoden. In Kooperation mit der Psychologie untersucht die Erziehungswissenschaft schließlich die psychologischen Voraussetzungen, in Kooperation mit der Soziologie die geschichtlichen und gesellschaftlichen Grundlagen und Bedingungen von Erziehung und Bildung.\" (http://www.uni-essen.de/dez_0/allinfo/sgerzieh.html)
Ich vermute, daß sich nun immer noch keiner so recht etwas darunter vorstellen kann - mir würde es ähnlich gehen, also versuche ich es mal auf einem anderen Weg...
Wie bin ich zur Diplom-Pädagogik gekommen?
Wie eingangs erwähnt rückwärts. Oder in einem großen Bogen.
Das erste Studium, das ich aufgenommen hatte, war WS 1975/76 an der Ruhr Universität Bochum (RUB) im Fach Diplom-Psychologie, quasi als später Ersatz für die Sozialarbeiter-Ausbildung, die ich wegen der fehlenden Zustimmung meiner Eltern nach der Mittleren Reife nicht hatte machen dürfen, bzw. nach dem Abitur die universitäre Ausbildung in Sozialarbeit an der Vrijen Universiteit Amsterdam, die aus demselben Grund scheiterte.
Statt allerdings mich mit Menschen befassen zu dürfen, wie ich blauäugig angenommen hatte, daß dies in der Psychologie der Fall sein würde, durfte ich Physiologie (bei den Medizinern) pauken, im Versuchslabor Ratten füttern und unsinnige Probandenstunden absitzen. Statt des Pflichtnebenfachs Philosphie hatte ich den Magisterstudiengang Kommunikationswissenschaft, angeboten an der Universität Essen Gesamthochschule (UEG) gewählt, aber auch hier wurde ich enttäuscht, obwohl ich zugeben muß, daß mir die Linguistik viel Spaß gemacht hat.
Nach drei Jahren schmiß ich den Krempel hin und wechselte komplett das Metier:
Aus einer Photographenfamilie kommend entschloss ich mich auf Drängen einiger Freunde, das Studium der Photographie an der Folkwangschule für Gestaltung in Essen bei Prof. Steiner (Hochschule für Bildende Künste) anzugehen. Die „Feststellung einer künstlerisch/gestaltenden Begabung\" war kein Problem, leider wurde der Studiengang just in dem Moment eingestellt, und so landete ich statt dessen an der Fachhochschule Dortmund im Studiengang Photographie/Filmdesign. Wenige Monate später wurden Teile der ehemaligen Folkwangschule in die Uni Essen integriert und der Studiengang Dipl. Kommunikationsdesign geboren, der die alten Studienrichtungen Grafik und Photodesign unter dem alten Lehrkörper mit neuen, moderneren Anteilen kombinierte. Nach einer erneuten Prüfung, diesmal „Aufnahmeprüfung\" genannt, kehrte ich der FH Dortmund den Rücken und wechselte komplett an die Uni Essen und in diesen neuen Studiengang.
1981 mußte ich mein Studium wegen Krankheit abbrechen, mich von der Photographie als existenzsichernde Tätigkeit verabschieden.
Nach einem 3 ½ monatigen Aufenthalt in der Karibik kehrte ich nach Deutschland zurück, um viele Erfahrungen reicher, aber arm wie eine Kirchenmaus. Ich brauchte dringend Geld und bekam über eine Freundin einen Job bei der Evangelischen Studentengemeinde, als Deutschlehrerin für Ausländer. Ich, die ich NIE Lehrerin hatte werden wollen, fand Gefallen an dieser Tätigkeit und erkundigte mich zwei Jahre später nach Möglichkeiten, meiner Tätigkeit die entsprechende Ausbildung hinterherzuschieben: Es gab zwar einen Studiengang „Deutsch als Fremdsprache\" an der Uni Bochum, dies war aber ein Aufbaustudium und so immatrikulierte ich mich 1983 für das Lehramtsstudium Sek.II (da ich in der Erwachsenenbildung bleiben wollte) mit Deutsch als Hauptfach und Englisch als Nebenfach, um später auf das 1. Staatsexamen statt Referendariat das Aufbaustudium draufzusetzen.
Im Laufe meiner jahrelangen Tätigkeit als Deutschlehrerin für Ausländer merkte ich allerdings recht schnell, daß es mit der reinen Sprachvermittlung nicht getan ist, zumal ich es nur mit Asylbewerbern zu tun hatte, die dringend auch psychologische und soziale bzw. sozialrechtliche Beratung und Betreuung brauchten.
Nun erwies es sich als genialer Zufall, daß ich an der Uni Essen war, die sich mittlerweile u.a. durch die Integration der alten PH und der vormaligen FH für Sozialarbeit/Sozialpädagogik zu einer Gesamthochschule entwickelt hatte. Als Lehramtsstudentin mußte ich ohnehin ein Erziehungswissenschaftliche Teilstudium (ETL) absolvieren. Der Vorteil der Gesamthochschule nun war, daß nahezu alle Veranstaltungsangebote der verschiedenen Ursprungs(fach)hochschulen allen Studierenden offen standen und sogar untereinander anerkannt wurden.
Im Klartext heißt das, das Veranstaltungen des Fachhochschul-Studiengangs Sozialarbeit/Sozialpädagogik auch für Lehramtsstudenten belegfähig und teils sogar prüfungsrelevant anerkannt waren.
