Der Jäger (Taschenbuch) / Andreas Franz Testbericht
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- Niveau:
- Unterhaltungswert:
- Spannung:
- Humor:
- Stil:
Erfahrungsbericht von Turbinefan
Mein vierter Franz
Pro:
Spannend bis zum Schluss
Kontra:
Einige in die Länge gezogene Passagen
Empfehlung:
Ja
ich möchte euch heute den vierten Roman aus der Julia – Durant - Reihe, des Autoren Andreas Franz vorstellen. Es handelt sich um den Roman „Der Jäger“.
Auch wenn der Titel es vermuten lässt, handelt es sich nicht um einen Heimatroman, sondern definitiv um einen spannenden Kriminalroman.
Angaben zum Buch:
Dieser Roman wurde im Jahr 2001 geschrieben.
Ich besitze die Taschenbuchausgabe von 2001, erschienen im Knaur-Verlag.
Preis: 8,95 Euro
Seitenanzahl: 590
ISBN: 978-3-426-61741-0
Der Autor:
Da dieses schon mein vierter Bericht über die Romane des Andreas Franz ist, entnehme ich die Autoren - Daten meinem ersten Bericht.
Andreas Franz wurde 1954 in Quedlinburg (Sachsen-Anhalt) geboren.
Mit 17 Jahren machte er seinen Abschluss in Wirtschaftsenglisch. Sein größtes Hobby war aber die Musik, so dass er sich nach dem Abschluss lieber einer Band anschloss und als Schlagzeuger sein Geld verdiente.
Schon in seiner Jugendzeit begann Andreas Franz Gedichte und Kurzgeschichten zu schreiben.
Heute lebt er mit seiner Frau und fünf Kindern in der Nähe von Frankfurt/Main.
Inhalt
„Manchmal ist es notwendig, Menschen zu töten, damit andere leben können“
Mit diesen Worten versucht der Täter oder die Täterin (ich werde es nicht verraten) eine unglaubliche Mordserie zu entschuldigen bzw. sich von jeglicher Schuld frei zusprechen.
Beginnen wir aber mit dem Prolog, der auch diesmal den Einstieg in diesen Roman bedeutet. Auffällig ist die düstere Atmosphäre (Klischee?), Regen, Sturm und Friedhof.
Ein Mann besucht das Grab seiner Eltern, die er vor 20 Jahren bei einem Verkehrsunfall verloren hat. Anschließend begibt er sich zur Wohnung seiner Geliebten, jedoch ist die Wohnung leer. Außer einem Abschiedsbrief befindet sich nichts mehr in der Wohnung, denn selbst die Möbel hat sie mitgenommen.
Zitate aus dem Abschiedsbrief:
„ Ich werde dich vergessen haben, sobald ich diese Wohnung verlassen habe.“
„ Solltest Du jemals geglaubt haben, ich hätte etwas für dich empfunden oder dich sogar geliebt, so muss ich dich leider enttäuschen. Alles, was ich für Dich empfunden habe, war Mitleid, weil Du im Grunde genommen einfach nur erbärmlich bist.
Aber welche Frau könnte sich schon Deiner Großzügigkeit entziehen. Leb wohl, ich werde es tun".
Zitat Ende!
Nach dieser Demütigung macht er sich auf den Weg zu seiner Frau. Diese ist allerdings nicht zu Hause und er ahnt, sie hat einen Liebhaber.
Nach diesem Prolog stand für mich eigentlich fest, dieser Mann dreht jetzt durch und beginnt sich für die Demütigungen zu rächen. Ob dem so ist?
Der Hauptteil des Romans beginnt zwei Jahre später, am Freitag dem 22. Oktober, mit einer ausführlichen Beschreibung des Mordes an Erika Müller.
Das verheiratete Opfer trifft sich mit einer ihr bekannten Person auf einem Parkplatz und gemeinsam fahren sie in die extrem luxuriös eingerichtete Wohnung der besagten Person. Hier soll Erika Müller ein Erlebnis der besonderen Art haben.
Zitate Seite 14-16
„ Soll ich dir das Schlafzimmer zeigen?“
„Ich bin schon ganz gespannt darauf“, sagte Erika Müller,
die das Gefühl hatte, von Sekunde zu Sekunde schwereloser zu werden, als würde ihre Seele Flügel bekommen. Ihr war ein wenig schwindlig wegen der Aufregung, da sie ihren Mann betrog.
