Ein sicheres Haus (Taschenbuch) / Nicci French Testbericht

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ab 17,55
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Erfahrungsbericht von catmother

Von Gedächtnisübungen, einer Lüge und viel Betrug

Pro:

leidlich spannend, interessantes Thema

Kontra:

wenig spannend, offenes Ende

Empfehlung:

Ja

Voriges Jahr las ich nach einer Empfehlung auf der ciao-Plattform mein erstes Buch von Nicci French und war begeistert. Deshalb schien es mir nur natürlich, nach einer kleinen Pause wieder mal ein anderes von ihr zu probieren, zumal der Umschlagtext vielversprechend klang.


** Inhalt **
Dr. Samantha Laschen ist Fachärztin für posttraumatische Medizin. Nach dem tragischen Selbstmord ihres Mannes will die Witwe nicht mehr in der Stadt bleiben und zieht mir ihrer 5jährigen Tochter Elsie in ein einsam stehendes Haus auf dem Lande, das Elm House in Essex. Das hat sie allerdings nicht mit ihrem Freund Danny abgesprochen, der darüber recht sauer ist.
Sam will hier zur Ruhe finden und an ihrem Buch über Traumata als Krankheitsbild (sie ist der Meinung, daß man heutzutage das Wort Trauma geradezu inflationär verwendet) arbeiten, bis sie in wenigen Monaten die neu einzurichtende psychiatrische Abteilung des Krankenhauses in der Gegend leiten soll.

Etwa zeitgleich passiert in der Gegend ein grausamer Mord. Das reiche Ehepaar Mackenzie wird von deren Haushälterin schrecklich zugerichtet und ermordet aufgefunden. Auch die halbwüchsige Tochter Fiona schwimmt in ihrem Blut, aber es stellt sich heraus, daß sie zwar verletzt ist, aber überlebt.
Als das Mädchen einigermaßen wieder hergestellt ist, sucht die Polizei nach einer einigermaßen sicheren Bleibe für sie. Auch posttraumatische Betreuung wäre notwendig, denn Fiona verweigert sich, ist (verständlicherweise)verstört und läßt nur ihren Arzt Michael Daley an sich ran

Über eine Bekannte versucht man nun Sam zu überreden, das Kind bei sich aufzunehmen. Die sträubt sich zunächst vehement, läßt sich aber dann doch überzeugen, daß im Grunde ja nichts passieren kann. Und sie erhofft sich für ihr Buch einige hilfreiche Erkenntnisse.

Tatsächlich erweist sich das Zusammenleben mit dem schüchternen Mädchen als nicht allzu schwierig, vor allem, weil sie sich auch schnell mit Elsie anfreundet. Und so ist man inklusive Hausmädchen, Hausarzt und gelegentlich auftauchendem Danny fast wie eine richtig Familie.
Sogar Michael Daley wird allmählich ein willkommener Gast, zumal er Sam in die Gesellschaft der Gegend einführt und nicht nur attraktiv, sondern auch nett ist.

Doch eines Tages findet Sam eine Nachricht von Danny, daß er mit Fiona durchgebrannt wäre. Wie das? Hat sich die Ärztin so in dem Mädchen getäuscht? Und wieso wollte er dann mit ihr nach Paris?

Als das Paar wenig später tot in einem ausgebrannten Auto gefunden wird, stürzt für Samantha eine Welt zusammen.


** Buchkritik **
Ganz generell muß ich sagen, daß ein wenig enttäuscht war von diesem Buch. Ich hatte mir nach meinem Ersterlebnis mit dieser Autorin und nach den zahlreichen guten Kritiken hier auf der Plattform mehr davon versprochen.

