Die Säulen der Erde (Taschenbuch) / Ken Follett Testbericht

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Erfahrungsbericht von margy

die säulen der erde

Pro:

jedes wort, daß man nicht verpassen sollte

Kontra:

nichts

Empfehlung:

Ja

Zum Buch:

Diese vollständige Taschenbuchausgabe erschien im Gustav Lübbe Verlag als Hardcoverausgabe. Der Titel der Originalausgabe "The Pillors of the Earth", 1989 von Ken Follett geschrieben. Originalverlag: Macmillion London Limited
1990 erschien die deutschsprachige Ausgabe in der Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co KG in Bergisch Gladbach.
Einbandgestaltung und Illustration: Pencil Corporate Art, Braunschweig, Achim Kiel und Thomas Przygodda
Satz: Kremerdruck GmbH, Lindler, Harlegasse
Druck und Verarbeitung: Ebner & Spiegel, Ulm
ISBN: 3-404-11896-0
Preis: 9,90€
1151 Seiten

1. - 50. Auflage: 1992 - 2001
51. Auflage: 8/2002
52. Auflage: 1/2003

Zum Autor:

Ken Follett, 1949 in Wales geboren, von Beruf Journalist, wurde mit dem Thriller "Die Nadel" weltberühmt. Brilliante Erzählkunst verbindet sich in seinen Romanen mit fundierter Sachkenntnis.
Ken Follett (* 5. Juni 1949 in Cardiff, Wales) ist ein britischer Schriftsteller.

Er wurde 1949 in Cardiff als Sohn von Martin und Veenie Follett geboren. Als er zehn Jahre alt war, zog die Familie nach London.

Er studierte zu Beginn der 1970er Jahre Philosophie am University College London. Danach arbeitete er mehrere Jahre als Journalist und begann, Romane zu schreiben.

Ken Follett wurde durch den Thriller „Die Nadel“ bekannt. Der Roman wurde in 30 Sprachen übersetzt, rund 12 Millionen Mal verkauft und mit dem Edgar Award ausgezeichnet. Verfilmt wurde er mit Donald Sutherland.

Seine Werke sind im Stil der klassischen Thriller-Dramaturgie verfasst.

Verheiratet ist er, in zweiter Ehe, mit Barbara, Abgeordnete des britischen Unterhauses, mit der er sowohl in Chelsea (London) als auch auf dem Land in Hertfordshire lebt.


Verfilmungen:


1980 - Die Nadel (Eye of the needle) – Regie: Richard Marquand
1985 - Auf den Schwingen des Adlers (On wings of eagles) – Regie: Andrew V. McLaglen
1985 - Geheimcode: Rebecca (The key to Rebecca) – Regie: David Hemmings
1993 - Ken Folletts Roter Adler (Red eagle) – nach dem Roman Die Löwen – Regie: Jim Goddard
1997 - Der dritte Zwilling (Ken Follett’s The third twin) – Regie: Tom McLoughlin


Werke:
Der Modigliani-Skandal (en. The Modigliani Scandal, 1976), verfilmt
Das Geheimnis des alten Filmstudios / Die Power-Zwillinge (The Mystery Hideout / The Power Twins, 1976)
Die Spur der Füchse (Paper Money, 1977)
Die Nadel (Eye of the Needle, 1978), verfilmt
Dreifach (Triple, 1980)
Der Schlüssel zu Rebekka (The Key to Rebecca, 1982)
Der Mann aus Sankt Petersburg (The Man from St. Petersburg, 1983)
Die Millionenbeute (Heist of the Century 1978), auch erschienen als
Unter den Straßen von Nizza (Under the Streets of Nice)
Cool - Der Bankraub von Nizza
Die Ratten von Nizza
Auf den Schwingen des Adlers (On Wings of Eagles, 1983), verfilmt
Die Löwen (Lie down with Lions, 1986)
Die Säulen der Erde (The Pillars of the Earth, 1990)
Nacht über den Wassern (Night Over Water, 1992)
Die Pfeiler der Macht (A Dangerous Fortune, 1994)
Die Brücken der Freiheit (A place called Freedom, 1996)
Der dritte Zwilling (The Third Twin, 1997), verfilmt
Die Kinder von Eden (The Hammer of Eden, 1999)
Das zweite Gedächtnis (Code to Zero, 2001)
Die Leopardin (Jackdaws, 2001)
Mitternachtsfalken (Hornet Flight, 2002)
Eisfieber (Whiteout, 2005)
Ken Follett arbeitet zurzeit an einer Fortsetzung von Die Säulen der Erde. Der Englische Titel dieses Sequels ist World without End.