Weitere zwei Jahre später, im Sommer 1985, erhielt ich das Angebot, mich an einer Dissertation zu beteiligen. Das klitzekleine Problem war nur die Prüfungsordnung... Nach einigem Tüfteln fand ich folgenden Irrwitz heraus: Ein von mir eigenständig geschriebener Teil einer Dissertation (witziger weise im Fachbereich Medizin/Psychologie) würde mir im Studiengang Diplom-Erziehungswissenschaften als Diplomarbeit anerkannt werden, welche ich mir später als Hausarbeit für das 1. Staatsexamen im Lehramtsstudiengang nachträglich anerkennen lassen könnte. Dieser Irsinn hing mit der Wertigkeit der Abschlüsse zusammen. Dissertation ist höher als ein Diplom in einem Diplomstudiengang (schließt dieses quasi ein) ist höher als das 1. Staatsexamen einer Fachhochschulrichtung. Die Vorlaufzeit für eine Dissertation beträgt ca. 2 Jahre und es konnte knapp hinkommen. Der Wahnsinn hat Methode und ich hatte schon immer Spaß daran, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu erschlagen, also wetzte ich die Sommersemesterferien diversen Dozenten hinterher, um für das Prüfungsfach „Erziehungswissenschaften\" all meine ETL-Scheine in solche des Diplomstudiengangs umschreiben bzw. als solche anerkennen zu lassen, einen erhielt ich als „Vorschuß\" mit der Auflage, die zugrundeliegende Leistung im WS 1985/86 nachzureichen, mein früheres Psychologiestudium (siehe oben) deckte die Voraussetzungen für das Prüfungsfach „Psychologie\" ab, wechselte Mitte Oktober 1985 flugs ins 4. Semester Diplom-Erziehungswissenschaften und meldete mich gleich zum Vordiplom an. Dieses legte ich dann auch 3 Monate später erfolgreich ab. Puhhhhhhhh! Das waren dies stressigsten drei Monate, die ich je an einer Uni verbracht hab!
Kaum hatte ich das Vordiplom in der Hand, löste sich die Idee der Dissertation in Luft auf. Macht nichts, dachte ich mir, mache ich eben alleine weiter.
Bedingt durch meine Krankheit, meinen Nebenjob, den ich ja immer noch ausübte, diverse Zusatzausbildungen, die ich schon während des Studiums anfing, und den fehlenden Druck der anstehenden Dissertation hab ich letztendlich doch insgesamt die Regelstudienzeit verbraten, um 1989 endlich gemütlich meine Diplomarbeit zu schreiben und Ende Januar meine Diplomurkunde zu erhalten.
Klingt chaotisch? War es zum Teil auch... Zumal ich ein Jahr später den Bereich „Deutsch als Fremdsprache\" aufgab zugunsten von Therapie und Beratung.
An sich aber ist das Studium der Diplom-Pädagogik recht einfach gegliedert.
Das viersemestrige Grundstudium
umfaßte und umfaßt die Studienfächer Erziehungswissenschaften und entweder Psychologie oder Soziologie als Wahlfach, in denen jeweils eine Vordiplomsprüfung abzulegen sind. (Bei mir Psychologie)
Im viersemestrigen Hauptstudium
kommt das im Grundstudium nicht gewählte Wachfach dran (bei mir also Soziologie), dazu kommt ein Studienschwerpunkt (bei mir damals „Sozialwesen\", es gab aber noch Ausländerpädagogik, Behindertenpädagogik, Sportpädagogik etc.) und ein Wahlpflichtfach (bei mir gleich zweie „Theorie und Praxis der Gruppenarbeit\" und „Therapie und Praxis der Beratung\", von denen ich ersteres als Diplomprüfungsfach auch offiziell abschließen durfte. Der offizielle Abschluß des zweiten Wahlpflichtfachs scheiterte an meiner Überqualifikation...) Und die Erziehungswissenschafte werden vertieft.
Heute heißt es:
„Im viersemestrigen Grundstudium wird vor allem das Fach Erziehungswissenschaft grundlegend studiert, außerdem Psychologie oder Soziologie.
Im viersemestrigen Hauptstudium wird weiterhin Erziehungswissenschaft, außerdem Soziologie oder Psychologie studiert; vertiefend jedoch vor allem eine Studienrichtung und ein Studienschwerpunkt.
Die Studienrichtungen lauten:
Interkulturelle Erziehung
Erwachsenenbildung/Weiterbildung
Die Studienschwerpunkte lauten:
Diagnose, Beratung und Behandlung von Einzelpersonen, Familien und Gruppen
Methodische Arbeit mit einzelnen, in Gruppen und in Gemeinwesen/
Bewegungsgestaltung, Spiel, Sport, Organisationsanalyse, Organisationsberatung, Organisationsentwicklung, Kulturarbeit\" (http://www.uni-essen.de/dez_0/allinfo/sgerzieh.html)
Die Regelstudienzeit beträgt nach wie vor 9 Semester, solange ist auch die Bafög-Höchstförderungsdauer.
Allerdings wird der Studiengang an der Universität Essen GHS zum 01.10.2008 eingestellt, ein Studienbeginn ist also nicht mehr möglich.
Tja, was nützt einem nun ein solches Studium?
Hier kommt es darauf an, ob man es von der pekuniären oder der persönlichen Warte aus betrachtet.
Was die finanzielle Seite und damit einhergehend die Berufsaussichten angeht, so ist es eine ziemliche Totgeburt. Ursprünglich war zwar angedacht, daß Dipl.-Päds. im Bereich Sozialwesen (und nur für den kann ich mit genügend Erfahrungshintergrund sprechen) Leitungsfunktion übernehmen sollte, was sich auch daran zeigt, daß wir qualifiziert genug waren, Sozialarbeiter und Sozialpädagoginnen im Anerkennungsjahr zu begleiten, aber in der Praxis sah das leider ganz anders aus. Nix mit der anvisierten BAT II a-Stelle, die waren, als ich mein Studium abgeschlossen hatte, schon alle weg (und neue wurden nicht mehr eingerichtet, wenn dann bestenfalls im Hochschulbereich als wissenschaftliche Stellen oder als Auslaufmodell ABM).
Statt dessen konkurrierten und konkurrieren Dipl-Päds mit SA/SPlern munter um die wenigen noch verfügbaren Stellen und können froh sein, wenn sie als „Überqualifizierte\" noch irgendwo eine BAT IV Stelle ergatter(te)n. Meist aber wurden und werden die ehemaligen Fachhochschulabsolventinnen wegen ihres größeren Praktikumsanteils bevorzugt, erst recht, da sie während des Berufsanerkennungsjahres (genau wie Ärzte im Praktikum) für wenigst Geld verheizt und ausgebeutet werden können.
Viele Dipl.Päds hielten und halten sich jahrelang durch Honorartätigkeiten, Teilzeitarbeit und oder befristete Stellen über Wasser, bis sie entweder doch irgendwo reinrutschen oder das Handtuch werfen und zu neuen Ufern aufbrechen.