Was mir gefiel:
Die Figuren sind unglaublich ausführlich gezeichnet. Von Beginn an lebt man praktisch mit der Hauptperson in einem Haus, beobachtet ihre Arbeit, hat Teil an ihren Stimmungen und Gefühlen, aber auch an Verwirrung und Apathie, an ihren Querelen mit dem Freund und an ihrer Liebe zu ihrer Tochter. Alles in allem ist Sam recht sympathisch, auch wenn sie mir manchmal zickig und schwieriger vorkam, als es nötig gewesen wäre. Vor allem in ihrem Verhältnis zu Danny ist sie eine Nervensäge und das ist der einzige Punkt, wo ich sie nervig fand.

Als Fiona in diese Familienidylle hineinplatzt, vermutet das geschulte Krimi-Hirn schon etwas schreckliches. Aber es will nicht kommen. Im Gegenteil: das Frauen-Haus wird noch stabiler, agiler und beständiger. Auch der reizende Hausarzt tut sein übriges zu der regelrecht einlullenden Atmosphäre. Spätestens an dem Punkt fragt man sich, ob das überhaupt ein Krimi ist.

Allerdings ist hier nicht alles, wie es auf den ersten Blick, sogar auf den zweiten scheint und es gibt immerhin noch einige Überraschungen.

Was mir nicht gefiel:
Das Buch läßt für mich persönlich viel an Spannung vermissen. Wie ich gerade geschrieben habe, kam mir der aufregende Charakter eines Krimis irgendwie bis zum letzten Viertel völlig abhanden.
Erst als Fiona und Danny tot gefunden werden und das ganze nicht viel Sinn macht, kommt etwas Schwung in diese Familienerzählung mit psychologischem Touch. Doch das ist auf den letzten Seiten ziemlich gedrängt und wirken überstürzt.

Das Ende allerdings wirkte auf mich absolut enttäuschend, unfertig, wenn auch vielversprechend für eine Fortsetzung. Ich saß da und dachte „War das jetzt alles?“. Wo ist denn nun der Knaller? Na ja, ich weiß schon, daß man einen Thriller auch so schreiben kann, aber unzufrieden war ich dennoch.

Im Übrigen ist der Titel des Buches irreführend: mit sicheres Haus ist mitnichten ein Gebäude und auch nicht das Haus von Samantha gemeint. Es ist vielmehr eine psychologisch geprägte Gedächtnisübung, die Sam mit ihrer Tochter oft spielt. Es geht um ein in der Vorstellung existierendes Haus, mit dessen Räumlichkeiten man Erinnerungen oder Gegenstände verbindet. Ich habe so etwas mal in einer Infotainment-Sendung gesehen – Gedächtnisakrobaten benutzen so ein System. Eigentlich fast schade, daß im Buch nicht näher darauf eingegangen wird. Denn so hat man irgendwie das Gefühl, dieses Detail schwebt recht nutzlos in der Luft.


** Mein Fazit **
Im Gegensatz zu „Sommermörder“ läßt dieser Krimi hier die so typischen Elemente eines wahren Thrillers fast gänzlich vermissen – ich hatte wenig Spaß daran. Nichtsdestotrotz ist er sicher solide geschrieben und auch raffiniert in seiner Idee, aber mit hat er nicht viel gegeben.
Allerdings wird er mich nicht davon abhalten, mal noch einen dritten Versuch zu wagen.


** Die Autoren **
“Unter dem Pseudonym Nicci French schreiben Nicci Gerrard und Sean French gemeinsam Kriminalromane. Nicci Gerard ist 1958 in Worcestershire/Shropshire, geboren. Sie studierte englische Literatur in Oxford und unterrichtete dann in Los Angeles. Später arbeitete sie als Journalistin beim New Statesman magazine.wo sie ihrem zweiten Mann, Sean French, kennen lernte. Sean French ist 1959 in Bristol geboren. Auch er studierte englische Literatur.“ (http://www.toms-krimitreff.de/french.html)

Mit „Der Glaspavillon“ wurde das Autorenduo bekannt.


*Kurzinfos*
Verlag Goldmann
broschiert 349 Seiten
Preis: 8,45 €
Originalausgabe „A Safe House“ 1997
ISBN: 3-442-43552-8

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