Fight Club (DVD) Testbericht

ab 3,55
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Erfahrungsbericht von Filmfreund

Mehr als "nur ein Film"

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Vorwort:
********
Für David Fincher gibt es wohl nichts, was er nicht machen will bzw. kann. Kein Film scheint ihm dabei zu schwer zu sein. Spätestens seit „Sieben“ kennen ihn die meisten. Seine Art und Weise, visuell umwerfende Filme zu produzieren und gleichzeitig auch die Handlung oben zu halten, machen ihn (für mich) zu einem ganz großen in Hollywood.


Inhalt:
*****
Jack (Edward Norton) – vom Beruf Versicherungsagent – hat alles, was man sich vorstellen kann. IKEA-Möbel; und zwar die gesamte Palette; einen guten Job usw. usw.
Aber eins fehlt ihm: Schlaf. Er leidet unter Schlaflosigkeit und er ist einsam. Und um dieses Problem in den Griff zu bekommen, beginnt er – ohne selbst darunter zu leiden – an Selbsthilfegruppen teilzunehmen. Wie z.Bsp. die „Freunde für Hodenkrebs“. Hier erfährt er die Wärme und den Rückhalt, den er schon so lange sucht.

Und wie es so oft kommt im Leben: Er begegnet Tyler Durden (Brad Pitt), der sein ganzes Leben von Grund auf auf den Kopf stellt. Gemeinsam gründen sie den „Fight Club“, einen Club, dessen Zweck nur darin besteht, frustrierte Männer zusammenzubringen, damit sie sich gegenseitig auf die Fresse hauen. Alles scheint gut zu gehen, bis Jack bemerkt, dass es Tyler um weit mehr geht als nur diesen Club. Überall im Lande schießen diese Clubs aus dem Boden – wie Pilze. Tyler hat eine Idee. Und diese hat es wirklich in sich…..


Mehr werde ich aber (wie so oft) nicht verraten.



Meinung: (obwohl zwischendurch immer wieder meine Meinung vorkommt)
************************************************************
Mehr darf ich auch nicht verraten, um nicht zuviel von der Handlung und dem daraus resultierenden – nicht erwarteten – Schluss Preis zu geben.

Bei mir hinterließ der Film nach dem ersten Sehen eine gewisse Sprachlosigkeit.

Der Film hat mich geprägt. Immer und immer wieder schaue ich ihn mir an. Fast kein Tag vergeht, an dem ich nicht denke: Schau ihn dir an. Er hat seine Spuren hinterlassen. Er zieht mich runter, macht mich aggressiv. Lässt mich die Gesellschaft mit anderen Augen betrachten. Auf der anderen Seite aber rafft er mich wieder hoch. Ich kann noch nicht einmal genau sagen, warum er solche tiefe Rillen in meinen Kopf hinterlässt. Er ist krank – was aber nicht heißen soll, das auch ich krank bin *g* und brillant.

David Fincher hat es wieder einmal geschafft. Nachdem ich mir nach „Sieben“ seinen Namen wie beim „Branding“ in meinen Kopf eingebrannt habe, hat er mich mit „Fight Club“ in noch höhere Sphären erhoben.

Fight Club ist für mich mehr als "nur ein Film". Es ist Poesie, der Versuch, die gesamte Zivilisation des Menschen an sich in Frage zu stellen. Und der Film gibt keine konkreten Antworten, weil es keine "absolute Antwort" auf das menschliche Dasein gibt. Also sehr interessant zum diskutieren.



Musik:
*****
Von der ersten bis zur letzten Minute wird der Film von einem sphärischen Sound begleitet. Diesen liefern die Dust Brothers und sie schaffen es wirklich überzeugend, mit ihrer Musik die Handlung und die Stimmung des Filmes einzufangen und festzuhalten.




Darsteller:
********
Gerade für die Frauen unter Euch interessant: Brad Pitt (für Nicolas Cage-Liebhaberinnen tut es mir leid) – der Frauenschwarm – spielt schon seit längerer Zeit nicht nur den soften und liebevollen Mann. Nachdem er schon in „Sieben (unter Fincher)“ und in „12 Monkeys“ gewagtere Rollen spielte, wollte er mit „Fight Club“ nun endlich auch mal Film machen, um damit seinem Saubermannimage zu entkommen. Er bleibt dabei aber glaubhaft und sehr überzeugend. Allerdings wirkt er neben Edward Norton oftmals nur wie ein Neuling. Edward Norton, der auch in skurrilen und peinlichen Situationen ohne Anflug von Kitsch oder Klamauk als Hauptfigur glaubhaft bleibt, fügt sich hervorragend in die psychologische und soziologische Struktur des Films ein.