Mir ging es so, daß ich nach dem Studium trotz Einser-Diplom über zwei Jahre lang arbeitslos war. Zwar hatte ich über ein Jahr lang versucht, indem ich bei einer Dipl. Psychologin Unterschlupf fand und ihre Praxisräume mit nutzen konnte, mich im Bereich „Sexualberatung\" selbständig zu machen, da ich weder das richtige Parteibuch (nämlich gar keines) noch die richtige Konfession vorweisen konnte, um in einer der wenigen Sexualberatungsstellen eine Anstellung zu ergattern und lebte mehr schlecht als recht von meiner Honorartätigkeit für die Deutsche Aids-Hilfe, die ich schon während des Studiums aufgenommen hatte, aber dann rutschte ich doch ab und unterstand dem Sozial- und dem Arbeitsamt.
Nach zwei „qualifikationsfördernden\" Maßnahmen, die mein Sozialamtsachbearbeiter mit einem drögen „die könnten Sie doch eigentlich selber abhalten\" quittiert hatte, rutschte ich doch in eine ABM im Kulturbereich (mit Null Ahnung) und später auf eine - angeblich - feste Stelle in einer lokalen Aids-Hilfe. Aber auch das war ein Satz mit X und vom sozialen Bereich herbe enttäuscht kehrte ich diesem den Rücken - um in einer Gärtnerei zu landen...
Immer noch besser als Taxifahren oder als Altenpflegehilfskraft zu enden.
Auch heute, mehr als zehn Jahre später, hat sich die Situation nicht grundlegend geändert, wie mir klar wurde, als ich folgendes las:
„Für Diplom-PädagogInnen gibt es keinen klar abgrenzbaren Arbeitsmarkt, sie konkurrieren häufig mit AbsolventInnen benachbarter Disziplinen (z. B. mit Sozialpädagogik/ Sozialwesen auf dem Gebiet der sozialen Arbeit, mit Psychologie auf dem Gebiet der Beratung/ Therapie, mit Soziologie auf dem Gebiet der Erwachsenenbildung/ Bildungsplanung), mit BWL auf dem Gebiet der beruflichen Bildung, wobei die weniger berufspraktische Ausrichtung des Pädagogik-Studiums sich beim Berufseinstieg als Nachteil erweisen kann. Zusatzqualifikationen wie Kenntnisse im Bereich EDV, BWL, Fremdsprachen und Personalmanagement erhöhen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt deutlich. Die Studienschwerpunkte \"Betriebliche Aus-/ Weiterbildung\" und \"Medienpädagogik\" gewinnen zunehmend an Bedeutung, d. h. StudienanfängerInnen öffnen sich für wirtschaftsnahe Arbeitsfelder wie Multimedia, Call-Center, Personaltraining etc.
Die meisten Diplom-PädagogInnen sind weiterhin im außerschulischen Bildungswesen (vor allem Arbeitslosenprojekte) und im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe (Heime, Kindertageseinrichtungen etc.) beschäftigt. Die Betreuung von geistig Behinderten oder psychisch Kranken sowie die Tätigkeit in Beratungsstellen sind Arbeitsgebiete, bei denen AbsolventInnen mit therapeutischer Zusatzqualifikation zum Zug kommen. Das Spektrum beruflicher Einsatzmöglichkeiten (durch Nischenbesetzung) hat sich allerdings immer weiter differenziert, z. B. arbeiten Diplom-PädagogInnen auch im Bereich Gesundheitswesen, Medien, Freizeit, Kultur und Tourismus. Der Aufgabenschwerpunkt liegt in vielen Berufsfeldern im Bereich Organisation und Verwaltung, d. h. der direkte Kontakt zu den Klienten ist relativ gering.\" (Quelle: www.uni-lueneburg.de/einricht/zsb/danach/uni/erziehung.html)
Was meine persönliche AusBILDUNG angeht, so möchte ich aber dieses Studium um nichts in der Welt missen! Gerade daß es an einer Gesamthochschule stattfand, zumal zu einer Zeit, die man auch als den Beginn des „New Age\", also sehr offen für die verschiedensten Richtungen, bezeichnet, hat mir ein Spektrum eröffnet, wie es früher vielleicht in einem „Studium Generale\" möglich war. Die Stichworte hierzu lauteten „interdisziplinär\", „selbstbestimmtes Lernen\" (nach Carl Rogers) sowie „Themenzentrierte Interaktion\" (nach Ruth Cohn.)
In manchen Pädagogikveranstaltungen, meist den Grundlagenveranstaltungen, saßen also nicht nur die angehenden Dipl.Päds, Soz.Arbs. und Soz.Päds, sondern auch Lehramtsstudenten aller Fakultäten, neben Magisterstudenten, die vom Prüfungsdruck befreit ihr Fachwissen zum besten gaben: ich erinnere Physikreferate, künstlerisch-musische Darstellungen, lebhafte philosophische Diskussionen und Soziologenstreitgespräche. Es gab Gemeinschaftsveranstaltungen von Medizinern und Philosophen, interdisziplinäre Vorlesungsreihen deren Spannbreite über die Ingenieurwissenschaften, Informatik, bis hin zur Geschichte, Kommunikationswissensschaft und den Magisterstudiengängen Germanistik/Anglistik/Romanistik reichte, vieles auch in Form von Blockseminaren.
Die Zeit meines Dipl.-Pädagogik-Studiums war auch meine Blockseminarzeit...
Oft von Freitag bis Sonntag, manchmal aber auch drei oder vier Tage IN der Woche, selten eine ganze Woche lang, begaben wir uns in ein Tagungshaus, um dort von morgens bis abends miteinander zu lernen, zusammen zu arbeiten und uns die Ergebnisse zu präsentieren, oft auch in künstlerischer Form und vor allem gemeinsam zu leben. Es gab keine Trennung mehr zwischen „Lern-, Arbeits- und Freizeit\", sondern eins ging in das andere über, befruchtete sich gegenseitig. Der Gemeinschaftssinn und das Gemeinschaftserleben standen in der Regel höher als Konkurrenzdenken und eine egoistische Ellenbogenmentalität (Ausnahmen bestätigen die Regel...), sehr ungewöhnlich für eine Pendleruniversität wie es die Uni Essen GHS war (und wohl immer noch ist, erst recht seit ihrem Zusammenschluß mit der Uni Duisburg).
