Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung Testbericht
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Summe aller Bewertungen
- Informationsgehalt:
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- Unterhaltungswert:
Erfahrungsbericht von emmtie
Der Sonntag ist ab jetzt ausgebucht
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gibt es seit dem letzten September-Wochenende 2001 endlich eine bundesweite Lesealternative zu den beiden bisherigen Sonntagszeitungen „Bild am Sonntag“ und „Welt am Sonntag“.
Moment werden jetzt einige sagen; diese Zeitung gibt es doch schon viel länger. Doch bisher wurde die Sonntagsausgabe der FAZ nur im Rhein-Main-Gebiet vertrieben. Mit dem bundesweiten Start am letzten Wochenende war auch eine grundsätzliche Neugestaltung und Ausweitung.
Wer einmal im englischsprachigen Raum in Amerika oder Großbritannien war, wird wissen, dass dort die Sonntagszeitungen der wichtigen Tageszeitungen Kultcharakter haben und meist in Kilogramm aufgewogen werden können. Auch abseits des jeweiligen Tagesgeschehens wird allerlei Interessantes geboten. außerdem gibt es Unmenge von Beilagenheftchen; Kupons etc.
Ganz diesen Umfang hat die neue Sonntagszeitung (das „Frankfurter Allgemeine“ lasse ich ab hier aus Vereinfachungsgründen weg) noch nicht ganz. Aber mit knapp 100 Seiten und zusätzlich noch 16 regionalen Seiten ist das Angebot doch recht üppig.
Aufgeteilt ist die Zeitung in 9 sogenannte Bücher; drunter versteht man die einzelnen zusammenhängenden Teile der Zeitung. Auf diese werde ich jetzt nach dem Lesen der ersten Ausgabe etwas genauer eingehen:
Im Politikteil gibt es natürlich Berichte über die aktuellen Ereignisse. Aber nach der ersten Ausgabe habe ich das Gefühl, dass die Hauptzielrichtung doch eher grundsätzliche Hintergrundinformationen gilt. Es gibt weniger kurze Meldungstexte, dafür mehr längere Analysen und Essays, z.B. über die sich bildende Antiterror-Allianz oder Bushs Rolle als Oberbefehlshaber. Natürlich ist eine Zeitung niemals völlig neutral und auch in der Sonntagszeitung kann man natürlich eine gewisse politische Tendenz erkennen. Doch da die Artikel immer sehr fundiert und aus meiner Sicht trotz allem ausgewogen sind, kann man damit leben.
Der Sportteil ist, wie man es von der FAZ gewohnt ist, ausgesprochen gut und informativ. Neben der ausführlichen Bundesliga-und Sportberichterstattung gibt es z.B. ein Interview mit Beckenbauer oder einen ganzseitigen Vorbericht zum Ironmen Hawai.
Als nächstes kommt das Feuilleton. Dies ist bei der Wochentagsausgabe der FAZ für mich der wichtigste Teil und daher war ich schon sehr gespannt, in wie weit sich die Sonntagsausgabe an der Mutter-Zeitung orientiert. Und zu meiner Freude wird auch in der Sonntagszeitung der Begriff Feuilleton sehr weit gefasst. Neben Theaterpremieren und Romankritiken gibt es auch eine Medienseite, eine Seite die mit Glauben überschrieben ist und einen Bericht über das Testament eines der WTC-Attentäter schreibt und viele allgemeine Reflektionen über Themen wie Markenbewusstsein oder Gepäckkontrolle. Außerdem das Fernsehprogramm für Sonntag und, sehr interessant, einen ganzseitigen Fortsetzungscomic.
Der Wirtschaftteil beinhaltet, wie nicht anderes erwartet, Berichte über das gesamte Spektrum des Themas, z.B. Kritisches über die Einführung einer weltweiten Börsenpolizei, ein Interview mit dem Daimler-Chrysler-Chef, oder die Machthierarchie bei Thyssen-Krupp. Auch hier immer sehr fundiert, aber nicht zu trocken.
Ähnlich wie in der Mutterzeitung gibt es neben der Wirtschaft auch noch einen weiteren Teil, der sich mehr mit Aktien, Börsen etc. beschäftigt, hier mit „Geld & Mehr“ überschrieben. Neben den genannten Themen, einem kurzen Kursteil werden aber auch Bereiche wie Versicherungen oder Wirtschafts-Buchtipps hier untergebracht.