Die ihr noch fremden, aber mit einem Mal doch so vertrauten Hände streichelten ihren Körper. Sie war nackt, sie war schön, ihre Brustwarzen waren erigiert von den Liebkosungen.
Sie genoss die Küsse von den weichen, sanften Lippen, das Gleiten durch eine andere, schönere Welt.
Sie glitt und glitt und glitt - bis der heftige Schlag in den Bauch ihr die Luft raubte, sie schreien wollte, doch kein Laut aus ihren Mund kam.
Ein weiterer Fausthieb zertrümmerte fast ihren Oberarm.
Zunge und Zähne spielten mit ihren Brustwarzen, bis der furchtbarste Schmerz, den sie je erlebt hatte, sie fast ohnmächtig werden ließ.
Dort, wo vor wenigen Sekunden noch ihre Brustwarzen waren, floss jetzt Blut aus zwei kleinen Wunden.
Zitat Ende
Erika Müller musste diese Folterungen zwei Tage lang über sich ergehen lassen, bis ihr die für den Leser unbekannte Person, eine Drahtschlinge um den Hals legte und mit einem kräftigen Ruck zuzog. Erika Müller war tot.
Ich habe jetzt absichtlich diese Textpassagen gewählt, um euch einen Einblick in die Grausamkeit, mit der die Morde verübt werden, zu geben.
Am 25. Oktober wird die Leiche von Erika Müller in einem Waldstück von Frankfurt/ Main gefunden und die Mordkommission Frankfurt mit der Aufklärung betraut. Natürlich tritt hier das Ermittlerteam um Hauptkommissarin Julia Durant in Erscheinung.
Nach der Obduktion stellen Julia und ihre Kollegen fest, dass es bereits vor einem Jahr zwei ähnliche Fälle gab. Damals wurden die Frauen Juliane Albertz und Carola Weidmann nach dem gleichen Muster getötet und aufgebahrt. Bei jeder der drei getöteten Frauen, wurde eine Goldene Nadel entdeckt, die durch die Schamlippen gestochen wurde. Das Ermittlerteam beginnt mit Hochdruck zu ermitteln. Noch am gleichen Tag bekommt Julia Durant eine Vermisstenmeldung auf den Tisch. Bei der Vermissten handelt es sich um Judith Kassner, die von ihrer WG-Mitbewohnerin als vermisst gemeldet wurde.
Nach weiteren Ermittlungen stellen die Beamten fest, dass Judith Kassner neben ihrem Studium als Prostituierte arbeitete. Ein Telefon- und Adressverzeichnis auf ihrem Computer führt die Beamten zu hohen Bediensteten und sehr reichen Leuten. Liegt hier das Motiv für die Morde? Judith Kassner wird später in ihrer „Zweitwohnung“ tot aufgefunden. Die Aufbahrung ist identisch mit denen der anderen drei Frauen, ein Arm am Körper angelegt, ein Arm ausgestreckt, Richtung Südosten zeigend und auch die goldenen Nadel fehlt nicht.
Trotz intensiver Ermittlungen können die Beamten keine Gemeinsamkeiten zwischen den Opfern feststellen. Das Alter der Opfer ist unterschiedlich, die Haarfarbe, die Berufszweige, die Gesellschaftlichen Stellungen…..nirgendwo gibt es einen Anhaltspunkt.
Am Abend des 26. Oktober gehen Julia Durant und ihr Kollege Frank Hellmer nochmals alle Akten durch und stellen fest, es gibt doch eine Gemeinsamkeit. Alle Opfer wurden im Sternzeichen Skorpion geboren und die goldene Nadel soll den Stachel des Skorpions darstellen.
Die Ermittlungen werden nochmals intensiviert, eine Astrologin zu Rate gezogen und es wird ein Profiler beauftragt, ein Täterprofil zu erstellen.
Trotz dieser Bemühungen wird am 27. Oktober die Leiche von Vera Koslowski gefunden.
Einen Tag später wollen die Beamten den Esoteriker Konrad Lewell zu den Opfern befragen, denn es wurde ermittelt, dass Lewell für alle Opfer ein Horoskop erstellte. Die Beamten finden ihn Tod in seiner Wohnung. Was nun? Wie passt der Mord an einen Mann in diese Serie?
Die Mordserie ist damit aber nicht abgeschlossen, denn es werden noch zwei weitere Frauen Opfer von Gewaltverbrechen. Mit Hilfe der Astrologin stellen die Beamten fest, dass die Auffindungsorte der Leichen das Sternbild Orion darstellen.