Was ich in diesen Jahren, also von 1978 bis 1990 an sozialen und persönlichen Kontakten und Erfahrungen sammeln durfte, ist nicht mit Gold aufzuwiegen. Es war der absolute Gegensatz zu der sehr naturwissenschaftlich orientierten Ruhr Universität Bochum.
Für mich persönlich bedeuten diese Jahre eine allumfassende Grund(aus)Bildung, die in der Dipl.-Päd.-Studienzeit ihren Höhepunkt fand, weil dort einerseits ein Aufbruchsgedanke Einzug fand, der wie etliche Reformpädagogikströmungen zuvor andererseits eine Nischenfunktion bot, während um uns herum schon wieder Extrem-Spezialisierung und damit einhergehend Schmalspurdenken zunahm.
Zum Abschluß Auszüge aus meinem Studienbuch:
SS 80 und WS 80/81: „Kostüm-Maske-Musik-Spiel\" Fächerübergreifendes Blockseminar mit Studenten der Textilgestaltung, Kunst- und Musikpädagogik.
Ulrich Heeks-Boggemees, Jakob Jenisch, Werner Pütz, Gottfried Kühnel
Blockseminar im Kloster Möllenbeck
SS 83: „Stand, Schicht, Klasse. Geschichte und Theorie sozialer Ungleichheit\". Ewald Schmeken
SS 83: „Ringvorlesung zur Migrationsforschung\". Boos-Nüning, Meyer-Ingwersen
WS 83/84: „Die Bedeutung des Emotionellen für die Pädagogik\". Wolfgang Böcher
SS 84: „Systembetrachtung in der Erziehung\" Wolfgang Böcher
SS 84: „Grundprobleme menschlichen Daseins in medizinischer und philosophischer Sicht\" Blank, Georg Scherer
WS 84/85: „Tod und Sterben im Leben des Menschen\" Manfred Blank, Georg Scherer
WS 84/85: „Beziehung statt Erziehung. Grundlagen einer erz. Praxis\" Wolfgang Hinte
SS 85: „Selbstbestimmtes Lernen\" Wolfgang Hinte
WS 85/86: „Gestalttheorie und Systemschau\" Wolfgang Hinte
WS 85/86: „Wohnsoziologisches Seminar\" Theo Beine
SS 86: „Lebenslaufanalyse zur Erfassung weiblicher Identität\" Gisela Sommer-Metzmacher
WS 86/87: „Als Pädagoge authentisch sein\" Behr
SS 87: „Eigenverantwortung und Normenbefolgung\" Wolfgang Böcher
WS 87/88: „Grenzsituationen sozialer Arbeit\" Jorgos Canakakis
SS 88: „Humanes Trauern\" Jorgos Canakakis
WS 88/89: Musikalische Materialien für sozialpädagogische Arbeitsfelder\" Werner Pütz
und
aus dem Gutachten zu meiner Diplomarbeit mit dem Titel:
Mehrdimensionalität, Wandel und Erweiterung der Geschlechter - auf dem Weg zu einer anderen Ganzheit:
„Die Verfasserin gestaltet in dieser Arbeit ein aus vielen Puzzlestücken bestehendes Ganzes, das sich dem Leser erst durch große Konzentration auf die verschiedenen Einzelteile erschließt. Persönlich und doch mit Distanz, ganzheitlich und doch analytisch-zergliedernd, systematisch und doch sprunghaft: die Verfasserin wandelt auf dem schmalen Grat zwischen Extremen, die für sich besehen dem Anspruch einer wissenschaftlichen Arbeit nicht umfassend gerecht würden. Diese Gradwanderung scheint mir doch hervorragend gelungen. (..) Wie immer auch sich die methodologische Diskussion in den Geisteswissenschaften in den nächsten Jahren entwickeln wird, an der in dieser Arbeit dargestellten experimentellen, verständlichen und gleichzeitig adressatenfreundlichen Herangehensweise werden sich die etablierten Verfahren zu messen haben.\"
Nicht nur auf die Note 1,0 war ich stolz (mit der ich überhaupt nicht gerechnet hatte, nachdem ich im Abitur grade mal 3,8 erreicht hatte...), sondern besonders darauf, daß es mir scheinbar gelungen war, all die Fäden, die ich in den Jahres meines Studiums aufgenommen hatte, zu einem Ganzen verwoben zu haben.
Ich fürchte, an einer anderen Hochschule, in einem anderen Studiengang mit anderen Dozenten wäre mir das weder gelungen noch zugestanden worden.
Ich fürchte aber auch, daß ein solches Studium in dieser Art heute sehr schwer geworden ist... Es erfordert Mut, gegen den Strom zu schwimmen, Neugier auf Unbekanntes auch fernab der eigenen Studienordnung und die Ungewißheit auszuhalten, ob sich am Ende daraus ein geschlossenes Ganzes ergibt, aber es fördert auch die Fähigkeit, einen eigenen Weg zu gehen.
© LeaofRafiki 14.08.2003 /18.09.2003
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ACHTUNG FAKERSCHUTZ: Ich poste meine Berichte lieber selber und unter gleichem Nick regelmäßig bei Ciao, häufig bei Yopi, nach dem Relaunch selten Dooyoo, und noch seltener auf irgendwelchen anderen Plattformen, aber dafür vielleicht auf meiner Homepage www.leaofrafiki.de *grins*
Immer wenn ich gefragt werde, was mein Beruf ist (war) bzw. was ich studiert habe, komme ich in Erklärungsnot... Dies liegt nicht nur daran, daß ich meist das Pferd von hinten aufgezäumt habe, also erst in einem Berufsfeld gearbeitet, dann die Ausbildung/das Studium hinterher geschoben habe, sondern auch daran, daß ich „exotische\" Studiengänge an einer eher ungewöhnlichen Hochschule besucht habe.
Kurz und knapp antworte(te) ich meist auf die obige Frage, ich sei diplomierte Sozialarbeiterin. Was zu Zeiten, als ich meinen Studienabschluß gemacht habe, eine ungewöhnliche Antwort war, denn damals gab es nur den Diplomstudiengang Erziehungswissenschaften (Dipl. Päd.) Und den Fachhochschulstudiengang Sozialarbeit/Sozialpädagogik (Soz.Päd./Soz.Arb. grad.). Mit der Einführung der Diplome I und II tragen beide nun ein Dipl. vor der Berufsbezeichnung, was es höchstens verwirrender macht... Aber auch das wird sich legen, oder intensivieren, je nach Blickrichtung, gibt es diese Studiengänge in dieser Form an meiner alten Uni doch nur noch als Auslaufmodell.
