Kaltes Blut (Taschenbuch) / Andreas Franz Testbericht

ab 4,54
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Erfahrungsbericht von Turbinefan

Der Engelmacher

Pro:

Spannend, aufwühlend

Kontra:

Zu viele Personen am Anfang

Empfehlung:

Ja

Hallo zusammen,

Nachtrag 17.03.2011. Ich habe heute erfahren, dass Andreas Franz am 13.03.2011 verstorben ist!

ich möchte euch heute den sechsten Roman aus der Julia – Durant – Reihe des Autoren Andreas Franz vorstellen. Es handelt sich um den Kriminalroman „Kaltes Blut“.


Angaben zum Buch:

Dieser Roman wurde im Jahr 2003 geschrieben.
Der Originalverlag ist der Knaur Taschenbuch Verlag in München
Preis: 8,95 Euro
Seitenanzahl: 558
ISBN: 978-3-426-62173-8
Taschenbuchausgabe


Der Autor:

Da dieses schon mein sechster Bericht über die Romane des Andreas Franz ist, entnehme ich die Autoren - Daten meinem ersten Bericht.
Andreas Franz wurde 1954 in Quedlinburg (Sachsen-Anhalt) geboren.
Mit 17 Jahren machte er seinen Abschluss in Wirtschaftsenglisch. Sein größtes Hobby war aber die Musik, so dass er sich nach dem Abschluss lieber einer Band anschloss und als Schlagzeuger sein Geld verdiente.
Schon in seiner Jugendzeit begann Andreas Franz Gedichte und Kurzgeschichten zu schreiben.
Heute lebt er mit seiner Frau und fünf Kindern in der Nähe von Frankfurt/Main.



Inhalt

Selina, 15 Jahre jung, ist begeisterte Reitsportlerin und vernarrt in Pferde. Wie viele Mädchen in ihrem Alter träumt sie von einem eigenen Pferd und einem schönen Leben auf dem Reiterhof. Eines Tages verschwindet Selina spurlos auf ihrem Heimweg und wird zwei Tage später tot aufgefunden.
Da dieses Verbrechen im Zuständigkeitsbereich der Frankfurter Kriminalpolizei geschieht, werden Julia Durant und ihre Kollegen der Mordkommission mit der Aufklärung des Verbrechens betraut.
Schon nach kurzer Zeit zeigen die Ermittlungen erste Erfolge und die Mordkommission glaubt an eine schnelle Lösung des Falles.
Diese Hoffnung schwindet, nachdem ein weiteres Mädchen als vermisst gemeldet wird und die Obduktion von Selinas Leiche ein überraschendes Ergebnis bringt. Selina war schwanger!

Der Vater des Ungeborenen Kindes ist sehr schnell ermittelt, es handelt sich um den Ehemann der Besitzerin des Reitstalles. Ist er aber auch Selinas Mörder?

Noch verwirrender wird die Sache als die Mutter des vermissten Mädchens und der Stallbursche tot aufgefunden werden.
Beide Todesfälle deuten auf eine Selbsttötung hin, aber es kommen Zweifel auf.
Kurz darauf wird auch die Leiche des vermissten Mädchens gefunden. Ihr Körper ist durch 77 Messerstiche entstellt. Erst bei der Obduktion wird festgestellt, dass die Einstiche Flügel darstellen.

Leseprobe Seite 324 / 325

….“ Aber bevor du gehst, kann ich dir sagen, dass du sie wiedersehen wirst – Selina, deine Mama….Ja, du hast richtig gehört, deine Mama ist auch schon dort oben. Wäre es nicht schrecklich gewesen, wenn du nach Hause gekommen wärst und eine tote Mutter vorgefunden hättest?“
…..“ Er nahm das Messer und setzte den ersten Stich direkt ins Herz. Ein kaum merkliches Zucken, das Mädchen war tot. Um zwei Minuten vor halb drei hatte er sein Werk beendet. Er packte seine Fracht in den Kofferraum und fuhr damit bis unmittelbar an den Spielplatz. Er ging mit seinem Paket bis zu einem Gebüsch und legte es ab. Sie würden sie finden, vielleicht heute schon, vielleicht morgen, vielleicht auch erst in ein paar Tagen. Und er konnte sich gut vorstellen, was in den Köpfen dieser beschränkten Polizisten vorging, wenn man sie fand.“
Leseprobe Ende!

Im weiteren Verlauf der Ermittlungen und ständigen Befragungen stoßen Julia und ihre Kollegen auf einen Reiterhof in Frankreich. Alle Mitglieder des heimischen Reiterhofes waren in Frankreich, bevor die Mordserie begann. Was ist in Frankreich geschehen? Liegen die Motive wirklich in dem Besuch des französischen Reiterhofes?
Warum schweigen vor allem die weiblichen Betreuer der Kinder, wenn diesbezüglich Fragen gestellt werden?

Mehr möchte ich zum Inhalt des Romans nicht schreiben, ein wenig Spannung und Neugier soll noch bleiben.



