Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (Taschenbuch) / Christiane F. Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Handlung:  spannend
  • Niveau:  anspruchsvoll
  • Unterhaltungswert:  durchschnittlich
  • Spannung:  hoch
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Stil:  durchschnittlich

Erfahrungsbericht von killforyou

Trauriger Einblick einer Drogensüchtigen

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Allgemein:
Christiana F. ist wohl die berühmteste Drogensüchtige Deutschlands. Zugleich die Autorin und die Hauptfigur des Buches schildert sie, wie es wirklich in einer der härtesten Drogenszenen Deutschlands, dem Bahnhof Zoo, abgeht und versucht dadurch, Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene wachzurütteln.

Klappentext:
Mit zwölf kam sie in einem evangelischen Jugendheim zum Haschisch, mit dreizehn in einer Diskothek zum Heroin. Sie wurde süchtig, ging morgens zur Schule und nachmittags mit ihren ebenfalls heroinabhängigen Freunden auf den Kinderstrich am Bahnhof Zoo, um das Geld für die Droge zu beschaffen. Ihre Mutter bemerkte fast zwei Jahre lang nichts von dem Doppelleben ihrer Tochter. Christiane F. berichtet mit minuzösem Erinnerungsvermögen und rückhaltloser Offenheit über Schicksale von Kindern, die von der Öffentlichkeit erst als Drogentote zur Kenntnis genommen werden. Nach turbulenten Jahren in Amerika und Griechenland lebt die Autorin, inzwischen 4 Jahre alt, wieder in Berlin. Den Kampf gegen die Drogen ha sie immer wieder von neuem geführt - vor Rückfällen ist kaum ein ehemaliger Junkie sicher.

Andere wichtige Drogensüchtige aus dem Buch:
Detlef D., Christianes Freund. Er träumt noch immer davon, mit Christiane ein bürgerliches Leben zu führen.
Lutz F., "Lufo", starb am 25.01.1978. Er gehörte zu Christianes Sound-Clique und imponierte ihr, weil er zunächst nur am Wochenende fixte.
Catherine Sch., "Stella", war Christianes Freundin und wohnte zeitweise mit ihr zusammen. Mit 14 kam sie ins Frauengefängnis Lehrter Straße.
Andreas W., "Atze", starb a, 07.04.1977- Er war der erste Junge, in den sich Christiane verliebte. Er injizierte sich absichtlich eine Überdosis Heroin und hinterließ einen Abschiedsbrief, in dem er alle Jugendliche vor Heroin warnte.
Babette D., "Babsi", starb am 19.07.1977. Sie war Christianes beste Freundin. Die Stieftochter eines berühmten Pianisten war mit 14 Jahren die bislang jüngste Heroin-Tote in Berlin.

Wichtige Schauplätze aus dem Buch:
Die Gropiusstadt vom Rodelberg. Die Plätze, auf dem die Kinder spielten, wurden betoniert, eingezäunt oder mit Verbotsschildern umstellt.
Das evangelische "Haus der Mitte" war Treffpunkt der Jugend von Gropiusstadt. Sein Leiter, Pfarrer Jürgen Quandt, musste hilflos zusehen, wie der Jugendclub auch zum Drogenzentrum wurde.
Im Soundm "Europas modernster Diskothek", kamen ganze Gruppen Jugendlicher und Kinder über weiche Drogen zum Heroin.
Ein verwildertes Grundstück an der Lützöwstraße, in der Nähe des "Sound". Dieser Platz ist Ziel der Männer, die von der Diskothek junge Fixerinnen in ihrem Wagen mitnehmen.
Jugendliche Fixerinnen auf dem "Babystrich" an der Berliner Kurfürsten-Straße. Dreizehn- bis Sechzenjährige bieten sich hier für 20 Mark an.

Statements anderer "Fixer":
Werner H., 21, und Michael S., 21, am U-Bahnhof Kurfürstendamm, der Berliner Fixer-Szene. Werner H.:"Ich habe mit 16 angefangen zu fixen. Drei Jahre war ich im Knast wegen Heroin. Der Bewährungshelfer und der Therapeut hatten danach keine Zeit mehr für mich. Die einzigen Leute, die man kennt, sind auf der Heroin-Szene. Man geht dahin und macht sich wieder einen Druck. Ich habe keine Chancen mehr, ich stecke zu tief drin." Michael S.:"Mit 15 habe ich angefangen. Aber ich will die Hoffnung nicht aufgeben. Ich müsste was kennenlernen, wo ich mich dran festhalten kann, etwas, woran ich glauben kann, dann könnte ich es vielleicht schaffen."
Bärbel W., 21 in dem Stundenhotel "Eisenach"; "Mit 13 habe ich mir den ersten Schuß gesetzt. Das Anschaffen bleibt ekelhaft, aber es ist für Mädchen der einzige Weg, das Geld für die Droge zu beschaffen. Wenn man aufhören will, muss man wissen, wofür. Ich weiß es nicht."
Karin S., 17 vor der Toilette am Bülowbogen, einem Fixer-Treffpunkt:"Ich habe mit 13 angefangen. Als meine Mutter es irgendwann merkte, hat sie mich angezeigt. Sie glaubte im Knast würde ich aufhören zu fixen. Da gab es aber jede Menge Heroin. Wenn man so früh anfängt wie ich, hat man kaum eine Chance."
Livia S. begann mit fünfzehn zu drücken und starb mit achtzehn in einer öffentlichen Toilette am Hansaplatz. In der Tasche der Toten wurde ein Brief an das Sozialamt mit der Bitte um ein Therapieplatz gefunden:"Ich bitte nochmals innig, da jeder überflüssige Tag sozusagen mein Leben kosten könnte. Ich bitte um Ihre Mithilfe, wieder einen gesunden, arbeitsfähigen Menschen aus mir zu machen."
Rudi H., 17, und Dirk L.,18, auf dem Strich im Bahnhof Zoo. Rudi sagt:"Ich drücke seit drei Monaten und muss deswegen anschaffen gehen. Ich wollte aus meinem Leben etwas machen. Das geht jetzt nicht mehr." Dirk drückt seit eineinhalb Jahren:"Einmal hatte ich entzogen und eine Arbeit, aber dann erfuhr der Chef von meiner Vergangenheit und schmiss mich raus. Vor dem körperlichen Entzug habe ich keine Angst, nur vor dem, was danach kommt."

Fazit:
Ein bewegendes Buch, das unter die Haut geht. Auf jeden Fall lesenswert, denn es gehört schon fast zur Allgemeinbildung. Einziger Makel: Man kann sich darüber streiten, ob es wirklich Menschen davon abhält, Drogen zu nehmen, bzw von den Drogen abzukommen.

Danke fürs Lesen & die Bewertungen/Kommentare!
Vlg, killforyou @yopi.de/ciao.de

35 Bewertungen, 1 Kommentar

  • anonym

    04.09.2005, 18:45 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    ....gelesen und den Film geguckt, beides mehrmals, ist sehr gut und eindrucksvoll. Hat mich in meiner Jugend allerdings nicht abgeschreckt, sondern eher neugierig gemacht. LG von MissKnu