Die meisten Menschen denken, wenn sie das Wort „Pädagogik\" hören, an Lehrer, hieß doch die Einrichtung in meiner Heimatstadt, an der Lehrer ausgebildet wurden einst „Pädagogische Hochschule\", abgekürzt PH. Nun geht es zwar auch bei Diplom-PädagogInnen um Wissenvermittlung, allerdings nicht um die reinen Fachwissens, wenn dann schon eher in einem übergeordneten Sinne, sondern, wie es neuerdings heißt, um folgendes:
„Die Erziehungswissenschaft beschäftigt sich mit Bildungs- und Erziehungsprozessen des Menschen. Dazu untersucht sie die pädagogische Beziehung zwischen Erwachsenen und Heranwachsenden, entwickelt theoretische Konzepte zu Bildung und Erziehung, befasst sich mit den Institutionen des Bildungs- und Erziehungswesens und differenziert ihre Forschungsmethoden. In Kooperation mit der Psychologie untersucht die Erziehungswissenschaft schließlich die psychologischen Voraussetzungen, in Kooperation mit der Soziologie die geschichtlichen und gesellschaftlichen Grundlagen und Bedingungen von Erziehung und Bildung.\" (http://www.uni-essen.de/dez_0/allinfo/sgerzieh.html)
Ich vermute, daß sich nun immer noch keiner so recht etwas darunter vorstellen kann - mir würde es ähnlich gehen, also versuche ich es mal auf einem anderen Weg...
Wie bin ich zur Diplom-Pädagogik gekommen?
Wie eingangs erwähnt rückwärts. Oder in einem großen Bogen.
Das erste Studium, das ich aufgenommen hatte, war WS 1975/76 an der Ruhr Universität Bochum (RUB) im Fach Diplom-Psychologie, quasi als später Ersatz für die Sozialarbeiter-Ausbildung, die ich wegen der fehlenden Zustimmung meiner Eltern nach der Mittleren Reife nicht hatte machen dürfen, bzw. nach dem Abitur die universitäre Ausbildung in Sozialarbeit an der Vrijen Universiteit Amsterdam, die aus demselben Grund scheiterte.
Statt allerdings mich mit Menschen befassen zu dürfen, wie ich blauäugig angenommen hatte, daß dies in der Psychologie der Fall sein würde, durfte ich Physiologie (bei den Medizinern) pauken, im Versuchslabor Ratten füttern und unsinnige Probandenstunden absitzen. Statt des Pflichtnebenfachs Philosphie hatte ich den Magisterstudiengang Kommunikationswissenschaft, angeboten an der Universität Essen Gesamthochschule (UEG) gewählt, aber auch hier wurde ich enttäuscht, obwohl ich zugeben muß, daß mir die Linguistik viel Spaß gemacht hat.
Nach drei Jahren schmiß ich den Krempel hin und wechselte komplett das Metier:
Aus einer Photographenfamilie kommend entschloss ich mich auf Drängen einiger Freunde, das Studium der Photographie an der Folkwangschule für Gestaltung in Essen bei Prof. Steiner (Hochschule für Bildende Künste) anzugehen. Die „Feststellung einer künstlerisch/gestaltenden Begabung\" war kein Problem, leider wurde der Studiengang just in dem Moment eingestellt, und so landete ich statt dessen an der Fachhochschule Dortmund im Studiengang Photographie/Filmdesign. Wenige Monate später wurden Teile der ehemaligen Folkwangschule in die Uni Essen integriert und der Studiengang Dipl. Kommunikationsdesign geboren, der die alten Studienrichtungen Grafik und Photodesign unter dem alten Lehrkörper mit neuen, moderneren Anteilen kombinierte. Nach einer erneuten Prüfung, diesmal „Aufnahmeprüfung\" genannt, kehrte ich der FH Dortmund den Rücken und wechselte komplett an die Uni Essen und in diesen neuen Studiengang.
1981 mußte ich mein Studium wegen Krankheit abbrechen, mich von der Photographie als existenzsichernde Tätigkeit verabschieden.
Nach einem 3 ½ monatigen Aufenthalt in der Karibik kehrte ich nach Deutschland zurück, um viele Erfahrungen reicher, aber arm wie eine Kirchenmaus. Ich brauchte dringend Geld und bekam über eine Freundin einen Job bei der Evangelischen Studentengemeinde, als Deutschlehrerin für Ausländer. Ich, die ich NIE Lehrerin hatte werden wollen, fand Gefallen an dieser Tätigkeit und erkundigte mich zwei Jahre später nach Möglichkeiten, meiner Tätigkeit die entsprechende Ausbildung hinterherzuschieben: Es gab zwar einen Studiengang „Deutsch als Fremdsprache\" an der Uni Bochum, dies war aber ein Aufbaustudium und so immatrikulierte ich mich 1983 für das Lehramtsstudium Sek.II (da ich in der Erwachsenenbildung bleiben wollte) mit Deutsch als Hauptfach und Englisch als Nebenfach, um später auf das 1. Staatsexamen statt Referendariat das Aufbaustudium draufzusetzen.
Im Laufe meiner jahrelangen Tätigkeit als Deutschlehrerin für Ausländer merkte ich allerdings recht schnell, daß es mit der reinen Sprachvermittlung nicht getan ist, zumal ich es nur mit Asylbewerbern zu tun hatte, die dringend auch psychologische und soziale bzw. sozialrechtliche Beratung und Betreuung brauchten.
Nun erwies es sich als genialer Zufall, daß ich an der Uni Essen war, die sich mittlerweile u.a. durch die Integration der alten PH und der vormaligen FH für Sozialarbeit/Sozialpädagogik zu einer Gesamthochschule entwickelt hatte. Als Lehramtsstudentin mußte ich ohnehin ein Erziehungswissenschaftliche Teilstudium (ETL) absolvieren. Der Vorteil der Gesamthochschule nun war, daß nahezu alle Veranstaltungsangebote der verschiedenen Ursprungs(fach)hochschulen allen Studierenden offen standen und sogar untereinander anerkannt wurden.