Der nächste Teil ist mit „Gesellschaft“ überschreiben und beinhaltet allgemeine Artikel z.B. über italienische Modeunternehmen, Cognac-Hersteller, mechanische Uhren oder ein Interview mit dem Sänger Paolo Conte. Dieser Teil scheint ein buntes Sammelsurium zu werden, bei dem der Themen-Übergang gerade mit dem Feuilleton scheinbar fließend ist.
Für die Fans der „alten“ Sonntagszeitung wichtig: Die „Herzblatt-Geschichten“ eine als Kult zu bezeichnende ironische Kommentar der in der Woche aufgekommenen Klatsch- und Tratschgeschichten in den diversen Blättern der Yellow Press ist erhalten geblieben und hat hier seinen Platz gefunden.
Im Teil „Wissenschaft“ findet man z.B. Berichte über Tier-Allergien, Satteliten-Technologie, Biowaffen oder auch ethnologische Themen wie der Umgang mit Muslimen in 4 europäischen Bildungssystemen. Sehr interessant und gelungen finde ich die letzte Seite diese Buches. Dort gibt es neben Wissenschafts-Cartoons, einer wissenschaftlichen Rätsel-Ecke, einer Reihe mit Vorstellungen von SF-Romanen außerdem eine Art Experiment. Andreas Eschbach, ein bekannter deutscher SF-Autor, schreibt einen Wissenschafts-Fortsetzungsroman in Echtzeit in den er von Woche zu Woche auch aktuelle Themen einbringen will.
Bleiben in der bundesweiten Ausgabe noch zwei weitere Teile, Reisen/Motor und Immobilen, auf die ich jetzt nicht tiefer eingehen will und die auch zu mehr als der Hälfte jeweils aus Anzeigen bestehen.
Zuletzt gibt es noch zusätzlich für einzelnen Regionen einen eigenen Teil. Soweit ich weiß sind bisher der Rhein-Main-Teil und eine Ausgabe für den Raum München realisiert. Weitere Regionen wie Berlin, Hamburg oder das Ruhrgebiet sollen folgen. Ich als Frankfurter bekommen den Rhein-Main-Teil und hier wird durch einen eigenen kleine Kultur-, Wirtschafts- und Politikteil quasi die Zeitung noch einmal im kleinen abgebildet; aber eben mit regionalem Bezug. Neben Veranstaltungstipps, Regionalsport und Berichten aus dem jeweiligen Gebiet durchaus auch mit grundsätzlichere Themen wie z.B. Flughafen-Sicherheit oder Probleme in Rotlicht-Vierteln. Auch die Schmalenbach-Geschichten aus der „alten“ Sonntagszeitung haben hier ihren Platz gefunden.
Nachdem ich jetzt seit September jede Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung „studiert“ habe, muss ich sagen, das diese Zeitung mich vollauf überzeugt hat. Sie ist zum einen sehr informativ, macht aber zum Glück nicht den Fehler eine einfache Fortsetzung ihrer Wochentagsausgabe zu sein, sondern betrachte vieles nicht nur im Bezug zum aktuellen Tagesgeschehen. Die Artikel sind eher grundsätzlicher Natur und regen zum Nachdenken an. Manche Themen findet man auch überhaupt nicht in der aktuellen Tagespresse, sondern sie sind, scheinbar ähnlich wie in den englischsprachigen Vorbildern, bewusst in eine Wochenendausgabe gelegt worden, da scheinbar gehofft wird, dass man dann mehr Muse hat. Was ich weiterhin positiv finde sind innovative Ideen wie den Wissenschafts-Fortsetzungsroman.
In vielem kann man die Sonntagszeitung weniger mit den direkten Konkurrenten sondern mit einer Wochenzeitung wieder „DER ZEIT“ vergleichen. Sowohl die Struktur der Zeitung als auch die Themenvielfalt und der grundsätzliche Charakter vieler Beiträge macht Lust und Hoffnung auf mehr.
Einen einzigen Nachteil sehen ich bei dieser Zeitung: Wann soll ich mir die Zeit nehmen, dies alles zu lesen? Muss ich jetzt alle Sonntagsaktivitäten einstellen? :-)
Moment werden jetzt einige sagen; diese Zeitung gibt es doch schon viel länger. Doch bisher wurde die Sonntagsausgabe der FAZ nur im Rhein-Main-Gebiet vertrieben. Mit dem bundesweiten Start am letzten Wochenende war auch eine grundsätzliche Neugestaltung und Ausweitung.