Die Beamten drehen sich im Kreis und finden keinen Anhaltspunkt der zur Aufklärung der Morde führen könnte.
Erst nach einer Pressekonferenz erhält Julia Durant einen Tipp, der ihr die Lösung des Falles ermöglicht. Dieser Tipp kommt von einem Journalisten der Bild-Zeitung, welch ein toller Einfall Her Franz!
Nur wenige Stunden später ist der Fall gelöst.
Meine Meinung
Eines vorweg, der Roman ist lesenswert und sehr spannend bis zum Schluss.
Andreas Franz schafft es wieder den Spannungsbogen vom Anfang bis zum Ende aufrecht zu erhalten. Er führt den Leser ständig in die Irre, ich möchte behaupten, er spielt mit den Gedankengängen des Lesers und es ist ihm eine Freude, diese Gedanken abstürzen zu lassen.
Im Prolog ist die Rede von einem Mann, der gedemütigt und mit Missachtung gestraft wird. Franz möchte dem Leser einreden, dieser Mann wird die Morde begehen.
Die Schilderung des Mordes an Erika Müller erfolgt dagegen in der dritten Person, ohne direkte Anrede des Täters. Hier kann der Leser schon spekulieren, ob der Täter ein Mann oder eine Frau ist, denn Andreas Franz verrät nicht dessen Geschlecht. Dieser Umstand war für mich besonders spannend und gab viel Freiraum für wilde Spekulationen.
Die Lösung des Falles ist dann sehr überraschend, aber völlig unspektakulär.
Hätten sich die Ermittler mehr mit den Akten der Opfer und deren Vita, sowie die näheren Umstände der Morde befasst, bedurfte es keiner Astrologin, geschweige denn eines Bild-Journalisten.
Was sich Andreas Franz dabei gedacht hat, einen Journalisten als DEN „Tipp-Geber“ einzusetzen, wird wohl sein Geheimnis bleiben.
Für mich ist dieser Umstand eine Ohrfeige für das Ermittlerteam und ihre aufopferungsvolle Arbeit.
Vielleicht benötigte Franz aber auch nur einen Mann, der das unausgefüllte Sexualleben der Kommissarin in Schwung bringt, denn Julia Durant steigt, nach Abschluss der Ermittlungen, mit diesem Journalisten in die Kiste. Wollen wir mal davon ausgehen, dass es nicht nur aus Dankbarkeit geschieht.
In seinen ersten Romanen fanden sich immer wieder Hinweise oder Denkanstöße, die eine Verbindung zum Prolog herstellten. Diese Hinweise fehlen diesmal und der Leser verliert schnell den Bezug zum Prolog, auch weil die Mordserie einfach nicht mehr in die Gedankengänge passt. Wie aus dem nichts, wird der Leser am Ende des Romans noch einmal auf den Prolog aufmerksam gemacht und denkt: ach Ja, da war noch was!
Die Schilderungen der Morde empfinde ich nicht als zu brutal, sie unterstreichen eher den Hass gegenüber den Opfern.
Allerdings muss ich bemängeln, dass Herr Franz diese Schilderung dreimal in ausführlicher Länge zelebriert, obwohl der Tathergang jedes Mal identisch ist. Einmal reicht doch, finde ich jedenfalls. Deshalb und durch andere uninteressante Details wirkt der Roman manchmal künstlich in die Länge gezogen. Wen interessiert schon, ob das Opfer in einem 2x2 Meter großem Bett liegt, ob Bilder unbekannter Maler an der Wand hängen oder ob das Radio eingeschalten ist.
Für mich sehr interessant ist diesmal die Darstellung der Hauptkommissarin Julia Durant. In meinem letzten Franz-Bericht war ich mir schon nicht mehr sicher, ob Julia sympathisch oder unsympathisch wirkt. Diesen Eindruck verstärkt Andreas Franz in diesem Roman. Auf der einen Seite erleben wir eine Frau, die sich neben ihrer Arbeit auch um die Sorgen ihrer Kollegen kümmert, und sich viele Gedanken macht, wie man einem 6-jährigen Kind erklären kann, dass seine Mutter nicht mehr zurückkommt, weil sie ermordet wurde. Auch ihre Lebensart und ihre kleinen Schwächen lassen Julia in einem guten Licht erscheinen.
Unsympathisch macht sie ihre derbe Ausdrucksweise, ihre begrenzte Wortwahl. „Diese gottverdammte Drecksau“ und „Verdammte Scheiße“ sind Schlagwörter, die sie mehrmals am Tag benutzt.