Im Klartext heißt das, das Veranstaltungen des Fachhochschul-Studiengangs Sozialarbeit/Sozialpädagogik auch für Lehramtsstudenten belegfähig und teils sogar prüfungsrelevant anerkannt waren.
Weitere zwei Jahre später, im Sommer 1985, erhielt ich das Angebot, mich an einer Dissertation zu beteiligen. Das klitzekleine Problem war nur die Prüfungsordnung... Nach einigem Tüfteln fand ich folgenden Irrwitz heraus: Ein von mir eigenständig geschriebener Teil einer Dissertation (witziger weise im Fachbereich Medizin/Psychologie) würde mir im Studiengang Diplom-Erziehungswissenschaften als Diplomarbeit anerkannt werden, welche ich mir später als Hausarbeit für das 1. Staatsexamen im Lehramtsstudiengang nachträglich anerkennen lassen könnte. Dieser Irsinn hing mit der Wertigkeit der Abschlüsse zusammen. Dissertation ist höher als ein Diplom in einem Diplomstudiengang (schließt dieses quasi ein) ist höher als das 1. Staatsexamen einer Fachhochschulrichtung. Die Vorlaufzeit für eine Dissertation beträgt ca. 2 Jahre und es konnte knapp hinkommen. Der Wahnsinn hat Methode und ich hatte schon immer Spaß daran, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu erschlagen, also wetzte ich die Sommersemesterferien diversen Dozenten hinterher, um für das Prüfungsfach „Erziehungswissenschaften\" all meine ETL-Scheine in solche des Diplomstudiengangs umschreiben bzw. als solche anerkennen zu lassen, einen erhielt ich als „Vorschuß\" mit der Auflage, die zugrundeliegende Leistung im WS 1985/86 nachzureichen, mein früheres Psychologiestudium (siehe oben) deckte die Voraussetzungen für das Prüfungsfach „Psychologie\" ab, wechselte Mitte Oktober 1985 flugs ins 4. Semester Diplom-Erziehungswissenschaften und meldete mich gleich zum Vordiplom an. Dieses legte ich dann auch 3 Monate später erfolgreich ab. Puhhhhhhhh! Das waren dies stressigsten drei Monate, die ich je an einer Uni verbracht hab!
Kaum hatte ich das Vordiplom in der Hand, löste sich die Idee der Dissertation in Luft auf. Macht nichts, dachte ich mir, mache ich eben alleine weiter.
Bedingt durch meine Krankheit, meinen Nebenjob, den ich ja immer noch ausübte, diverse Zusatzausbildungen, die ich schon während des Studiums anfing, und den fehlenden Druck der anstehenden Dissertation hab ich letztendlich doch insgesamt die Regelstudienzeit verbraten, um 1989 endlich gemütlich meine Diplomarbeit zu schreiben und Ende Januar meine Diplomurkunde zu erhalten.
Klingt chaotisch? War es zum Teil auch... Zumal ich ein Jahr später den Bereich „Deutsch als Fremdsprache\" aufgab zugunsten von Therapie und Beratung.
An sich aber ist das Studium der Diplom-Pädagogik recht einfach gegliedert.
Das viersemestrige Grundstudium
umfaßte und umfaßt die Studienfächer Erziehungswissenschaften und entweder Psychologie oder Soziologie als Wahlfach, in denen jeweils eine Vordiplomsprüfung abzulegen sind. (Bei mir Psychologie)
Im viersemestrigen Hauptstudium
kommt das im Grundstudium nicht gewählte Wachfach dran (bei mir also Soziologie), dazu kommt ein Studienschwerpunkt (bei mir damals „Sozialwesen\", es gab aber noch Ausländerpädagogik, Behindertenpädagogik, Sportpädagogik etc.) und ein Wahlpflichtfach (bei mir gleich zweie „Theorie und Praxis der Gruppenarbeit\" und „Therapie und Praxis der Beratung\", von denen ich ersteres als Diplomprüfungsfach auch offiziell abschließen durfte. Der offizielle Abschluß des zweiten Wahlpflichtfachs scheiterte an meiner Überqualifikation...) Und die Erziehungswissenschafte werden vertieft.
Heute heißt es:
„Im viersemestrigen Grundstudium wird vor allem das Fach Erziehungswissenschaft grundlegend studiert, außerdem Psychologie oder Soziologie.
Im viersemestrigen Hauptstudium wird weiterhin Erziehungswissenschaft, außerdem Soziologie oder Psychologie studiert; vertiefend jedoch vor allem eine Studienrichtung und ein Studienschwerpunkt.
Die Studienrichtungen lauten:
Interkulturelle Erziehung
Erwachsenenbildung/Weiterbildung
Die Studienschwerpunkte lauten:
Diagnose, Beratung und Behandlung von Einzelpersonen, Familien und Gruppen
Methodische Arbeit mit einzelnen, in Gruppen und in Gemeinwesen/
Bewegungsgestaltung, Spiel, Sport, Organisationsanalyse, Organisationsberatung, Organisationsentwicklung, Kulturarbeit\" (http://www.uni-essen.de/dez_0/allinfo/sgerzieh.html)
Die Regelstudienzeit beträgt nach wie vor 9 Semester, solange ist auch die Bafög-Höchstförderungsdauer.
Allerdings wird der Studiengang an der Universität Essen GHS zum 01.10.2008 eingestellt, ein Studienbeginn ist also nicht mehr möglich.
Tja, was nützt einem nun ein solches Studium?
Hier kommt es darauf an, ob man es von der pekuniären oder der persönlichen Warte aus betrachtet.
Was die finanzielle Seite und damit einhergehend die Berufsaussichten angeht, so ist es eine ziemliche Totgeburt. Ursprünglich war zwar angedacht, daß Dipl.-Päds. im Bereich Sozialwesen (und nur für den kann ich mit genügend Erfahrungshintergrund sprechen) Leitungsfunktion übernehmen sollte, was sich auch daran zeigt, daß wir qualifiziert genug waren, Sozialarbeiter und Sozialpädagoginnen im Anerkennungsjahr zu begleiten, aber in der Praxis sah das leider ganz anders aus. Nix mit der anvisierten BAT II a-Stelle, die waren, als ich mein Studium abgeschlossen hatte, schon alle weg (und neue wurden nicht mehr eingerichtet, wenn dann bestenfalls im Hochschulbereich als wissenschaftliche Stellen oder als Auslaufmodell ABM).