Wer einmal im englischsprachigen Raum in Amerika oder Großbritannien war, wird wissen, dass dort die Sonntagszeitungen der wichtigen Tageszeitungen Kultcharakter haben und meist in Kilogramm aufgewogen werden können. Auch abseits des jeweiligen Tagesgeschehens wird allerlei Interessantes geboten. außerdem gibt es Unmenge von Beilagenheftchen; Kupons etc.
Ganz diesen Umfang hat die neue Sonntagszeitung (das „Frankfurter Allgemeine“ lasse ich ab hier aus Vereinfachungsgründen weg) noch nicht ganz. Aber mit knapp 100 Seiten und zusätzlich noch 16 regionalen Seiten ist das Angebot doch recht üppig.
Aufgeteilt ist die Zeitung in 9 sogenannte Bücher; drunter versteht man die einzelnen zusammenhängenden Teile der Zeitung. Auf diese werde ich jetzt nach dem Lesen der ersten Ausgabe etwas genauer eingehen:
Im Politikteil gibt es natürlich Berichte über die aktuellen Ereignisse. Aber nach der ersten Ausgabe habe ich das Gefühl, dass die Hauptzielrichtung doch eher grundsätzliche Hintergrundinformationen gilt. Es gibt weniger kurze Meldungstexte, dafür mehr längere Analysen und Essays, z.B. über die sich bildende Antiterror-Allianz oder Bushs Rolle als Oberbefehlshaber. Natürlich ist eine Zeitung niemals völlig neutral und auch in der Sonntagszeitung kann man natürlich eine gewisse politische Tendenz erkennen. Doch da die Artikel immer sehr fundiert und aus meiner Sicht trotz allem ausgewogen sind, kann man damit leben.
Der Sportteil ist, wie man es von der FAZ gewohnt ist, ausgesprochen gut und informativ. Neben der ausführlichen Bundesliga-und Sportberichterstattung gibt es z.B. ein Interview mit Beckenbauer oder einen ganzseitigen Vorbericht zum Ironmen Hawai.
Als nächstes kommt das Feuilleton. Dies ist bei der Wochentagsausgabe der FAZ für mich der wichtigste Teil und daher war ich schon sehr gespannt, in wie weit sich die Sonntagsausgabe an der Mutter-Zeitung orientiert. Und zu meiner Freude wird auch in der Sonntagszeitung der Begriff Feuilleton sehr weit gefasst. Neben Theaterpremieren und Romankritiken gibt es auch eine Medienseite, eine Seite die mit Glauben überschrieben ist und einen Bericht über das Testament eines der WTC-Attentäter schreibt und viele allgemeine Reflektionen über Themen wie Markenbewusstsein oder Gepäckkontrolle. Außerdem das Fernsehprogramm für Sonntag und, sehr interessant, einen ganzseitigen Fortsetzungscomic.
Der Wirtschaftteil beinhaltet, wie nicht anderes erwartet, Berichte über das gesamte Spektrum des Themas, z.B. Kritisches über die Einführung einer weltweiten Börsenpolizei, ein Interview mit dem Daimler-Chrysler-Chef, oder die Machthierarchie bei Thyssen-Krupp. Auch hier immer sehr fundiert, aber nicht zu trocken.
Ähnlich wie in der Mutterzeitung gibt es neben der Wirtschaft auch noch einen weiteren Teil, der sich mehr mit Aktien, Börsen etc. beschäftigt, hier mit „Geld & Mehr“ überschrieben. Neben den genannten Themen, einem kurzen Kursteil werden aber auch Bereiche wie Versicherungen oder Wirtschafts-Buchtipps hier untergebracht.
Der nächste Teil ist mit „Gesellschaft“ überschreiben und beinhaltet allgemeine Artikel z.B. über italienische Modeunternehmen, Cognac-Hersteller, mechanische Uhren oder ein Interview mit dem Sänger Paolo Conte. Dieser Teil scheint ein buntes Sammelsurium zu werden, bei dem der Themen-Übergang gerade mit dem Feuilleton scheinbar fließend ist.