Inhaltsangabe auf dem Buchdeckel:

Der neue, überragende Bestseller des berühmten Autors: Ein mitreißendes Szenarium aus Geschichte, Architektur, Liebe, Grausamkeit und Menschlichkeit.

England 1123 - 1173. Es ist eine Zeit blutiger Auseinandersetzungen zwischen Adel, Klerus und einfachem Volk, das unter Ausbeutung und Not leidet. Philip, ein junger Prior, dessen Eltern von marodierenden Söldnern abgeschlachtet wurden, träumt den Traum vom Frieden, die Errichtung einer Kathedrale gegen die Mächte des Bösen. Er und sein Baumeister Tom Builder, dessen Stiefsohn Jack und die Grafentochter Aliena müssen sich in einem Kampf auf Leben und Tod gegen ihre Widersacher behaupten, ehe Kingsbridge Schauplatz des größten abendländischen Bauwerks, der "Säulen der Erde" wird....

Einteilungen:

- Prolog
- Buch I 1135 - 1136
- Buch II 1136 - 1137
- Buch III 1140 - 1142
- Buch IV 1142 - 1145
- Buch V 1152 - 1155
- Buch VI 1170 - 1174
- Buchvorstellung von Ken Follett "Die Kinder von Eden"

Leseprobe:

Die kleinen Jungen waren die ersten, die zum Richtplatz kamen.
Es war noch dunkel, als sie aus ihren Verschlägen schlüpften. Lautlos wie Katzen huschten sie in ihren Filzstiefeln über den jungfräulichen Schnee, der sich wie Linnen über die kleine Stadt gebreitet hatte, mund entweihten ihn mit ihren Schritten. Ihr Weg führte sie, vorbei an windschiefen Holzhütten und über Sträßchen und Gassen, die von gefrorenem Marsch bedeckt waren, zum stillen Marktplatz, auf dem der Galgen bereits wartete.

Die Jungen verachteten alles, was den Älteren lieb und teuer war. Für Schönheit und Rechtschaffenheit hatten sie nur Hohn und Spott übrig. Sahen sie einen Knüppel, so brüllten sie vor Lachen, und lief ihnen ein verletztes Tier über den Weg, so bewarfen sie es mit Steinen, bis es tot war. Sie waren stolz auf ihre Narben. Besonders angesehen aber waren Verstümmelungen. Ein Junge, dem ein Finger fehlte, konnte es leicht bis zu ihrem Anführer bringen. Sie liebten nichts so sehr wie die Gewalt und liefen meilenweit, um Blut zu sehen.

Und niemals fehlten sie, wenn der Henker kam.

Einer der Jungen pinkelte an das Gerüst, auf dem der Galgen stand. Ein anderer kletterte die Treppen hinauf, griff sich mit beiden Daumen an den Hals und ließ sich fallen wie einen nassen Sack, das Gesicht abstrus verzerrt; die anderen johlten vor Vergnügen und lockten damit zwei Hunde an, die kläffend über den Marktplatz rannten. Einer der jüngeren Burschen biß unbekümmert in einen Apfel, da kam ein älterer, versetzte ihm einen Schlag auf die Nase und nahm ihm den Apfel weg. In seiner Wut ergriff der Kleine einen spitzen Stein und brannte ihm einen der Köter aufs Fell; der jaulte auf und machte sich davon.

Dann gab es nichts mehr zu tun. Die Herde ließ sich auf den trockenen Steinplatten im Portal der großen Kirche nieder und wartete darauf, daß irgendetwas geschah.

