Das zweite Gedächtnis. 5 CDs. (Hörbuch) / Ken Follett Testbericht

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Erfahrungsbericht von Gering

Und wieder Spitzenklasse

Pro:

alles

Kontra:

nix

Empfehlung:

Ja

Ken Follett gehört nun schon seit Jahren zu den Autoren, die mit fast jedem Buch, dass sie veröffentlichen, die Bestsellerlisten stürmen. Herausragend darunter waren und sind vor allem seine historischen Romane (Säulen der Erde etc.), begonnen aber hat seiner Erfolgsgeschichte mit dem Agententhriller „DIE NADEL“, die in aller Munde und von allen gepriesen wurde – den ich aber so sterbenslangweilig fand, dass ich erst verspätet auf seine anderen Bücher aufmerksam wurde.
Mit seinem Buch „DAS ZWEITE GEDÄCHTNIS“ kehrt er quasi zu seinen Anfängen zurück. In der Zeit des Sputnik-Schocks lässt er eine Gruppe von Freunden ideologisch den Kalten Krieg spielen.

INHALT

Luke, angeblich Dr. C. Lucas, promovierter Harvard – Mathematiker und Raketenforscher, wacht eines Morgens in einer Herrentoilette auf und sieht nicht nur so aus wie ein Penner, sondern er richt auch so. Sein Pennbruder, der sich Pete nennt, lässt ihn in dem Glauben, dass er schon ewig Pennbruder gewesen ist, denn Luke kann sich an nichts erinnern – sein Gedächtnis ist wie ausgelöscht.
Angeblich habe man am Abend vorher eine Flasche Hochprozentigen gemeinsam gelehrt, wovon Luke in der Tat zumindest körperlich erinnert werden scheint. Ansonsten ist alles weg: Sein Name fällt ihm nicht mehr ein, seine Familie, alles, was für ihn vielleicht einmal wichtig gewesen wäre – alles weg.
Schnell aber fallen Luke Ungereimtheiten auf, als er versucht, sich selbst bzw. seine Erinnerungsspuren, wieder aufzudecken. Denn so findet er es mehr als merkwürdig, dass er beschattet wird. Auch fällt es ihm leicht, sich professionell körperlich zur Wehr zu setzen. Geld und Kleidung zu organisieren, einen Wagen kurzzuschließen – alles kein Problem.
Dass er zumindest kein Durchschnittsbürger ist, fällt ihm in einer Bibliothek auf, wo er Fachbücher durchsieht und ihm auffällt, dass mathematische Formeln für ihn kein Problem darstellen, die Technik von Raketen für ihn allzu verständlich ist. Er schließt daraus, dass er Raketentechniker ist.

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RÜCKBLICK
Vor dem zweiten Weltkrieg studiert Luke mit Anthony, Bern, Elsbeth und Billie in Harvard. Luke und Anthony kommen wie auch Elsbeth aus betuchten Familien, Billie kann nur aufgrund eines Stipendiums studieren. Luke ist mit Elsbeth zusammen, merkt aber bald, dass Billie die Frau ist, die er liebt.
Der Krieg bringt die Freundschaftsbanden ein wenig durcheinander, trotzdem halten sie: Luke und Bern gehen als Agenten nach Frankreich, um den Widerstand zu organisieren. Anthony arbeitet ebenfalls für die OSS (Vorgänger der CIA), verbringt den Großteil des Krieges aber an einem Schreibtisch im CIA Hauptquartier.
Billie arbeitet als Agentin in Lissabon, Elsbeth in London. Dennoch führen sie ihre Wege nach dem Krieg wieder zusammen.
*************

Bei seinen Nachforschungen trifft Luke auf Billie, die ihm hilft, herauszufinden, was ihm zugestoßen ist: Schnell ist der habilitierten Psychologin klar, dass der Gedächtnisverlust bei Luke bewusst hervorgerufen worden ist. Und deutlich wird auch: Mindestens einer aus der Freundesgruppe in Harvard spielt ein doppeltes Spiel und trachtet Luke nach dem Leben.

Auch das Ziel der Aktionen wird schnell klar: Es geht darum zu verhindern, dass die USA im Wettlauf um den Weltraum mit den Russen gleichziehen können.

MEINUNG
Ich bin nicht Ken Follett und deshalb mag der Inhaltsaufriss obern durchaus anstrengend verworrener erscheinen, als er tatsächlich bei der Lektüre ist.
Mit DAS ZWEITE GEDÄCHTNIS legt Follett einen Agententhriller vor, der den Leser so fesselt, dass man das Buch tatsächlich nicht mehr aus der Hand legen kann. Für die 438 Seiten habe ich zwei Tage benötigt – also mag „verschlungen“ das korrekte Prädikat sein.

Und das mag auch an den Zutaten liegen, mit denen das Süppchen gekocht wurde: Liebe und Freundschaft, Verrat, Mord, doppelte Spielchen, Gewissensentscheidungen usw. Alles zusammen werden also Männer und Frauen angesprochen. Aber wie immer ist das Ganze mehr wie die Summe seiner Teile. Die Gesamtwirkung muss stimmen und das tut es hier.

Sicher, Follett bedient sich bei seinen Figuren nicht gerade neuer Beschreibungen. Luke und Anthony beispielsweise sind 37 Jahre alt und natürlich – wie kann es anders sein – durchtrainiert. Luke ist ein Frauenschwarm, aber treu (!!!) und sucht die wahre, große Liebe (wichtig: nicht WAHRE LIEBE!)
. Anthony wiederum überzeugt die Damenwelt durch seine Willen, nicht durch sein etwas liederliches Aussehen. Elsbeth könnte als Hollywood – Schauspielerin durchgehend, Billie wiederum mit ihrer koketten Klappe und den wohlgeformten Linien Männer um den Verstand bringen. Also von wegen Durchschnittscharaktere.
Das muss und soll es aber vermutlich auch nicht sein, denn in den wenigsten erfolgreichen Büchern suchen die Leser tatsächlich einen Abklatsch der langweilig, zum Übergewicht und Ringen unter den Augen neigenden Welt, und so wird halt das Beschrieben, was gelesen werden will.
Und trotzdem: Auch wenn mann und frau es schwer haben dürften, eben die oben beschriebenen Charakteren und Phänotypen in Reinform unter die Haube zu bringen, sie zeigen beim Lesen die erwünschte Wirkung.

Und so hat Follett einen (positiv gemeinten) Schmöker vorgelegt, der einen so ihn seinen Bann schlägt, der so fesselnd und auch logisch aufgebaut ist, dass er mit seinem nur knapp 440 Seiten dann eben doch viel zu kurz geraten ist.


Michael

20 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Striker1981

    10.07.2008, 18:44 Uhr von Striker1981
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH und Liebe Grüße vom STRIKER