Für die Fans der „alten“ Sonntagszeitung wichtig: Die „Herzblatt-Geschichten“ eine als Kult zu bezeichnende ironische Kommentar der in der Woche aufgekommenen Klatsch- und Tratschgeschichten in den diversen Blättern der Yellow Press ist erhalten geblieben und hat hier seinen Platz gefunden.
Im Teil „Wissenschaft“ findet man z.B. Berichte über Tier-Allergien, Satteliten-Technologie, Biowaffen oder auch ethnologische Themen wie der Umgang mit Muslimen in 4 europäischen Bildungssystemen. Sehr interessant und gelungen finde ich die letzte Seite diese Buches. Dort gibt es neben Wissenschafts-Cartoons, einer wissenschaftlichen Rätsel-Ecke, einer Reihe mit Vorstellungen von SF-Romanen außerdem eine Art Experiment. Andreas Eschbach, ein bekannter deutscher SF-Autor, schreibt einen Wissenschafts-Fortsetzungsroman in Echtzeit in den er von Woche zu Woche auch aktuelle Themen einbringen will.
Bleiben in der bundesweiten Ausgabe noch zwei weitere Teile, Reisen/Motor und Immobilen, auf die ich jetzt nicht tiefer eingehen will und die auch zu mehr als der Hälfte jeweils aus Anzeigen bestehen.
Zuletzt gibt es noch zusätzlich für einzelnen Regionen einen eigenen Teil. Soweit ich weiß sind bisher der Rhein-Main-Teil und eine Ausgabe für den Raum München realisiert. Weitere Regionen wie Berlin, Hamburg oder das Ruhrgebiet sollen folgen. Ich als Frankfurter bekommen den Rhein-Main-Teil und hier wird durch einen eigenen kleine Kultur-, Wirtschafts- und Politikteil quasi die Zeitung noch einmal im kleinen abgebildet; aber eben mit regionalem Bezug. Neben Veranstaltungstipps, Regionalsport und Berichten aus dem jeweiligen Gebiet durchaus auch mit grundsätzlichere Themen wie z.B. Flughafen-Sicherheit oder Probleme in Rotlicht-Vierteln. Auch die Schmalenbach-Geschichten aus der „alten“ Sonntagszeitung haben hier ihren Platz gefunden.
Nachdem ich jetzt seit September jede Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung „studiert“ habe, muss ich sagen, das diese Zeitung mich vollauf überzeugt hat. Sie ist zum einen sehr informativ, macht aber zum Glück nicht den Fehler eine einfache Fortsetzung ihrer Wochentagsausgabe zu sein, sondern betrachte vieles nicht nur im Bezug zum aktuellen Tagesgeschehen. Die Artikel sind eher grundsätzlicher Natur und regen zum Nachdenken an. Manche Themen findet man auch überhaupt nicht in der aktuellen Tagespresse, sondern sie sind, scheinbar ähnlich wie in den englischsprachigen Vorbildern, bewusst in eine Wochenendausgabe gelegt worden, da scheinbar gehofft wird, dass man dann mehr Muse hat. Was ich weiterhin positiv finde sind innovative Ideen wie den Wissenschafts-Fortsetzungsroman.
In vielem kann man die Sonntagszeitung weniger mit den direkten Konkurrenten sondern mit einer Wochenzeitung wieder „DER ZEIT“ vergleichen. Sowohl die Struktur der Zeitung als auch die Themenvielfalt und der grundsätzliche Charakter vieler Beiträge macht Lust und Hoffnung auf mehr.
Einen einzigen Nachteil sehen ich bei dieser Zeitung: Wann soll ich mir die Zeit nehmen, dies alles zu lesen? Muss ich jetzt alle Sonntagsaktivitäten einstellen? :-)
16 Bewertungen, 2 Kommentare
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03.03.2002, 01:13 Uhr von Raileigh
Bewertung: sehr hilfreichIch muss ja zugeben, dass ich mir aus mehreren Zeitungen immer nur das Feuilleton raussuche, aber wenn über Paolo Conte im Gesellschaftsteil geredet wird, scheint ja der Rest der Zeitung auch einigermaßen mit Geschmack bedacht zu sein.
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18.02.2002, 03:55 Uhr von roma1
Bewertung: sehr hilfreichKlingelt ja sehr interessant!
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