Hinter den Fensterläden der ansehnlichen Stein- und Holzhäuser, die den Marktplatz säumten, flackerte Kerzenschein auf. Die Küchenmägde und Lehrbuben der wohlhabenden Händler und Handwerker machten Feuer, setzten Wasser auf und kochten Hafergrütze. Der schwarze Himmel färbte sich langsam grau. Gebeugten Hauptes erschienen die Frühaufsteher in den niedrigen Türen ihrer Häuser und gingen hinab zum Fluß, um Wasser zu holen. Obwohl sie in schwere Mäntel aus grober Wolle gehüllt waren, zitterten sie vor Kälte.

Eine Weile später betrat eine Gruppe junger Männer den Platz - Knechte, Arbeiter und Lehrburschen. Sie lärmten und taten sich groß, vertrieben mit Tritten und Schlägen die Kinder aus dem Portal, lehnten sich selbst gegen die gemeißelten Steinbögen, kratzten sich, spuckten aus und redeten mit aufgesetzter Kaltschnäuzigkeit über den Tod am Galgen.

"Wenn er Glück hat, bricht der Hals gleich beim Fall" sagte einer, "das ist kurz und schmerzlos. Aber wenn er Pech hat und der Hals bricht nicht, dann hängt er am Strick, wird puterrot im Gesicht, und er schnappt nach Luft wie ein Fisch auf dem Trockenen. Bis er dann endlich erstickt." - "Und das kann so lange dauern, wie ein Mann braucht, um eine Meile zurückzulegen!" fiel ein anderer ein, und ein Dritter meinte, es könnte alles noch viel schlimmer kommen, er selbst hätte schon einmal gesehen, wie ein Gehenkter erst gestorben sei, als sein Hals schon eine Elle lang war!

Am anderen Ende des Marktplatzes kamen die alten Weiber zusammen, soweit als irgend möglich entfernt von den jungen Männern, denen jede Grobheit und jedes böse Wort gegenüber ihren Großmüttern zuzutrauen war. Die alten Frauen waren immer schon früh auf den Beinen. Längst brannte das Feuer im Herd und war die Stube gefegt.

Die Witwe Brewster, eine kräftige Person, die sie alle als ihre Wortführerin anerkannten, gesellte sich zu ihnen. Mühelos rollte sie ein Fäßchen Bier vor sich her wie ein Kind seinen Reifen. Kaum machte sie sich daran, es zu öffnen, da standen die Kunden auch schon mit Krügen und Eimern Schlange.

Der Büttel des Vogts öffnete das Haupttor und ließ die Bauern ein, die in den Häuschen vor den Stadtmauern lebten. Einige von ihnen wollten Eier, Milch und frische Butter verkaufen, andere kamen, um sich mit Bier und Brot zu versorgen, wieder andere aber blieben einfach auf dem Marktplatz stehen und warteten auf die Hinrichtung.

Von Zeit zu Zeit verrenkten die Leute die Hälse wie vorsichtige Spatzen und spähten zur Burg hinauf, die auf einer Anhöhe über dem Städtchen thronte. Gleichmäßig stieg der Rauch aus dem Küchentrakt, hie und da blakte Fackelschein hinter den schmalen Fensterschlitzen des Wohnturms auf. Dann - hinter der dicken grauen Wolke mochte gerade die Sonne aufgehen - öffneten sich die mächtigen Holztore, und eine kleine Prozession verließ die Burg. Voran ritt auf einem feinen schwarzen Roß der Vogt, gefolgt von einem Ochsenkarren mit dem gefesselten Delinquenten. Dem Karren folgten drei Reiter, ihre Gesichter waren auf die Entfernung nicht zu erkennen, doch verriet ihre Kleidung, daß es sich um einen Ritter, einen Priester und einen Mönch handelte. Die Nachhut bildeten zwei Bewaffnete.

Sie waren alle dabeigewesen, als tags zuvor im Kirchenschiff Gericht gehalten worden war. Der Priester hatte den Dieb auf frischer Tat ertappt. Der Mönch hatte bezeugt, daß der silberne Kelch dem Kloster gehörte; der Ritter war des Diebes Herr und hatte bestätigt, daß ihm der Bursche davongelaufen sei, und der Vogt hatte das Todesurteil gefällt.