Meine Meinung

Andres Franz bleibt seiner Linie auch im sechsten Julia Durant Roman treu. Er beginnt mit einem Prolog, der so gut wie keine Schlüsse auf den Verlauf der Geschichte zulässt.
Erst Mitte des Romans, als Begriffe aus dem Prolog, wie verschnürtes Paket und Nachtsichtgerät auftauchen, erinnert sich der Leser an diesen Prolog.

Auffallend sind diesmal extrem viele Personen, die vom Autor gleich zu Beginn dem Leser präsentiert werden. Gleich auf den ersten Seiten stellt Andreas Franz alle Mitglieder des Reiterhofes vor. Im ersten Moment ist dies für den Leser anstrengend, weil unübersichtlich.
Erschwerend kommt hinzu, dass der Autor mehrere Familien mit gleichen Nachnamen einbaut. Wenn er vorhatte den Leser gleich am Beginn zu verwirren, ist ihm dieses gelungen. Erstaunlich für mich, er verzettelte sich bis zum Ende des Romans nicht ein einziges Mal.
Ich persönlich habe mich schwer getan in diesen Roman herein zu finden. Häufig musste ich zurück blättern und nachlesen wer mit wem in welchem Zusammenhang steht. Etwa nach einem Fünftel des Romans findet sich aber jeder zurecht. Nur gut, dass mir zumindest schon das Ermittlerteam bekannt war.

Im Gegensatz zu seinen anderen Durant – Romanen, stellt er seine Hauptfiguren diesmal als sehr kauzig, vom Leben betrogen und kraftlos dar. Die Geschichte spielt zwar wieder in einem „Reichenviertel“ Frankfurts, aber Geld, Macht und Herrschsüchtigkeit stehen diesmal nicht im Vordergrund.

Wie immer schenkt uns Andreas Franz sympathische und äußerst unsympathische Personen, überlässt aber dem Leser die Einordnung nach „eigenem Geschmack“.

Nur bei einer Person versucht er dem Leser weis zu machen, dass es sich um einen bemitleidenswerten und vom Leben betrogenen Mann handelt, dem verheirateten Liebhaber der 15-jährigen!! Selina und gleichzeitig Vater des ungeborenen Kindes. Dieses unterstreicht er, in dem er dem Leser mitteilt, es handele sich bei dem ihm um keinen Frauenheld und auch um keinen pädophilen Mann.
Für mich persönlich ein Unding, dass der Autor versucht Verständnis für eine solche Abartigkeit zu wecken.

Auch in diesem Roman legt Andreas Franz viele Spuren, lässt den Leser aktiv an den Ermittlungen teilnehmen und gibt ihm bereits nach wenigen Seiten das Gefühl den Täter zu kennen, wie immer ein Fall von „Denkste“. Auf Grund der hohen Anzahl an Personen entwickeln sich viele Ermittlungsstränge, die selbst das Ermittlerteam in die Irre führen.
Im Laufe der Zeit habe ich versucht bei Franz auch zwischen den Zeilen zu lesen um zwischen echter und gelegter Spur zu unterscheiden. Allerdings gelingt es mir nur selten.
Das hin und her zwischen den Ermittlungs- und Handlungssträngen gehört aber einfach zum Erzähl- und Schreibstil eines Andreas Franz.

In den Beschreibungen der Morde hält sich der Autor diesmal etwas zurück. Gegenüber seinen ersten Durant – Romanen verzichtet er auf die blutrünstige und detailgetreue Schilderung der Taten. Ob dies bewusst geschieht, kann ich nicht beurteilen, gehe aber davon aus.

Was mir beim Lesen besonders auffiel, ist die Tatsache, dass der Mörder sehr oft zu Wort kommt. Franz lässt den Täter sehr viel über die Taten, sein bisheriges Leben, die Motive und seinen Hoffnungen erzählen, ohne Hinweise auf die eigene Identität zu geben.
Der Täter erhebt sich selbst in den „Gottesstand“ um über Tod und Leben oder zwischen Gut und Böse zu entscheiden. Sehr interessant zu lesen!
Der Versuch des Autors Mitleid für den Mörder zu vermitteln, ging allerdings völlig daneben. Meiner Meinung nach liegt das an den vielen Wortmeldungen des Täters und den damit verbundenen Eindrücken.

Auch beim Ermittlerteam gibt es Neuigkeiten zu vermelden.
Hauptkommissarin Julia Durant sieht ihre Beziehung zu dem Bild-Reporter Dominique in Gefahr und ahnt die bevorstehende Trennung. Trotz der nervenaufreibenden Ermittlungsarbeit hat Julia ihren Verbrauch an Zigaretten drastisch verringert und versucht mehr auf ihre Gesundheit zu achten.
Allerdings kommt sie immer noch launisch, dominant und teilweise oberflächlich daher. Dies zeigt sich im etwas respektlosen Umgang mit den Kollegen und Vorgesetzten. Selbst während normaler Befragungen tritt sie arrogant und allwissend auf. Sollte sie doch wieder mehr rauchen um ruhiger zu werden?