Film:
****
Für mich erzählt der Film eine Geschichte eines Mannes – vielleicht sogar den heutigen Mann - welcher die Grenzen zwischen tatsächlicher Wahrnehmung und Traum – sprich Realität und Fiktion – verwischt. Er lebt in einer modernen postmodernen anonymen Gesellschaft mit all seinen Vor- und noch mehr Nachteilen. Als ich das Cover damals in meinen Händen hielt und den Titel las, da dachte ich, er wäre sehr brutal. Nunja, viele Szenen handeln von Gewalt. Meines Erachtens aber ist das nicht die Intention des Filmes. Vielmehr ist es ein gesellschaftskritischer Film. Er steigt in die tiefen der menschlichen Psychologie hinab und zeigt, was mit Menschen zum Teil wirklich passiert / passieren kann. Er zeigt all die verdrängten Eigenheiten des menschlichen Daseins auf - wenngleich auch erschreckend.
Und ich erkenne mich hier und da in dem Film auch wieder. Und andere von Euch mit Sicherheit auch, wenn sie nur tief genug in sich horchen. Hat nicht jeder von uns einen kleinen Tyler Durden in sich, der gerne raus möchte ?
Auch in unserer Zeit gibt es eine Reihe von Männern, die mit Anfang 30 (kleineslicht hat dazu noch 2 Jahre Zeit) noch nichts mit Ehe und Familie am Hut haben. Durch zerrüttende Familien haben sie ihre Erziehung mehr durch die Mutter erfahren. Genau wie Jack/Tyler. Was natürlich auch nicht heißen soll, das ein jeder, auf den das zutreffen mag, ein potentieller Psychopath wird oder ist.

Mittlerweile lassen sich im Internet viele Rezensionen (Abhandlungen) über den „Fight Club“ finden. Mit positiver und natürlich auch negativer Wertung (daher würde ich mich auch nicht wundern, wenn die Kommentarvielfalt Ciao´s Server sprengen J). Und damit hätte man genau das geschafft, was ein Film meines Erachtens schaffen muss: Er regt zum Nachdenken und Diskutieren an...

Aber wer auch nicht so mit Interpretationsgedanken Filme anschaut, sei der Film ans Herz gelegt. Er ist trotz allem ein Meisterwerk, der allein wegen seiner Bilderflut, der Musik und nicht zuletzt durch die Leistungen der Hauptdarsteller angesehen werden sollte.

Prägnante Sätze sind in dem Film auch zu Hauf vertreten. Sie sollen Euch ein wenig zum Nachdenken animieren.
· „Die Dinge, die du besitzt, besitzen am Ende dich. Erst wenn du alles verloren hast, hast du die Freiheit, alles zu tun, was du willst.“
· „Du bist nicht dein Job. Du weißt nicht, wieviel Geld du auf der Bank hast. Du bist nicht der Inhalt deiner Brieftasche. Du bist nicht deine Khakihosen. Du bist keine schöne, einzigartige Schneeflocke. Zuerst kannst du nicht mehr einschlafen. Und irgendwann steckst du dir eine Knarre in deinen Mund.“
· „Vielleicht ist Selbstzerstörung die Antwort“
· „Selbstverbesserung ist Masturbation“
· „Wir sind nicht die Sachen, die wir kaufen und konsumieren“
· „Macht kaputt, was Euch kaputt macht“


Mit gekonntem Witz und Selbstironie gespickt, dazu brisant erzählt, blendend fotografiert und geschnitten, sowie grandios geführten Darstellern schuf Regisseur David Fincher einen Film, der in düsteren, surrealen Bildern und bizarren Einfällen schwelgt. Zynischer geht es wohl kaum.





Besonderheiten:
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Schon im Vorfeld hat die Industrie versucht, „Fight Club“ zum Kultfilm zu machen. Das dies nicht gut gehen kann, hat die Vergangenheit oftmals gezeigt. Zumindest ist dieser Film aber nicht in den Mainstram-Bereich hinab gesunken. Viele Metaphern tun ihr übriges, um den Film immer und immer wieder in neue Bahnen zu lenken. Und trotzdem bleibt er eins. Fantastisch...

Und dann gibt es da noch eine Besonderheit. Die Sache mit dem „Big Dick“ (Spoiler!!!!):

Zwischendrin wird uns kurz eine kleine Szene vorgestellt, die zunächst den Anschein erweckt, die Figur des Durden zu charakterisieren. Wer am Ende genau hingeschaut hat, erkennt aber, das hier genau jener dicke Schwanz wieder auftaucht - wenn auch nur für einen Sekundenbruchteil.