Während die kleine Gruppe langsam den Burgberg heruntergeritten kam, strömten immer mehr Menschen auf dem Marktplatz zusammen und versammelten sich um den Galgen. Zu den letzten, die kamen, gehörten die führenden Bürger der Stadt: der Schlachter, der Bäcker, zwei Ledergerber, zwei Schmiede, der Messerschmied und der Bogner. Und alle brachten sie ihre Weiber mit.

Die Menge sah der Exekution mit gemischten Gefühlen entgegen. Normalerweise genossen es die Leute, dem Henker bei der Ausübung seiner Pflicht zuzusehen, denn die Delinquenten waren meistens Diebe, und Diebe wurden von ihnen, die ihre Habe im Schweiße ihres Angesichtes erwarben, mit unversöhnlichem Haß verfolgt. Der Dieb allerdings, dem es an diesem Tage an den Kragen gehen sollte, war kein gewöhnlicher Dieb. Niemand wußte, wer er war und woher er kam. Er hatte keinen Menschen aus dieser Stadt bestohlen, sondern Mönche in einem zwanzig Meilem entfernten Kloster. Und was er gestohlen hatte, war ein mit Juwelen verzierter Silberkelch von so unermeßlichem Wert, daß es nie im Leben einen Käufer dafür gefunden hätte. Das war schon etwas anderes als der Diebstahl eines Schinkens, eines neuen Messers oder eines guten Gürtels, der für seinen rechtmäßigen Besitzer einen echten Verlust bedeutete. Nein, eines so unsinnigen Vergehens wegen konnten sie den Mann nicht hassen. Gewiß, als der Ochsenkarren mit dem Gefangenen auf dem Marktplatz eintraf, johlten und pfiffen einige, aber es waren im Grunde nur halbherzige Mißfallenskundgebungen. Die einzigen, die den Dieb mit sichtlicher Begeisterung verhöhnten, waren die Gassenjungen.

Von den Bewohnern der Stadt hatte kaum einer an der Gerichtsverhandlung teilgenommen. Gerichtstage waren keine Feiertage und sie alle hatten ihre Arbeit. Sie sahen den Dieb jetzt zum ersten Male. Er war noch ziemlich jung, zwischen Zwanzig und Dreißig, von durchschnittlicher Größe und Gestalt zwar, ansonsten aber eine recht merkwürdige Erscheinung. Seine Haut war so weiß wie der Schnee auf den Dächern, die Augen - von einem leuchtendem Grün - standen vor, und sein Haar war von der Farbe einer geschabten Mohrrübe. Die jungen Mädchen fanden ihn häßlich, den alten Frauen tat er leid, und die Gassenjungen lachten, bis sie umfielen.

Den Vogt kannten die Leute alle. Die drei anderen Männer jedoch, die das Schicksal des Diebes besiegelt hatten, waren Fremde. Der Ritter, ein feister Mann mit strohblondem Haar, war offenbar eine nicht unbedeutende Person, kam er doch auf einem riesigen Schlachtroß daher, das gut und gerne ebensoviel kostete, wie ein Zimmermann in zehn Jahren verdiente. Der Mönch war um vieles älter, fünfzig oder fünfundfünfzig vielleicht, ein hochgewachsener, hagerer Mann, der vornübergebeugt im Sattel saß, als mache ihm die Last des Lebens schwer zu schaffen. Am auffallendsten war der Priester. Er war noch jung, mit scharfgeschnittener Nase und glattem schwarzem Haar. Er trug ein schwarzes Gewand und einen schwarzen Umhang und ritt auf einem dunklen Fuchshengst. Sein Blick war hellwach, so lauernd und bedrohlich wie der einer Katze, die ein Nest mit jungen Mäusen wittert.

Ein kleiner Junge zielte sorgfältig und spuckte dem Gefangenen ins Gesicht - kein schlechter Schuß, denn er traf genau zwischen die Augen. Der Delinquent stieß einen Fluch aus und wollte auf den Spucker losgehen, doch die Seile, mit denen er an beiden Seiten des Karrens festgebunden war, hinderten ihn daran. Der Zwischenfall war nicht weiter bemerkenswert - nur fiel den Leuten auf, daß der Gefangene normannisches Französisch gesprochen hatte, die Sprache der Herren. So war er wohl ein Sproß aus hohem Hausse? Oder bloß ein Ausländer, der von weit her kam? Niemand wußte es.