Statt dessen konkurrierten und konkurrieren Dipl-Päds mit SA/SPlern munter um die wenigen noch verfügbaren Stellen und können froh sein, wenn sie als „Überqualifizierte\" noch irgendwo eine BAT IV Stelle ergatter(te)n. Meist aber wurden und werden die ehemaligen Fachhochschulabsolventinnen wegen ihres größeren Praktikumsanteils bevorzugt, erst recht, da sie während des Berufsanerkennungsjahres (genau wie Ärzte im Praktikum) für wenigst Geld verheizt und ausgebeutet werden können.
Viele Dipl.Päds hielten und halten sich jahrelang durch Honorartätigkeiten, Teilzeitarbeit und oder befristete Stellen über Wasser, bis sie entweder doch irgendwo reinrutschen oder das Handtuch werfen und zu neuen Ufern aufbrechen.
Mir ging es so, daß ich nach dem Studium trotz Einser-Diplom über zwei Jahre lang arbeitslos war. Zwar hatte ich über ein Jahr lang versucht, indem ich bei einer Dipl. Psychologin Unterschlupf fand und ihre Praxisräume mit nutzen konnte, mich im Bereich „Sexualberatung\" selbständig zu machen, da ich weder das richtige Parteibuch (nämlich gar keines) noch die richtige Konfession vorweisen konnte, um in einer der wenigen Sexualberatungsstellen eine Anstellung zu ergattern und lebte mehr schlecht als recht von meiner Honorartätigkeit für die Deutsche Aids-Hilfe, die ich schon während des Studiums aufgenommen hatte, aber dann rutschte ich doch ab und unterstand dem Sozial- und dem Arbeitsamt.
Nach zwei „qualifikationsfördernden\" Maßnahmen, die mein Sozialamtsachbearbeiter mit einem drögen „die könnten Sie doch eigentlich selber abhalten\" quittiert hatte, rutschte ich doch in eine ABM im Kulturbereich (mit Null Ahnung) und später auf eine - angeblich - feste Stelle in einer lokalen Aids-Hilfe. Aber auch das war ein Satz mit X und vom sozialen Bereich herbe enttäuscht kehrte ich diesem den Rücken - um in einer Gärtnerei zu landen...
Immer noch besser als Taxifahren oder als Altenpflegehilfskraft zu enden.
Auch heute, mehr als zehn Jahre später, hat sich die Situation nicht grundlegend geändert, wie mir klar wurde, als ich folgendes las:
„Für Diplom-PädagogInnen gibt es keinen klar abgrenzbaren Arbeitsmarkt, sie konkurrieren häufig mit AbsolventInnen benachbarter Disziplinen (z. B. mit Sozialpädagogik/ Sozialwesen auf dem Gebiet der sozialen Arbeit, mit Psychologie auf dem Gebiet der Beratung/ Therapie, mit Soziologie auf dem Gebiet der Erwachsenenbildung/ Bildungsplanung), mit BWL auf dem Gebiet der beruflichen Bildung, wobei die weniger berufspraktische Ausrichtung des Pädagogik-Studiums sich beim Berufseinstieg als Nachteil erweisen kann. Zusatzqualifikationen wie Kenntnisse im Bereich EDV, BWL, Fremdsprachen und Personalmanagement erhöhen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt deutlich. Die Studienschwerpunkte \"Betriebliche Aus-/ Weiterbildung\" und \"Medienpädagogik\" gewinnen zunehmend an Bedeutung, d. h. StudienanfängerInnen öffnen sich für wirtschaftsnahe Arbeitsfelder wie Multimedia, Call-Center, Personaltraining etc.
Die meisten Diplom-PädagogInnen sind weiterhin im außerschulischen Bildungswesen (vor allem Arbeitslosenprojekte) und im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe (Heime, Kindertageseinrichtungen etc.) beschäftigt. Die Betreuung von geistig Behinderten oder psychisch Kranken sowie die Tätigkeit in Beratungsstellen sind Arbeitsgebiete, bei denen AbsolventInnen mit therapeutischer Zusatzqualifikation zum Zug kommen. Das Spektrum beruflicher Einsatzmöglichkeiten (durch Nischenbesetzung) hat sich allerdings immer weiter differenziert, z. B. arbeiten Diplom-PädagogInnen auch im Bereich Gesundheitswesen, Medien, Freizeit, Kultur und Tourismus. Der Aufgabenschwerpunkt liegt in vielen Berufsfeldern im Bereich Organisation und Verwaltung, d. h. der direkte Kontakt zu den Klienten ist relativ gering.\" (Quelle: www.uni-lueneburg.de/einricht/zsb/danach/uni/erziehung.html)
Was meine persönliche AusBILDUNG angeht, so möchte ich aber dieses Studium um nichts in der Welt missen! Gerade daß es an einer Gesamthochschule stattfand, zumal zu einer Zeit, die man auch als den Beginn des „New Age\", also sehr offen für die verschiedensten Richtungen, bezeichnet, hat mir ein Spektrum eröffnet, wie es früher vielleicht in einem „Studium Generale\" möglich war. Die Stichworte hierzu lauteten „interdisziplinär\", „selbstbestimmtes Lernen\" (nach Carl Rogers) sowie „Themenzentrierte Interaktion\" (nach Ruth Cohn.)
In manchen Pädagogikveranstaltungen, meist den Grundlagenveranstaltungen, saßen also nicht nur die angehenden Dipl.Päds, Soz.Arbs. und Soz.Päds, sondern auch Lehramtsstudenten aller Fakultäten, neben Magisterstudenten, die vom Prüfungsdruck befreit ihr Fachwissen zum besten gaben: ich erinnere Physikreferate, künstlerisch-musische Darstellungen, lebhafte philosophische Diskussionen und Soziologenstreitgespräche. Es gab Gemeinschaftsveranstaltungen von Medizinern und Philosophen, interdisziplinäre Vorlesungsreihen deren Spannbreite über die Ingenieurwissenschaften, Informatik, bis hin zur Geschichte, Kommunikationswissensschaft und den Magisterstudiengängen Germanistik/Anglistik/Romanistik reichte, vieles auch in Form von Blockseminaren.
Die Zeit meines Dipl.-Pädagogik-Studiums war auch meine Blockseminarzeit...
