Lillemors Rätsel (Taschenbuch) / Marianne Fredriksson Testbericht

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ab 6,10
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Erfahrungsbericht von Junxmutter

verlorene Erinnerungen und Rätsel

Pro:

spannend und sehr tiefgreifend

Kontra:

braucht Kraft, weil es so tiefgehend ist

Empfehlung:

Ja

Mir ist ein Buch in die Hände gefallen. Von einer Autorin, von der ich schon lange mal ein anderes Buch lesen wollte. Aber statt "Simon" hielt ich nun "Lillemors Rätsel" in den Händen. Ich hatte noch nichts von Marianne Fredriksson gelesen, also war es mir ganz recht, überhaupt etwas von ihr zu lesen.


Erst mal das Technische:

Lillemors Rätsel
von
Marianne Fredriksson

221 Seiten
Fischer Verlag
ISBN: 3 - 596 - 50887 - 8


Und nun zum Inhalt:
(Achtung: ich werde so ziemlich alles aus dem Buch verraten und Geheimnisse lüften. Wer selber lesen will, sollte spätestens nach dem zweiten Absatz aufhören und erst bei der ****-Reihe weiter unten wieder einsetzen. Und: die große Lücke ist Absicht, damit man nicht doch was von oben mitliest. Sie ist kein "Platzschinden"! ).



Lillemor fährt alleine ins Sommerhaus ihrer Familie, um dort lange Spaziergänge machen zu können und in Ruhe an ihrem neuen Buch schreiben zu können, für das sie vor kurzem noch in Griechenland bei einer Freundin und anderswo recherchiert und Interviews mit Frauen geführt hat. Aber kaum dort angekommen, findet sie auf einem einsamen langen Spaziergang eine Tote. Vernünftig, wie sie ist, schafft sie es, zurück zum Haus zu laufen, ohne hysterisch zu werden, und ruft die Polizei.
Die holt erst mal tief Luft, als sie die Leiche sehen. Die Tote ist Lillemor wie aus dem Gesicht geschnitten, sie könnte durchaus ihre Tochter oder jüngere Schwester sein.

Lillemor, wie in der Geschichte immer mehr heraus kommt, psychisch etwas angeschlagen und labil, ist fassungslos. Ob der Mord ihr gegolten hat? Ob der Mörder "nur" die Falsche erwischt hat? Wo kommt dieses Mädchen her? Wie kommt sie in die einsame Bergwelt ausgerechnet in der Nähe von Lillemors Sommerhaus?

Lillemor, die nach außen hin als starke Frau erscheint und offenbar von ihrer Familie auch genau in dieser Funktion gebraucht wird, als der Rückhalt der Familie, aus dem alle Kraft schöpfen, Lillemor nun braucht ihrerseits jemanden, aus dem sie Kraft schöpfen kann. Jeder Streit mit ihrem Ehemann über immer die gleichen Themen, die die beiden seit Jahren offenbar durchkauen und ausfechten, raubt ihr die dringend benötigte Kraft, ihren Kindheitserinnerungen endlich auf die Spur zu kommen.
Lillemor hat nämlich keine. Zumindest keine, an die sie sich bewusst erinnern würde.

Die ermordete junge Frau ist Griechin und die Spur führt bis zu der guten Freundin von Lillemor in die Bergwelt Griechenlands. Die junge Griechin aus Lillemors Schwedisch-Unterricht hat statt der gleichberechtigten Freiheit Schwedens das enge starre und an sich frauenfeindliche Korsett der griechischen traditionellen Gesellschaft gewählt, als sie einen Griechen heiratete und zurück in die Heimat ging. Sophia hat Lillemor nie erklären können, was Tradition und Heimatgefühl für sie waren und sind.

Im Verlauf der weiteren Ermittlungen schreiben sich Lillemor und Sophia einige Briefe und so wird die Geschichte der beiden und ihre Gefühle nach und nach aufgedeckt. Ebenso wie die Geschichte der Toten erzählt wird. Ein griechisch stämmiger Polizeiermittler reist sogar zu Sophia, um mit ihr über die Ermordete zu sprechen.

Während Lillemore immer mehr und immer stärker mit den Geistern ihrer Vergangenheit kämpft, entrollt sich langsam die Geschichte von einem geächteten griechischen Mädchen, einem Italiener, der im Andenken an Kriegszeiten durch Griechenland und Schweden stromerte und offenbar die Frauen im Sturm eroberte.

Auch die Geschichte der Toten und wie sie nach Schweden gekommen ist, wird nach und nach aufgedeckt, der Mörder ist danach leicht zu fassen.