Der Ochsenkarren zockelte bis zum Galgen und hielt dort an. Mit der Schlinge in der Hand stieg der Büttel des Vogts auf die Ladefläche. Der Gefangene wehrte sich. Die Gassenjungen jubelten, sie wären enttäuscht gewesen, hätte der Mann alles widerstandslos über sich ergehen lassen. Der Gefangene, durch Fesseln an seinen Hand- und Fußgelenken in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt, verstand es dennoch, durch heftige Kopfstöße nach links und rechts der Schlinge zu entgehen. Da trat der Büttel, ein hünenhafter Mann, ein paar Schritte zurück, holte aus und versetzte ihm einen kräftigen Hieb in die Magengrube. Der Fremde krümmte sich; schon war der Büttel zur Stelle, warf ihm die Schlinge über den Kopf und zog den Knoten fest. Dann sprang er vom Karren herab, zog das Seil stramm und befestigte das andere Ende an einem Haken am Grunde des Galgens.

Das war der Wendepunkt. Wenn der Gefangene jetzt noch zappelte, schnürte es ihm um so schneller die Luft ab.

Die Bewaffneten nahmen ihm die Fußfesseln ab und ließen ihn dann allein auf dem Karren stehen, die Hände auf den Rücken gebunden.
Die Menge war auf einmal totenstill.

An dieser Stelle kam es bei Hinrichtungen gelegentlich zu Zwischenfällen. Die Mutter des Verurteilten bekam einen Schreikrampf, oder sein Eheweib sprang in einem letzten verzweifelten Versuch, sein Leben zu retten, mit gezücktem Messer aufs Schafott. Manchmal flehte der Verurteilte Gott um Vergebung an, in anderen Fällen brach er in wüste Verwünschungen gegen seinen Henker aus. Die Bewaffneten nahmen, auf alles gefaßt, zu beiden Seiten des Schafotts Aufstellung.

Da fing der Verurteilte auf einmal zu singen an. Er hatte eine hohe, ganz reine Tenorstimme. Er sang auf französisch, doch selbst jene, denen diese Sprache fremd war, hörten der wehmütigen Weise an, daß sie von Trauer und Abschied sprach.

Ein Lerchenvogel tat sich einst
im Jägernetz verfangen.
Und singt so süß und singt so rein,
als ob der Stimme Zauberklang -
ihn wieder könnt befrein.

Sein Blick ruhte dabei unentwegt auf einer Person inmitten der Menge. Die Leute wichen zurück, so daß sie alsbald für jedermann zu erkennen war.

Es war ein Mädchen, kaum mehr als fünfzehn Jahre alt. Die Menschen auf dem Marktplatz fragten sich, warum sie ihnen nicht schon früher aufgefallen war. Sie hatte langes, dunkelbraunes Haar, das ihr in üppiger Fülle über die Schulter wallte und oberhalb der breiten Stirn einen Wirbel bildete, den man im Volksmund "Teufelsmütze" hieß. Ihre Gesichtszüge waren ebenmäßig, die Lippen voll. Die alten Frauen schlossen aus der fülligen Mitte und den schweren Brüsten sofort, daß das Mädchen schwanger und der Verurteilte der Vater ihres ungeborenen Kindes war. Allen anderen jedoch fielen nur ihre Augen auf. Sie paßten nicht recht zu dem sonst durchaus hübschen Gesicht. Sie lagen tief in ihren Höhlen und waren von außergewöhnlichem, goldenem Glanz. Wer sie ansah, wandte alsbald den Blick wieder ab, denn diese Augen schienen tief ins Herz zu schauen und auch die geheimsten Geheimnisse zu entdecken. Das Mädchen war in Lumpen gehüllt, und Tränen liefen ihre weichen Wangen herab.

Der Ochsentreiber blickte den Büttel erwartungsvoll an und harrte des vereinbarten Kopfnickens. Der unheimliche junge Priester stieß den Vogt voller Ungeduld verstohlen in die Seite, doch der Vogt schenkte ihm keine Beachtung. Er ließ den Dieb weitersingen, und so gelang es dem häßlichen Mann mit seiner schönen Stimme, sich den Tod noch wenige furchtlose Augenblicke lang vom Leibe zu halten.