Auch ihr aufgesetztes Gehabe und ihre Respektlosigkeit gegenüber ihrem Chef ist kritikwürdig. Teilweise wird sie als „Herrschsüchtig“ und „Unverbesserlich“ dargestellt.
Dazu kommen ihre Unehrlichkeit gegenüber Vorgesetzten und der Hang zu Alleingängen unter Missachtung von Dienstvorschriften.
Beispiele hierfür sind, das Weitergeben von internen Informationen an die Presse, die Unterschlagung von Schmuckstücken (obwohl sie damit jemanden etwas Gutes tun wollte) und das eigenmächtige Handeln in verschiedenen Situationen.
Im Gegensatz zu seinen ersten Romanen, fehlt diesmal jeglicher Bezug auf religiöse Symbole oder Gemeinschaften. Nicht einmal ein Bibelspruch wird verwendet.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die permanente Darstellung irgendwelcher Sexabenteuer und die kraftvolle Ausdrucksweise der einzelnen Personen. Untreue ist scheinbar das einzige Hobby, dem nachgegangen wird. Jeder geht mit jedem in die Kiste, ohne an Folgen oder Moral zu denken. Wenn dieses „Rummachen“ zur Verdeutlichung der Story dienen sollte, ist dies dem Autor nicht gelungen. Im Gegenteil, diese ständigen Beschreibungen der Sexabenteuer wirken ermüdend und der Leser fängt an, diese Passagen zu Überlesen.
Ein wenig langatmig sind auch die ständigen Wiederholungen im Tagesablauf der Kommissarin. Mehrmals beschreibt uns der Autor wo sie einkauft, was sie einkauft, wann sie badet, was und wann sie isst, wie viel Bier sie trinkt, ob sie laut oder leise rülpst, welche Unterwäsche sie trägt, wie viele Briefe sich im Briefkasten befinden und welche Zeitung sie liest. Der Autor könnte sich hier auf eine einmalige Beschreibung dieser Angewohnheiten beschränken.
Der Schreibstil des Autors ist weitestgehend flüssig, die Story ist gut durchdacht. Die einzelnen Charaktere werden sehr plastisch beschrieben, so dass der Leser sie vor seinem geistigen Auge hat und damit intensiver am Geschehen teilnehmen kann.
Die Privatsphäre des Ermittlerteams (außer Julia Durant) wird, im Gegensatz zu den ersten Romanen, überhaupt nicht beleuchtet. Es scheint alles in bester Ordnung zu sein. Nur der Alkoholmissbrauch des Chefs wird kurz angedeutet.
Auch wenn ich einige Kritikpunkte genannt habe, bleibt es immer noch ein spannender und lesenswerter Kriminalroman. Mir persönlich gefiel der Aufbau des Romans. Auf der einen Seite das Ermittlerteam und ihre Arbeit und auf der anderen Seite „Der Jäger“, immer der Polizei einen Schritt voraus.
Zusammenfassend möchte ich sagen, der Roman ist trotz kleinerer Schwächen empfehlenswert, da diese Schwächen den Lesefluss kaum beeinträchtigen.
Ich bedanke mich für die Lesungen, Bewertungen und Kommentare
36 Bewertungen, 8 Kommentare
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15.07.2010, 16:03 Uhr von cleo1
Bewertung: sehr hilfreichSchöner Bericht. Danke für Deine Gegenlesungen. LG cleo1
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14.07.2010, 11:45 Uhr von Likelihood
Bewertung: sehr hilfreichsuper! freue mich immer über gegenlesungen!
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13.07.2010, 22:56 Uhr von Humpen77
Bewertung: sehr hilfreichSehr schöner Bericht! Gut geschrieben! Lieben Gruß
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12.07.2010, 00:42 Uhr von alicia_
Bewertung: besonders wertvollSuper Bericht, werde mich über Gegenleistungen freuen, LG aus Köln
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12.07.2010, 00:16 Uhr von Pumasun
Bewertung: sehr hilfreichklasse Bericht, schön geschrieben =)
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11.07.2010, 11:29 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichLG und sh Martina
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10.07.2010, 23:27 Uhr von ChrisS91
Bewertung: sehr hilfreichSehr hilfreicher Bericht!
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10.07.2010, 13:38 Uhr von Mondlicht1957
Bewertung: sehr hilfreichSehr hilfreich und sonnige heiße Grüsse aus Berlin
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