Lillemor jedoch wird mehr und mehr von dem Geist der Toten, die ihr so verblüffend ähnlich sah, besessen. Es zehrt sehr an ihren Kräften, diese Besessenheit vor ihrer Familie so zu verbergen, dass ein geregeltes Familienleben mit den zwei Töchtern noch möglich ist. Nach und nach kommt sie auch den verschütteten Kindheitsgeheimnissen und ihren verloren geglaubten Erinnerungen auf die Spur, spürt das Geheimnis hinter dem Tod ihrer Schwester auf, die dramatische Beziehung, die zwischen ihrem Vater und ihrer blonden schlanken großen - ach so schwedischen - Schwester bestand und verzweifelt schließlich an der Haltung ihrer Mutter, die dem Vater damals völlig hörig und ohne Ehemann dennoch nicht lebensfähig inzwischen in einem Pflegeheim lebt und das Leben außerhalb ihres Kopfes völlig abschottet. Die dringende Frage, wie die Mutter das alles zulassen konnte, kann Lillemor ihr nicht stellen. Sie würde sowieso keine Antwort erhalten.

Als Lillemor am Ende ihrer Kraft ist, fährt sie wieder in das Sommerhaus. Hier will sie den Geist des griechischen Mädchens endlich verbannen und vielleicht auch Erklärungen für das Verhalten ihrer Mutter finden. Und dennoch gelingt es ihr kaum, loszulassen. Da eilt ihr die Ehefrau des Polizisten Enokson, der in dem Mordfall ermittelt hatte, zu Hilfe. Diese Frau ist Pfarrerin und steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden, obwohl sie aus tiefstem Herzen gläubig ist. Sie endlich kann Lillemor helfen, die am Ende ihrer Kraft endlich den Geist und die Besessenheit besiegen kann und wieder sie selbst wird.



























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Meine Meinung:

Mir hat die Sprache der Autorin ausgenommen gut gefallen. Klassisch Skandinavisch ist die Sprache klar und sehr ausdrucksstark, ohne je verschnörkelt zu werden. Klare treffende Worte prägen das Buch.

Marianne Fredriksson ist es unglaublich gut gelungen, Lillemors Gemütszustand einzufangen. Wie die Frau an sich und ihrer Kindheit verzweifelt, sich von der Griechin besessen fühlt und wie sie sich aus dem dunklen Loch der Depression wieder befreien kann, das alles ist unglaublich intensiv und nahe gehend geschildert.

Absolut kein Buch für einen Strandnachmittag oder einen Abend zum Wohlfühlen. Ein Buch zum Miterleben, Mitleiden und Durchleiden. Es ist ergreifend und besitzergreifend, es lässt einen nicht mehr los, wenn man erst einmal zugelassen hat, dass man sich von der Geschichte packen lässt.

Es war ein Buch, bei dem ich immer wieder einige Minuten brauchte, um wieder zu mir zu kommen, wenn ich es denn mal aus der Hand legen musste (und als Mutter musste ich das zuweilen!). Es trifft einen tief beim Lesen, man leidet mit. Man will Lillemor helfen und weiß nicht wie. Man sieht die Romanfiguren, wie sie sich hilflos umkreisen und möchte am liebsten in das Geschehen eingreifen, kann aber nur passiv beobachtend immer weiterlesen.

Das Auf und Ab von Lillemors Geisteszustand wird von Marianne Fredriksson hervorragend wiedergegeben. Auf ganz besonders tiefe dunkle Gedanken folgt plötzlich wieder eine völlig rationale Handlung, der normale Tagesablauf und dann wieder der nächste schreckliche Gedanke. Die innere Zerrissenheit der zentralen Hauptfigur trifft einem beim Lesen fast selbst.

Fazit: lesen, aber nur bei guter geistiger Gesundheit!
Wohl eher nichts für Männer.

Fazit: lesen! Aber wohl nichts für Männer - viel zu sensibel -

27 Bewertungen, 9 Kommentare

  • anonym

    09.06.2008, 22:42 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    schöner Bericht... Lieben Gruß... schneider80

  • anonym

    28.05.2008, 13:47 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh für deinen guten Bericht.LG Bernd

  • Marie_Johanna3972

    24.03.2008, 19:13 Uhr von Marie_Johanna3972
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh & Grüßle

  • golfgirl

    19.03.2008, 22:11 Uhr von golfgirl
    Bewertung: sehr hilfreich

    Lg Dani

  • emanuels

    24.02.2008, 16:10 Uhr von emanuels
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg Emanuel

  • panico

    24.02.2008, 14:40 Uhr von panico
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebste Sonntagsgrüße von panico:-)

  • anonym

    24.02.2008, 10:50 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Damaris

  • bigmama

    24.02.2008, 00:00 Uhr von bigmama
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Anett

  • Mondlicht1957

    23.02.2008, 22:17 Uhr von Mondlicht1957
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreicher Bericht - Dir ein schönes Wochenende. LG pet