Es graut der Tag, der Jäger kommt,
um ihm den Tod zu geben.
Es stirbt der Vogel, stirbt der Mensch -
mein Lied wird ewig leben.

Als das Lied zu Ende war, sah der Vogt den Büttel an und nickte. Der Büttel rief: "Hopp!" und hieb dem Ochsen mit einem Seil in die Flanke, während der Ochsentreiber seine Peitsche knallen ließ. Der Ochse zog an, der Mann taumelte, der Wagen glitt ihm unter den Füßen weg, und er fiel ins Bodenlose. Der Henkerstrick spannte sich, und dann brach das Genick des Diebes mit hörbarem Knacken.

Ein Schrei ertönte, und alle starrten die junge Frau an.

Nicht sie hatte geschrien, sondern die Frau des Messerschmieds, das neben ihr stand, sie aber war der Anlaß gewesen: Vor dem Galgen war sie auf die Knie gesunken und reckte die Arme vor, bereit zum Fluch. Die Leute wichen vor ihr zurück, wußte doch ein jeder, daß der Fluch eines Menschen, dem Unrecht geschah, besondere Kräfte besaß. Und daß es bei dieser Hinrichtung nicht mit rechten Dingen zuging - den Verdacht hegten sie ohnehin. Die Gassenjungen packte das Grauen.

Das Mädchen richtete den beschwörenden Blick ihrer hellgoldenen Augen nun auf die drei Fremden - den Ritter, den Mönch und den Priester. Und dann verhängte sie ihren Fluch über sie - furchtbare Worte in hellem, klingendem Ton:

"Krankheit und Sorge, Hunger und Schmerz beschwöre ich auf Euch herab. Euer Haus soll vom Feuer verzehrt werden, und Eure Kinder sollen am Galgen enden. Euren Feinden soll es wohl ergehen, während ihr in Gram und Trauer alt werdet und in Siechtum und Elend dahinfault..." Noch während sie sprach, griff das Mädchen in einen Sack, der neben ihr auf dem Boden lag, und zog einen lebenden Hahn heraus.

Und mit einemmal hielt sie ein Messer in der Hand. Eine einzige rasche Bewegung - da hatte sie auch schon dem Tier den Kopf abgeschnitten, den blutenden Rumpf gepackt und nach dem schwarzhaarigen Priester geschleudert. Das kopflose Tier traf ihn zwar nicht, doch das Blut bespritzte nicht nur den Priester, sondern auch den Mönch und den Ritter, in deren Mitte er stand.

Voller Abscheu und Ekel wandten sich die drei Männer ab, doch das Blut traf sie alle, befleckte ihre Gewänder und zeichnete ihre Gesichter.

Das Mädchen machte kehrt und rannte um ihr Leben.

Die Menge öffnete ihr eine Gasse, die sich hinter ihr wieder schloß. Danach herrschte das reine Chaos, bis es dem Vogt gelang, die Aufmerksamkeit seiner Bewaffneten auf sich zu lenken. Wütend befahl er ihnen, das Mädchen einzufangen. Gehorsam kämpften sie sich durch die Menge, drängten rüde Frauen und Kinder beiseite, doch ehe sie sich´s versahen, war das Mädchen verschwunden. Der Vogt hieß sie weitersuchen, aber er wußte genau, daß sie nicht gefunden würde.

Angewidert wandte er sich ab. Der Ritter, der Mönch und der Priester hatten die Flucht des Mädchens nicht weiter verfolgt. Statt dessen starrten sie allesamt auf den Galgen. Der Vogt folgte ihrem Blick. Der tote Dieb hing am Strick, sein blasses, junges Gesicht bereits blau verfärbt. Unter seiner sanft hin und her pendelnden Leiche drehte der kopflose Hahn in blutbefleckten Schnee zackige Kreise.