Warum?
Das Gesehene (der Film als solcher) ist schockierend genug. Bei genauem Hinsehen, wenn man nämlich das dumpfe Unbehagen, dass der Film hinterlässt, überwunden hat, ist die Absicht für mich eigentlich klar. Es muss sich um einen Aufruf, hinter das Offensichtliche zu blicken, über das Gesehene noch einmal genau nachzudenken. Aber das ist meine Interpretation dieser Szene. Vielleicht habe ich diese auch überbewertet.

Und noch einmal für die Frauen unter Euch. Wer seinen Mann in manchen Situationen noch nicht genau verstanden hat, sollte ihn sich ansehen, da er sich doch im wesentlichen mit der Psyche und den Gefühlen des Mannes auseinandersetzt.


Filminformationen
***************
Land: USA
Jahr: 1999
Originaltitel: Fight Club
Laufzeit: ca. 135min
Darsteller: Edward Norton (Jack), Brad Pitt (Tyler), Helena Bonham Carter (Marla), Meat Loaf (Bob), Jared Leto (Angel) und natürlich weitere
Regie: David Fincher
Produzenten: Art Linson, Cean Chaffin, Ross Grayson Bell
Vorlage: Jim Uhls nach dem Roman von Chuck Palahniuk
Musik: The Dust Brothers
Kamera: Jeff Cronenweth
Spezialeffekte: Alex Mc Dowell, Rob Bottin (Make Up Effects)
Ausstattung: Alex Mc Dowell
Schnitt: James Haygood
Kostüme: Michael Kaplan
Make Up: Julie Pearce
Ton: Ren Klyce
Toneffektschnitt: xxx


DVD-Infos:
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Regionalcode 1 (NTSC)
Tonformate THX-Zertifikat
Französisch Dolby Surround 2.0
Englisch Dolby Surround 2.0
Englisch Dolby Digital 5.1
Untertitel: Spanisch, Englisch
Bildschirmformat: Anamorphic Widescreen 2.40:1

Bomusmaterial:
· 4 Audiokommentare
· Cast & Crew
· 16 „Behind The Scenes“
· 7 Deleted/Alternative Scenes
· 3 US-Trailer
· 18 TV-Spots
· 2 Personal Announcements
· 5 I-Net Spots
· Art Gallery
· Interview mit Edward Norton
· Promotion Gallery
· Booklet mit Auszügen von US-Kritikern

Diese Dinge sind allerdings nur auf der Sonderedition-DVD aus den USA enthalten. Ansonsten hat die in Deutschland erhältliche DVD keinerlei nennenswerte Zusatzmaterialien zu bieten – sehr enttäuschend.


Fazit:
*****
Ein Film, der nachdenklich und mit seinen brillanten Schauspieler Lust auf Film macht. Allerdings mehr für die hartgesotterten unter Euch...
Anmerkung: Vor allem Dinge zweimal anschauen. Denn wenn man vorher weiß, wie es nachher ausgeht, dann ist er umso besser.


So long Euer (gestörter) Filmfreund

38 Bewertungen, 6 Kommentare

  • kasmodiah

    04.06.2002, 02:24 Uhr von kasmodiah
    Bewertung: sehr hilfreich

    etwas strange der film, aber aus diesem grund seh ich mir sawas ja an

  • anonym

    20.05.2002, 15:21 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Einer der wahrscheinlich genialsten Filme von David Fincher. Auch nicht zu brutal geraten. Das Ende war auch sehr überraschend. Deine Meinung ist übrigens auch toll geschrieben.

  • AfuRa

    06.03.2002, 01:58 Uhr von AfuRa
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich liebe solche düsteren Filme, vor allem war auch der Schluss überraschend, angefangen in der Kneipe als der Barman sagt "Sie sind Tyler" Und dann die Rückblicke wie man alles nochmal verfolgen konnte.Stark!

  • Mesalina

    20.02.2002, 22:50 Uhr von Mesalina
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich weiß nicht - ich glaube, für mich ist der Film nichts :) Trotzdem: Weiter so... CU Mesalina

  • BLAUES_WUNDER_74

    20.02.2002, 15:10 Uhr von BLAUES_WUNDER_74
    Bewertung: sehr hilfreich

    Obwohl ich schon 5867 in der Videothek daran vorbeigelaugen bin ... jetzt werde ich ihn wohl schauen! Toller Bericht! Lieben Gruß, BW

  • Maeuschen21

    20.02.2002, 12:05 Uhr von Maeuschen21
    Bewertung: sehr hilfreich

    hey du den habe ich hier irgendwo rumliegn ;o)