Oft von Freitag bis Sonntag, manchmal aber auch drei oder vier Tage IN der Woche, selten eine ganze Woche lang, begaben wir uns in ein Tagungshaus, um dort von morgens bis abends miteinander zu lernen, zusammen zu arbeiten und uns die Ergebnisse zu präsentieren, oft auch in künstlerischer Form und vor allem gemeinsam zu leben. Es gab keine Trennung mehr zwischen „Lern-, Arbeits- und Freizeit\", sondern eins ging in das andere über, befruchtete sich gegenseitig. Der Gemeinschaftssinn und das Gemeinschaftserleben standen in der Regel höher als Konkurrenzdenken und eine egoistische Ellenbogenmentalität (Ausnahmen bestätigen die Regel...), sehr ungewöhnlich für eine Pendleruniversität wie es die Uni Essen GHS war (und wohl immer noch ist, erst recht seit ihrem Zusammenschluß mit der Uni Duisburg).
Was ich in diesen Jahren, also von 1978 bis 1990 an sozialen und persönlichen Kontakten und Erfahrungen sammeln durfte, ist nicht mit Gold aufzuwiegen. Es war der absolute Gegensatz zu der sehr naturwissenschaftlich orientierten Ruhr Universität Bochum.
Für mich persönlich bedeuten diese Jahre eine allumfassende Grund(aus)Bildung, die in der Dipl.-Päd.-Studienzeit ihren Höhepunkt fand, weil dort einerseits ein Aufbruchsgedanke Einzug fand, der wie etliche Reformpädagogikströmungen zuvor andererseits eine Nischenfunktion bot, während um uns herum schon wieder Extrem-Spezialisierung und damit einhergehend Schmalspurdenken zunahm.
Zum Abschluß Auszüge aus meinem Studienbuch:
SS 80 und WS 80/81: „Kostüm-Maske-Musik-Spiel\" Fächerübergreifendes Blockseminar mit Studenten der Textilgestaltung, Kunst- und Musikpädagogik.
Ulrich Heeks-Boggemees, Jakob Jenisch, Werner Pütz, Gottfried Kühnel
Blockseminar im Kloster Möllenbeck
SS 83: „Stand, Schicht, Klasse. Geschichte und Theorie sozialer Ungleichheit\". Ewald Schmeken
SS 83: „Ringvorlesung zur Migrationsforschung\". Boos-Nüning, Meyer-Ingwersen
WS 83/84: „Die Bedeutung des Emotionellen für die Pädagogik\". Wolfgang Böcher
SS 84: „Systembetrachtung in der Erziehung\" Wolfgang Böcher
SS 84: „Grundprobleme menschlichen Daseins in medizinischer und philosophischer Sicht\" Blank, Georg Scherer
WS 84/85: „Tod und Sterben im Leben des Menschen\" Manfred Blank, Georg Scherer
WS 84/85: „Beziehung statt Erziehung. Grundlagen einer erz. Praxis\" Wolfgang Hinte
SS 85: „Selbstbestimmtes Lernen\" Wolfgang Hinte
WS 85/86: „Gestalttheorie und Systemschau\" Wolfgang Hinte
WS 85/86: „Wohnsoziologisches Seminar\" Theo Beine
SS 86: „Lebenslaufanalyse zur Erfassung weiblicher Identität\" Gisela Sommer-Metzmacher
WS 86/87: „Als Pädagoge authentisch sein\" Behr
SS 87: „Eigenverantwortung und Normenbefolgung\" Wolfgang Böcher
WS 87/88: „Grenzsituationen sozialer Arbeit\" Jorgos Canakakis
SS 88: „Humanes Trauern\" Jorgos Canakakis
WS 88/89: Musikalische Materialien für sozialpädagogische Arbeitsfelder\" Werner Pütz
und
aus dem Gutachten zu meiner Diplomarbeit mit dem Titel:
Mehrdimensionalität, Wandel und Erweiterung der Geschlechter - auf dem Weg zu einer anderen Ganzheit:
„Die Verfasserin gestaltet in dieser Arbeit ein aus vielen Puzzlestücken bestehendes Ganzes, das sich dem Leser erst durch große Konzentration auf die verschiedenen Einzelteile erschließt. Persönlich und doch mit Distanz, ganzheitlich und doch analytisch-zergliedernd, systematisch und doch sprunghaft: die Verfasserin wandelt auf dem schmalen Grat zwischen Extremen, die für sich besehen dem Anspruch einer wissenschaftlichen Arbeit nicht umfassend gerecht würden. Diese Gradwanderung scheint mir doch hervorragend gelungen. (..) Wie immer auch sich die methodologische Diskussion in den Geisteswissenschaften in den nächsten Jahren entwickeln wird, an der in dieser Arbeit dargestellten experimentellen, verständlichen und gleichzeitig adressatenfreundlichen Herangehensweise werden sich die etablierten Verfahren zu messen haben.\"
Nicht nur auf die Note 1,0 war ich stolz (mit der ich überhaupt nicht gerechnet hatte, nachdem ich im Abitur grade mal 3,8 erreicht hatte...), sondern besonders darauf, daß es mir scheinbar gelungen war, all die Fäden, die ich in den Jahres meines Studiums aufgenommen hatte, zu einem Ganzen verwoben zu haben.
Ich fürchte, an einer anderen Hochschule, in einem anderen Studiengang mit anderen Dozenten wäre mir das weder gelungen noch zugestanden worden.
Ich fürchte aber auch, daß ein solches Studium in dieser Art heute sehr schwer geworden ist... Es erfordert Mut, gegen den Strom zu schwimmen, Neugier auf Unbekanntes auch fernab der eigenen Studienordnung und die Ungewißheit auszuhalten, ob sich am Ende daraus ein geschlossenes Ganzes ergibt, aber es fördert auch die Fähigkeit, einen eigenen Weg zu gehen.
© LeaofRafiki 14.08.2003 /18.09.2003
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ACHTUNG FAKERSCHUTZ: Ich poste meine Berichte lieber selber und unter gleichem Nick regelmäßig bei Ciao, häufig bei Yopi, nach dem Relaunch selten Dooyoo, und noch seltener auf irgendwelchen anderen Plattformen, aber dafür vielleicht auf meiner Homepage www.leaofrafiki.de *grins*
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