Ihr Kollege und Freund Frank Hellmer findet sich immer weniger mit der Rolle als „Mann hinter Julia“ ab. Er trinkt öfter als bisher und ist dem weiblichen Geschlecht sehr zu getan, obwohl er in einer festen Beziehung lebt. Julia versucht ihrem Freund klar zu machen, dass er nicht in ihrem Schatten, sondern mit ihr auf einer Stufe steht. Für mich wirken diese Versuche sehr oberflächlich und unehrlich. Auch werden die Besuche Julias bei den Hellmers immer weniger.
Mir kommt es so vor, als ob Andreas Franz demnächst einen Keil zwischen Julia und Frank treiben will.

Berger, Chef der Mordkommission, lebt neuerdings gesund. Er trinkt keinen Alkohol, ernährt sich bewusst, hat mehrere Kilo an gewicht verloren und raucht nicht mehr. Ob dahinter eine neue Frau steckt?

Der geringere Zigarettenkonsum Julias und das neue Leben Bergers wirken sich positiv auf den Schreibstil des Autors aus. Franz muss nun nicht mehr genau beschreiben welche Marke geraucht, getrunken und verzehrt wird, muss nicht erklären wo sich die Flasche befindet und ob das Brot mit Salami oder Käse belegt wurde. Hier sehe ich eine positive Entwicklung im Schreibstil, weiter so! Der Wegfall dieser teilweise überflüssigen Angaben fördert die Lesbarkeit und der Roman gewinnt an Ernsthaftigkeit.

Es gibt aber auch Kritikpunkte meinerseits. Dem Geschehen auf dem französischen Bauernhof wird sehr wenig Beachtung geschenkt, obwohl sich abzeichnet, dass hier durchaus ein Motiv für die Taten liegen könnte. Warum wurden die französischen Behörden nicht um Amtshilfe gebeten?

Wie schon in anderen Romanen gelingt der Durchbruch erst nach einem anonymen Anruf und die Ermittler erkennen erst jetzt die Zusammenhänge. Hier sollte sich Andreas Franz mal etwas Neues einfallen lassen. Stets sind es andere Personen die Julia den Weg weisen, Außenstehende, ihr Vater oder anonyme Anrufer. Traut der Autor seiner Hauptfigur keine Lösung der Fälle zu oder möchte er damit Julia angreifbar machen?

Natürlich darf auch in diesem Roman die Religion nicht fehlen. Allerdings geht es diesmal weniger um religiöse Rituale, als viel mehr um die Menschen und ihren Glauben an Gott. Franz zeigt schonungslos auf, dass Menschen erst die Nähe zu Gott suchen, wenn ihnen etwas Schreckliches widerfährt oder sie Angst vor sich selber haben.

Ein weiterer Kritikpunkt ist Darstellung der Männer in diesem Roman. Jeder verheiratete Mann wird hier als Pantoffelheld ohne eigene Meinung, ohne A….in der Hose, ohne Selbstbewusstsein, Kinder missbrauchend und beziehungsgestresst abgetan. Alle Frauen stehen hier für das Böse und haben nur ein Ziel, die Vernichtung des Mannes. Für mich völlig übertriebene und unrealistische Darstellungen, die so manche Tat entschuldigen sollen, es aber nicht können.

Fazit:

Ein spannender, durchaus fesselnd geschriebener Roman, wie man ihn von Andreas Franz kennt und erwartet. Ein Buch mit Schwächen und Stärken, die den Lesefluss aber nicht stören.
Trotz der genannten Kritikpunkte gebe ich die volle Punktzahl und spreche eine Empfehlung aus. Allerdings sollten die Leser meiner Meinung nach nicht jünger als 16 Jahre sein.


Vielen Dank für die Lesungen, Bewertungen und Kommentare

37 Bewertungen, 10 Kommentare

  • yeppton

    20.04.2011, 16:09 Uhr von yeppton
    Bewertung: besonders wertvoll

    Super gemacht, Lg Markus

  • catmum68

    20.03.2011, 11:00 Uhr von catmum68
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreicher Bericht, LG

  • morla

    17.03.2011, 23:34 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg. ^^^^^^^^^^^^petra

  • laeuft

    17.03.2011, 19:48 Uhr von laeuft
    Bewertung: sehr hilfreich

    Super berichtet, LG Franz

  • sigrid9979

    17.03.2011, 19:23 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich wünsche einen schönen Tag

  • anonym

    17.03.2011, 17:21 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    leider gar nicht mein (Sport)Thema

  • uhlig_simone@t-online.de

    17.03.2011, 16:00 Uhr von [email protected]
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe grüße v. simone, schau doch mal bei mir vorbei

  • Lale

    17.03.2011, 15:46 Uhr von Lale
    Bewertung: besonders wertvoll

    Allerbesten Gruß *~*

  • anonym

    17.03.2011, 15:11 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Informativ beschrieben - GLG

  • katjafranke

    17.03.2011, 15:10 Uhr von katjafranke
    Bewertung: sehr hilfreich

    Einen lieben Gruß, KATJA