Fliege Testbericht

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Erfahrungsbericht von Doris_

Der Pfarrer der Nation

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

An der Beurteilung von Jürgen Flieges Moderationsstil scheiden sich oft die Geister. Die einen lehnen seine Art gänzlich ab (Über keinen Moderator wird so gelästert wie über ihn.), die anderen schätzen sein Verhalten. Es drängt einen geradezu dazu, Stellung zu beziehen, eine Extrembeurteilung zu fällen, obwohl es wohl das ist, was Fliege selbst am wenigsten begrüßen würde. Schließlich ist er stets um Vermittlung bemüht...

Eben dies ist auch ein Punkt, den ich Fliege zugute halten will. Er hebt sich wohltuend von Kollegen bei Privatsendern ab, die in ihren Talkshows oft häufig geradezu auf Konfrontation aus sind. Wir alle kennen sie ja auch, die anderen sogenannten Shows, in denen nur schmutzige Wäsche gewaschen wird. Oft genug ist deren Thema ja schon auf Streit ausgelegt und es scheint fast so, als messe sich der Erfolg einer solchen Sendung daran, wie laut sich die Gäste anschreien. Und falls nicht genug Haßgefühle zutage treten, fühlt sich so mancher Moderator berufen, zusätzlich gezielt zu sticheln bzw. Öl ins Feuer zu gießen - selbstverständlich nicht ohne anschließend scheinheilig zu versichern, man werde die Kontrahenten weiterhin psychologisch begleiten lassen.

Anders ist es dagegen bei Fliege. Er wählt zwar auch des öfteren emotional beladene Themen aus, die allerdings so gut wie nie allein auf Konfrontation spekulieren, sondern auch sachlich interessant sind. Und - oh Wunder, oh Wunder! - offensichtlich kann man damit auch erfolgreich sein. Schließlich ist er nach wie vor auf der Mattscheibe vertreten. Es gibt also offenbar nicht nur sensationsgierige Zuschauer, deren Blutdurst erst dann gestillt ist, wenn sie genug Leid gesehen haben....
Einschränkend muss ich allerdings zugeben, dass Fliege im öffentlich-rechtlichen Fernsehen auch nicht in gleicher Weise dem Druck der Zuschauerquote ausgesetzt ist wie Kollegen auf anderen Kanälen. Ich wage keine Schätzung darüber, ob sich das Konzept im Privatfernsehen ebenso lange hätte halten können.

Und ja, natürlich übertreibt es Fliege mitunter auch mächtig mit seiner Anteilnahme. Dann kann es auch schon mal peinlich werden, wenn der Moderator sich allzu sehr vom "Schmerz" seiner Gäste mitreißen läßt und seinem Talkgast mit einem Mal Probleme "tragen helfen" will, die dieser so gar nicht hat und mitunter nicht einmal nachvollziehen kann. Spätestens wenn dem Zuschauer Zweifel kommen, welche Person (Fliege oder Talkgast) eher des Trostes bedarf, dann läuft da irgend etwas schief. (Und das kann durchaus vorkommen...)
Aber niemand ist perfekt.

Seit der Umstellung des Bühnenbildes auf Einzelsessel mit breiten Armlehnen kommt er seinen Gästen aber allenfalls nur noch emotional gesehen zu nah und nicht mehr körperlich wie früher. Manche Probleme lassen sich eben doch erstaunlich einfach lösen...

Jetzt täte Fliege nur noch ganz gut daran, sich bei einem Rhetorikseminar mal die wirklich ausgesprochen monotone Sprechweise abzugewöhnen - dann wäre wirklich (fast) alles in Butter.

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