Inhalt:

In der Geschichte des 12. Jahrhunderts geht es um eine junge Familie. Der Vater ist Bauherr, seine Frau hochschwanger. Beide haben bereits 2 Kinder. Im Winter bei Eiseskälte, die Familie ist gerade unterwegs auf der Suche nach Arbeit für den Mann, kommt das Neugeborene im Laub des Waldes zur Welt. Die Mutter stirbt. Zuerst wird das Baby zurückgelassen, denn es fehlen die finanziellen Mittel, um das Kind aufzuziehen. Dann aber besinnt sich der Vater eines Besseren. Am Grab der Frau angekommen, sehen er und seine Kinder, daß das Baby verschwunden und nicht mehr auffindbar ist. Mit Entsetzen irren sie weiter umher und mit Hilfe einer jungen Frau findet Tom, der Vater des Neugeborenen, das Baby in einem Kloster wieder. Da ihnen allen die nötigen Mittel fehlen, das Kind großzuziehen, entscheidet sich Tom dafür, es im Kloster zu lassen. Total verarmt und ausgehungert sucht er so lange nach Arbeit, bis er nach monatelanger Suche endlich eine findet. Er soll eine Kathedrale bauen. Das aber verdankt er der Hilfe seines Ziehsohnes.

Meinung:

Es ist einfach nur großartig und fantastisch, solch ein Monumentalwerk eines Schriftstellers zu lesen.

Die Knechtschaft der Leibeigenen vollzieht der Leser mit, die Macht und Herrschaft, die nur aus grober und rauher Gewalt, gepaart mit sehr viel Dummheit und Dreistigkeit besteht. Es geht auch darum, wie sich die ärmsten Bürger mit Überlebenssinn trotz aller Widrigkeiten, Kampfgeist und Köpfchen durch das Leben schlagen, zu großem Reichtum gelangen und dann wieder verarmen.

Auch Treue und Liebe, Not, Elend und Leid, Ungerechtigkeiten, Arglist spielen eine Rolle in dem Roman "Die Säulen der Erde".

Ken Follett geht bei diesem spektakulären Roman in kleinste Details, spannend und flüssig geschrieben, die auch gerade deswegen so dargestellt werden, daß man sich in jede der einzelnen Personen und Figuren einfühlen und eindenken kann, Handlungen, Gefühle, Gesten nachvollziehen kann, manchmal sogar wütend wird wegen der Dreistigkeiten eines nach Macht strebenden Herren.

Erfolge, die gekrönt werden, sind zum Einsturz bzw. Absturz verurteilt, jeder errungene Sieg wird zu einer Niederlage wegen Machenschaften, Neid und Eifersucht, Habgier gepeinigter Gegenspieler.

Nicht ein Wort, ein Satz oder eine Zeile dieser 1151 Seiten waren je langweilig. Mir ging es nie schnell genug, in diesem Buch weiterzulesen, um zu wissen, wie die Geschichte endet. Innerhalb von 4 Tagen hatte ich des Rätsels Lösung und lese es auf jeden Fall mindestens noch einmal.

Das Buch "Die Kinder von Eden", ebenfalls von Ken Follett, ist der nächste Schmöker, den ich mir vorknüpfen werde und auch alle anderen oben aufgezählten Bücher werde ich in Zukunft noch von diesem hervorragenden Autor lesen.

Euch kann ich dieses Buch auf jeden Fall wärmstens empfehlen. Viel Spaß beim Lesen des Buches und meines Berichtes!

15 Bewertungen, 7 Kommentare

  • AndreaBln

    08.08.2007, 22:03 Uhr von AndreaBln
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh..lg andrea

  • Baby1

    08.08.2007, 17:44 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hey, wir scheinen die gleichen Bücher zu lesen grins .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.

  • Kjeldi

    07.08.2007, 06:19 Uhr von Kjeldi
    Bewertung: sehr hilfreich

    KLASSE BUCH UND KLASSE BERICHT

  • LittleSparko

    06.08.2007, 18:53 Uhr von LittleSparko
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg, daniela

  • tozimmer

    06.08.2007, 18:44 Uhr von tozimmer
    Bewertung: sehr hilfreich

    s.h. , lg Tobias

  • Torombolina

    06.08.2007, 10:05 Uhr von Torombolina
    Bewertung: sehr hilfreich

    Super Bericht, SH und LG Tiziana

  • Darkman1208

    06.08.2007, 09:13 Uhr von Darkman1208
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Jan